WMX Arnhem 2026: Lotte van Drunen gewinnt daheim - und der Titel ist trotzdem weg

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0,159 Sekunden. So viel fehlte Lotte van Drunen im August 2025 auf derselben Sandpiste bei Arnheim, im zweiten Lauf, nach fast 25 Minuten Rennzeit. Beide Fahrerinnen hatten am Ende 47 Punkte auf dem Konto, die Tageswertung ging trotzdem an Daniela Guillen – weil bei Punktgleichheit das bessere Ergebnis im zweiten Rennen zählt. Heimpublikum, Heimstrecke, und dann verliert man den eigenen Grand Prix um eine Radlänge.

WMX Arnhem 2026: Lotte van Drunen gewinnt daheim - und der Titel ist trotzdem weg
Foto: Yamaha Motor Europe

Beim WMX Arnhem 2026 – Lauf vier von fünf in der Frauen-Weltmeisterschaft im Motocross – hat sie diese Rechnung beglichen. Schnellste Zeit im freien Training, schnellste Zeit im Zeittraining, dann zwei Laufsiege mit 28 und 21 Sekunden Vorsprung. Ein 1-1, wie es im Motocross heißt: gewonnen, gewonnen, 50 von 50 möglichen Punkten. Und trotzdem ist das nicht die ganze Geschichte, denn der WM-Titel ist für die Titelverteidigerin an diesem Wochenende praktisch aus der Reichweite gerutscht.

Foto: Yamaha Motor Europe

WMX Arnhem 2026: zwei Läufe, zwei Mal vorn

Der Motorsportpark Gelderland Midden ist Sand, aber nicht die Sorte Sand, für die Lommel berüchtigt ist. Keine Dünen, sondern eine vergleichsweise flache Piste – die Serie selbst beschreibt sie als so eben wie einen Billardtisch. Van Drunen hat dort im freien Training 1:47,367 Minuten in den Boden gelegt – zweieinhalb Sekunden schneller als die nächstplatzierte Kiara Fontanesi. Im Zeittraining dasselbe Bild, diesmal mit 1,578 Sekunden Luft auf Guillen.

Im ersten Lauf schnappte sich Shana van der Vlist den Holeshot, also die Führung in der ersten Kurve. Lange hielt das nicht. Nach Yamahas Darstellung war van Drunen schon nach einer halben Runde vorn, und den Rest fuhr sie allein: 28,498 Sekunden Vorsprung auf Guillen im Ziel, van der Vlist als Dritte nur eine gute Sekunde dahinter. Im zweiten Lauf holte van Drunen laut Yamaha den Holeshot selbst, führte von der ersten Kurve an und gewann mit 21,247 Sekunden.

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In der Tageswertung standen am Ende 50 Punkte für van Drunen, 44 für Guillen, 36 für Fontanesi. Van der Vlist wurde mit ebenfalls 36 Zählern Vierte, weil bei Gleichstand das bessere zweite Rennen zählt – dieselbe Regel, die van Drunen ein Jahr zuvor den Heimsieg gekostet hatte.

Bemerkenswert daran ist weniger der Sieg als die Deutlichkeit. Es war ihr dritter Grand-Prix-Sieg in Arnheim seit 2023, und alle drei waren perfekte Wochenenden mit der vollen Punktzahl. Viermal ist sie dort inzwischen angetreten, dreimal hat sie gewonnen. Der eine Ausrutscher heißt 2025 und ist 0,159 Sekunden lang.

Die Saison davor

Yamaha nennt die bisherige Saison in der eigenen Mitteilung „herausfordernd“. Das ist die höfliche Version. Die Ergebnisliste liest sich so: Frankreich vierter Platz, Deutschland zehnter, Großbritannien fünfter. 85 Punkte aus drei Grands Prix, Rang sieben in der Zwischenwertung. Für eine zweifache Weltmeisterin ist das kein Formtief, das ist ein Absturz.

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Interessant wird es, wenn man die Trainingszeiten danebenlegt. In Lacapelle Marival war sie im freien Training die Schnellste, im Zeittraining von Teutschenthal Zweite mit 0,122 Sekunden Rückstand, im Zeittraining von Foxhills wieder ganz vorn. Das Tempo war also nie das Problem. Die Rennen waren es: ein Neunter mit einer Runde Rückstand in Frankreich, ein 18. Platz mit fast zwei Minuten Rückstand im zweiten deutschen Lauf. Was dort jeweils passiert ist, steht in keinem Protokoll – Ergebnislisten notieren Positionen, keine Ursachen.

Dazwischen lag ein Ausflug, den die Pressemappe gar nicht erwähnt: Im Juni startete van Drunen bei zwei Läufen der amerikanischen WMX-Serie, in Thunder Valley und High Point. In High Point wurde sie mit 2-4 Gesamtdritte, obwohl das Holeshot-Device klemmte – die Vorrichtung, die die Gabel für den Start abgesenkt hält – und während einer Rotphase Öl aus dem Motor lief. Vom letzten Platz aus arbeitete sie sich noch auf Rang vier nach vorn.

Foto: Yamaha Motor Europe

Und drei Wochen vor Arnheim stand sie beim Grand Prix von Flandern in Lommel im MX2-Feld, der 250er-Klasse der Motocross-WM, als Gaststarterin mit Wildcard. Lommel ist der tiefste Sand des ganzen Kalenders. Ergebnis: Platz 20 im ersten Lauf, Platz 25 im zweiten, 22. der Tageswertung, ein WM-Punkt. Yamaha verkauft das als Selbstvertrauens-Booster. Realistischer betrachtet war es genau das, was ein Fahrer vor einem Sand-Grand-Prix braucht: Kilometer. Sehr viele, sehr harte Kilometer, gegen ein Feld, das jede Schwäche sofort bestraft.

Dazu muss man wissen, wie zerrissen der WMX-Kalender ist. Fünf Wochenenden zwischen Ende Mai und Mitte September, dazwischen Pausen von bis zu sieben Wochen. Wer in dieser Serie Rennrhythmus halten will, muss ihn sich woanders holen – in den nationalen Meisterschaften, in Amerika oder eben als Wildcard im MX2-Feld. Genau das hat van Drunen getan, und in Arnheim hat es sich zum ersten Mal ausgezahlt.

Warum der Titel weg ist

Hier wird es unangenehm, und die Yamaha-Mitteilung schweigt dazu komplett. Sie meldet den Sprung von Rang sieben auf Rang drei – und lässt offen, worauf dieser dritte Platz eigentlich noch hinausläuft.

Die Tabelle nach vier von fünf Runden: Guillen 183 Punkte, Fontanesi 177, van Drunen 135. Beim Finale sind noch 50 Punkte zu vergeben. Rechnerisch fehlen 48 auf die Führende, das ist also noch nicht mathematisch entschieden. Praktisch schon: Van Drunen müsste beide Läufe gewinnen und Guillen dürfte höchstens einen einzigen Punkt holen – und Fontanesi höchstens sieben. Zwei Fahrerinnen, die diese Saison auf jedem Untergrund zuverlässig aufs Podium gefahren sind, müssten am selben Tag komplett ausfallen.

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Was in Arnheim tatsächlich passierte, ist trotzdem eine Verschiebung: Fontanesi ging als Führende ins Wochenende, mit 141 Punkten gegenüber 139 für Guillen. Guillen fuhr zwei zweite Plätze, Fontanesi zwei vierte – und damit wechselte das rote Nummernschild, das Erkennungszeichen der Tabellenführung, vor dem Finale den Besitzer. Fontanesi hatte das rote Schild in dieser Saison erstmals seit 2018 wieder getragen. Es nun ausgerechnet vor dem Finale zu verlieren, ist die deutlich bitterere Nachricht des Wochenendes – bitterer jedenfalls als alles, was van Drunen an diesem Sonntag passiert ist.

Yamaha und die DACH-Fahrerinnen

Foto: Yamaha Motor Europe

Hinter van Drunen lief es für die übrigen Yamaha-Fahrerinnen ordentlich. Shana van der Vlist wurde mit 3-5 Vierte der Tageswertung und liegt in der WM auf Rang fünf. Amandine Verstappen kam auf Platz acht, Nellie Fransson vom Team JK Racing Yamaha auf Platz zehn.

Für DACH-Leser ist die interessantere Zahl weiter hinten zu finden. Beste Deutsche in Arnheim war Alexandra Massury auf einer KTM: 18. im ersten, 14. im zweiten Lauf, Gesamtrang 15. Dahinter Fiona Hoppe, die als eine der wenigen im Feld eine Triumph bewegt und mit 15-23 auf Platz 18 kam. Emely Koehler, Lexi Pachmann und Tarja Kück blieben ohne Punkte. Larissa Papenmeier, die aktuell 17. der WM ist, stand gar nicht auf der Nennliste.

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Das klingt bescheiden, und das ist es auch. Beide deutschen Punktesammlerinnen wurden in ihren jeweils besten Rennen überrundet – der Abstand zur Spitze ist also nicht eine Frage von Sekunden, sondern von Runden. Dabei ist das Feld da: 39 Nennungen standen auf der Liste, fünf davon aus Deutschland, zwei aus Österreich.

In der Szene wird der Grund dafür meist im Unterbau gesucht, und ein Blick auf dieselbe Nennliste stützt das. Sieben der 39 Fahrerinnen kamen aus den Niederlanden, einem Land, in dem Sandstrecken der Normalfall sind und nicht die Ausnahme. Van Drunen ist genau dort groß geworden.

EMX250 in Arnheim

Parallel lief die vorletzte Runde der EMX250, der europäischen 250er-Meisterschaft eine Stufe unter der WM. Und hier hat die Yamaha-Mitteilung eine echte Lücke. Sie meldet Jekabs Kubulins vom Team JK Racing Yamaha als besten Yamaha-Fahrer des Wochenendes – Neunter der Tageswertung nach 14-7. Das stimmt für die Gesamtwertung. Das beste Yamaha-Ergebnis der Klasse war es nicht.

Foto: Yamaha Motor Europe

Denn Tom Brunet fuhr im ersten Lauf auf Platz drei, hinter Nicolai Skovbjerg und dem Tabellenführer Francisco Garcia, mit 10,796 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Ein Laufpodest. Im zweiten Rennen fiel er dann auf Platz 37 mit fünf Runden Rückstand zurück, was ihn in der Tageswertung auf Rang zwölf drückte – hinter Kubulins. In der Mitteilung taucht Brunet nur als „führender Yamaha-Fahrer auf Rang sieben“ der Meisterschaft auf. Sein Podium kommt nicht vor. Wer nur die Pressemappe liest, erfährt vom besten Yamaha-Ergebnis dieser Klasse nichts.

Ansonsten: Jarne Bervoets vom Team VHR Yamaha Official wurde mit 12-10 Elfter, sein Teamkollege Mano Faure mit 11-19 Vierzehnter. Levi Townley, sonst im EMX125 unterwegs, gab sein EMX250-Debüt und kam mit 15-21 auf Rang 19.

Die Meisterschaft selbst ist entschieden. Garcia verlor im ersten Lauf nur drei Punkte auf Skovbjerg und führt damit vor dem Finale mit 446 zu 365 Punkten. Bei noch 50 zu vergebenden Zählern ist er Europameister 2026, auch wenn Skovbjerg mit einem 1-1 die Tageswertung in Arnheim gewann.

Was in Darwin bleibt

Das Finale der Frauen-WM steigt vom 18. bis 20. September auf dem Hidden Valley Raceway in Darwin, der letzte WMX-Lauf am Sonntagvormittag Ortszeit. Um den Titel geht es für van Drunen dort realistisch nicht mehr. Um den dritten Platz aber sehr wohl: Courtney Duncan liegt sechs Punkte hinter ihr, Shana van der Vlist zehn, Lucy Barker 13. Ein schwacher Sonntag in Darwin, und aus dem WM-Podest wird Rang sechs.

Man kann das Wochenende auf zwei Arten lesen. Yamahas Version: Titelverteidigerin meldet sich zurück, perfektes Heimspiel, Sprung aufs Podest der Meisterschaft. Die andere Version: Eine Fahrerin, die mit 19 Jahren bereits zwei Weltmeistertitel hat und in Arnheim drei der vergangenen vier Grands Prix gewonnen hat, ließ 2026 an drei von vier Wochenenden Punkte liegen, die sie nie wieder einsammeln kann. Beide Lesarten stimmen. Nur die zweite erklärt, warum ein 1-1 beim WMX Arnhem 2026 am Ende trotzdem eine Enttäuschung ist.

Was bleibt, ist eine Sandpiste bei Arnheim, auf der sie 2023 ihren allerersten Grand-Prix-Sieg geholt hat, damals noch auf einer Kawasaki, 16 Jahre alt. Manche Strecken passen einfach. Die Kunst besteht darin, an den anderen vier Wochenenden einer Saison genauso zu funktionieren. Genau das hat 2026 nicht geklappt – und genau das entscheidet in Darwin darüber, ob am Ende wenigstens Rang drei steht.

❓ Häufige Fragen zum WMX Arnhem 2026

Wer hat den WMX-Lauf in Arnheim 2026 gewonnen?

Lotte van Drunen. Die Niederländerin gewann beide Rennen und damit die Tageswertung mit der vollen Punktzahl von 50 Zählern. Zweite wurde Daniela Guillen mit 44 Punkten, Dritte Kiara Fontanesi mit 36.


Was bedeutet ein „1-1“ im Motocross?

Es beschreibt die Platzierungen in den beiden Läufen eines Grand Prix. Ein 1-1 heißt: beide Rennen gewonnen. Da für jeden Lauf einzeln Punkte vergeben werden und die Tageswertung sich aus der Summe ergibt, ist das die maximal mögliche Ausbeute von 50 Punkten.


Kann Lotte van Drunen 2026 noch Weltmeisterin werden?

Rechnerisch ja, praktisch nein. Nach vier von fünf Runden liegt sie mit 135 Punkten 48 hinter Daniela Guillen, beim Finale sind noch 50 zu vergeben. Sie müsste beide Läufe gewinnen und Guillen dürfte fast leer ausgehen.


Wer führt die WMX-Weltmeisterschaft 2026 an?

Daniela Guillen mit 183 Punkten, sechs vor Kiara Fontanesi. Die Führung wechselte in Arnheim: Fontanesi war vor dem Wochenende noch zwei Punkte vorn, verlor durch zwei vierte Plätze aber das rote Nummernschild.


Wann und wo fällt die Entscheidung in der WMX?

Beim Grand Prix von Australien auf dem Hidden Valley Raceway in Darwin, vom 18. bis 20. September 2026. Das letzte WMX-Rennen der Saison ist für Sonntagvormittag Ortszeit angesetzt.


Wie alt ist Lotte van Drunen?

Sie wurde am 9. August 2007 geboren und ist damit 19 Jahre alt. Ihren ersten WM-Titel holte sie 2024 mit 17 Jahren und war damit die jüngste WMX-Weltmeisterin überhaupt, 2025 verteidigte sie ihn.


Wer wird Europameister der EMX250 2026?

Francisco Garcia. Vor dem Finale in der Türkei führt er mit 446 zu 365 Punkten vor Nicolai Skovbjerg, bei nur noch 50 erreichbaren Zählern ist der Titel damit entschieden. Der letzte Lauf findet am 5. und 6. September in Afyonkarahisar statt.

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