
Eine Motorrad-Anleitung schlägst du meistens mit einer Frage auf: Wie viel Luft gehört mit Gepäck in den Hinterreifen, was will die gelbe Lampe im Cockpit? Du findest die Antwort und klappst das Heft wieder zu. Dazwischen stehen Sätze, nach denen du nie suchen würdest, etwa warum die Tankanzeige nach dem Tanken trödelt oder warum ein Magnet am Gasgriff nichts verloren hat. Sie stammen von sechs Herstellern und spielen fast alle an Orten, die du kennst: Rastplatz, Zapfsäule, dunkler Straßenrand.
„Achten Sie darauf, Ihren Schlüssel nicht im Staufach unter dem Soziussitz einzuschließen.“ So steht es in Hondas Anleitung der NT1100 von 2025, gleich hinter dem Hinweis, dass das Sitzschloss beim Einrasten von selbst verriegelt. Wortgleich findest du den Satz in der Anleitung der CB750 Hornet von 2026.
Wie leicht das passiert, ahnst du bei einem Detail aus derselben Anleitung: Unter dem Soziussitz der NT1100 sitzt auch der Helmhalter. Am Rastplatz schließt du mit dem Zündschlüssel den Sitz auf, ziehst den Schlüssel ab und hängst den Helm ein. Dafür brauchst du beide Hände, also landet der Schlüssel kurz im Fach unter dem Sitz.
Dann drückst du den Sitz vorne herunter, er rastet ein, und das Schloss ist zu. Honda lässt dich danach noch am Sitz ziehen, um zu prüfen, ob er fest sitzt. Er sitzt fest, mitsamt Schlüssel, und der Zweitschlüssel hängt im besten Fall zu Hause am Schlüsselbrett. Dagegen hilft eine kleine Gewohnheit: Der Schlüssel wandert in die Jackentasche, bevor der Sitz wieder herunterkommt.
Ein zweiter Honda-Satz hilft an der Zapfsäule. Nach dem Tanken drückst du den Tankdeckel zu, bis er einrastet, ziehst den Schlüssel ab und klappst die Abdeckung über dem Schloss zu. Dazu schreibt Honda für NT1100 und Hornet: „Wenn der Tankdeckel nicht verriegelt ist, kann der Schlüssel nicht abgezogen werden.“
Praktisch ist das eine eingebaute Kontrolle: Sitzt der Schlüssel nach dem Tanken fest, ist der Deckel nicht eingerastet. Zerren bringt dann nichts, ein fester Druck auf den Deckel schon.
Kawasaki hat in die Anleitung der Ninja 650 von 2026 einen Satz geschrieben, der dir an einem nassen Herbsttag wieder einfällt. „Bei Regen oder starker Staubentwicklung nicht tanken, damit das Benzin nicht verschmutzt wird.“ Es geht dabei nicht um nasse Handschuhe oder eine rutschige Zapfpistole, sondern um das, was mit in den Tank läuft.
Ein offener Einfüllstutzen ist ein Trichter. Was bei einem Schauer auf den Tank prasselt, läuft zum Teil mit hinein. Wer sich mit nasser Jacke über den Stutzen beugt, liefert die Tropfen von Ärmel und Helm gleich mit. Bei Wind gilt dasselbe für den Staub, der über einen offenen Platz treibt.
Viele Tankdeckel sitzen in einer Mulde. Übergelaufenes Benzin leitet dort ein dünner Schlauch nach unten ab, und Regenwasser nimmt denselben Weg. Für die XSR900 GP lässt Yamaha vor der Fahrt prüfen, dass der Schlauch nicht verstopft ist. Ist er zu, steht nach einem Schauer Wasser um den Deckel und läuft beim Öffnen in den Tank.
Unter dem Dach einer Tankstelle regnet es dir zwar nicht in den Stutzen, die nasse Mulde bringst du aber mit. Wisch sie deshalb vor dem Öffnen mit einem Papiertuch trocken. Steht die Säule im Freien, lohnt es sich, den Schauer unter einem Vordach abzuwarten, und offen bleibt der Deckel nur so lange wie nötig.
