Reichen 48 PS? Solo kostet Tempo 130 gut die Hälfte davon

16 bis 21 Kilowatt, umgerechnet 22 bis 28 PS. So viel Leistung muss am Hinterrad ankommen, damit eine A2-Maschine mit dir allein im Sattel 130 km/h hält. Das ergibt eine Überschlagsrechnung mit den Daten der Honda NC750X in der 35-kW-Version, also mit 48 PS, und mit üblichen Annahmen für den Fahrtwind. Von den 48 PS kommen am Hinterrad rund 30 Kilowatt an, gut 40 PS. Solo bleibt also knapp ein Drittel bis knapp die Hälfte übrig.

Ob 48 PS reichen, darüber wird gern gestritten, nicht selten mit jemandem, der doppelt so viel unter dem Tank hat. Die Rechnung zeigt, wo die Reserve tatsächlich dünn wird: zu zweit, mit Gepäck, bei Gegenwind und vor allem im sechsten Gang.

Solo, zu zweit, mit Gepäck: was bei 130 übrig bleibt

Die Tabelle zeigt, welchen Teil der Leistung am Hinterrad die Maschine braucht, um 130 zu halten. Was bis 100 Prozent fehlt, ist die Reserve. Daneben steht, wie lange es mit Vollgas im vierten Gang von 100 auf 130 dauert. Die Werte gelten für die Ebene und Windstille.

BesetzungBei 130 km/h gebrauchtVon 100 auf 130
Solo51 bis 70 %5 bis 7 Sekunden
Zu zweit60 bis 82 %7 bis 11 Sekunden
Zu zweit mit 25 Kilo Gepäck65 bis 87 %8 bis 14 Sekunden

Die Grundlage sind Hondas Angaben. Die NC750X mit Schaltgetriebe wiegt fahrbereit 216 Kilo, die 35-kW-Version erreicht ihre volle Leistung bei 6.000 Umdrehungen. Dazu kommen 90 Kilo für dich mit Kombi und Helm, 75 für einen Sozius und 25 für Koffer samt Inhalt. Für die Verluste zwischen Kurbelwelle und Hinterrad setzt die Rechnung 10 bis 15 Prozent an.

Wie stark der Fahrtwind bremst, steht nicht im Datenblatt. Die Rechnung nimmt stattdessen eine Spanne, wie sie für Motorräder mit aufrecht sitzendem Fahrer üblich ist, zu zweit und mit Koffern etwas mehr. Daher kommen die breiten Spannen in der Tabelle. Eine Messung ist das nicht, ein grobes Bild gibt es trotzdem.

Ein Abgleich mit zwei anderen Hondas, die ab Werk 35 kW haben, passt dazu. Für die NX500 nennt Honda 165 km/h Höchstgeschwindigkeit, für die CB500 Hornet 176. Die NC750X in der 35-kW-Version kommt solo rechnerisch auf rund 145 bis 165 km/h, zu zweit auf rund 135 bis 155.

Der Fahrtwind frisst fast alles, das Gewicht fast nichts

Bei 130 gehen rund neun Zehntel der nötigen Leistung gegen den Fahrtwind. Nur der Rest geht in die Reifen, und nur dort spielt das Gewicht eine Rolle.

Der Wind wächst dabei nicht gemütlich mit. Bei doppeltem Tempo drückt er viermal so stark, und weil du in jeder Sekunde mehr Strecke gegen diese Kraft zurücklegst, wächst die nötige Leistung noch stärker. Solo braucht die Maschine bei 100 km/h 8 bis 10 Kilowatt, ein Viertel bis ein Drittel ihrer Leistung. Bei 130 ist es gut das Doppelte.

Bei konstant 130 geht die Leistung, die dein Sozius kostet, deshalb vor allem in den Fahrtwind. Seine 75 Kilo machen über den Rollwiderstand nur rund ein halbes Kilowatt aus. Für seinen Oberkörper, der über und neben dir in den Wind ragt, sind es zwei bis drei. Bei den Koffern ist es ähnlich: Ihre 25 Kilo fallen kaum ins Gewicht, ihre Fläche im Wind schon.

Richtig zählt das Gewicht erst, wenn sich das Tempo ändert oder die Straße ansteigt. Beim Beschleunigen und am Berg hat jedes Kilo seinen Preis. Dort trennt sich solo von zu zweit, und dort entscheidet der Gang.

Überholen: Die Reserve steckt im kleineren Gang

Im sechsten Gang dreht die NC750X bei 130 rund 4.200 Umdrehungen. Das größte Drehmoment, 65 Newtonmeter, liegt bei 4.000 Umdrehungen, die volle Leistung erst bei 6.000. Aus diesen beiden Werten des Datenblatts lässt sich abschätzen, was der Motor bei 130 im Sechsten mit Vollgas liefert: rund 28 kW, am Hinterrad 24 bis 26.

