
„Kauft doch eh keiner mehr.“ Den Satz hörst du in jeder zweiten Werkstatt, meistens zwischen Kaffee und Rechnung, und er klingt vernünftig: halb leere Höfe, Händler, die im September schon über den Winter reden.
Die Motorrad-Neuzulassungen 2026 sagen etwas anderes. Von Januar bis August wurden in Deutschland 159.019 Krafträder neu zugelassen, rund ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Nur ist das nicht die interessante Zahl. Die interessante steht weiter hinten in den Tabellen - und sie betrifft genau das, was bei deinem Händler auf dem Hof steht.
Erst die Abgrenzung, sonst rechnest du dir hinterher etwas schön.
Die 159.019 sind eine Sammelzahl des Kraftfahrt-Bundesamtes: Motorräder, Roller, 125er und Elektro in einer einzigen Zeile. Der Branchenverband IVM schneidet daraus die engere Gruppe heraus, in der nur die Motorräder ohne Roller und ohne Leichtklassen stehen. Die kommt von Januar bis August 2026 auf 91.946 Maschinen, 17,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Klingt nach Boom. Ist keiner.
Im gleichen Zeitraum 2024 waren es nämlich 105.643. Gegen 2024 fehlen dem Markt also 13 Prozent - das haben wir selbst gerechnet, abgedruckt ist in den Tabellen nur der Vergleich zum direkten Vorjahr. 2026 ist keine Rekordjagd. Es ist eine Erholung, und zwar von einem Jahr, das selbst keine normale Größe war.
Was 2025 leergeräumt hat, steht im Dezember 2024: 31.677 neu zugelassene Krafträder in einem einzigen Monat, knapp das Achtfache des Vorjahresmonats. Zum Jahreswechsel 2024/25 wurde die Abgasstufe für Neuzulassungen auf Euro 5+ umgestellt - und was davor noch durchging, wurde davor zugelassen. Die Maschinen, die 2025 in der Statistik fehlten, standen zum Teil längst in den Büchern.
Bleibt der Einwand, dass dann auch 2024 kein sauberer Vergleichswert ist. Lässt sich nachrechnen: Von Januar bis November 2024 lagen die Neuzulassungen gerade 0,7 Prozent höher als 2023 (Kraftfahrt-Bundesamt, alle Klassen, eigene Rechnung). Fast der gesamte Jahreszuwachs 2024 steckte in diesem einen Dezember - die acht Monate, mit denen wir hier vergleichen, liegen davor.
Daraus folgt eine schlichte Lesehilfe für jede Marktmeldung, die dir in diesem Herbst begegnet: Ein Vergleichsjahr reicht nie. Zwei sind das Minimum.
Für den August allein gibt es genau eine öffentliche Zahl, und die ist eine Summe: 19.367 neu zugelassene Krafträder, 27,3 Prozent mehr als im August des Vorjahres. Alles, was jetzt an Marken und Modellen kommt, ist dagegen kumuliert - Januar bis August in einer einzigen Zeile.
Und eine Falle, in die du in zwei Sekunden tappst. Die 159.019 und die 91.946 sind nicht dieselbe Grundmenge - und tragen trotzdem fast denselben Namen. Beim Amt heißt die große Sammelzahl Krafträder, beim Verband heißt die enge Klasse Kraftrad. Nebeneinandergestellt ergeben die beiden Zahlen Unsinn: Das wäre der gesamte Markt gegen einen Ausschnitt davon.
Die größte Prozentzahl der Herstellerliste gehört CF Moto: plus 649,7 Prozent. Die Marke steht bei 5.593 Krafträdern und damit auf Platz fünf der Hersteller, vor KTM, Triumph, Ducati, Harley-Davidson und Suzuki.
Jetzt die Basis: 746. So viele waren es im Vorjahreszeitraum.
Ein Jahr zuvor kam die Marke in der Kraftrad-Rangliste überhaupt nicht vor. Im gesamten Augustheft 2025 des Verbands taucht sie genau einmal auf - mit der 125 NK, 68 Stück, Platz 32 unter den Leichtkrafträdern.
Neu auf dem deutschen Markt ist CF Moto nicht, die Marke verkauft hier seit Jahren. In der Klasse über 125 Kubik war sie bis zu dieser Saison bloß keine Größe. Genau das ist der Unterschied zwischen 649,7 Prozent und einer neuen Marke.
