E10 Motorrad tanken: Was erlaubt ist, was Pflicht ist - klar erklärt

Du stehst an der Zapfsäule, der Schlauch in der Hand, und über den Hähnen kleben kleine schwarz-weiße Symbole: „E5“ im Kreis, „E10“ im Kreis, daneben „Super Plus“. Welcher davon darf in deinen Tank? Genau diese Sekunde des Zögerns kennt fast jeder, der ein älteres oder ein vergasergetriebenes Bike fährt. Und wer beim Thema E10 Motorrad tanken nur mit den Schultern zuckt und „passt schon“ denkt, riskiert im schlimmsten Fall gequollene Dichtungen und Korrosion im Vergaser. Wer an derselben Säule zusätzlich die Oktanzahl verwechselt, holt sich ein zweites, davon völlig unabhängiges Problem ins Haus: einen Motor, der klingelt, bis etwas bricht. Zwei Entscheidungen, zwei verschiedene Schäden - deshalb sortieren wir sie hier auch getrennt.

Lass uns das sauber auseinandernehmen. Was bedeuten die Symbole wirklich, was sagt die Oktanzahl aus - und warum die bequeme Pkw-Faustregel für Motorräder schlicht nicht taugt.

E5, E10, Super Plus - was die Symbole an der Säule bedeuten

Die kleinen Kringel an der Zapfsäule sind kein Marketing, sondern eine EU-einheitliche Kennzeichnung. „E5“ heißt: Der Sprit enthält bis zu 5 % Ethanol. „E10“ heißt: bis zu 10 % Ethanol. Beides ist „Super“ und hat nach der Kraftstoffnorm EN 228 eine Klopffestigkeit von mindestens ROZ 95. „Super Plus“ liegt bei mindestens ROZ 98. Das „mindestens“ ist wichtig - es sind Untergrenzen, keine exakten Punktwerte.

Der einzige handfeste Unterschied zwischen E5 und E10 ist also der Ethanolanteil. Nicht die Oktanzahl, nicht die „Leistung“, nicht irgendein Reinigungseffekt, mit dem manche Tankstellen werben. Beide Sorten sind ROZ-95-Super - die eine mit weniger, die andere mit mehr Ethanol im Gemisch.

Auf dem E10-Zeichen steht übrigens mehr als nur die Sorte. Die Verordnung, die diese Kennzeichnung regelt, schreibt den Wortlaut vor - und der ist für dich gemacht: „Enthält bis zu 10 % Bioethanol“ muss dort stehen, und dazu wörtlich „Verträgt Ihr Fahrzeug E10? Herstellerinformation einholen! Im Zweifel Super oder Super Plus tanken!“

Lies das noch einmal. Die Zapfsäule fordert dich selbst auf nachzuschlagen, und sie sagt dir auch, was du tun sollst, wenn du es nicht weißt. Auf dem E5-Zeichen fehlt dieser Satz, weil er dort nicht gebraucht wird. Wer also an der Säule zögert, macht nichts falsch - er tut genau das, was auf dem Aufkleber steht.

Premiumsorten gehen darüber hinaus, teils bis ROZ 100. Für dich sind sie nur dann ein Thema, wenn dein Handbuch eine höhere Mindest-ROZ verlangt - warum, steht gleich im nächsten Abschnitt.

ROZ und Oktanzahl: Klopffestigkeit ist kein Leistungs-Booster

Hier räumen wir mit dem hartnäckigsten Irrtum auf. ROZ steht für Research-Oktanzahl, und die misst exakt eine Sache: die Klopffestigkeit. Also wie gut der Kraftstoff einer unkontrollierten Selbstentzündung widersteht, bevor die Zündkerze zündet.