Der Tank ist voll, und die Anzeige zeigt noch den alten Stand. Bei der KTM 390 Duke aus dem Modelljahr 2026 ist das gewollt, und die Anleitung sagt warum. „Um ein ständiges Schwanken der Anzeige während der Fahrt zu vermeiden, wird der Kraftstoffstand leicht verzögert angezeigt.“
Im Tank schwappt das Benzin bei jedem Bremsen, bei jedem Gasstoß und über jede Bodenwelle. Eine Anzeige, die jedes Schwappen mitmacht, würde dauernd springen. Also lässt sie sich Zeit.
An der Zapfsäule kommt noch etwas dazu. Mit ausgeklapptem Seitenständer aktualisiert die Duke ihre Kraftstoffanzeige gar nicht, und auch nicht, solange der Not-Aus-Schalter auf Aus steht. Ist der Ständer oben und der Schalter wieder an, vergehen noch zwei Minuten bis zum nächsten Wert. Zeigt sie kurz nach dem Losfahren noch den alten Stand, ist nichts kaputt. Willst du wissen, wie weit die neue Füllung reicht, schau erst nach ein paar Minuten Fahrt auf die Reichweite.
Das Zündschloss der Suzuki SV650 hat vier Stellungen: OFF, ON, LOCK und P. Für P verriegelst du die Lenkung, drehst den Schlüssel auf P und ziehst ihn ab. Kennzeichen- und Schlussleuchte bleiben dann an, die Positionsleuchte auch, sofern die Maschine eine hat. „Diese Stellung ist für das Parken bei Nacht am Straßenrand vorgesehen“, schreibt Suzuki. So sollen andere dein Motorrad besser sehen.
In Deutschland passt dazu eine Regel aus der Straßenverkehrs-Ordnung. Auf der Fahrbahn darfst du ein Motorrad nach § 17 Absatz 4 bei Dunkelheit nicht unbeleuchtet stehen lassen. Die Vorschrift nennt Krafträder dabei in einer Reihe mit Fahrrädern und Krankenfahrstühlen, als Fahrzeuge, die sich leicht von der Fahrbahn schaffen lassen.
Wie lange du so parken kannst, steht nicht im Handbuch, grob rechnen lässt es sich aber. Kennzeichen- und Positionsleuchte haben laut Suzuki je fünf Watt, dazu kommt die Schlussleuchte mit LED, für die das Heft keine Leistung nennt. Die Batterie fasst zehn Amperestunden. Brennen die Leuchten eine lange Nacht durch, bleibt von der Ladung wenig übrig, und am Morgen springt die Maschine womöglich nicht mehr an.
Auch bei der Stellung ON denkt Suzuki an die Batterie: Dort sollst du den Motor unverzüglich starten, weil sonst Scheinwerfer und Leuchten sie entladen. Für eine ganze Nacht ist ein Platz abseits der Fahrbahn die bessere Wahl, etwa die Garage, der Hof oder ein Stellplatz, und dort reicht OFF oder LOCK.
Sicherheitshinweis: Dreh den Schlüssel während der Fahrt nie auf „P“ oder „LOCK“, Suzuki nennt das ausdrücklich gefährlich. Der Motor geht dabei aus, und bei eingeschlagenem Lenker kann die Lenkung einrasten. Schieb die Maschine auch nicht mit gesperrter Lenkung aus der Parklücke, sie lässt sich so kaum halten und kippt leicht. Erst anhalten und auf den Seitenständer stellen, dann die Lenkung sperren.
Morgens um sechs sind warme Griffe eine Wohltat, mittags vergisst du sie leicht. Für die MT-09 und die XSR900 GP beschreibt Yamaha Griffwärmer, die über das Cockpit gesteuert werden, mit dem Zusatz „wenn vorhanden“. Drei Voreinstellungen lassen sich aus zehn Temperaturstufen wählen, eingeschaltet werden die Griffe bei laufendem Motor.
Unter der Beschreibung stehen drei knappe Sätze. Beim Heizen gehören Handschuhe an die Hände. „Die Griffwärmer nicht bei warmem Wetter nutzen.“ Und sind Lenker- oder Gasdrehgriff abgenutzt oder beschädigt, bleiben die Griffwärmer aus, bis die Griffe erneuert sind.
Über den drei Sätzen steht das Wort ACHTUNG, und das hat bei Yamaha eine feste Bedeutung. Laut Einführung derselben Anleitung geht es um Vorsichtsmaßnahmen, die eine Beschädigung des Fahrzeugs oder anderen Eigentums vermeiden sollen. Eingeordnet ist der Kasten damit bei den Sachschäden. Warum die Handschuhe dazugehören und was an einem warmen Tag passieren würde, schreibt Yamaha nicht dazu.
Hast du die Griffe am kalten Morgen auf die höchste Stufe gestellt, schaltest du sie beim nächsten Halt zurück oder aus, sobald es mittags warm wird.
Magnethalterungen fürs Handy sind bequem: ranhalten, klack, hält. In Hondas Anleitungen der NT1100 und der XL750 Transalp von 2025 steht unter der Überschrift „Elektronisch gesteuerte Drosselklappe“ allerdings ein kurzer Absatz. „Bringen Sie keine magnetischen Gegenstände oder für magnetische Störungen anfällige Gegenstände in die Nähe der Schalter am rechten Ende des Lenkers.“
Vom Gasgriff dieser Maschinen führt kein Seilzug zur Drosselklappe. Wie weit du ihn drehst, misst ein Sensor, und erst das Steuergerät öffnet die Klappe. In der Anleitung der CB750 Hornet von 2026 steht derselbe Hinweis, dort für den Schalter am rechten Lenkergriff.
Der Satz geht in zwei Richtungen: keine Magnete in die Nähe, aber auch nichts, was selbst empfindlich auf Magnetfelder reagiert. Eine Handyhalterung mit Magnet oder ein Navi mit Magnetfuß montierst du an diesen Maschinen deshalb nicht neben den rechten Griff. Was im Einzelnen gestört werden könnte und wie viel Abstand reicht, lässt Honda offen.
Bei der BMW R 1300 GS nennt die Anleitung für das Staufach gleich die passende Handygröße. Laut Betriebsanleitung mit Stand 02.2025 eignet es sich für Smartphones bis 162 mal 78 Millimeter, höchstens 8,8 Millimeter dick, und im Fach sitzt ein USB-Ladeanschluss. Mit Schutzhülle wird es da schnell eng.
Ohne die Zentralverriegelung aus der Sonderausstattung lässt sich das Fach nicht abschließen. Schlägst du den Lenker ein und verriegelst das Lenkschloss, ist der Zugang trotzdem versperrt, so beschreibt es die Anleitung.
Gleich am Anfang des Abschnitts stehen zwei ACHTUNG-Hinweise. Der erste gilt dem Sommer: Dann können in den Staufächern hohe Temperaturen entstehen, und hitzeempfindliche Gegenstände gehören in dieser Zeit nicht hinein. Als Beispiel für das, was Schaden nehmen kann, nennt BMW elektronische Geräte wie Mobiltelefone.
Der zweite gilt das ganze Jahr. Vibrationen während der Fahrt können ein Telefon im Fach beschädigen, und ob deins dafür geeignet ist, sollst du beim Hersteller des Geräts erfragen. Apple etwa schreibt auf einer Supportseite, dass starke Vibrationen, wie sie leistungsstarke Motorradmotoren erzeugen, Bildstabilisierung und Autofokus der iPhone-Kamera beeinträchtigen können. Wie viel Hitze und Rütteln dein Telefon aushält, steht also nicht in der Motorrad-Anleitung.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wo dein Motorrad nachts in deiner Straße stehen darf, beantworten im Zweifel die Straßenverkehrsbehörde oder das Ordnungsamt deiner Gemeinde.
Über einigen dieser Sätze steht ein Warnwort in Großbuchstaben. Welches Gewicht es hat, legt jeder Hersteller vorne in seiner Anleitung selbst fest, und nicht alle meinen damit dasselbe.
Steigst du von einer Yamaha auf eine Kawasaki um, heißt dasselbe Wort plötzlich etwas anderes. Bei Yamaha und BMW steht ACHTUNG für mögliche Schäden am Fahrzeug, bei Yamaha auch an anderem Eigentum, bei BMW am Zubehör. Kawasaki dagegen bezeichnet mit demselben Wort in der Ninja-650-Anleitung gefährliche Situationen, die zu schweren oder tödlichen Verletzungen führen können. Für Warnungen ohne Verletzungsgefahr nimmt Kawasaki dort HINWEIS.
Honda, KTM und Suzuki erklären ACHTUNG in ihren Einführungen nicht, bei ihnen heißen Schäden an der Maschine HINWEIS. Bei Yamaha wiederum gibt ein HINWEIS nur Zusatzinformationen, die bestimmte Vorgänge vereinfachen oder klären sollen. Ein und dasselbe Wort kann je nach Heft für eine Verletzungsgefahr stehen oder für einen Schaden am Motorrad.
Zwei Beispiele aus diesem Text zeigen den Unterschied. Yamahas Heizgriff-Sätze stehen unter ACHTUNG und zählen damit zu den Sachschäden. Suzukis Satz zum Zündschloss während der Fahrt steht unter WARNUNG, dort geht es um Sturz und Verletzung.
Welche Bedeutung in deiner Motorrad-Anleitung gilt, steht auf den ersten Seiten, meist unter einer Überschrift wie „Sicherheitsinformationen“ oder „Abkürzungen und Symbole“. Hast du sie einmal gelesen, weißt du bei jedem Kasten danach, ob es um die Maschine geht oder um dich.
Was bedeutet ACHTUNG in einer Motorrad-Anleitung?
ACHTUNG bedeutet nicht in jeder Motorrad-Anleitung dasselbe. Yamaha und BMW kennzeichnen damit mögliche Schäden am Fahrzeug, Kawasaki in der Ninja 650 dagegen Gefahren, die schwer oder tödlich verletzen können. Honda, KTM und Suzuki führen Sachschäden unter HINWEIS. Die Erklärung für dein Modell findest du vorne in der Anleitung.
Warum zeigt die Tankanzeige nach dem Tanken nicht gleich den neuen Stand?
Die Tankanzeige der KTM 390 Duke von 2026 reagiert absichtlich träge, damit sie beim Schwappen des Benzins nicht ständig springt. Steht die Maschine auf dem Seitenständer oder ist der Not-Aus-Schalter aus, bleibt der alte Wert stehen. Nach dem Einklappen dauert es noch zwei Minuten bis zum neuen.
Sollte ich Heizgriffe auch bei warmem Wetter einschalten?
Heizgriffe bleiben an warmen Tagen besser aus. Yamaha schreibt das für die Griffwärmer von MT-09 und XSR900 GP in die Anleitung, unter einem ACHTUNG, das dort Schäden am Fahrzeug meint. Dazu verlangt Yamaha Handschuhe beim Heizen und neue Griffe, sobald die alten abgenutzt oder beschädigt sind.
Können Magnete den Gasgriff am Motorrad stören?
Magnete gehören an einem elektronisch gesteuerten Gasgriff nicht in die Nähe der rechten Lenkerseite, so steht es bei Honda für NT1100 und XL750 Transalp von 2025. Auch Dinge, die ihrerseits auf Magnetfelder empfindlich reagieren, sollen dort fernbleiben. Welche Folgen das hätte und welcher Abstand genügt, lässt Honda offen.
Wofür ist die Stellung P am Zündschloss?
Die Parkstellung P ist bei der Suzuki SV650 für das Parken bei Nacht am Straßenrand vorgesehen. Die Lenkung ist gesperrt, der Schlüssel abgezogen, und Schluss- und Kennzeichenleuchte brennen weiter, damit andere die Maschine sehen. Weil dabei ständig Strom fließt, ist P für die Garage die falsche Wahl, und nach einer langen Nacht ist die Batterie für den Anlasser womöglich zu schwach.
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