
Tankstellendach an der A7, kurz vor Kassel, halb sechs. Vier Motorräder stehen darunter, und vier Leute machen dasselbe: Sie ziehen sich im Stehen etwas über, das sie im Stehen gekauft haben. Zwei von ihnen werden in vierzig Minuten trockene Schultern und nasse Oberschenkel haben.
Eine Regenkombi fürs Motorrad hat genau eine Eigenschaft, die beim Kaufen fast immer untergeht: Du trägst sie nicht im Stehen. Du trägst sie sitzend, mit angewinkelten Knien, den Oberkörper nach vorn, und in dieser Haltung sieht dasselbe Kleidungsstück völlig anders aus.
Fangen wir mit der Größe an, weil daran die meisten Käufe scheitern.
Die Regel, die du überall liest, stimmt meistens: eine Nummer größer als deine übliche Konfektionsgröße. Nicht, weil Regenzeug klein ausfällt, sondern weil unter der Regenkombi noch deine Jacke, deine Hose und deine Protektoren stecken. Der Stoff braucht diesen Platz zusätzlich.
Meistens, weil es Hersteller gibt, die ihr Regenzeug von Haus aus weit schneiden und den Platz für die Ausrüstung schon eingerechnet haben. Bei denen bist du mit deiner normalen Größe richtig, und eine Nummer mehr wäre eine zu viel.
Zwei Nummern liest man auch, und in Foren ziemlich oft. Das gilt aber nur für einen bestimmten Fall: eine Lederkombi drunter, womöglich noch einen Rückenprotektor obendrauf. Wer sie nur über eine normale Textiljacke zieht, kauft sich mit zwei Nummern ein Segel - und ein Segel bei Tempo 120 scheuert, macht Lärm und zerrt an genau den Nähten, auf die es später ankommt.
Deshalb hilft dir hier ein Test weiter als eine Zahl. Und der geht so:
Zieh das Ding über die Klamotten an, die du tatsächlich fährst. Nicht über den Pullover, in dem du im Laden stehst - über Jacke, Hose, Protektoren. Dann stell dich hin und schau an dir herunter. Die Hose muss im Stand ordentlich Falten werfen, an den Oberschenkeln und über den Knien. Wirft sie keine, ist sie zu klein, auch wenn sich das gerade gut anfühlt.
Wichtiger ist der zweite Teil: Setz dich. Wenn du im Laden bist, auf einen Stuhl mit den Knien auf Sitzhöhe deiner Maschine. Wenn du zu Hause bestellt hast, auf dein Motorrad in der Garage, Hände an den Lenker. Jetzt kommt der Moment der Wahrheit - dieselbe Kombi, die eben noch großzügig aussah, zieht sich an drei Stellen stramm: über den Knien, im Schritt und quer über den Schultern. Und die Beine rutschen hoch.
Wie weit sie hochrutschen, ist die entscheidende Zahl an diesem ganzen Kauf. Denn dort, wo dein Hosenbein endet, fängt dein Stiefel an.
Auf dem Etikett steht eine Zahl in Millimetern, und die klingt beeindruckend. Zehntausend. Fünfzehntausend. Zwanzigtausend.
Kurz, was gemessen wird: Der Stoff wird eingespannt, eine Wassersäule darauf gesetzt, und dann zählt, bei welcher Höhe die ersten Tropfen durchkommen. Zehntausend Millimeter heißt also: zehn Meter Wasser über dem Stoff, bevor er aufgibt. Klingt nach unendlich viel für einen Regenschauer bei Kassel.