ROZ ist keine Maßzahl für Leistung. Eine höhere Oktanzahl macht dein Motorrad nicht stärker, nicht durstiger nach Drehzahl, nicht spritziger. Sie nützt nur dann etwas, wenn dein Motor sie tatsächlich verlangt - sprich, wenn der Hersteller eine bestimmte Mindest-ROZ vorschreibt, weil die Verdichtung oder das Zündkennfeld es so wollen. Tankst du Super Plus in ein Bike, das mit ROZ 95 zufrieden ist, verbrennst du nur mehr Geld. Spürbar passiert nichts.

Andersherum wird es ernst. Tankst du unter der vom Hersteller geforderten Mindest-ROZ, droht Klingeln und Klopfen - diese unkontrollierte Verbrennung, die du im schlimmsten Fall als metallisches Nageln hörst. Dauerhaft frisst das die Kolben, die Lager und im Extremfall den ganzen Motor an.

Sicherheitshinweis: Geh nie unter die ROZ, die dein Hersteller fordert. Steht im Handbuch oder am Tankdeckel „mindestens ROZ 95“, dann ist 95 die Untergrenze, nicht eine Empfehlung. Zu niedrig getankt heißt Klopfen - bis hin zum Motorschaden.

Die Frage „E5 oder E10“ hat mit der Oktanzahl also gar nichts zu tun. Beide sind ROZ-95-Super. Die eigentliche Frage ist: Verträgt dein Motorrad den höheren Ethanolanteil?

Warum die Pkw-Faustregel beim Motorrad versagt

Beim Auto kennen viele die Daumenregel: „Ab Baujahr 2010 oder 2011 ist alles E10-tauglich.“ Für Pkw mag das als grobe Orientierung taugen. Beim Motorrad ist diese Regel gefährlich, weil sie eine Sicherheit vorgaukelt, die es so nicht gibt.

Der Grund ist allerdings nicht, dass das Baujahr am Motorrad keine Rolle spielt. Er ist ein anderer, und er wird selten sauber ausgesprochen: Jede Marke hat ihr eigenes Baujahr.

Nachlesen lässt sich das in der Liste, die die Hersteller über die Deutsche Automobil Treuhand veröffentlicht haben - dort steht jede Aussage im Wortlaut des jeweiligen Herstellers. BMW schreibt, dass sich E10 in allen Zweirad-Modellen sämtlicher Baujahre unbedenklich einsetzen lässt. Harley-Davidson zieht die Linie beim Modelljahr 1980 und empfiehlt darunter Super Plus. Yamaha nennt das Modelljahr 1990. Suzuki setzt sie bei 2002 - und hält zusätzlich ausdrücklich fest, dass alle Krafträder bis einschließlich Modelljahr 1991 nicht für E10 geeignet sind.

Vier Marken, vier Jahreszahlen, zweiundzwanzig Jahre Spanne - von „alle“ bis „erst ab 2002“. Eine einzige Zahl für alle Motorräder kann es da nicht geben. Genau daran scheitert die Pkw-Regel, nicht daran, dass Jahreszahlen grundsätzlich nichts taugen.

Und ein paar Hersteller fallen ganz heraus. Für MZ, Sachs Bikes und Moto Morini steht in derselben Liste schlicht, dass die Fahrzeuge nicht E10-geeignet sind - ohne Baujahr, ohne Ausnahme. Bei MZ kommt ein Fall dazu, der zeigt, wie kleinteilig das Thema wird: Steckt in deiner MZ ein Fremdmotor, etwa Rotax in den 500ern oder Yamaha in den 660ern, verweist der Hersteller an den Motorenbauer weiter.

Warum die Alten überhaupt empfindlicher sind, ist schnell erzählt: Ein Vergaser mit Schwimmernadel, Dichtungen und feinen Kanälen liegt offener als eine Einspritzanlage mit ethanolfesten Werkstoffen. Und in einem Motorrad, das vor zwanzig Jahren konstruiert wurde, stecken Gummiteile, an die bei der Entwicklung niemand mit Blick auf zehn Prozent Ethanol gedacht hat.

