
Dein Sozius ist an der Ampel schwerer, als die Waage sagt. Das liegt nicht an den Kilos, es liegt an der Höhe: Sein Schwerpunkt sitzt etwa doppelt so hoch wie der deiner Maschine. Wiegt dein Sozius ein Drittel so viel wie sie, drückt die schief stehende Maschine mit ihm um rund zwei Drittel stärker zur Seite, als sie es leer täte.
Das spürst du am Bein, wenn ihr zu zweit an der Ampel steht, meistens ohne zu wissen, woher es kommt. Der Grund ist schlichte Physik und erklärt nebenbei die Regeln, die jeder Sozius vor der ersten Fahrt hört. Was du selbst tun kannst, beginnt ein paar Meter vor der Haltelinie.
Steht die Maschine schief, sitzt ihr Schwerpunkt nicht mehr über den beiden Reifen, sondern daneben. Je höher er liegt, desto weiter wandert er bei derselben Neigung zur Seite, und desto länger wird der Hebel, an dem das Gewicht zieht. Am Ende kommt es deshalb auf Gewicht mal Höhe an. Beides zusammen bestimmt das Kippmoment, also wie fest eine schief stehende Maschine zur Seite drückt.
Als Beispiel dient eine Maschine mit 230 Kilo, die Klasse der großen Reiseenduros. Für ihren Schwerpunkt sind 50 bis 60 Zentimeter über dem Boden angesetzt. Das ist eine Annahme, denn in den Datenblättern steht diese Höhe so gut wie nie. Für deinen Sozius rechnet das Beispiel mit 75 bis 90 Kilo samt Helm und Kombi und mit einem Schwerpunkt im Sitzen bei einem Meter bis 1,15 Metern.
Dein Sozius wiegt damit gut ein Drittel der Maschine. Weil sein Schwerpunkt aber etwa doppelt so hoch liegt wie ihrer, zählt jedes seiner Kilo beim Kippen ungefähr doppelt. Bei gleicher Neigung wächst das Kippmoment je nach Annahme um gut die Hälfte bis um neun Zehntel, typisch um zwei Drittel.
Je leichter die Maschine, desto mehr fällt er ins Gewicht. Auf einer 125er mit 150 Kilo bringt ein Sozius mit 80 Kilo ungefähr noch einmal so viel Kippmoment mit, wie die Maschine selbst hat. Bei einem schweren Tourer mit 300 Kilo kommt rund die Hälfte dazu.
Für dein eigenes Motorrad genügt eine Faustregel. Teile das Gewicht deines Sozius durch das der Maschine und verdopple das Ergebnis. Bei 80 Kilo auf 230 Kilo landest du bei rund 70 Prozent mehr Kippmoment als bei der Maschine allein.
Für Gepäck gilt dieselbe Logik. Kawasaki rät für die Ninja 125, es so tief wie möglich zu laden, damit es den Schwerpunkt der Maschine wenig verändert, und das Gewicht auf beide Seiten gleich zu verteilen. Sind die Koffer ungleich voll, drückt die Maschine schon im Stand zur schweren Seite.
Ein volles Topcase sitzt ungefähr so hoch wie dein Sozius, jedes Kilo darin zählt an der Ampel also fast doppelt so viel wie eines unten in den Seitenkoffern. Viel darf zudem nicht immer hinein: BMW nennt für das Variotopcase der R 1250 GS höchstens 5 Kilo Zuladung, bei der R 1300 GS sind es 8. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Bleibt dein eigenes Gewicht. Du sitzt in beiden Fällen auf der Maschine, und auch dein Schwerpunkt liegt hoch. Rechnest du dich mit und wiegst ähnlich viel wie dein Sozius, wächst das Kippmoment durch ihn immer noch um rund 40 Prozent. Deinen Oberkörper kannst du allerdings über der Maschine halten und ausgleichen, den deines Sozius nicht. Wie viele Kilo dabei auf deinem Fuß lasten, lässt sich pauschal nicht sagen. Das hängt an deiner Beinlänge, an deiner Haltung und daran, wie weit du den Fuß zur Seite setzt.
Auf einem ebenen Parkplatz spürst du schnell, wie viel es bei dir ausmacht. Beide Füße am Boden, die Vorderradbremse gezogen, dann lässt du die Maschine ein, zwei Grad zur Seite lehnen und richtest sie wieder auf, erst allein, dann mit deinem Sozius hinten drauf. Mehr Neigung braucht es für den Vergleich nicht.
Noch deutlicher spürst du deinen Sozius, wenn er sich bewegt. Dreht er sich an der Ampel um und verlagert dabei sein Gewicht um zehn Zentimeter zur Seite, zieht das an einer 230-Kilo-Maschine so stark wie drei bis viereinhalb Grad zusätzliche Neigung. Du hast es nicht kommen sehen, und dein Fuß steht vielleicht ausgerechnet auf der falschen Seite. Rutscht es hinten, nimm ohne Nachdenken den zweiten Fuß dazu und halte die Maschine an der Vorderradbremse.
