
Zwischen 70 und 80 km/h. So schnell bringt dich eine 125er mit 15 PS laut Datenblatt eine Rampe von zehn Prozent Steigung hinauf, auf 2.000 Metern Höhe und mit dem Gasgriff am Anschlag. Sitzt jemand hinter dir, sind es gut 10 km/h weniger.
Das ist keine Messung, sondern eine Rechnung mit den Daten einer Kawasaki Ninja 125 und Annahmen, die du weiter unten findest. Für die Frage, ob du mit der 125er über den Pass kommst, reicht sie: Du kommst.
Die dünne Luft oben kostet dich dabei weniger als die Steigung selbst. Eng wird es erst beim Überholen. Und mit B196 im Führerschein endet die Tour schon früher, an der Grenze.
Die Rechnung nimmt, was Kawasaki in die Anleitung der Ninja 125 schreibt: 11 kW bei 10.000 Umdrehungen und 149 Kilo fahrbereit. Dazu kommen Annahmen: 90 Kilo für dich mit Helm und Kombi, 75 für einen Sozius, 10 bis 15 Prozent Verlust zwischen Kurbelwelle und Hinterrad, für Fahrtwind und Rollwiderstand übliche Spannen. In der Höhe fehlen dem Motor je 1.000 Meter rund neun Prozent Luft und damit Leistung.
Daraus ergibt sich, wie schnell die Maschine bei Vollgas dauerhaft fährt, solange die Steigung gleich bleibt:
Die letzte Zeile nimmt das Steilste und das Höchste zusammen, was die Großglockner-Hochalpenstraße laut der Österreich Werbung zu bieten hat: bis zu zwölf Prozent Steigung und 2.504 Meter am Hochtor.
Die erste Zeile passt zur Übersetzung aus der Anleitung. Im sechsten Gang erreicht die Ninja ihre 10.000 Umdrehungen rechnerisch bei gut 110 km/h, darüber lässt die Leistung nach.
Ohne Sozius verlierst du von der Ebene auf zehn Prozent rund 30 km/h. Von 500 auf 2.000 Meter, bei gleicher Steigung, kommen nur noch rund 5 dazu. Die Steigung frisst also viel mehr Tempo als die Höhe.
Auf zehn Prozent braucht die Maschine bei Vollgas mehr als die Hälfte ihrer Leistung am Hinterrad allein dafür, dich und sich selbst nach oben zu heben. Zu zweit sind es rund zwei Drittel. Oben fehlt dem Motor zwar knapp ein Fünftel Leistung, doch die dünnere Luft bremst dich auch weniger.
Die Liste zeigt das Tempo, das die Maschine auf Dauer hält. Nach einer Kehre musst du erst wieder dorthin kommen, und zu zweit auf 2.000 Metern brauchst du rechnerisch rund 200 Meter und mehr, um von 25 auf 60 km/h zu beschleunigen. Liegt die nächste Kehre näher, erreichst du die Werte aus der Liste gar nicht.
Eine andere 125er mit 11 kW und ähnlichem Gewicht landet nah an diesen Werten. Hat sie noch einen Vergaser, wird ihr Gemisch in der Höhe fetter, und sie verliert oben etwas mehr. Mit weniger Leistung liegen alle Werte darunter, und Überholen dauert noch länger. Wie viel deine hat, steht in den technischen Daten der Anleitung.
In der Ebene nimmt dir ein Sozius rund 5 km/h. Dort bremst vor allem der Fahrtwind, und zwei Personen auf einer 125er bieten ihm nur wenig mehr Fläche als eine. An der Steigung sind es 10 bis 12 km/h, also gut das Doppelte, denn jetzt muss jedes Kilo mit nach oben.
Bevor es bergauf geht, kommt deshalb die Waage. Kawasaki erlaubt bei der Ninja 125 für dich, deinen Sozius, Gepäck und Zubehör zusammen 180 Kilo. Mit 90 und 75 Kilo bleiben 15 übrig, und ein Topcase samt Träger zählt als Zubehör schon mit. Zu zweit mit Gepäck für eine Woche stößt du damit eher an die Zuladung als an die Leistung.
Rechne vor der Tour ehrlich nach, mit Kombi, Stiefeln und Helm statt mit dem Wert von der Badezimmerwaage. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
In der Anleitung der Ninja 125 steht ein Satz, auf den es am Pass ankommt: An steilen Anstiegen in einen kleineren Gang schalten, damit Leistung übrig bleibt, statt den Motor zu überlasten. Klingt selbstverständlich. Bei einem Motor mit 125 Kubik ist es das Wichtigste, was du am Berg tun kannst.
Seine Leistung holt dieser Motor aus der Drehzahl. Das höchste Drehmoment liegt bei 7.700 Umdrehungen, die vollen 15 PS kommen bei 10.000. Bei 5.000 Umdrehungen bleibt ihm rechnerisch kaum mehr als die Hälfte davon, weil er bei keiner Drehzahl mehr Drehmoment hat als bei 7.700.
Wer von einem großen Motor kommt, schaltet früh hoch, weil der schon bei niedriger Drehzahl kräftig zieht. Die 125er verhungert dabei und wird an der Rampe immer langsamer. Auch das Ohr täuscht. 9.000 Umdrehungen klingen nach Quälerei, liegen aber noch unter den 10.000, bei denen die volle Leistung kommt. Tabu ist der rote Bereich des Drehzahlmessers.
Kawasaki warnt außerdem davor, bei hoher Drehzahl zurückzuschalten, weil der Motor überdrehen und das Hinterrad rutschen kann. Die Grenze liegt in jedem Gang bei 5.000 Umdrehungen.
Den passenden Gang wählst du deshalb früh, statt ihn spät zu korrigieren. An der Rampe bleibst du lieber im kleineren Gang. Schaltest du zu früh hoch, fällt die Drehzahl, die Maschine wird langsamer, und zurückschalten sollst du erst unter 5.000 Umdrehungen. Im vierten Gang sind das rund 45 km/h. Bei der Ninja passt rechnerisch allein der dritte oder vierte Gang, zu zweit der dritte.
Auch durch eine enge Kehre bergauf kommst du mit Drehzahl besser. Lass sie im ersten Gang nicht absacken und regle das Tempo mit der schleifenden Kupplung, bis du aus der Kehre heraus bist. Sonst stirbt der kleine Motor womöglich genau an der steilsten Stelle ab.
Ist die Maschine neu, kommt eine Grenze dazu. Kawasaki nennt für die ersten 200 Kilometer höchstens 4.000 Umdrehungen, bis 350 Kilometer höchstens 6.000 und danach bis 1.000 Kilometer eine maßvolle Fahrweise. Kurz darüber darfst du, wenn es sein muss. Eine lange Rampe ist aber kein kurzer Moment, deshalb passt die erste Passfahrt besser hinter die Einfahrzeit.
Bergab dreht sich die Sache um, dort fehlt dir keine Leistung. Für lange Gefällestrecken rät Kawasaki, das Gas zu schließen und eingekuppelt zu bleiben, damit der Motor mitbremst. Die eigentliche Arbeit machen trotzdem Vorder- und Hinterradbremse. Lass sie dabei nicht dauernd schleifen. Brems vor den Kurven und lass sie dazwischen los, dann kühlt der Fahrtwind die Scheiben. Im Dauereinsatz können sie überhitzen und nachlassen.
Vor dir fährt ein Wohnmobil mit 50 km/h. Auf ebener Straße wärst du mit der 125er allein in sieben bis acht Sekunden vorbei, mit 15 bis 20 Metern Abstand beim Ausscheren und genauso viel beim Einscheren.
Zu zweit auf zehn Prozent und 2.000 Metern dauert dasselbe Manöver 15 bis gut 20 Sekunden. Du legst dabei 250 bis 370 Meter zurück. Wer dir mit 60 entgegenkommt, schafft in dieser Zeit noch einmal so viel. Die Gegenfahrbahn müsste also auf mehr als einem halben Kilometer frei und einsehbar sein, und das bietet eine Passstraße selten.
Fährt das Fahrzeug vor dir 60, kommst du zu zweit auf dieser Höhe kaum noch vorbei. Dein Höchsttempo liegt dort nur wenige km/h darüber, und das Überholen dauert eine halbe Minute oder länger. Bleib in diesem Fall mit großem Abstand dahinter, bis die Straße flacher wird und die 125er wieder Leistung übrig hat. Je weiter du zurückbleibst, desto mehr Straße siehst du dann neben dem Fahrzeug vor dir.
Sicherheitshinweis: Überhole mit der 125er am Berg nur, wenn du die Gegenfahrbahn weit über das Fahrzeug vor dir hinaus einsehen kannst. Zu zweit lass es im Zweifel bleiben.
An der Steigung fehlt der Maschine die Leistungsreserve, um ein begonnenes Manöver schnell zu beenden. Kommt dir mittendrin jemand entgegen, kannst du nicht einfach beschleunigen, und dein Gefühl für die nötige Strecke stammt aus der Ebene.
Fährst du die 125er mit der Schlüsselzahl 196 im Autoführerschein, entscheidet nicht der Motor, wie weit du kommst, sondern die Grenze. Die Fahrerlaubnis-Verordnung beschränkt diese Berechtigung ausdrücklich auf das Inland. Für die Großglockner-Hochalpenstraße oder die Pässe in Südtirol brauchst du die Klasse A1 oder eine höhere Motorradklasse.