Was Ethanol konkret anrichten kann: Es lässt bestimmte Dichtungen und Gummiteile quellen, macht sie weich oder spröde. Es kann Aluminium und andere Bauteile angreifen, also Korrosion fördern. Was beim einen Motor folgenlos bleibt, lässt beim anderen die Schwimmernadel klemmen oder den Dichtungssatz aufgeben. Welche Werkstoffe in deinem Motorrad stecken, weiß am Ende nur der Hersteller - und genau deshalb steht seine Jahreszahl in der Liste und nicht die Faustformel aus dem Auto-Forum.

Ethanol und Standzeit: das hygroskopische Problem

Jetzt der Punkt, der gerade Saisonfahrer und Sammler betrifft. Ethanol ist hygroskopisch - es zieht Wasser an. Aus der Luft, durch den belüfteten Tank, über die Standzeit hinweg.

Bei langer Standzeit kann sich E10 dadurch entmischen. Fachleute nennen das Phasentrennung: Das wasserhaltige Ethanol-Gemisch setzt sich unten ab, das eigentliche Benzin schwimmt oben. Was du dann im Tank hast, ist kein homogener Kraftstoff mehr, sondern eine wässrige, korrosive Schicht am Tankboden - genau dort, wo der Sprit zum Vergaser oder zur Pumpe abgesaugt wird. Im Frühjahr springt das Bike dann schlecht an, läuft unrund oder gar nicht, und im Vergaser sitzen Ablagerungen.

Wie lange dauert das? Eine harte Norm gibt es nicht. Als groben Praxiswert - Erfahrung, keine verbindliche Zahl - solltest du bei ethanolhaltigem Sprit mit wenigen Monaten rechnen, bevor das Thema kritisch wird.

Ob E5 dabei besser dasteht als E10, wird gern behauptet - in beide Richtungen. Wir lassen es bewusst offen, denn hier laufen zwei Effekte gegeneinander: Der höhere Ethanolanteil zieht Wasser schneller an, hält aber auch mehr davon in Lösung, bevor sich das Gemisch überhaupt trennt. Welcher der beiden über einen Winter die Oberhand behält, hängt an Tankbelüftung, Luftfeuchte und den Temperaturwechseln in deiner Garage. „E5 steht besser“ taugt deshalb genauso wenig als Faustregel wie das Gegenteil.

Die gute Nachricht daran: Was du dagegen tust, ist in beiden Fällen dasselbe. Darum geht es im nächsten Abschnitt.

Richtig einwintern: Tank, Stabilisator und das Vorgehen

Wenn dein Motorrad über den Winter steht, entscheidet die Vorbereitung darüber, was dich im Frühjahr erwartet. Zwei Lager streiten hier seit Jahren: Tank voll oder Tank leer?

Für „Tank voll“ spricht der Korrosionsschutz. Ein randvoller Tank lässt kaum Luft und damit kaum Feuchtigkeit im Behälter, an der sich an den Innenwänden Rost bilden könnte - besonders relevant bei den klassischen Stahltanks älterer Bikes. Der Haken: Steht der volle Tank monatelang, hast du genau die Menge Sprit drin, die altern und Wasser ziehen kann. Bei „Tank leer“ drehst du die Logik um - wenig Sprit, der schlecht werden kann, dafür mehr blanke Innenfläche, die bei Stahltanks gammeln kann.

Der pragmatische Mittelweg für die meisten: Tank gut füllen und einen Kraftstoff-Stabilisator zugeben. Stabilisatoren sind Additive, die das Altern und die Wasseraufnahme bremsen sollen. Das Vorgehen ist simpel: Stabilisator nach Dosieranleitung in den noch nicht ganz vollen Tank geben, dann auf das gewünschte Niveau auftanken, damit sich das Mittel im ganzen Tank verteilt. Anschließend den Motor ein paar Minuten laufen lassen, damit das stabilisierte Gemisch auch in den Vergaser oder das Einspritzsystem und die Leitungen gelangt - sonst behandelst du den Tank, aber nicht die Bauteile, die als Erstes verharzen.