Solo reicht das für die 130, mit etwas Luft. Zu zweit bleiben je nach Annahme wenige Kilowatt oder gar keine. Mit Gepäck und den ungünstigeren Annahmen hält die Maschine die 130 im sechsten Gang nicht mehr ganz, dann fährst du sie im fünften.

Beim Überholen wird das spürbar. Von 100 auf 130 vergehen im sechsten Gang solo 8 bis 14 Sekunden, zu zweit mindestens 12. Im vierten Gang dreht der Motor dabei zwischen rund 4.700 und 6.100 Umdrehungen, also dort, wo er seine Leistung hat. Solo dauert es dann 5 bis 7 Sekunden, zu zweit 7 bis 11, mit Gepäck 8 bis 14 und damit so lange wie solo im Sechsten.

Auf der Beschleunigungsspur ist es dasselbe Spiel. Von 60 auf 120, mit einmal Hochschalten vom dritten in den vierten Gang, braucht die Maschine solo 7 bis 8 Sekunden, zu zweit 9 bis 11 und mit Gepäck 10 bis 13. Nimmst du die Auffahrt im höchsten möglichen Gang, bist du deutlich langsamer.

Für die 130 braucht die Maschine Leistung. Fürs Überholen braucht sie Drehzahl.

An deiner eigenen Maschine kannst du das grob nachprüfen. Lies bei 130 im höchsten Gang die Drehzahl ab und vergleich sie mit der Drehzahl, bei der dein Motor laut Datenblatt seine Höchstleistung hat. Bei einer gedrosselten Maschine gilt der Wert der Version mit 35 kW. Je größer der Abstand, desto mehr von deinen 48 PS liegt erst in einem kleineren Gang an.

Sicherheitshinweis: Zieh erst auf die linke Spur, wenn sie nach hinten so weit frei ist, dass dich beim Beschleunigen niemand einholt, und schalte vorher zurück. Zu zweit mit Gepäck dauert das Beschleunigen bis zu doppelt so lange wie solo.

Ziehst du mit zu wenig Tempo nach links, zwingst du schnellere Fahrzeuge zum Bremsen. Reagiert jemand hinter dir zu spät, droht ein Auffahrunfall, bei dem du auf dem Motorrad kaum geschützt bist.

Mit 100 PS wird Tempo 130 nicht billiger

Unter 100 PS mache die Autobahn keinen Spaß, heißt es oft. Nötig sind die 100 PS für Tempo 130 jedenfalls nicht. Hätte dieselbe Maschine bei gleichem Gewicht 100 PS, bräuchte sie für 130 dieselben 16 bis 21 Kilowatt. Mehr Leistung macht den Fahrtwind nicht schwächer.

Der Unterschied liegt in der Reserve. Mit 100 PS gingen bei 130 solo nur 24 bis 33 Prozent der Leistung drauf, zu zweit mit Gepäck 31 bis 42 statt 65 bis 87. Die stärkere Maschine bräuchte von 100 auf 130 rechnerisch etwa ein Drittel der Zeit oder weniger. Für beide Maschinen ist dabei durchgehend die volle Leistung angesetzt.

Ganz so einfach ist der Vergleich auf der Straße nicht, denn eine echte Maschine mit 100 PS hat ihr eigenes Gewicht und steht anders im Wind. Die Richtung bleibt trotzdem: Die 48 PS reichen zum Reisen, die 100 PS verkürzen das Überholen.

Bei Gegenwind wird es zu zweit eng

Mit 20 km/h Gegenwind trifft dich der Fahrtwind bei 130 so wie sonst bei 150. Solo setzt die Maschine dann zwei Drittel bis neun Zehntel ihrer Leistung ein. Zu zweit liegt das obere Ende der Spanne schon über dem, was am Hinterrad ankommt, mit Gepäck erst recht. Mit den günstigeren Annahmen hält die Maschine die 130 dann noch, fürs Überholen bleibt kaum etwas.

Mit Koffern und Gegenwind ist deshalb der fünfte Gang der bessere Reisegang. Bei 130 dreht der Motor dort rund 5.000 Umdrehungen und kann rechnerisch rund 32 kW abgeben, ein paar Kilowatt mehr als im Sechsten.

Eine lange Steigung wirkt ähnlich. Auf drei Prozent kostet Tempo 130 solo 61 bis 81 Prozent der Leistung, zu zweit 72 bis 95 und mit Gepäck 78 bis 102. Kommen Steigung und Gegenwind zusammen, wird es selbst solo knapp.

Am Pass liegt der Fall anders. Auf zehn Prozent Steigung in 2.000 Metern Höhe fehlt dem Motor rund ein Fünftel seiner Leistung. Trotzdem braucht die beladene Maschine dort bei 60 km/h nur 9 bis 10 Kilowatt, gut ein Drittel dessen, was oben noch am Hinterrad ankommt. Das Tempo geben dort die Kehren vor.

Auf der Landstraße reicht die Leistung ebenfalls gut. Von 70 auf 100 geht es im dritten Gang solo in rund drei Sekunden, zu zweit mit Gepäck in vier bis fünf.

Zu zweit mit Gepäck zieht Honda die Grenze bei 130

Für die NC750X von 2025 schreibt Honda im Kapitel Beladung, mehr Gewicht verändere, wie die Maschine fährt und bremst und wie stabil sie liegt. Das Tempo sei der Zuladung anzupassen, und dabei nie über 130 km/h. Mit Gepäck stellt sich für diese Maschine die Frage nach der Spitze nicht. Es bleibt die Frage, wie viel bei 130 übrig ist.

Auch das Gewicht hat eine Grenze. Honda nennt für die NC750X 209 Kilo Höchstzuladung für alles, was zu den 216 Kilo der Maschine dazukommt, also für dich, den Mitfahrer, das Gepäck und alles Angebaute. Das Gepäck allein darf höchstens 27 Kilo wiegen. Die 190 Kilo aus dem Beispiel liegen darunter. Jede Maschine hat ihre eigenen Grenzen, manche deutlich niedrigere, und manche Hersteller nennen für die Fahrt mit Koffern ein bestimmtes Tempo.

Die 48 PS der NC750X reichen zu zweit mit Gepäck also bis an die Grenze, die Honda ohnehin setzt. Im passenden Gang bleibt dabei etwas Reserve, bei Gegenwind wenig oder gar keine. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Wo dir die 48 PS fehlen werden

Im Alltag merkst du von alldem wenig. Auf der Landstraße, im Reisetempo auf der Autobahn und am Pass hat eine A2-Maschine mehr Reserve, als ihr oft nachgesagt wird. Die fehlenden PS zeigen sich nur in wenigen Situationen, und die siehst du kommen. Etwa wenn du zu zweit hinter einem Lastwagen hervorziehen willst, wenn die Koffer voll sind und der Wind von vorn kommt oder wenn die Autobahn lange ansteigt.

Dann hilft meistens ein Gang weniger, manchmal zwei. Und manchmal hilft nur, zu warten, bis die linke Spur nach hinten frei ist.

Entscheidend ist deshalb weniger die Zahl im Datenblatt als die Frage, wie oft du so unterwegs bist: zu zweit, voll beladen, gegen den Wind. Ist das der eine Sommerurlaub im Jahr oder jedes zweite Wochenende?

❓ Häufige Fragen zu 48 PS auf der Autobahn

Reichen 48 PS für die Autobahn?

48 PS reichen für Reisetempo 130. Eine A2-Maschine wie die NC750X mit 35 kW setzt bei 130 km/h ohne Sozius nach einer Überschlagsrechnung rund 60 Prozent ihrer Leistung am Hinterrad ein. Eng wird es mit Sozius, Koffern und Gegenwind, besonders wenn du im höchsten Gang überholen willst.


Wie schnell fährt ein Motorrad mit 48 PS?

Die Höchstgeschwindigkeit mit 48 PS bestimmt vor allem der Fahrtwind, der dich und die Maschine bremst. Für zwei Modelle mit ab Werk 35 kW nennt Honda 165 km/h (NX500) und 176 km/h (CB500 Hornet). Für eine NC750X in der 35-kW-Version ergeben sich rechnerisch solo rund 145 bis 165 km/h.


Reichen 48 PS zu zweit?

Mit Sozius reichen 48 PS für 130 km/h, rechnerisch gehen dafür 60 bis 82 Prozent der Leistung am Hinterrad drauf. Spürbar wird der Sozius beim Beschleunigen und an Steigungen. Von 100 auf 130 dauert es im vierten Gang zu zweit 7 bis 11 Sekunden statt 5 bis 7, und Gegenwind kann die Reserve aufbrauchen.


Warum zieht eine A2-Maschine im sechsten Gang so schwach?

Im sechsten Gang zieht eine A2-Maschine schwächer, weil der Motor bei Autobahntempo unter der Drehzahl seiner Höchstleistung dreht. Wie weit darunter, hängt von Motor und Übersetzung ab. An der NC750X sind es bei 130 km/h rund 4.200 Umdrehungen, ihre 35 kW erreicht sie erst bei 6.000. Zwei Gänge tiefer liegt beim Überholen fast die volle Leistung an.


Wie viel Leistung kostet ein Sozius?

Ein Sozius kostet bei konstant 130 km/h vor allem Leistung gegen den Fahrtwind. Sein Oberkörper vergrößert die Fläche im Wind, dafür braucht die Maschine zwei bis drei Kilowatt mehr. Über den Rollwiderstand schlagen 75 Kilo Sozius dagegen nur mit etwa einem halben Kilowatt zu Buche. Beim Beschleunigen und am Berg zählt sein Gewicht voll.

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