
Seit September 2026 ermittelt das Kraftfahrt-Bundesamt die Fahrleistung anders, und für Motorräder fällt der Wert deutlich niedriger aus als bisher. 1.594 Kilometer ist ein Motorrad in Deutschland 2025 im Schnitt gefahren, berechnet aus den Kilometerständen bei der Hauptuntersuchung. In Foren und Ratgebern kursiert bis heute die alte Zahl: gut 2.000.
Die Zahl stammt aus einer Quelle, an der niemand vorbeikommt: dem Kilometerstand, den der Prüfer bei jeder Hauptuntersuchung in den Bericht schreibt. Das Kraftfahrt-Bundesamt nimmt die Stände zweier aufeinanderfolgender Untersuchungen, bildet die Differenz und verteilt sie auf die Tage, an denen das Fahrzeug in dieser Zeit angemeldet war. Abmeldungen über den Winter und Saisonkennzeichen rechnet das Amt damit heraus.
Diese Methode gilt seit den Zahlen für 2025, die Jahre 2023 und 2024 wurden rückwirkend neu berechnet. Vorher hat das KBA aus dem Kilometerstand eine mittlere Fahrleistung seit der Erstzulassung gebildet und angenommen, dass das Fahrzeug die ganze Zeit angemeldet war und gefahren wurde. Das Amt schreibt selbst, dass diese alte Rechnung dazu neigte, die Fahrleistung zu überschätzen.
Für Motorräder ist der Unterschied groß. Nach alter Methode kam das KBA für 2024 auf 2.026 Kilometer, nach neuer auf 1.594, rund ein Fünftel weniger. Es ist dasselbe Jahr, nur anders gerechnet. Das Amt betont deshalb, dass der niedrigere Wert aus der Umstellung kommt und nicht aus einem Rückgang. Alte und neue Zahlen lassen sich nicht vergleichen.
Beim Auto fiel die Fahrleistung für 2024 durch die neue Rechnung um 14 Prozent, von 12.309 auf 10.581 Kilometer. Beim Motorrad ist der Unterschied größer, und das liegt an den Tagen. Pro angemeldetem Tag kommt nach beiden Methoden fast dieselbe Strecke heraus. Die neue zählt aber nur die Tage, an denen ein Fahrzeug wirklich angemeldet war. Davon hat ein Motorrad weniger als ein Auto, weil es öfter mit Saisonkennzeichen fährt oder über den Winter abgemeldet wird.
Für 2025 steht wieder 1.594 da, derselbe Wert wie im Jahr davor.
Zusammengerechnet sind die in Deutschland zugelassenen Motorräder 2025 knapp 7,9 Milliarden Kilometer gefahren. In der Rechnung des KBA stehen dafür rund fünf Millionen Krafträder. Die gut 1,1 Millionen Wohnmobile kommen im selben Jahr auf 8,9 Milliarden Kilometer und damit auf mehr als alle Motorräder zusammen.
Der Vergleich mit dem Auto fällt noch deutlicher aus. Ein Pkw fuhr 2025 im Schnitt 10.616 Kilometer. Ein Motorrad schafft rund 15 Prozent davon, gut ein Siebtel.
In Zeit umgerechnet wirkt es noch kleiner. Bei 60 km/h im Schnitt, Ortsdurchfahrten und Ampeln eingerechnet, sind 1.594 Kilometer gut 26 Stunden im Sattel. Ein ganzes Motorradjahr passt damit in drei lange Tourentage.
Das Muster kennst du vermutlich selbst: Das Auto bringt dich zur Arbeit, zum Einkaufen und in den Urlaub, das Motorrad wartet auf das richtige Wochenende. Ein Teil der Maschinen fährt auch im Alltag, ein anderer steht den Winter über abgemeldet in der Garage.
Ein Durchschnitt aus fünf Millionen Fahrzeugen sagt wenig über das einzelne. Hinter den 1.594 Kilometern stecken die Pendlerin, die mit dem 125er-Roller jeden Tag in die Stadt fährt, und die Sportmaschine, die zwei Ausfahrten im Jahr sieht. Für das KBA sind beide Krafträder.
Die Verteilung der Fahrleistung verrät die Statistik nicht: wie viele Maschinen unter 500 Kilometern bleiben und wie viele über 10.000 kommen. Für Krafträder nennen die Tabellen zur Fahrleistung 2025 nur den Durchschnitt, die Summe und die Zahl der Fahrzeuge (Stand: Oktober 2026).
Vorstellen lässt sich der Schnitt trotzdem. Auf das ganze Jahr verteilt, sind 1.594 Kilometer gut vier Kilometer am Tag. Das ist die Strecke zum Bäcker und zurück, nur eben jeden Tag, auch im Februar.
Deinen eigenen Wert rechnest du nach demselben Prinzip aus wie das KBA, nur mit zwei Blättern Papier. Bei einem Motorrad liegen zwischen zwei Hauptuntersuchungen in der Regel 24 Monate, und jeder Bericht nennt den Kilometerstand. Zieh den alten Stand vom neuen ab und teile durch zwei, dann hast du deine Fahrleistung pro Jahr.
In der Amtssprache heißt der Kilometerstand „Stand des Wegstreckenzählers“. Genau diese Zahl geht von der Prüfstelle an das Zentrale Fahrzeugregister, und aus solchen Werten rechnet das KBA seinen Schnitt.
Ein Beispiel: 9.600 Kilometer beim vorigen Bericht, 12.800 beim aktuellen. Das sind 3.200 Kilometer in zwei Jahren, also 1.600 im Jahr, fast auf den Kilometer der Schnitt. Mit 3.000 Kilometern im Jahr kommst du auf knapp das Doppelte, auch wenn du dich für einen Wenigfahrer hältst. Mit 5.000 bist du beim Dreifachen.
Hast du die Berichte nicht mehr, tun es zwei Rechnungen aus der Werkstatt mit Datum und Kilometerstand. Ein Jahr Abstand reicht, ein Foto vom Cockpit zu Saisonbeginn und eins zum Saisonende auch.
Beim Blick in Inserate ist die neue Fahrleistung des KBA ein brauchbarer Maßstab. Ein zehn Jahre altes Motorrad mit 16.000 Kilometern liegt ungefähr im Schnitt. Eins mit 6.000 Kilometern ist wenig gefahren, aber nicht ungewöhnlich, wenn die Papiere dazu passen. Und 40.000 Kilometer in zehn Jahren heißen nur, dass jemand das Motorrad benutzt hat, und zwar gut zweieinhalbmal so viel wie der Schnitt.
Wenig Kilometer sind dabei kein Freifahrtschein. Eine Maschine, die viel stand, hat dieselben Jahre auf Reifen, Bremsflüssigkeit und Batterie wie eine, die viel fuhr. Ob der Vorbesitzer sich rechtzeitig darum gekümmert hat, zeigen Rechnungen mit Datum, nicht der Kilometerzähler. Wie alt die Reifen sind, steht auf ihrer Flanke.
Bei dieser Fahrleistung erreichst du viele Kilometermarken im Wartungsplan erst nach Jahren. Ein Ölwechselintervall von 10.000 Kilometern käme nach gut sechs Jahren. Fällig wird vorher, was sich nach dem Datum richtet, und davon nennen die Anleitungen einiges:
Beim Öl ist es ähnlich. Yamaha lässt es an der MT-07 alle 10.000 Kilometer wechseln und zusätzlich bei der jährlichen Kontrolle. Royal Enfield schreibt bei der Interceptor 650 ab der ersten Wartung alle zwölf Monate einen Ölwechsel vor, auch wenn die Kilometer fehlen. Für deine Maschine steht im Wartungsplan, wo das Datum zählt. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Sicherheitshinweis: Richte dich bei Bremsflüssigkeit und Bremsschläuchen nach dem Datum im Wartungsplan, nicht nach dem Kilometerstand, und schau bei den Reifen auf ihr Alter. Bei wenig Fahrleistung kommt das Datum fast immer zuerst.
Bremsflüssigkeit nimmt mit der Zeit Wasser auf, ihr Siedepunkt sinkt, und nach einer langen Abfahrt kann der Hebel ins Leere gehen. Ein alter Reifen kann noch Profil haben und haftet auf kaltem oder nassem Asphalt trotzdem schlechter. Beides zeigt sich erst bei einer harten Bremsung oder in der ersten nassen Kurve, also genau dann, wenn du die Reserve brauchst.
Steht ein Motorrad wochenlang, entlädt sich seine Batterie, und ein paar Kilometer am Sonntag laden sie nicht wieder voll. Die Hersteller rechnen damit. Für die V-Strom 650 rät Suzuki, die Batterie einmal im Monat nachzuladen, wenn die Maschine längere Zeit nicht gefahren wird. Yamaha lässt bei der MT-07 nach mehr als zwei Monaten Stillstand mindestens einmal im Monat den Ladezustand prüfen.
Fährst du so wenig wie der Durchschnitt, kommst du um diese Termine kaum herum. Ein Ladegerät an der Maschine oder eins für die ausgebaute Batterie sind die zwei üblichen Wege. Welcher zu deinem Motorrad passt, steht ebenfalls in der Anleitung.
Auch der Sprit steht dann oft wochenlang im Tank. Für diesen Fall rät Yamaha bei der MT-09, nach jedem Tanken einen Kraftstoffstabilisator zu verwenden.
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Kalender statt Kilometerzähler: Bei so wenig Fahrleistung ist das der Normalfall, nicht erst bei Garagenmotorrädern.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Was für dein Kennzeichen und deine Hauptuntersuchung gilt, sagen dir die Zulassungsstelle und deine Prüforganisation.
Bremsbeläge, Kette und Ritzel nutzen sich mit der Strecke ab, bei einer Fahrleistung von knapp 1.600 Kilometern im Jahr also nur langsam. Teurer wird dafür jeder einzelne Kilometer. Steuer, Versicherung, Wartung, Hauptuntersuchung und Stellplatz kosten auch dann Geld, wenn die Maschine steht. Je Kilometer gerechnet ist das gut dreimal so viel wie bei einer Maschine, die 5.000 im Jahr fährt.
Ein Motorrad muss sich ohnehin nicht rechnen wie ein Auto, das jeden Morgen anspringt. Es reicht, dass die Maschine da ist, wenn das Wetter stimmt.
Nur solltest du die eigene Zahl kennen, bevor du sie schönrechnest. Was steht in deinem letzten HU-Bericht?
Wie viele Kilometer fährt ein Motorrad in Deutschland im Jahr?
Ein Motorrad fährt in Deutschland im Schnitt 1.594 Kilometer im Jahr, so steht es für 2025 in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts. Den gleichen Wert weist das Amt für 2024 aus, für 2023 waren es 1.633 Kilometer. Grundlage sind die Kilometerstände bei der Hauptuntersuchung.
Warum nennt das KBA heute 1.600 statt 2.000 Kilometer?
Das Kraftfahrt-Bundesamt nennt heute knapp 1.600 statt gut 2.000 Kilometer, weil es im September 2026 seine Methode umgestellt hat. Es verteilt die gefahrenen Kilometer jetzt nur auf die Tage, an denen ein Fahrzeug angemeldet war; die alte Rechnung hat die Fahrleistung nach Angaben des KBA eher überschätzt. Der niedrigere Wert bedeutet also keinen Rückgang, die Werte beider Methoden sind nicht vergleichbar.
Wie berechne ich meine eigene Jahresfahrleistung?
Deine Jahresfahrleistung rechnest du aus zwei aufeinanderfolgenden HU-Berichten aus: Zieh den älteren Kilometerstand vom neueren ab und teile durch die Zahl der Jahre dazwischen, beim Motorrad meist zwei. Ohne Berichte gehen auch zwei datierte Werkstattrechnungen oder Fotos vom Kilometerzähler.
Wie viel fährt ein Auto im Vergleich zum Motorrad?
Ein Pkw kam 2025 laut KBA im Schnitt auf 10.616 Kilometer, ein Motorrad auf 1.594. Das Motorrad fährt also gut ein Siebtel der Strecke. Alle Motorräder zusammen legten 2025 weniger Kilometer zurück als die rund 1,1 Millionen Wohnmobile.
Zählen Roller und 125er in diese Statistik?
125er und Roller über 45 km/h zählen mit: Das KBA rechnet neben Motorrädern auch Leichtkrafträder und Kraftroller zu den Krafträdern. Leichtfahrzeuge bis 45 km/h und leichte Straßen-Quads zählen seit der Umstellung nicht mehr dazu.
Muss ich bei wenig Kilometern trotzdem warten lassen?
Auch bei wenig Kilometern ist Wartung fällig, weil sich ein großer Teil davon nach der Zeit richtet, nicht nach dem Kilometerstand. Honda, Yamaha und Suzuki sehen für die Bremsflüssigkeit einen Wechsel alle zwei Jahre vor, Yamaha und Suzuki für die Bremsschläuche alle vier Jahre. Was für deine Maschine gilt, steht in ihrer Anleitung.
Wann sollten Motorradreifen bei wenig Fahrleistung raus?
Bei wenig Fahrleistung erreichen Motorradreifen oft ihre Altersgrenze, bevor das Profil abgefahren ist. KTM empfiehlt für die 890 Adventure (2023) und die 390 Duke (2024) den Wechsel nach spätestens fünf Jahren, auch wenn noch Profil da ist. Bei durchschnittlicher Fahrleistung hat ein Reifen bis dahin knapp 8.000 Kilometer gesehen. Für andere Maschinen gilt, was Fahrzeug- und Reifenhersteller angeben.
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