Bei KTM liegt der Fall andersherum, und er ist lehrreicher. Plus 165,8 Prozent klingt nach Rückkehr in die Erfolgsspur: 5.183 statt 1.950. Nur war 1.950 kein normaler Wert: Im selben Zeitraum 2025 fiel der Gesamtmarkt um 25,9 Prozent - KTM um 79,2. Und gegen Januar bis August 2024, als es 9.383 waren, steht dieselbe Marke heute bei minus 44,8 Prozent (eigene Rechnung).
Beide Zahlen stimmen. Welche du erzählst, entscheidet, welche Geschichte herauskommt - und genau deshalb lohnt bei jeder Zulassungsmeldung dieselbe Rückfrage: Verglichen womit? Eine Prozentzahl ohne Basis ist keine Information, sondern eine Meinung mit Komma.
Jetzt zu der Zahl, die in keiner Rangliste steht, weil sie erst zusammengerechnet werden muss.
Nimm die Liste der 50 meistverkauften Motorräder und schau nach, wie viel Markt sie zusammen abdeckt. Dann dasselbe für die beiden Jahre davor. Und weil es das Ergebnis mitbestimmt, wie tief du in die Liste greifst, hier gleich vier Tiefen nebeneinander, jeweils Januar bis August. Die drei Jahresspalten sind Marktanteile:
| Gruppe | 2024 | 2025 | 2026 | Stück ggü. 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Top 5 | 14,8 % | 20,1 % | 15,4 % | −10,2 % |
| Top 10 | 22,4 % | 29,1 % | 23,2 % | −6,4 % |
| Top 20 | 33,2 % | 41,0 % | 34,3 % | −1,5 % |
| Top 50 | 54,5 % | 63,2 % | 55,2 % | +2,5 % |
| Gesamtmarkt | 100 % | 100 % | 100 % | +17,5 % |
Abgedruckt sind in den Heften nur die einzelnen Modelle mit ihren Stückzahlen. Addiert und ins Verhältnis gesetzt haben wir sie selbst.
Gegenüber 2025 fällt der Anteil auf jeder Ebene. Und je weiter die Liste aufgeht, desto deutlicher: bei den ersten fünf um knapp fünf Prozentpunkte, bei den ersten fünfzig um gut acht.
Entscheidend ist der Abstand der beiden letzten Zeilen. Die 50 meistverkauften Maschinen des Landes haben zusammen 2,5 Prozent zugelegt. Der Markt 17,5. Das Wachstum hat also ganz überwiegend außerhalb dieser 50 stattgefunden.
Und jetzt die Spalte ganz links, die wir uns fast gespart hätten. 2024 deckten die 50 meistverkauften Maschinen 54,5 Prozent ab - praktisch genau da, wo der Wert heute wieder steht.
Damit dreht sich die Geschichte um. Das ungewöhnliche Jahr ist nicht 2026, sondern 2025: Als der Markt um ein Viertel einbrach, zog sich das, was übrig blieb, auf die bekannten Namen zusammen. Die Spitze wächst jetzt langsamer als der Markt, weil sie ein Jahr zuvor zu groß geworden war.
Was davon für dich übrig bleibt, ist trotzdem handfest: Die Auswahl ist wieder so breit wie vor der Delle. Wer sich an den Bestsellerlisten von 2025 orientiert, orientiert sich am engsten der drei Jahre.
Dazu passt die Bewegung in der Rangliste selbst. Fünfzehn Modelle sind gegenüber dem Vorjahreszeitraum neu in den Top 50, zusammen 11.477 Maschinen, fünfzehn andere sind herausgefallen. Auffällig viel ist das übrigens nicht: Ein Jahr zuvor waren es neunzehn (eigene Auszählung beider Listen).
Wobei „neu in den Top 50“ nicht „neues Modell“ heißt: Darunter sind echte Premieren, aber auch lange gebaute Maschinen, die einfach nach oben gerutscht sind. Trennen lässt sich das aus den Tabellen nicht - sie führen Stückzahlen, keine Modellgeschichte.
Wer daraus jetzt schließt, der Markt zerfasere gleichmäßig in alle Richtungen, liegt allerdings auch daneben. Die zweite Rechnung führt nämlich in die Gegenrichtung.
Gewachsen ist der Kraftradmarkt um 13.701 Maschinen. Davon gehen 4.847 auf CF Moto und 3.233 auf KTM. Zusammen sind das 59 Prozent - zwei Marken, knapp sechs von zehn zusätzlichen Motorrädern (eigene Rechnung).