Hast du ein vergasergetriebenes Bike und planst eine sehr lange Pause, ist das Ablassen des Vergasersprits über die Ablassschraube der Schwimmerkammer oft die saubere Lösung. Dann steht dort schlicht kein Kraftstoff, der eindicken und die Düsen zusetzen kann. Welcher Weg für dein Modell der richtige ist, steht - du ahnst es - im Handbuch.

Was du dir sparen kannst: das Bike alle paar Wochen kurz im Hof anwerfen, in der Hoffnung, „den Sprit umzuwälzen“. Ein kalter Kurzlauf bringt den Motor nicht auf Temperatur, treibt aber Feuchtigkeit ins Öl und ins Auspuffsystem - du handelst dir eher neue Probleme ein, als alte zu lösen. Entweder du fährst das Bike richtig warm und ordentlich, oder du lässt es sauber vorbereitet stehen. Halbe Sachen sind beim Einwintern der schlechteste Kompromiss.

Symptome und Folgekosten: was ein Ethanolschaden wirklich kostet

Wie merkst du, dass Ethanol oder Standzeit zugeschlagen haben? Die typischen Anzeichen: schlechtes Anspringen nach dem Winter, unrunder Leerlauf, Leistungsloch, ein Motor, der bei niedriger Drehzahl absäuft. Bei Vergasern verraten sich Ablagerungen oft durch verstopfte Leerlaufdüsen - das Bike läuft erst, wenn du Gas gibst, geht im Stand aber aus.

Die Folgekosten hängen am Schadensbild. Eine reine Vergaser-Reinigung mit Ultraschallbad und neuen Dichtungen ist die mildeste Variante. Quellen die Gummiteile, brauchst du einen Dichtungssatz - bei Mehrzylindern mit mehreren Vergasern summiert sich das schnell, weil jeder Vergaser zerlegt, gereinigt und neu abgedichtet werden will. Hat Wasser im Tank gestanden und Flugrost angesetzt, kommt die Tankreinigung oder im Extremfall eine Tankversiegelung dazu. Das ist die Ethanol-Rechnung. Die zweite Baustelle aus der Einleitung, die zu niedrige Oktanzahl, spielt in einer ganz anderen Liga: Wer dauerhaft unter der geforderten ROZ fährt, redet am Ende über Kolben, Lager und im schlimmsten Fall einen Rumpfmotor.

Das alles ist vermeidbar. Die richtige Sorte tanken, vor langer Standzeit stabilisieren und im Zweifel nachschlagen kostet ein paar Minuten und ein paar Euro. Eine Vergaserüberholung kostet ein Vielfaches.

Die E5-Pflicht: was der Gesetzgeber garantiert

Praktisch gefragt: Bekommst du überhaupt noch E5, wenn dein Bike kein E10 verträgt? In Deutschland ist das keine Frage des Angebots, sondern eine Vorschrift - und das ist die eine echte Pflicht in diesem ganzen Thema.

§ 3 der 10. BImSchV verpflichtet jeden, der Super mit mehr als fünf Volumenprozent Ethanol anbietet, an derselben Abgabestelle auch Super mit höchstens fünf Volumenprozent bereitzuhalten. Für Super Plus gilt derselbe Satz noch einmal. Wo E10 aus dem Hahn kommt, muss E5 danebenstehen - das ist der Grund, warum die beiden Sorten an fast jeder Säule nebeneinander hängen, und nicht die Freundlichkeit des Betreibers.

Eine Ausnahme gibt es, und sie trifft ausgerechnet die Kleinen: Wer im Durchschnitt der beiden Vorjahre weniger als 500 Kubikmeter Ottokraftstoff abgegeben hat, ist von dieser Pflicht befreit. Die Tankstelle am Ende des Tals darf also legal nur eine einzige Super-Sorte führen. Wenn du mit einem Bike unterwegs bist, das kein E10 verträgt, ist das die Stelle, an der du hinschaust, bevor der Hahn im Stutzen steckt.