In Deutschland führt zum Beispiel die Roßfeld-Panoramastraße bei Berchtesgaden auf knapp 1.600 Meter. Auf der Tourismusseite des Berchtesgadener Landes heißt sie Deutschlands höchstgelegene mautpflichtige Panoramastraße. Rund anderthalb Kilometer ihrer Scheitelstrecke liegen allerdings in Österreich. Für dieses Stück haben beide Länder 1966 einen Vertrag geschlossen. Nach diesem Vertrag genügen im Durchgangsverkehr die Papiere, die einer der beiden Staaten für das Fahren und für die Maschine verlangt. Ob das für die Schlüsselzahl 196 gilt, klärst du vor der Fahrt mit deiner Fahrerlaubnisbehörde.
Für die Rechnung mit der 125er über den Pass ändert die geringere Höhe wenig. Die Steigung bremst dort genauso wie überall, und auf knapp 1.600 Metern liegst du nur ein, zwei km/h über den Werten für 2.000.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deine Fahrerlaubnisbehörde oder eine Fahrschule, vor einer Fahrt ins Ausland auch einen Automobilclub.
Eine Sache zeigt die Liste nicht. Mit 60 oder 70 km/h auf der Rampe bist du langsamer als das meiste, was hinter dir kommt, und das sammelt sich: große Reiseenduros, Supersportler, dazwischen die Autos.
Die andere Seite kennst du: das Wohnmobil, hinter dem du drei Kehren lang hängst. Mit der 125er bist jetzt du am Pass das Wohnmobil. Die Schlange hinter dir will vorbei, und nicht jeder wartet dafür auf eine Gerade, die lang genug ist.
Nimm den Druck raus. An der nächsten Haltebucht blinkst du, fährst rechts ran und lässt die Schlange vorbeiziehen. Das kostet dich weniger als eine Minute. Danach hast du die Rampe für dich, und 70 km/h fühlen sich ohne Scheinwerfer im Rückspiegel ziemlich schnell an.
Schafft eine 125er einen Alpenpass?
Eine 125er mit 11 kW kommt auch steile Alpenpässe hinauf, und durch die Kehren fährst du mit jeder Maschine langsam. Rechnerisch hält sie bei Vollgas auf zehn Prozent in 2.000 Metern Höhe allein 70 bis 80 km/h, mit Sozius 60 bis 70. Eng wird es beim Überholen, nicht beim Hinaufkommen.
Wie steil sind zehn Prozent Steigung?
Zehn Prozent heißt zehn Meter Höhe auf 100 Meter waagerechte Strecke, das entspricht knapp sechs Grad. Für eine 125er ist das trotzdem viel, weil bei Vollgas der größere Teil ihrer Leistung ins Heben geht. Die zwölf Prozent, die an der Großglockner-Hochalpenstraße vorkommen, sind knapp sieben Grad.
Wie viel Leistung verliert ein Motorrad in der Höhe?
Ein Motorrad verliert je 1.000 Höhenmeter rund neun Prozent Leistung, weil mit der dünneren Luft weniger Sauerstoff in den Zylinder kommt. Auf 2.000 Metern bleiben also gut vier Fünftel. Am Berg verliert eine 125er dadurch weniger Tempo als befürchtet, zwischen 500 und 2.000 Metern rund 5 km/h, denn die dünne Luft bremst auch weniger.
Kann ich mit der 125er zu zweit über den Pass?
Zu zweit reicht die Leistung einer 125er für den Pass, an der Steigung bist du aber rund 10 bis 12 km/h langsamer als allein. Prüf vorher die Zuladung. Kawasaki begrenzt sie bei der Ninja 125 auf 180 Kilo für zwei Personen samt Gepäck und Zubehör. Wiegt ihr mit Ausrüstung 90 und 75 Kilo, sind nur noch 15 Kilo frei.
Darf ich mit B196 in Österreich fahren?
Mit B196 allein darfst du in Österreich keine 125er fahren, denn die Fahrerlaubnis-Verordnung lässt die Schlüsselzahl 196 nur in Deutschland gelten. In Österreich und im übrigen Ausland brauchst du für eine 125er die Klasse A1, A2 oder A. Für das kurze österreichische Stück der Roßfeldstraße bei Berchtesgaden gilt ein eigener Staatsvertrag. Verbindliche Auskunft gibt deine Fahrerlaubnisbehörde.
In welchem Gang fährt die 125er am besten bergauf?
Die 125er fährt bergauf am besten in einem Gang, den du früh wählst und dann hältst, damit der Motor hoch dreht. Die Ninja 125 hat ihr höchstes Drehmoment bei 7.700 und ihre volle Leistung bei 10.000 Umdrehungen, auf zehn Prozent ist das rechnerisch der dritte oder vierte Gang. Zurückschalten solltest du laut Kawasaki erst unter 5.000 Umdrehungen.
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