Ist es aber nicht, und hier wird es interessant. Die Norm für Regenschutzkleidung teilt in vier Klassen ein, und die Anforderungen sind erstaunlich bescheiden:
| Klasse nach EN 343 | Wassersäule | geprüft am Stoff |
|---|---|---|
| Klasse 1 | ab rund 800 mm | neu |
| Klasse 2 | ab rund 800 mm | vorbehandelt |
| Klasse 3 | ab rund 1.300 mm | vorbehandelt |
| Klasse 4 | ab rund 2.000 mm | vorbehandelt |
Klasse 1 und Klasse 2 verlangen denselben Wert. Der Unterschied zwischen ihnen ist nur, in welchem Zustand geprüft wird - und das ist der eigentlich interessante Teil der Norm. Für die höheren Klassen geht der Stoff vorher durch die Mangel, und die Liste dafür liest sich, als hätte sie jemand für uns geschrieben: gewaschen, gescheuert, mehrfach gebogen, mit Kraftstoff und Öl in Kontakt gebracht. Geprüft wird also nicht der Neuzustand, sondern der nach einer Weile Gebrauch. Eine Kombi, die nur in die niedrigste Klasse fällt, kann fabrikneu dicht sein und nach zwei Saisons nicht mehr.
Und auf dem Etikett steht mehr, als die meisten dort lesen. Die Angabe kommt zu dritt und in fester Reihenfolge, zum Beispiel als 3/3/R. Die erste Zahl ist die Wasserdichtigkeit von eben. Die zweite Zahl ist die Atmungsaktivität, ebenfalls von eins bis vier, und auch hier ist vier das Beste. Und der Buchstabe am Ende ist für uns der wertvollste Teil: Ein R heißt, dass das fertige Kleidungsstück in einer Regenkammer geprüft wurde, mit Nähten, Reißverschlüssen und Abschlüssen. Ein X heißt, dass nur der Stoff auf dem Prüftisch lag. Wenn du bedenkst, dass gerade Nähte und Reißverschlüsse das sind, was in der Praxis aufgibt, weißt du, welcher der beiden Buchstaben dich interessiert.
In Deutschland gilt ein Stoff ab rund 1.300 Millimetern als wasserdicht. Und jetzt die Zahl, die das Ganze in ein anderes Licht rückt: Wer sich hinsetzt, drückt mit rund 0,2 bar auf den Stoff unter sich - das entspricht ungefähr 2.000 Millimetern Wassersäule. Im Knien wird es noch mal deutlich mehr. Diese Rechnung kommt aus der Outdoor-Branche und ist keine Norm, aber die Größenordnung stimmt, und sie erklärt ein Phänomen, das jeder Motorradfahrer kennt.
Du sitzt. Stundenlang. Auf einer nassen Sitzbank, mit deinem ganzen Gewicht auf einer Handfläche voll Stoff. Genau dort, wo der Druck am höchsten ist, steht auch noch das meiste Wasser - im Schritt und auf der Sitzfläche sammelt sich in Sitzhaltung eine kleine Pfütze, die nirgendwo hin abläuft. Und der ruhige Wert von eben ist nur der Anfang: Über jeder Bodenwelle drückt dich die Federung für einen Moment mit deutlich mehr als deinem eigenen Gewicht in die Sitzbank - genau dort, wo die Pfütze steht.
Im Outdoor-Handel liegt die Empfehlung für Hosen deshalb deutlich höher als für Jacken: gern fünfzehntausend Millimeter für die Hose, zehntausend für die Jacke. Den Aufschlag zahlt man für das Sitzen, nicht für den Regen. Für Motorrad-Regenkombis heißt das: alles ab zehntausend ist eine ernstzunehmende Angabe, darunter wird es für lange Regenfahrten knapp.
Zwei Einschränkungen dazu, sonst wird die Zahl zum Fetisch.
Die erste: Der Stoff ist selten das, was zuerst nachgibt.
Die zweite betrifft die andere Richtung, und dort steckt ein Denkfehler, den man ständig hört: Ein Material sei umso schlechter atmungsaktiv, je dichter es nach außen ist. So funktioniert es nicht. Die beiden Eigenschaften haben nichts miteinander zu tun, und deshalb gibt die Norm auch zwei getrennte Zahlen aus. Eine gute Membran hält den Regen draußen und lässt Wasserdampf trotzdem durch. Eine billige Beschichtung hält weniger Wasser und lässt gar nichts durch.