Kein Widerspruch zum Abschnitt davor, sondern seine Auflösung. Die beiden Aufsteiger kommen nicht mit einem Hero-Bike, sondern mit einer breiten Palette.
CF Moto steht mit fünf Modellen in den Top 50: 675 SR-R auf Platz sechs, 450 MT auf elf, 675 NK auf 17, 1000 MT-X auf 28, 800 MT auf 45. Zusammen 5.007 Maschinen und damit fast neun Zehntel dessen, was die Marke insgesamt zugelassen hat.
Fünf mittelgroße Zahlen statt einer großen. Dass die Spitze trotzdem kaum wächst, hat noch einen zweiten Grund: Von den 50 meistverkauften Modellen des Vorjahres sind 35 auch diesmal dabei, und die kommen zusammen auf 39.247 statt 41.214 Maschinen - 4,8 Prozent weniger, während der Markt um 17,5 Prozent zulegt (eigene Rechnung). Diese 35 sind allerdings ein Jahr älter, ein Teil des Rückgangs ist also Alterung. Die Neuzugänge füllen die Lücke, mehr nicht. Markenanteil steigt, Modellanteil sinkt: beides gleichzeitig, aus derselben Tabelle.
Die übrigen acht Marken der Top 10 kommen zusammen auf rund zehn Prozent des Wachstums. Yamaha steuert 1.228 Maschinen bei, Kawasaki 1.127, Suzuki 746, Harley-Davidson 642 - nur zehren Honda, Ducati und Triumph das meiste davon wieder auf, weil sie in derselben Liste verlieren.
Bleiben gut 31 Prozent des Zuwachses, die von Marken kommen, die es nicht einmal in die Top 10 geschafft haben (eigene Rechnung). Das ist der Teil, der zur Tabelle weiter oben passt.
Und der Marktführer? BMW liegt mit 16.906 Krafträdern unangefochten vorn und hat zum Wachstum trotzdem 187 Maschinen beigetragen, also 1,4 Prozent des Zuwachses. Ganz oben zu stehen und zu wachsen sind zwei verschiedene Dinge.
Das ist die Verwechslung, die bei Zulassungszahlen am leichtesten passiert. Eine Marke ist die Summe aller ihrer Maschinen. Ein Modell ist eine einzige.
Das meistverkaufte Motorrad Deutschlands bleibt die BMW R 1300 GS mit 5.125 Stück von Januar bis August. Platz zwei, die Kawasaki Z 900, liegt bei 3.629. Die GS liegt also rund 40 Prozent vor der Zweitplatzierten (5.125 zu 3.629, eigene Rechnung). Ein klarer Vorsprung - aber eben nicht der doppelte, und genau das wird beim schnellen Lesen daraus.
BMW als Marke wiederum steht bei 16.906 Krafträdern und 18,4 Prozent Marktanteil, Platz eins. Das ist gut dreimal so viel wie alles, was CF Moto zusammen zugelassen hat.
Bleibt die Frage, wer im Monat August vorne lag. Die ehrliche Antwort: Das lässt sich nicht sagen. Einen Monatswert je Marke oder Modell haben wir in keiner frei zugänglichen Quelle gefunden (Stand: September 2026). Wer dir trotzdem einen nennt, sollte sagen können, woher er ihn hat.
Erholung heißt nicht, dass alle mitkommen. Und die Verlierer sind nicht die, die du erwartest.
Honda liegt bei 14.197 Krafträdern statt 16.213, also minus 12,4 Prozent. In Stück gerechnet sind das 2.016 Maschinen weniger - der größte Rückgang in den Top 10. Über zwei Jahre gesehen: 16.630, dann 16.213, dann 14.197 (eigene Rechnung). Zwei Schritte nach unten, auch durch die Erholung hindurch.
Ducati geht denselben Weg in kleineren Schritten, von 5.151 über 4.393 auf 4.187. Triumph ebenso, von 5.678 über 5.214 auf 4.869. Alle übrigen sieben der Top 10 liegen 2026 über dem Vorjahr.
Nur trägt dieser Satz nicht weit, sobald das zweite Vergleichsjahr danebenliegt. Über ihrem Stand von 2024 steht von den zehn größten Marken genau eine: Kawasaki, 13.193 nach 11.824 Maschinen. Dazu CF Moto, das in der Liste von 2024 noch gar nicht vorkam. Alle anderen liegen darunter, auch die Gewinner dieses Jahres - