
Wie weit kommst du noch, wenn die Reserveleuchte angeht und das Navi die nächste Tankstelle erst in 38 Kilometern kennt? Auf einer BMW R 1250 GS ist das kein Thema, dort sind bei der Warnung noch rund vier Liter im Tank. Auf einer KTM 390 Duke sind es etwa anderthalb, und dann wird es eng.
Die übrigen Maschinen in der Tabelle unten liegen dazwischen. Bei fünf Litern auf 100 Kilometer bleiben dir nach der Warnung je nach Modell 30 bis 80 Kilometer. Und mehrere Suzuki-Modelle warnen gleich zweimal.
Einen Benzinhahn mit RES haben die Maschinen in der Tabelle nicht mehr. Die Reserve ist hier eine Menge im selben Tank, und wann sie erreicht ist, meldet ein Geber, der den Füllstand misst.
Die Menge findest du in den Anleitungen der Hersteller, mal bei den technischen Daten, mal bei der Beschreibung der Kraftstoffanzeige. Meist steht ein „ca.“ oder „ungefähr“ davor, denn ein Geber ist kein Messbecher.
Ob bei deiner Maschine eine eigene Leuchte angeht, das letzte Segment blinkt oder ein Schriftzug im Display erscheint, ist dabei Nebensache. Gemeint ist jedes Mal: Such dir eine Tankstelle.
| Modell (Jahr) | Rest bei der Warnung | Reicht bei 5 l auf 100 km |
|---|---|---|
| KTM 390 Duke (2024) | ca. 1,5 l | 30 km |
| Yamaha MT-09 (2023) | ca. 2,5 l | 50 km |
| Yamaha MT-07 (Modell 2014) | 2,7 l | 54 km |
| Honda NC750X, NT1100 (2025), CB650R (2024) | ca. 3,0 l | 60 km |
| KTM 890 Adventure (2023) | ca. 3 l | 60 km |
| Honda CB750 Hornet (2025) | ca. 3,1 l | 62 km |
| Honda XL750 Transalp (2025) | ca. 3,3 l | 66 km |
| Yamaha Tracer 700 (2020), Honda Gold Wing (2025) | 3,5 l | 70 km |
| Honda Africa Twin (2025), Adventure Sports | ca. 3,6 l, ca. 3,9 l | 72 km, 78 km |
| BMW R 1250 GS (2018, 2020), R 1300 GS (2023) | ca. 4 l | 80 km |
In Klammern steht das Modelljahr oder das Jahr der Anleitung, je nachdem, was der Hersteller angibt. Die rechte Spalte ist ein Rechenbeispiel, kein Versprechen.
Der höchste Wert ist fast das Dreifache des niedrigsten. Mit der Größe der Maschine hat das nur lose zu tun. Die MT-09 warnt bei 2,5 Litern, die kleinere MT-07 schon bei 2,7, und beide haben einen 14-Liter-Tank.
Auch der Anteil am Tank schwankt. Bei der 390 Duke sind anderthalb Liter ein Zehntel ihres 15-Liter-Tanks, bei der R 1250 GS sind vier Liter ein Fünftel von rund 20.
Fehlt dein Modell, such in der Anleitung nach dem Wort „Reserve“ oder schlag die Seite zur Kraftstoffanzeige auf. Yamaha führt die Menge in den technischen Daten unter „Davon Reserve“, Honda direkt bei der Anzeige, BMW als „Kraftstoffreservemenge“. Eine andere Ausgabe der Anleitung kann eine andere Zahl nennen, das zeigt Suzuki bei der V-Strom 650. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Bei der älteren V-Strom 650 blinkt laut deutscher Anleitung zuerst das Symbol mit der Zapfsäule, sobald weniger als 4,5 Liter im Tank sind. Unter 2,5 Litern blinkt das letzte Segment der Anzeige mit.
Die englische Ausgabe von 2021 nennt für die V-Strom 650 andere Schwellen, 5 und 2 Liter. Die SV650 warnt bei 4,2 und 1,7 Litern. Beim ersten Blinken verlangen beide englischen Anleitungen, sofort zu tanken.
Die erste Stufe ist also die eigentliche Tankwarnung. Die zweite kommt bei diesen beiden Modellen erst bei 1,7 bis 2,5 Litern. Das ist weniger, als die meisten Maschinen der Tabelle bei ihrer einzigen Warnung noch haben.
Fährst du eine gebrauchte V-Strom 650 und weißt nicht, welche Ausgabe der Anleitung zu ihr gehört? Dann merk dir die vorsichtigere Lesart: Nach dem zweiten Blinken sind es eher zwei Liter als zweieinhalb.
Die Leuchte ist nur der letzte Hinweis. Davor und danach arbeiten die Displays sehr verschieden.
Die 890 Adventure misst laut KTM erst, wenn der Tank halb leer ist. Bis dahin steht der Balken auf voll. Wird es knapp, blinkt das letzte Segment rot, und im Display steht LOW FUEL. Für die erste Tankhälfte sagt dir der Balken also nichts, der Tageskilometerzähler schon.
Bei der 890 Adventure und der 390 Duke rechnet die Anzeige außerdem nicht weiter, solange der Seitenständer ausgeklappt oder der Notausschalter betätigt ist. Erst zwei Minuten nachdem beides wieder in Fahrstellung ist, zeigt sie den neuen Stand. Tankst du auf dem Seitenständer, fährst du also mit dem alten Stand im Display los. Auch sonst reagiert sie mit Verzögerung, damit der Balken beim Fahren nicht ständig springt.
Bei einigen Hondas verschwindet am Ende die Zahl. Bei der CB650R von 2024 und bei NT1100, Africa Twin und Gold Wing von 2025 zeigt die Restreichweite drei Striche, sobald weniger als fünf Kilometer oder weniger als ein Liter übrig sind. Die Reichweite entspricht laut Honda nicht in jedem Fall der tatsächlich verbleibenden Strecke.
An der CB650R wechselt die Anzeige unter drei Litern von den Balken auf eine gelbe Reichweite. Die Balken gibt es dann nicht mehr.
Yamaha zählt mit. Mit der Warnung springt die Anzeige bei MT-07 und Tracer 700 auf einen eigenen Zähler, TRIP F, der die Kilometer seit diesem Moment misst. Auch an der MT-09 beginnt er mit der Reserve zu zählen.
Blinkt nicht nur das letzte Segment, sondern die ganze Anzeige, meldet sie bei mehreren Maschinen der Tabelle einen Fehler und nicht die Reserve. Bei der MT-07 blinken Segmente und Warnanzeige dann achtmal und gehen für etwa drei Sekunden aus, bei der Tracer 700 blinken die Segmente immer wieder. Yamaha nennt das ein Problem im Stromkreis und schickt dich in die Fachwerkstatt, Honda bei einem Fehler im Kraftstoffsystem umgehend zum Händler. Die beiden KTM lassen die Anzeige blinken, wenn vom Geber kein Signal ankommt. Bis zur Werkstatt bleibt dir der Tageskilometerzähler.
Die Rechnung passt auf einen Bierdeckel. Verbraucht deine Maschine fünf Liter auf 100 Kilometer, bringt dich jeder Liter 20 Kilometer weit. Bei vier Litern sind es 25, bei sechs knapp 17.
Nimm dafür den Verbrauch, den du selbst nachgerechnet hast: getankte Liter geteilt durch die gefahrenen Kilometer, mal 100. Die Zahl aus dem Datenblatt stammt vom Prüfstand und hilft hier wenig.
Für die 38 Kilometer aus dem Beispiel oben müsste die 390 Duke mit ihren anderthalb Litern unter vier Litern auf 100 Kilometer bleiben. Bergauf, mit Gepäck oder bei Autobahntempo verbraucht jede Maschine mehr als im Schnitt, und im Stau läuft der Motor, ohne dass du vorankommst. Dann schrumpft die Strecke.
KTM beschreibt für die 890 Adventure und die 390 Duke, was das letzte Stück Tempo kostet. Wer nach Vollgas den Griff auf drei Viertel zurücknimmt, verliert kaum Geschwindigkeit und verbraucht deutlich weniger.
Auf Reserve fährst du deshalb nicht mehr Vollgas. Dazu passen Yamahas Spartipps für MT-09, MT-07 und Tracer 700: beim Beschleunigen hohe Drehzahlen meiden, außerdem gleichmäßig fahren (MT-07, Tracer 700) oder früh hochschalten (MT-09).
Sicherheitshinweis: Plan den Tankstopp, sobald die Warnung kommt, und fahr die Reserve nicht bis zum letzten Liter aus. Abseits der Hauptstrecken und nachts gilt das doppelt, weil die nächste offene Tankstelle weiter weg sein kann, als du denkst.
Geht der Motor wegen Spritmangel aus, fehlt dir der Antrieb von einem Moment auf den anderen, im Überholvorgang genauso wie in einer Baustelle ohne Standstreifen. Für Aussetzer und Abschalten wegen Kraftstoffmangels nennt BMW bei der R 1250 GS und der R 1300 GS die Unfallgefahr und eine Beschädigung des Katalysators.
Den Katalysator nennen auch Honda und Yamaha. Für die NC750X schreibt Honda, ohne Sprit könne der Motor fehlzünden und so den Kat beschädigen. Yamaha warnt bei der MT-09 vor demselben Schaden, wenn der Kraftstoff während der Fahrt ausgeht. Ob ein leer gefahrener Tank auch der Kraftstoffpumpe schadet, steht in keiner dieser Anleitungen. Bei Einspritzern sitzt sie meist im Tank, und der Kraftstoff kühlt sie dort.
An der Zapfsäule entscheiden zwei Kleinigkeiten, ob die Anzeige danach stimmt.
Die erste ist der Seitenständer. Laut Suzuki zeigt die Kraftstoffanzeige dort nicht korrekt an. Willst du nach dem Tanken auf die Anzeige schauen, setz dich auf die Maschine, halte sie mit beiden Füßen gerade und schalte erst dann die Zündung ein.
Die zweite ist die Menge, die du nachfüllst. Bei der R 1250 GS und der R 1300 GS muss nach dem Tanken mehr als die Reservemenge im Tank sein, sonst erkennt das Motorrad den neuen Füllstand nicht. Die Reservekontrollleuchte bleibt dann an, und auch die Reichweite berechnet die Maschine laut BMW erst oberhalb der Reserve neu.
Füllst du an einer teuren Tankstelle nur zwei Liter nach, um bis zur nächsten günstigeren zu kommen, und liegst damit noch unter rund vier Litern, leuchtet die Warnung weiter. Das ist kein Fehler, sondern so beschrieben.
BMW nennt außerdem die nutzbare Kraftstofffüllmenge, also das, was nach einer leer gefahrenen Reserve hineinpasst: rund 20 Liter bei der R 1250 GS und rund 19 bei der R 1300 GS. Leer fahren musst du dafür nicht, die Zahl hilft beim Rechnen im nächsten Abschnitt.
Die Tabelle nennt die Werte der Hersteller. Wie weit du selbst damit kommst, zeigt dir die Zapfsäule, und das geht schnell.
Kommt die Warnung, merk dir den Kilometerstand oder lass TRIP F zählen, wo es ihn gibt. Beim Tanken notierst du, wie weit du seit der Warnung gefahren bist und wie viel in den Tank geht. Ziehst du die getankten Liter vom Fassungsvermögen ab, bei den beiden GS von der nutzbaren Füllmenge, siehst du ungefähr, was noch drin war.
Ein Beispiel mit runden Zahlen: Deine Tracer 700 braucht laut deinen Tankquittungen fünf Liter auf 100 Kilometer. Nach der Warnung fährst du 40 Kilometer, dann passen 15,5 Liter in den 17-Liter-Tank. Im Tank waren also noch anderthalb Liter, und auf den 40 Kilometern hast du etwa zwei verbraucht. Bei der Warnung waren demnach ungefähr dreieinhalb Liter Reserve im Tank, so viel, wie die Anleitung nennt. Bei deinem Verbrauch reicht das ab der Warnung für rund 70 Kilometer.
Ganz genau wird die Rechnung nie. Auf dem Seitenständer passt meist nicht jeder Liter in den Tank, und wie voll voll ist, entscheidet die Zapfpistole. Nach drei, vier Tankstopps kennst du trotzdem deine Strecke ab der Warnung, gemessen an deiner eigenen Fahrweise.
Auf der 390 Duke ist die Leuchte das Zeichen, an der nächsten Tankstelle abzufahren. Auf der R 1250 GS bleibt Zeit, sich eine mit gutem Kaffee auszusuchen.
Wie viel Benzin ist noch im Tank, wenn die Reserveleuchte angeht?
Wie viel Benzin bei der Warnung noch im Tank ist, hängt vom Modell ab. Laut den Anleitungen sind es etwa 1,5 Liter bei der KTM 390 Duke von 2024 und 2,5 Liter bei der MT-09 von Yamaha (2023). Hondas NC750X von 2025 hat noch ungefähr 3 Liter, die BMW R 1250 GS (2018, 2020) und R 1300 GS (2023) rund 4 Liter. Die Zahl für deine Maschine steht bei den technischen Daten oder bei der Kraftstoffanzeige.
Wie rechne ich die Reserve in Kilometer um?
Für die Reserve in Kilometern nimmst du die Restmenge in Litern mal 100 und teilst durch deinen Verbrauch auf 100 Kilometer. Bei fünf Litern Verbrauch reicht ein Liter für 20 Kilometer, bei sechs Litern für knapp 17. Bergauf, mit Gepäck, bei hohem Tempo und im Stau kommst du weniger weit.
Warum blinkt die Tankanzeige bei Suzuki zweimal?
Suzuki teilt die Tankwarnung bei mehreren Modellen in zwei Stufen auf. Zuerst blinkt nur das Symbol mit der Zapfsäule, später auch das letzte Segment. Für die ältere V-Strom 650 nennt die deutsche Anleitung dafür 4,5 und 2,5 Liter, die englische Ausgabe von 2021 dagegen 5 und 2. Laut der englischen Ausgabe solltest du schon beim ersten Blinken tanken.
Warum stimmt die Tankanzeige auf dem Seitenständer nicht?
Auf dem Seitenständer steht das Motorrad schräg, und dann kann die Kraftstoffmenge nicht korrekt ermittelt werden, so begründet es BMW für die R 1250 GS und die R 1300 GS. Suzuki rät, die Zündung bei aufrecht stehender Maschine einzuschalten. Die 890 Adventure und die 390 Duke von KTM aktualisieren die Anzeige mit ausgeklapptem Ständer gar nicht und erst zwei Minuten nach dem Einklappen wieder.
Warum geht die Reserveleuchte nach dem Tanken nicht aus?
Bleibt die Reserveleuchte nach dem Tanken an, kann es bei der BMW R 1250 GS und R 1300 GS an der Menge liegen. Das Motorrad übernimmt den neuen Stand laut Anleitung erst, wenn danach mehr als die rund vier Liter Reserve drin sind. Brennt die Leuchte auch bei vollem Tank weiter, lass die Anzeige in der Werkstatt prüfen.
Was bedeutet TRIP F im Display?
TRIP F ist bei Yamaha der Kilometerzähler für die Reserve. Er beginnt mit der Warnung zu zählen und zeigt, wie weit du seitdem gefahren bist. Bei der Tracer 700 setzt er sich nach dem Tanken und fünf Kilometern Fahrt von selbst zurück.
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