Die Regel steht in den Anleitungen. Den Grund liefert der lange Hebel. Honda schreibt für die CB750 Hornet und die NT1100: „Der Platz der Füße des Sozius ist, auch bei stehendem Fahrzeug, immer auf den Fußrasten.“ An der Gold Wing sind es die Trittbretter. Bei der MT-09 soll sich der Mitfahrer laut Yamaha immer mit beiden Händen festhalten und beide Füße auf den Rasten haben. Wer die Rasten nicht bequem erreicht, fährt gar nicht erst mit.
Für die Ninja 125 nennt Kawasaki auch einen Grund. Ein Sozius könne mit falscher Haltung in Kurven und mit plötzlichen Bewegungen die Kontrolle über die Maschine beeinträchtigen, deshalb solle er während der Fahrt still sitzen. An der Ampel gilt das genauso, auch wenn die Maschine dort steht. Die Hände bleiben, wo sie sind, der Blick geht über deine Schulter zur Ampel, und was er dir sagen will, hat Zeit bis zur nächsten Pause.
Warum die Füße deines Sozius auch im Stand oben bleiben, zeigt derselbe Hebel. Um den Boden zu erreichen, muss er auf der hohen Bank meist zur Seite rutschen, und diese Bewegung trifft dich ohne Vorwarnung.
Beim Absteigen lastet oft für einen Moment sein ganzes Gewicht auf einer Raste, weit außen. Deshalb steigt er erst ab, wenn du beide Füße am Boden hast, die Vorderradbremse hältst und ihm das verabredete Zeichen gibst. Dieses Zeichen gehört in die Absprache vor der Fahrt, denn durch zwei Helme und den laufenden Motor kommt ein Zuruf selten ganz an.
Ob die Maschine an der Ampel ruhig steht, entscheidet sich, bevor sie steht. Zu zweit fängst du früher an zu bremsen und tust es weicher, auch deinem Sozius zuliebe. Beim Ausrollen suchst du dir schon die Stelle für deinen Fuß aus.
Kurz vor dem Stillstand nimmst du Druck von der Vorderradbremse und lässt die Fußbremse die letzten Meter machen. Dann federt die Gabel weniger nach, und dein Sozius rutscht im letzten Moment nicht noch nach vorn. Er hilft mit, wenn er sich beim Bremsen abstützt, statt sein Gewicht in deinen Rücken zu legen.
Im Stand soll die Maschine aufrecht sein und das Vorderrad gerade. Merkst du beim Ausrollen, dass sie schräg zum Stehen käme, lös die Bremse für einen Augenblick, richte die Maschine auf und halte dann gerade an. Den Platz dafür hast du, wenn du nicht bis auf den letzten Zentimeter an die Haltelinie heranrollst.
Ein eingeschlagener Lenker verschiebt die Linie, um die das Motorrad kippt, und bremst du dabei in den Stand, zieht es zur eingeschlagenen Seite. Allein fängst du das oft noch mit dem Fuß ab. Zu zweit kommt die Last von oben dazu, und der Spielraum ist kleiner.
Sicherheitshinweis: Halt zu zweit mit geradem Lenker und aufrechter Maschine an, nicht noch im Einlenken. Willst du an der Ampel abbiegen, lenkst du erst beim Anfahren ein.
Kippt die Maschine im Stand zur eingeschlagenen Seite, kommen zu ihrem Gewicht das deines Sozius und dessen langer Hebel dazu. Im schlimmsten Fall liegt ihr beide am Boden, und ein Bein steckt unter der Maschine.
Üblich ist der linke Fuß am Boden und der rechte auf der Fußbremse. So rollt die Maschine nicht weg, und wer hinter euch heranfährt, sieht das Bremslicht. Zu zweit funktioniert das, solange die Maschine leicht zum linken Fuß lehnt und dein Sozius still sitzt.
Wackelt es, weil der Boden uneben ist oder dein Sozius unruhig wird, stellst du beide Füße ab und hältst die Maschine an der Vorderradbremse. Dann fängst du sie nach beiden Seiten. Das Bremslicht bleibt normalerweise trotzdem an, denn auch der Handhebel schaltet es ein. Kawasaki lässt das bei der Ninja 125 eigens prüfen.
Zu zweit schaust du vor dem Absetzen genauer auf den Boden. Eine nasse Haltelinie, ein Kanaldeckel oder der dunkle, schmierige Streifen in der Spurmitte, wo Autos beim Warten tropfen, lassen einen Stiefel leichter wegrutschen. Dazu ist die Fahrbahn meist zur Seite geneigt, damit Regen abläuft. Fällt sie zu deinem Fuß hin ab, kommt Neigung dazu. Steigt sie zum Fuß hin an, nimmt sie dir welche ab.
