
Kupplung ziehen, Gang runter, ein kurzes Bellen aus dem Auspuff, Kupplung kommen lassen. Vor der Ampel sitzt das Zwischengas so sauber, dass das Hinterrad nicht einmal zuckt, und der Klang hat etwas von Rennstrecke. Für viele gehört dieser Gasstoß zu gutem Fahren wie der Blick in den Spiegel.
In den Anleitungen der MT-07, der MT-09 und der Tracer 700 steht trotzdem ein Satz, der auf den ersten Blick nicht dazu passt. Wer Sprit sparen will, soll Zwischengas beim Herunterschalten vermeiden, schreibt Yamaha. Wie viel der Gasstoß tatsächlich kostet, ist dort nicht Thema, und auch die anderen Spartipps kommen ohne Preisschild aus.
Das Kapitel ist kurz und bei allen drei Modellen wortgleich. Yamaha schickt voraus, dass die Fahrweise den Verbrauch stark beeinflusst, und gibt dann drei Ratschläge:
Ein Ratschlag gegen gute Fahrtechnik ist das nicht. Die Liste beantwortet eine einzige Frage: Wo verbrennt Benzin, das dich keinen Meter weiterbringt? Beim Gasstoß, beim Hochdrehen im Leerlauf und an der Ampel ist es jeder Tropfen, beim Beschleunigen mit hoher Drehzahl ein Teil davon.
Nachrechnen lässt sich jeder Punkt, wenn auch nur mit Annahmen und ohne Prüfstand.
Beim Herunterschalten ziehst du die Kupplung, und der Motor hängt einen Moment lang an nichts. Gibst du jetzt Zwischengas, saugt er für vielleicht eine halbe Sekunde mehr Luft an, und die Einspritzung legt den passenden Kraftstoff dazu.
Grob überschlagen für einen Zweizylinder mit rund 700 Kubikzentimetern, wie ihn die MT-07 hat, sieht das so aus. Ein kurzer Stoß von etwa 3.000 auf 5.000 Umdrehungen schiebt rund anderthalb bis knapp sechs Liter Luft durch den Motor. Dazu gehören 0,2 bis 0,6 Milliliter Benzin. Die Spanne ist breit, weil niemand den Gasstoß normiert hat, aber die Größenordnung steht.
Tausend solcher Stöße ergeben zusammen 0,2 bis 0,6 Liter. Am 7. Oktober 2026 nannte der ADAC für einen Liter Super E10 rund 2,13 Euro. Damit kosten tausend Gasstöße zwischen gut 40 Cent und knapp 1,30 Euro.
Zum Vergleich: Schaltest du ohne Zwischengas herunter und rollst danach mit eingelegtem Gang und geschlossenem Gas, greift bei vielen Einspritzanlagen die Schubabschaltung. Die Einspritzung setzt dann ganz oder fast ganz aus, solange der Motor noch deutlich über Standgas dreht. Sprit kostet also vor allem der Gasstoß, die Motorbremse danach so gut wie nichts.
Teurer wird es beim zweiten Teil desselben Ratschlags, den unnötig hohen Drehzahlen ohne Last. Wer an der Ampel im Leerlauf zweimal kräftig ans Gas geht, damit es gut klingt, verbrennt mehr als bei einem kurzen Zwischengas, weil der Motor höher und länger dreht. Und das Motorrad bewegt sich dabei keinen Meter.
Mit Sparen hat der Gasstoß nichts zu tun. Er soll die Drehzahl des Motors an den niedrigeren Gang angleichen, bevor die Kupplung greift. Ohne den Stoß zieht das Hinterrad den Motor hoch, und das spürst du als Ruck, im ungünstigen Fall als stempelndes Hinterrad.
Yamaha beschreibt die Gefahr selbst, nur an einer anderen Stelle der Anleitung als die Spartipps. Für die MT-09 steht dort, dass Tempo und Drehzahl vor dem Herunterschalten ausreichend gesunken sein müssen. Sonst könne das Hinterrad die Haftung verlieren oder der Motor überdrehen.
Die beiden Sätze widersprechen sich nicht, sie haben verschiedene Aufgaben. Im Stadtverkehr bei gemütlichem Tempo erledigt eine dosiert kommende Kupplung das Angleichen ohne Gasstoß. Manche Maschinen nehmen dir einen Teil der Arbeit ab: Eine Anti-Hopping-Kupplung lässt bei zu viel Motorbremse kurz schlupfen, ein Schaltassistent mit Zwischengas-Funktion gibt den Stoß selbst.
Vor einer Kurve, beim kräftigen Anbremsen und über mehrere Gänge zählt das ruhige Hinterrad mehr als der halbe Milliliter.
Sicherheitshinweis: Schalte erst herunter, wenn Tempo und Drehzahl weit genug gefallen sind, und lass die Kupplung dann dosiert kommen, mit oder ohne Zwischengas. Sonst kann das Hinterrad die Haftung verlieren, und Yamaha warnt, dass das zu Kontrollverlust und Unfall führen kann.
Der erste Ratschlag dürfte am meisten bringen, weil er auf jedem Kilometer wirkt. Dreht der Motor für dasselbe Tempo niedriger, steht die Drosselklappe weiter offen, und er verliert weniger Kraft beim Ansaugen und an innerer Reibung. Beziffern lässt sich das für deine Maschine nur mit einer Messung.
Royal Enfield macht aus „früh“ eine Zahl. In der deutschen Ausgabe für die Interceptor 650 steht eine Tabelle mit empfohlenen Schaltpunkten, angegeben als Tempo. In den Dritten geht es ab 35 km/h, in den Vierten ab 45, in den Fünften ab 60 und in den Sechsten ab 75. Bei der Himalayan 450 zeigt das Display an, wann du hochschalten sollst, laut Royal Enfield für einen sparsameren Verbrauch.
Früh heißt aber nicht so früh wie irgend möglich. Ruckelt die Maschine oder zieht sie im neuen Gang nur widerwillig, war es zu früh. Die Grenze hängt von Übersetzung und Motorcharakter ab. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Yamahas drei Tipps drehen sich um Drehzahl und Standgas. Auf der Landstraße und erst recht auf der Autobahn sitzt der größere Hebel woanders, nämlich im Tempo. Ab Landstraßentempo kostet nichts so viel Kraft wie der Fahrtwind, und sein Widerstand steigt quadratisch mit dem Tempo.
Bei 130 statt 100 km/h drückt die Luft rund 70 Prozent stärker, bei 150 statt 130 noch einmal ein Drittel mehr. Schon zehn km/h weniger auf der Autobahn, 120 statt 130, nehmen dem Motor rund 15 Prozent dieses Widerstands ab. Auf 100 Kilometern spart das nach grober Rechnung einen halben bis gut einen Liter, so viel wie mehrere hundert bis einige tausend Gasstöße.
Mehr Luftwiderstand bringt dabei alles, was zusätzlich in den Wind ragt: breite Koffer, ein hohes Topcase, der aufrechte Oberkörper hinter einer kurzen Scheibe. In der Stadt spielt das kaum eine Rolle, bei Autobahntempo wird es zum Posten. Brauchst du die Koffer nur für die Urlaubsreise, bleiben sie im Alltag besser in der Garage.
Einen Satz in diese Richtung hat KTM in die Anleitungen der 890 Adventure und der 390 Duke geschrieben. Nach dem Ausdrehen auf Höchstgeschwindigkeit soll der Gasgriff auf drei Viertel zurück. Das koste kaum Tempo, senke den Verbrauch aber deutlich. Das letzte Viertel am Gasgriff ist demnach das teuerste.
Wer beim Sparen mit dem Zwischengas anfängt, setzt am kürzesten Hebel an.
Den dritten Ratschlag knüpft Yamaha an eine Bedingung, die beim Weitererzählen gern verloren geht: längere Standzeiten. Das passt zum Stau, der sich nicht bewegt, zur geschlossenen Bahnschranke und zur Baustellenampel mit langer Rotphase. Zur normalen Ampel, an der es nach einer halben Minute weitergeht, passt es kaum.
Einen Literwert fürs Standgas nennen die Anleitungen nicht. Eine Laborstudie aus Hanoi hat an fünf dort verbreiteten, eher kleinen Motorrädern im Leerlauf im Schnitt rund 180 Gramm Benzin pro Stunde gemessen, knapp einen Viertelliter. Für einen Mittelklasse-Motor nehmen wir deshalb einen halben bis einen Liter pro Stunde an. Dann kostet eine Minute knapp zwei bis gut dreieinhalb Cent.
Beim Sprit geht es damit um Kleingeld. Ein anderes Argument wiegt im Sommerstau schwerer. Kawasaki warnt für die Z900 und die Ninja 125 vor mehr als fünf Minuten Leerlauf am Stück, sonst drohen Überhitzung und Motorschäden.
An der normalen Ampel spricht dagegen etwas fürs Laufenlassen. Solange hinter dir noch Verkehr heranrollt, bist du mit eingelegtem Gang bereit, dich zur Seite zu bewegen. Erst wenn hinter dir alles steht und die Wartezeit lang wird, lohnt der Griff zum Schalter.
Den Motor stellst du dann mit dem Zündschalter ab. Der Notausschalter ist laut Honda und Kawasaki für den Notfall gedacht, und Kawasaki nennt den Grund: Der Schalter unterbricht nur die Zündung, die übrige Elektrik bleibt an und kann die Batterie leeren.
Ein langer Halt kostet aber deutlich mehr als ein einzelner Gasstoß: Fünf Minuten Standgas verbrauchen nach diesen Annahmen so viel wie rund 70 bis gut 400 Gasstöße.
Übers Jahr gerechnet bleiben zwei der drei Tipps klein. Nehmen wir an, du fährst im Jahr 4.000 Kilometer und schaltest im Schnitt einmal pro Kilometer mit Zwischengas herunter. Dann kostet das Zwischengas 0,8 bis 2,4 Liter, also knapp zwei bis gut fünf Euro. Regelmäßiges Abschalten im Stau und an Schranken spart bei zwei Stunden Wartezeit im Jahr einen bis zwei Liter.
Der unauffälligste Tipp dürfte der größte sein. Frühes Hochschalten und das Meiden hoher Drehzahlen arbeiten bei jeder Fahrt mit, und schon kleine Unterschiede summieren sich. Bei 4.000 Kilometern im Jahr bringt jeder Zehntelliter weniger auf 100 Kilometer vier Liter, zum Literpreis vom 7. Oktober rund 8,50 Euro. Drei Zehntel ergeben schon gut 25 Euro.
Ausprobieren lässt sich das mit vier Tankfüllungen auf ähnlichen Strecken: zwei davon bewusst früh geschaltet, zwei so gefahren wie immer, abwechselnd und jeweils vom vollen Tank bis zum nächsten vollen Tank gerechnet.
Das Hochdrehen im Stand kannst du dir sparen. Das Zwischengas vor der Kurve darfst du behalten. Für ein ruhiges Hinterrad ist ein halber Milliliter ein fairer Preis.
Kostet Zwischengas beim Motorrad Sprit?
Zwischengas kostet beim Motorrad Sprit, aber sehr wenig. Ein kurzer Gasstoß mit gezogener Kupplung verbraucht bei einem Motor um 700 Kubik grob 0,2 bis 0,6 Milliliter Benzin. Selbst tausend Stöße kommen auf weniger als einen Liter. In Yamahas Spartipps steht es, weil der Gasstoß Benzin verbrennt, ohne dass das Motorrad vorankommt.
Warum soll ich überhaupt Zwischengas geben?
Zwischengas gleicht die Motordrehzahl an den niedrigeren Gang an, bevor die Kupplung greift. Das Hinterrad bleibt dann ruhig, statt zu rucken oder zu stempeln. Laut Yamaha kann das Hinterrad beim Herunterschalten mit zu hohem Tempo oder zu hoher Drehzahl die Haftung verlieren.
Lohnt es sich, den Motor an der Ampel abzustellen?
An einer normalen Ampel lohnt sich das Abstellen kaum: Eine Minute Standgas kostet nur ein paar Cent, und mit Gang und laufendem Motor kannst du ausweichen, solange hinter dir Verkehr heranrollt. Bei langen Wartezeiten im Stau oder an der Bahnschranke rät Yamaha zum Abstellen. Kawasaki warnt bei der Z900 ohnehin davor, den Motor länger als fünf Minuten im Stand laufen zu lassen.
Soll ich den Motor mit dem Notausschalter abstellen?
Für den Normalfall sehen Honda und Kawasaki den Zündschalter vor, der Notausschalter ist für Notfälle gedacht. Kawasaki erklärt, dass er nur die Zündung unterbricht. Licht und andere Verbraucher bleiben eingeschaltet und können die Batterie entladen.
Bei welchem Tempo soll ich hochschalten, um Sprit zu sparen?
Bei welchem Tempo du zum Spritsparen hochschaltest, hängt vom Motorrad ab. Royal Enfield nennt für die Interceptor 650 empfohlene Schaltpunkte als Tempo, etwa 45 km/h für den Wechsel in den Vierten und 75 km/h für den Sechsten. Die Himalayan 450 meldet den richtigen Moment im Display, damit sie sparsamer fährt. Ruckelt der Motor danach oder zieht er kaum noch durch, war der Gang zu hoch.
Spart es Sprit, vor der Ampel im Leerlauf auszurollen?
Vor der Ampel im Leerlauf auszurollen spart meist keinen Sprit, eher im Gegenteil. Im Schubbetrieb, also mit Gang und zugedrehtem Gasgriff, bekommt der Motor bei vielen Einspritzern kaum oder keinen Sprit. Im Leerlauf muss er mit Standgas weiterlaufen. Ohne Gang fehlt dir außerdem die Motorbremse, und zum Beschleunigen brauchst du erst wieder einen Gang.
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