Bei einer schlichten Regenkombi aus beschichtetem Nylon geht deshalb praktisch nichts nach draußen, und nach vierzig Minuten Fahrt ist dein Rücken feucht. Nicht vom Regen. Das liegt an der Bauart: Solche Kombis sind für den Schauer gedacht, nicht für den ganzen Tag. Wer bei Regen stundenlang unterwegs ist, zahlt für ein atmungsaktives Material spürbar mehr - und merkt beim Absteigen, wofür.
Eine Einschränkung gilt allerdings auch für die guten: Wenn der Oberstoff im Dauerregen richtig vollgesogen ist, liegt außen ein durchgehender Wasserfilm - und dann kommt auch durch die beste Membran nichts mehr nach draußen. Dann wird selbst teures Zeug klamm, und deshalb ist Imprägnieren an Regenkleidung keine Kosmetik.
Eine einzige Regel rettet dir hier zwei Stunden Fahrt, und sie kostet nichts: Das Hosenbein gehört außen über den Stiefelschaft, niemals hinein.
Der Grund ist Schwerkraft und sonst nichts. Wasser läuft an dir herunter, vom Oberschenkel über das Knie zum Knöchel. Endet dein Hosenbein im Stiefel, endet auch das Wasser im Stiefel - und ein Motorradstiefel ist innen wunderbar dicht, das heißt, es kommt nichts mehr raus. Nach einer halben Stunde stehst du in einem Aquarium und wirst es bis zum Abend nicht mehr los.
So weit die Theorie, und die kennen die meisten. Der Fehler passiert trotzdem, und zwar aus einem anderen Grund: Das Bein rutscht in Fahrposition hoch.
Im Stand liegt der Saum schön über dem Schaft. Du steigst auf, winkelst das Knie an, und der Stoff wandert nach oben - bei einer knapp geschnittenen Hose gern um zehn, fünfzehn Zentimeter. Plötzlich endet das Bein oberhalb des Schafts, und du hast genau die Situation, die du vermeiden wolltest, ohne es zu sehen. Deshalb der Test aus dem ersten Abschnitt. Setz dich hin und schau nach unten, bevor du zahlst.
Woran du eine Hose erkennst, die das kann:
Sie hat lange Beine, ehrlich lang, oft länger, als es im Stand hübsch aussieht. Sie ist unten weit genug, dass ein hoher Schaft hineinpasst - Enduro-Stiefel brauchen spürbar mehr Platz als ein flacher Tourenstiefel. Und sie hat unten irgendeine Form von Weitenverstellung, damit sie nicht flattert, wenn sie über dem Schaft liegt: ein Reißverschluss mit Klettlasche, ein Gummizug, ein Riemen. Manche Modelle haben zusätzlich einen Steg, der unter der Sohle durchläuft und den Saum unten hält. Klingt nach Kleinkram, ist aber der Unterschied zwischen trocken und nicht.
Und ein Detail, das erst auffällt, wenn du am Straßenrand stehst: Der Reißverschluss am Bein muss lang genug sein, dass du mit angezogenen Stiefeln hineinkommst. Wenn du dich zum Umziehen erst ausziehen musst, wirst du diese Hose nie rechtzeitig anhaben.
Und wenn deine Hose schlicht zu kurz ist und ein Neukauf gerade nicht drin: Es gibt Regenüberschuhe, die über den ganzen Stiefel gehen und das Problem am unteren Ende erledigen. Probier damit einmal im Hof, ob die Sohle auf der Fußraste noch greift und ob du den Schalthebel sicher erwischst - eine glatte Gummisohle auf nasser Raste ist ein eigenes Thema.
Der Stoff hält. Das ist bei fast jeder Regenkombi so, auch bei den günstigen. Was aufgibt, sind die Stellen, an denen der Stoff aufhört.
Erstens: die Nähte. Jede Naht ist eine Reihe Löcher im Material - das ist die Natur einer Naht. Gute Regenbekleidung verklebt oder verschweißt sie deshalb auf der Innenseite mit einem Band. Dreh die Kombi im Laden auf links und schau nach. Wenn dort blankes Nahtgarn sitzt, weißt du nach dem ersten längeren Regen, wo.