An einer Baustellenampel auf der Landstraße ist der Boden oft das größere Problem. Dort erwischt dein Fuß schnell Rollsplitt, eine Fräskante oder ein Schlagloch. Halte lieber ein Stück vor der Linie, wo der Asphalt fest ist, als genau an ihr auf losem Belag. Und dein Sozius bleibt dort erst recht still sitzen, bis ihr wieder rollt.
Steht die Ampel am Hang, ändert sich das Bild. Zurückrollen will die Maschine mit allem, was auf ihr sitzt, und dabei spielt die Höhe keine Rolle. Dein Sozius zählt am Hang also nur mit seinem Gewicht, nicht doppelt wie beim Kippen zur Seite. Bergauf liegt außerdem mehr Last auf dem Hinterrad, und er sitzt nah darüber. Die Fußbremse hält dort deshalb auch mit Sozius gut.
Zu zweit an der Ampel am Hang hältst du die Maschine mit der Fußbremse und dem linken Fuß, so wie du am Berg auch anfährst. Reicht dir ein Fuß nicht, stellst du beide ab, und die Vorderradbremse übernimmt. Dann muss die rechte Hand beim Anfahren zwei Dinge auf einmal tun, also lass dir dafür lieber etwas mehr Zeit.
Wird es grün, muss die Maschine aus dem Stand wieder in Fahrt kommen, und zu zweit dauert das einen Moment länger. Die ersten zwei, drei Meter sind die wackeligsten, denn so langsam hält sich kein Motorrad von selbst aufrecht, und deines trägt zwei Menschen. Gib etwas mehr Gas als allein, lass die Kupplung ruhig kommen und schau dorthin, wo du hinwillst. Die Füße nimmst du erst hoch, wenn die Maschine rollt und aufrecht läuft.
Und dein Sozius? Der sitzt, wie er saß, die Füße auf den Rasten, die Hände an deiner Taille oder am Griff. Mehr hat er an einer Ampel nicht zu tun. Stillsitzen ist sein Teil der Arbeit.
Warum kippt ein Motorrad mit Sozius im Stand leichter?
Ein Motorrad mit Sozius kippt im Stand leichter, weil der Mitfahrer hoch sitzt. Neigt sich die Maschine, hängt das Kippmoment an Gewicht mal Höhe, und der Schwerpunkt eines sitzenden Menschen liegt etwa doppelt so hoch wie der einer großen Reiseenduro. Ein Sozius mit einem Drittel ihres Gewichts erhöht das Kippmoment der Maschine allein so um rund zwei Drittel. Rechnest du dich als Fahrer mit, sind es bei ähnlichem Gewicht rund 40 Prozent.
Darf der Sozius an der Ampel die Füße auf den Boden stellen?
Dein Sozius lässt die Füße besser auch an der Ampel auf den Rasten. Die Anleitungen von Honda, Yamaha und Kawasaki, etwa für NT1100, MT-09 und Ninja 125, sehen sie dort, Honda ausdrücklich auch bei stehendem Fahrzeug und bei der Gold Wing auf den Trittbrettern. Um den Boden zu erreichen, müsste er meist auf der Bank zur Seite rutschen, und das bringt die Maschine unerwartet aus dem Gleichgewicht.
Wie halte ich das Motorrad zu zweit an der Ampel am sichersten?
Zu zweit hältst du am sichersten gerade und aufrecht an, dann genügt meist ein Fuß: links auf dem Asphalt, rechts auf dem Fußbremshebel. Steht ihr unsicher, kommen beide Füße auf den Boden, und die Maschine hält an der Vorderradbremse. Auch dabei leuchtet normalerweise das Bremslicht.
Wann darf der Sozius absteigen?
Dein Sozius steigt erst auf dein Zeichen ab, wenn du mit beiden Füßen sicher stehst und die Vorderradbremse gezogen hast. Beim Absteigen lastet sein Gewicht oft für einen Augenblick auf einer einzigen Raste weit außen, und das zieht die Maschine stärker zur Seite als ein unruhiger Sozius im Sitzen.
Macht ein Sozius auf einer 125er mehr aus als auf einer großen Maschine?
Auf einer 125er macht ein Sozius mehr aus, denn je leichter die Maschine, desto stärker fällt ein Mitfahrer ins Gewicht. Bei einer 150-Kilo-125er verdoppelt ein 80 Kilo schwerer Sozius ihr Kippmoment ungefähr. Bei einer Reiseenduro mit 230 Kilo kommen rund zwei Drittel dazu, bei einem 300 Kilo schweren Tourer etwa die Hälfte.
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