Richtig tanken im Herbst: Was vor der Winterpause in den Tank gehört

Ende Oktober an der Zapfsäule, vielleicht zum letzten Mal in diesem Jahr. Am Zapfhahn steht dieselbe Sorte wie im August, und trotzdem kann etwas anderes in den Tank fließen. Im Herbst wechselt das Benzin.

Wichtiger als dieser Wechsel ist, was du mit der letzten Füllung vor der Pause machst: wie voll, mit oder ohne Zusatz, E5 oder E10, oder ob der Tank sogar leer bleiben soll. Dazu schreiben die Hersteller in ihren Anleitungen Genaueres, als du an der Säule zu hören bekommst. Wir haben sechs davon verglichen.

Im Herbst wechselt das Benzin

Benzin an der Tankstelle muss in Deutschland der Norm DIN EN 228 genügen, so schreibt es die Verordnung über die Beschaffenheit und die Auszeichnung der Qualitäten von Kraft- und Brennstoffen vor. Ein Teil der Anforderungen hängt am Kalender, vor allem der Dampfdruck, also wie leicht das Benzin verdampft.

Vom 1. Mai bis 30. September liegt er bei höchstens 60 Kilopascal, vom 16. November bis 15. März zwischen 60 und 90. Dazwischen liegen Übergangszeiten, in denen beides möglich ist, so steht es in der Lieferspezifikation eines Kraftstoffhändlers nach dieser Norm. Ab Oktober kann also Benzin an die Säulen kommen, das leichter verdampft und damit einem kalten Motor beim Anspringen hilft.

Für dich ändert sich an der Säule nichts: Die Sorten heißen weiter Super, Super E10 und Super Plus, eine eigene Winterauswahl gibt es nicht. Je nach Datum ist das, was du vor der Pause tankst, noch Übergangs- oder schon Winterware. Einen Grund, deshalb früher oder später zu tanken, nennt keine der sechs Anleitungen aus unserem Vergleich.

Voll heißt bis zur Unterkante

Volltanken hat in jeder der sechs Anleitungen dieselbe Grenze: Der Kraftstoff steht höchstens bis zur Unterkante des Einfüllstutzens. So halten es Honda für die NC750X, Yamaha für die MT-09 und Suzuki für die V-Strom 650. Dasselbe schreiben Kawasaki für die Ninja 125, KTM für die 390 Duke und BMW für die R 1300 GS.

Darüber bleibt Platz, weil Benzin warm mehr Raum braucht, so begründen es Yamaha, Suzuki und KTM. Läuft der Tank über, kann sich der Kraftstoff laut Suzuki leicht entzünden. Kawasaki nennt für die Ninja 125 einen zweiten Grund. Aus einem überfüllten Tank kann Kraftstoff in das System laufen, das die Benzindämpfe auffängt, und danach springt der Motor schlecht an und nimmt zögernd Gas.

Zusatz an der Säule, verteilt auf dem Heimweg

Einen Zusatz für die Monate im Stand sehen mehrere Hersteller vor. Bei Yamaha und Suzuki ist es ein Kraftstoffstabilisator, bei KTM ein Additiv beim letzten Tanken vor dem Abstellen, bei BMW sind es Kraftstoffadditive für längere Standzeiten. Wie viel davon in den Tank gehört, steht laut Yamaha auf der Packung des Mittels.

Warum der Tank dabei voll sein soll, schrieb Yamaha früher ausdrücklich dazu. Bei der ersten MT-07 nennt die Anleitung von November 2013 den Grund: Voller Tank und stabilisierender Zusatz sollen Rost im Tank und eine chemische Veränderung des Kraftstoffs verhindern. In den Anleitungen der Tracer 700 von 2020 und der MT-09 von 2024 stehen nur noch die Schritte.

Damit das Mittel auch in Leitungen und Einspritzung ankommt, soll der Motor danach eine Weile laufen: fünf Minuten bei Yamaha, einige Minuten bei Suzuki. Gibst du den Zusatz an der letzten Tankstelle vor dem Tanken hinein, mischt er sich gleich mit, und du tankst wie gewohnt bis zur Unterkante des Stutzens. Den Rest übernimmt die Fahrt nach Hause, wenn sie mindestens diese fünf Minuten dauert. Dann muss der Motor zu Hause nicht mehr im Stand laufen.

Sicherheitshinweis: Soll der Motor nach dem Tanken im Stand laufen, dann nur im Freien. Kohlenmonoxid siehst und riechst du nicht, und Kawasaki warnt, dass es das Gehirn schwer schädigen oder töten kann. Zum Tanken ist der Motor aus, und verschütteten Kraftstoff wischst du sofort ab, besonders von heißen Teilen, wie es KTM verlangt.

E5 oder E10 für die Pause

E10 vertragen alle sechs Maschinen aus dem Vergleich, die R 1300 GS nach Angabe von BMW sogar bis 15 Prozent Ethanol. Für die Pause wählt KTM trotzdem anders: Beim letzten Tanken vor dem Abstellen soll es bei der 390 Duke Kraftstoff mit so wenig Ethanol wie möglich sein. In den anderen fünf Anleitungen steht zur Sorte für die Pause nichts.

Super E5 findest du in Deutschland an fast jeder Tankstelle, die auch E10 verkauft. Bietet eine Tankstelle Super mit über fünf Prozent Ethanol an, muss sie laut derselben Verordnung dort auch Super mit höchstens fünf Prozent führen, dasselbe gilt für Super Plus. Ausgenommen sind kleine Stationen, deren Absatz in den zwei Jahren davor im Durchschnitt unter 500 Kubikmetern Benzin lag.

Wenn der Tank leer sein soll

Kawasaki geht den anderen Weg: Bei der Ninja 125 kommt der Kraftstoff vor der Pause heraus, per Pumpe oder Saugheber. Verlangt deine Anleitung das auch, lohnt sich das Volltanken zum Saisonende nicht. Im Frühjahr kommt laut Kawasaki frischer Kraftstoff hinein.

Für das Abpumpen setzt Kawasaki Bedingungen: Die Zündung ist aus, geraucht wird nicht, und der Platz ist gut belüftet und frei von allem, was zünden kann, Geräte mit Zündflamme eingeschlossen. Honda schreibt für den Umgang mit Kraftstoff allgemein: nur im Freien. Abgepumptes Benzin kommt in einen Kraftstoffkanister. Es ist giftig, und für Reste, die nicht zurück in einen Tank kommen, nennt dir deine Gemeinde die Annahmestelle.

Wer im Herbst nur noch selten fährt

Nicht jede Maschine geht im Oktober in die Pause. Fährst du weiter, nur seltener, kann derselbe Tankinhalt wochenlang stehen. Für Maschinen, die so zwischen den Fahrten stehen, hat Yamaha bei der MT-09 von 2024 einen kurzen Rat: nach jedem Tanken einen Stabilisator.

BMW rät bei längeren Standzeiten zu Additiven, Honda schließt für die NC750X abgestandenen Kraftstoff aus, und Kawasaki verlangt für die Ninja 125 sauberes, frisches Benzin. Wie lange Kraftstoff im Tank frisch bleibt, nennt keine der sechs Anleitungen in Wochen oder Monaten.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Sorte dein Motorrad verträgt und wie es die Pause verbringen soll, steht in seiner Anleitung, im Zweifel fragst du deinen Händler.

Die letzte Füllung

An der letzten Säule der Saison entscheidest du in einer Minute, was monatelang im Tank bleibt. Die Antwort steht nicht am Zapfhahn, sondern in dem Kapitel deiner Anleitung, das vom Abstellen handelt. Lies es, bevor du losfährst, nicht danach.

❓ Häufige Fragen zum Tanken im Herbst

Gibt es im Herbst anderes Benzin?

Anderes Benzin gibt es im Herbst tatsächlich, auch wenn die Sorte an der Säule gleich heißt. Nach DIN EN 228 darf Benzin in Deutschland im Sommer höchstens 60 Kilopascal Dampfdruck haben, ab dem 16. November gelten 60 bis 90. Die Winterware verdampft leichter, damit ein kalter Motor gut anspringt.


Wie voll tanke ich vor der Winterpause?

Vor der Winterpause tankst du so voll, wie es in deiner Anleitung steht, und nie weiter als bis zum unteren Rand des Stutzens unter dem Tankdeckel. Der Rest bleibt frei, weil Benzin sich in der Wärme ausdehnt. Bei der Ninja 125 soll der Tank laut Kawasaki über die Pause sogar leer sein.


Brauche ich für die Winterpause einen Kraftstoffstabilisator?

Einen Kraftstoffstabilisator für die Winterpause sehen Yamaha und Suzuki ausdrücklich vor, KTM ein Additiv beim letzten Tanken und BMW Additive bei längeren Standzeiten. Dosiert wird nach der Packung. Danach soll behandelter Kraftstoff ein paar Minuten durch Leitungen und Einspritzung laufen, am einfachsten auf dem Heimweg.


Soll ich vor der Pause E5 statt E10 tanken?

E5 statt E10 vor der Pause rät von sechs Herstellern nur KTM, für die letzte Füllung der 390 Duke soll es der Sprit mit dem kleinsten verfügbaren Ethanolanteil sein. Alle sechs Maschinen vertragen E10. Super E5 bekommst du in Deutschland fast überall, wo es auch E10 gibt.


Kann ich den Motor nach dem Tanken in der Garage laufen lassen?

In der Garage lässt du den Motor nach dem Tanken nicht laufen, auch nicht kurz. Im Abgas steckt Kohlenmonoxid, ein Gas, das sich nicht bemerkbar macht. Soll der behandelte Kraftstoff ins System, fährst du die Strecke nach Hause oder lässt den Motor draußen laufen.

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