Zweitens: der Schritt. Nirgendwo sonst ist die Belastung so hoch, weil dort Druck, Bewegung, mehrere zusammenlaufende Nähte und die Pfütze zusammenkommen, die sich in Sitzhaltung genau dort sammelt. Wenn eine Regenhose leckt, dann meistens hier, und es fängt harmlos an: ein feuchter Fleck, den du beim Absteigen für Schwitzwasser hältst.
Drittens: der Reißverschluss. Ein Reißverschluss ist erstmal ein Wasserweg. Was ihn dicht macht, ist die Sturmleiste darüber - eine Stoffleiste, die mit Klett oder Druckknöpfen zugeht. Fehlt die, oder ist sie so kurz, dass sie oben am Kragen aufhört, läuft dir das Wasser genau dort hinein, wo du es am wenigsten willst.
Viertens: die Abschlüsse an Hals und Handgelenk. Zu weit heißt, der Fahrtwind drückt Wasser hinein. Zu eng heißt, du kriegst sie über der Jacke nicht zu. Beide Fehler siehst du in der Anprobe, wenn du sie über der echten Ausrüstung machst.
Bleibt die Frage, über die auf jedem Parkplatz gestritten wird: Ärmel über die Handschuhstulpe oder Stulpe über den Ärmel?
Die ehrliche Antwort lautet, dass es von deiner Sitzposition abhängt. Sitzt du aufrecht, laufen deine Unterarme leicht abwärts, das Wasser läuft Richtung Hand, und der Ärmel gehört außen über die Stulpe. Liegst du auf einem Sportler weit nach vorn, drückt der Fahrtwind frontal gegen den Ärmelabschluss, und dann ist die Stulpe über dem Ärmel besser. Probier es auf derselben Regenfahrt aus, einmal links, einmal rechts - nach zwanzig Kilometern weißt du es für deine Maschine.
Die Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, aber sie lässt sich ehrlich sortieren.
Ein Stück, keine Trennung an der Taille, also auch keine Stelle, an der sich zwei Lagen überlappen müssen. Das ist bei stundenlangem Starkregen der bessere Aufbau, weil dort nichts hochrutschen und nichts auseinanderklaffen kann.
Der Preis dafür ist das Anziehen. Ein Einteiler will erst über beide Beine, dann über beide Arme, und zwar im Stehen, auf einem Bein balancierend, mit Stiefeln an den Füßen. Wer das noch nie an einer windigen Autobahnausfahrt gemacht hat, unterschätzt es. Modelle mit einem langen Reißverschluss quer über den Rücken oder seitlich am Bein entschärfen das deutlich.
Jacke und Hose getrennt. Schneller angezogen, in beliebiger Reihenfolge, und du kannst die Hose allein nehmen, wenn deine Jacke sowieso eine Membran hat. Das ist die Bauform für unterwegs: an der Tankstelle, unter der Brücke, auf dem Rastplatz, wo du zwei Minuten hast und nicht zehn.
Die Schwachstelle ist der Übergang: Die Jacke muss über den Hosenbund reichen, und zwar auch dann noch, wenn du dich nach vorn beugst. Kurze Jacken versagen hier zuverlässig - man merkt es daran, dass der untere Rücken nass wird, während alles andere trocken ist.
Nicht nach der Dichtigkeit. Nach der Frage, wo du sein wirst, wenn es anfängt.
Wer täglich zwölf Kilometer fährt und den Regen morgens aus dem Fenster sieht, zieht in Ruhe in der Garage an und nimmt den Einteiler. Wer auf Tour ist und alle zwei Stunden mit dem Wetter neu verhandelt, greift zum Zweiteiler, weil er ihn tatsächlich benutzt. Die beste Regenkombi fürs Motorrad ist die, die du auch anziehst, statt zu denken, es sind ja nur noch zwanzig Kilometer.
Genau daran hängt am Ende der ganze Kauf - und das hat mit dem Produkt nichts mehr zu tun.
Regen kündigt sich an. Die Luft riecht anders, der Asphalt wird vor dir dunkel, die Autos vor dir schalten die Wischer ein. Ab da hast du noch zwei, drei Minuten. Nutz sie.
Sicherheitshinweis: Zum Umziehen nie den Standstreifen der Autobahn benutzen, auch nicht kurz und auch nicht bei wenig Verkehr. Dort passiert genau das, was du fürchtest: Ein Fahrzeug driftet nach rechts, und du stehst mit einem Bein in der Regenhose neben deinem Motorrad. Fahr zur nächsten Ausfahrt, zur Tankstelle oder zum Rastplatz. Die fünf Minuten Umweg sind die günstigste Versicherung des Tages.
Der Rest ist Routine. Erst die Hose, dann die Jacke, dann Reißverschluss und Sturmleiste, zuletzt die Abschlüsse an Hals und Handgelenken. Handschuhe zum Schluss, dann entscheidest du gleich die Ärmelfrage. Und pack das Zeug so ein, dass du es ohne Auspacken des ganzen Koffers erreichst - eine Regenkombi ganz unten in der Hecktasche ist eine Regenkombi, die du nicht anziehst.
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🛒 Was die Kombi am Leben hält
Zwei Mittel gegen den ersoffenen Stoff - und ein Streifen für die Dämmerung.
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Zwei Dinge entscheiden danach, wie lange du etwas von dem Kauf hast - und in keinem der beiden Fälle geht es um ein Loch im Stoff.
Das erste wird im September wichtiger als im Juni: Regen und früh einsetzende Dämmerung kommen jetzt zusammen. Wenn deine Regenkombi als schwarzes Etwas über deiner ohnehin dunklen Jacke liegt, hast du gerade das bisschen Kontrast zugedeckt, das dich hinter einer beschlagenen Scheibe noch sichtbar gemacht hat. Reflektierende Flächen gehören deshalb an zwei Stellen. Erstens auf Rücken und Schultern: Von dort kommt im Regen der Wagen, dessen Scheinwerfer dich anleuchten. Zweitens an Arme und Beine, weil die sich bewegen - und Bewegung nimmt ein Autofahrer schneller wahr als eine Fläche.
Das zweite ist banaler und verdoppelt die Lebensdauer: Häng sie zu Hause auf, statt sie nass zusammengeknüllt liegen zu lassen. Und wasch sie ab und zu. Straßendreck und Insektenreste setzen die Oberfläche zu, das Wasser perlt dann nicht mehr ab, sondern zieht sich in den Stoff - der ist dann nicht undicht, er ist nur ersoffen, und das fühlt sich von innen exakt gleich an. Die meisten Fälle von „meine Regenkombi fürs Motorrad ist nach zwei Jahren durch“ sind genau das und kein Materialschaden.
Sie ist kein Schutz.
Das klingt selbstverständlich, geht in der Praxis aber öfter unter, als man denkt. Motorradbekleidung wird auf Abrieb, Nahtfestigkeit und Reißfestigkeit geprüft und danach in Klassen von AAA bis C eingeteilt. Eine Regenkombi durchläuft das nicht. Sie wird gegen Wasser getestet, nicht gegen Asphalt.
Und sie ist nicht für jeden. Wer ein Laminat fährt, bei dem die Membran direkt mit dem Oberstoff verklebt ist, braucht in der Regel nichts darüber - dafür ist die Jacke gebaut, und dafür hat sie gekostet. Der Fall für die Regenkombi ist der andere: Textiljacke mit einzippbarer Membran, Sommerjacke mit Mesh, oder Leder. Da saugt sich die Außenlage voll, lange bevor die Membran gefragt ist.
Daraus folgen zwei Dinge, die man sich merken kann. Die Regenkombi kommt über die Ausrüstung, nie an ihre Stelle - auch nicht an einem lauwarmen Septemberabend, an dem es nur nieselt und die Jacke gerade so unbequem ist. Und sie darf nicht so eng sitzen, dass sie deine Protektoren aus ihrer Position drückt; ein Schulterprotektor, der unter dem Stoff nach innen wandert, sitzt im entscheidenden Moment neben der Schulter.