Beim Preis gilt: E10 ist meist die günstigste Super-Sorte, E5 liegt darüber, Super Plus noch ein Stück höher. Der ADAC beziffert den Vorsprung von E10 gegenüber E5 derzeit auf sechs Cent je Liter. Bei einem Motorradtank von 15 bis 20 Litern ist das rund ein Euro pro Füllung.

Von diesem Euro geht allerdings etwas wieder ab, und das steht selten dabei: Ethanol trägt weniger Energie als Benzin, entsprechend liegt der Verbrauch mit E10 nach ADAC-Messungen rund ein bis anderthalb Prozent höher. Der Vorteil an der Säule ist also real, aber kleiner als die Anzeige suggeriert.

Für ein Bike, das kein E10 verträgt, ist die Rechnung ohnehin eine ganz andere. Ein Euro pro Tankfüllung gegen eine Vergaserüberholung - das ist die günstigste Versicherung in diesem ganzen Artikel.

Hinter der Grenze: Österreich tankt anders als Deutschland

An der Grenze endet diese Pflicht. In Österreich ist Super 95 vielerorts längst E10; mehrere Ketten haben ihre Standardsorte umgestellt. Wer dort E5 braucht, greift zur Premiumsorte und nicht zum normalen 95er. Die deutsche Gewohnheit „Super 95, das ist bei uns E5“ trägt hinter der Grenze also nicht mehr.

In der Schweiz läuft es andersherum: Dort ist Bleifrei 95 der Standard und E10 kaum verbreitet - für ein Bike ohne E10-Freigabe die entspanntere Richtung.

Der Anker bleibt in allen drei Ländern derselbe: das Zeichen am Zapfventil. E5 ist E5, egal wie die Sorte an der Säule beworben wird.

Ein Praxistipp für die Tour, der jetzt einen Grund hat: Wenn du in den Alpen oder auf einer langen Reise an einer kleinen Tankstelle stehst, an der nur eine Super-Sorte aus dem Hahn kommt, ist das kein Versehen des Betreibers - genau diese Häuser sind von der E5-Pflicht befreit oder liegen im Ausland, wo es sie gar nicht gibt. Ein zweiter Blick aufs Symbol lohnt hier also doppelt. Und falls wirklich nur E10 verfügbar ist und dein Bike es nicht verträgt, ist ein kleiner Reservekanister mit E5 auf langen Touren durch dünn besiedelte Gegenden kein übertriebener Luxus, sondern schlicht Vorsorge.

Das Yamaha-Beispiel - und was daran wirklich modellabhängig ist

Ein konkretes Beispiel macht es greifbar. Für die Yamaha MT-09 schreibt das Handbuch bleifreies Benzin mit mindestens ROZ 95 vor - also Super. Ethanolhaltigen Kraftstoff nennt Yamaha „Gasohol“, und der ist bis zur E10-Variante zulässig; Methanol dagegen wird ausdrücklich nicht empfohlen.

Jetzt der Teil, der leicht falsch herum gelesen wird. Es liegt nahe, daraus die Warnung zu bauen: „Nur weil die MT-09 E10 darf, darf es die Ténéré 700 noch lange nicht.“ Klingt vorsichtig - ist aber falsch. Yamaha hat in der Herstellerliste eine pauschale Auskunft hinterlegt: alle Modelle ab Modelljahr 1990 sind E10-verträglich. Eine Ténéré 700 oder eine MT-03 musst du also nicht für einen Sonderfall halten, und eine Extrarunde teures E5 brauchen sie nicht.

Modellabhängig ist etwas anderes - und zwar die Oktanzahl. BMW, das weiter oben die weitreichendste Freigabe von allen gibt, hängt genau diesen Vorbehalt an: „jedoch ist die mindest vorgeschriebene Oktanzahl gemäß Betriebsanleitung weiterhin zu beachten“. Wer also glaubt, mit der Markenfreigabe sei die Sache erledigt, hat die halbe Antwort.

Merk es dir in einem Satz: Ob Ethanol reindarf, beantwortet oft die Marke. Wie viel Oktan reinmuss, beantwortet nur dein Modell. Und dort, wo eine Marke gar keine pauschale Aussage macht - Honda etwa führt einzelne Modelle mit einem klaren „Nein“ -, bleibt das Handbuch die letzte Instanz.

Woher du sicher weißt, was reindarf

Drei Quellen geben dir die verbindliche Antwort, und alle drei kosten dich nichts außer einer Minute.

Erstens der Aufkleber am Tankdeckel oder in der Tankmulde. Bei vielen neueren Bikes steht dort direkt das E5- oder E10-Symbol und die geforderte Mindest-ROZ. Das ist die schnellste Kontrolle, bevor du den Zapfhahn ansetzt.

Zweitens das Fahrzeughandbuch. Dort findest du den Abschnitt zum empfohlenen Kraftstoff - mit der Mindest-ROZ und der Aussage, ob ethanolhaltiger Kraftstoff bis E10 zulässig ist. Hast du das gedruckte Heft verlegt, gibt es das Handbuch fast immer als PDF auf der Herstellerseite.

Drittens, und gerade bei älteren Modellen, die Herstellerliste der Deutschen Automobil Treuhand. Dort haben die Marken ihre Aussagen selbst hinterlegt - von der pauschalen Freigabe über Modelltabellen bis zum ausdrücklichen Nein. Aus ihr stammen auch die Jahreszahlen weiter oben.

Ein Hinweis, damit du sie richtig liest: Diese Liste trägt den Stand 1. Dezember 2011. Für alles, was danach auf den Markt kam, steht dort nichts - und nichts ist kein Nein, sondern schlicht kein Eintrag. Für neuere Bikes gelten wieder Punkt eins und zwei: Tankdeckel und Handbuch. Für ein Motorrad von 1994 dagegen ist die Liste oft die einzige Stelle, an der die Antwort überhaupt noch steht.

Sicherheitshinweis: Im Zweifel immer E5 tanken. Wenn du nicht zweifelsfrei weißt, ob dein Motorrad E10 verträgt, ist die teurere E5-Sorte die billigere Entscheidung. Ein Vergaser-Oldtimer oder ein Zweitakter, der dauerhaft E10 bekommt, kann ernsthaft Schaden nehmen - bis hin zum Motorschaden durch Korrosion oder gequollene Dichtungen.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Vorschriften zur Kraftstoffkennzeichnung und zum Sortenangebot ändern sich, im Ausland gelten ohnehin eigene Regeln. Verbindlich ist für dein Motorrad immer die Angabe des Herstellers.

Was du dir merken solltest, bevor du das nächste Mal tankst

E5 und E10 sind beide ROZ-95-Super, der Unterschied liegt allein im Ethanolanteil - und der entscheidet, ob dein Bike es verträgt. Die Oktanzahl sagt nichts über Leistung, nur über Klopffestigkeit, und unter die geforderte Mindest-ROZ zu gehen ist der gefährlichere Fehler als ein paar Cent zu viel für Super Plus zu zahlen. Die Pkw-Regel „ab 2011“ vergiss beim Motorrad - nicht weil Jahreszahlen nichts taugen, sondern weil jede Marke ihre eigene hat.

Und die Entwarnung, die im ganzen Thema am wenigsten bekannt ist: In Deutschland muss E5 dort stehen, wo E10 angeboten wird - das ist keine Marktlaune, sondern Vorschrift. Ausgenommen sind nur sehr kleine Tankstellen, und im Ausland gilt sie gar nicht. Wenn dein Klassiker kein E10 mag, bekommst du zu Hause also weiter den passenden Sprit; auf Tour schaust du einmal aufs Zeichen am Zapfventil, statt zu raten.

❓ Häufige Fragen zu Kraftstoff

Was ist der Unterschied zwischen E5 und E10?

E5 enthält bis zu 5 Prozent Ethanol, E10 bis zu 10 Prozent. Beides ist Super mit mindestens ROZ 95 nach EN 228 - der einzige Unterschied ist der Ethanolanteil, nicht die Oktanzahl. Ob dein Motorrad E10 verträgt, hängt von den verbauten Werkstoffen ab, nicht vom Spritpreis.


Darf ich in jedes Motorrad E10 tanken?

Nein, und die Pkw-Faustregel „ab 2011“ hilft dabei nicht weiter. Der Grund ist aber nicht, dass das Baujahr egal wäre, sondern dass jede Marke ihr eigenes hat: BMW gibt E10 für alle Zweiräder sämtlicher Baujahre frei, Harley-Davidson ab Modelljahr 1980, Yamaha ab 1990, Suzuki erst ab 2002 - und Suzuki hält ausdrücklich fest, dass alles bis einschließlich Modelljahr 1991 nicht geeignet ist. MZ, Sachs Bikes und Moto Morini fallen ganz heraus. Prüfe deshalb Tankdeckel, Handbuch und die Herstellerliste deines Modells.


Bringt eine höhere Oktanzahl mehr Leistung?

Nein. ROZ steht für die Klopffestigkeit, nicht für Leistung. Eine höhere Oktanzahl nützt nur, wenn dein Motor sie ausdrücklich verlangt. Tankst du unter der vom Hersteller geforderten Mindest-ROZ, kann der Motor klingeln oder klopfen - bis hin zum Motorschaden.


Was passiert mit E10 bei langer Standzeit?

Ethanol ist hygroskopisch, zieht also Wasser. Bei langer Standzeit kann sich E10 entmischen, das heißt Phasentrennung - eine wässrige Schicht setzt sich am Tankboden ab und kann korrodieren. Als grober Praxiswert solltest du von einer Haltbarkeit in der Größenordnung weniger Monate ausgehen; ein Stabilisator und volltanken vor der Winterpause helfen.


Verträgt eine Yamaha E10?

Ja, sofern das Modelljahr stimmt: Yamaha hat in der Herstellerliste hinterlegt, dass alle Modelle ab Modelljahr 1990 E10-verträglich sind. Für die MT-09 nennt das Handbuch zusätzlich mindestens ROZ 95 und erlaubt „Gasohol“ bis E10; Methanol wird nicht empfohlen. Modellabhängig ist also nicht das Ethanol, sondern die geforderte Oktanzahl - und die steht in deinem Handbuch.


Wo finde ich verlässlich, welcher Sprit erlaubt ist?

Am Aufkleber am Tankdeckel oder in der Tankmulde, im Fahrzeughandbuch und bei älteren Modellen in der Herstellerliste der Deutschen Automobil Treuhand. Diese Liste hat den Stand 1. Dezember 2011 - für neuere Motorräder steht dort nichts, was aber kein Nein bedeutet, sondern nur keinen Eintrag. Im Zweifel tankst du E5; in Deutschland muss es an jeder Tankstelle stehen, die E10 anbietet.


Muss jede Tankstelle E5 anbieten?

In Deutschland ja, aber mit einer Einschränkung: Wer Super mit mehr als fünf Volumenprozent Ethanol verkauft, muss an derselben Abgabestelle auch Super mit höchstens fünf Volumenprozent bereithalten - so steht es in § 3 der 10. BImSchV, und für Super Plus gilt dasselbe. Befreit sind nur Abgabestellen, die im Schnitt der beiden Vorjahre unter 500 Kubikmeter Ottokraftstoff abgegeben haben. Im Ausland gilt diese Pflicht nicht.

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