Ansonsten ist das ein erstaunlich dankbares Stück Ausrüstung. Es kostet wenig, es passt an fast jedes Motorrad, es hält bei Pflege jahrelang, und es entscheidet darüber, ob eine Regenfahrt eine Anekdote wird oder drei Stunden Elend.
Zurück zum Tankstellendach bei Kassel. Der Unterschied zwischen den zweien mit den nassen Oberschenkeln und den anderen beiden war kein Preisunterschied. Es war die Frage, ob sich beim Kaufen jemand hingesetzt hat.
Wie viele Nummern größer muss eine Regenkombi sein?
In aller Regel eine Nummer größer als deine normale Konfektionsgröße, weil Jacke, Hose und Protektoren darunter Platz brauchen. Zwei Nummern lohnen nur, wenn eine Lederkombi darunter steckt. Wer pauschal zwei Nummern nimmt, bekommt Stoff, der im Fahrtwind flattert, scheuert und die Nähte belastet.
Wie probiere ich eine Regenkombi richtig an?
Über der Ausrüstung, die du tatsächlich fährst, und im Sitzen. Im Stand muss die Hose deutlich Falten werfen. Dann setz dich auf dein Motorrad und schau nach unten: Wenn das Hosenbein in Sitzhaltung über den Stiefelschaft hochrutscht, ist die Hose zu kurz - egal, wie gut sie im Stehen aussieht.
Gehört das Hosenbein über oder in den Stiefel?
Immer außen über den Schaft. Wasser läuft am Bein abwärts; endet der Stoff im Stiefel, sammelt sich das Wasser darin und kommt nicht mehr heraus. Achte zusätzlich darauf, dass der Saum unten eng gestellt werden kann, sonst flattert er über dem Schaft.
Welche Wassersäule braucht eine Regenkombi fürs Motorrad?
Als wasserdicht gilt ein Stoff in Deutschland ab rund 1.300 mm, die höchste Klasse der Norm für Regenschutzkleidung verlangt über 2.000 mm. Für Motorradfahrer ist das knapp bemessen, weil allein das Sitzen ungefähr 2.000 mm Druck auf den Stoff bringt. Im Outdoor-Handel werden für Regenhosen deshalb gern 15.000 mm empfohlen; bei Motorrad-Regenkombis ist alles ab 10.000 mm eine ernstzunehmende Angabe. Achte auf dem Etikett auf die zweite Klassenzahl: Die steht für die Atmungsaktivität und entscheidet darüber, ob du von innen nass wirst.
Einteiler oder Zweiteiler - was ist besser?
Der Einteiler dichtet bei langem Starkregen besser, weil ihm die Trennung an der Taille fehlt. Der Zweiteiler ist schneller angezogen und lässt sich teilweise nutzen. Entscheidend ist weniger die Dichtigkeit als die Frage, wo du bist, wenn es anfängt: Wer in Ruhe in der Garage anzieht, nimmt den Einteiler; wer unterwegs mit dem Wetter verhandelt, fährt mit dem Zweiteiler besser, weil er ihn tatsächlich benutzt.
Warum wird meine Regenhose im Schritt nass?
Weil dort alles zusammenkommt: In Sitzhaltung sammelt sich Wasser auf der Sitzfläche, dein Körpergewicht drückt es in den Stoff, und mehrere Nähte laufen genau an dieser Stelle zusammen. Verklebte oder verschweißte Nähte auf der Innenseite sind hier der wichtigste Unterschied zwischen billig und brauchbar.
Ersetzt eine Regenkombi die Motorradbekleidung?
Nein. Sie wird gegen Wasser geprüft, nicht gegen Abrieb, und gehört deshalb über die Schutzkleidung und nie an ihre Stelle. Sie darf auch nicht so eng sitzen, dass sie Protektoren aus ihrer Position schiebt.
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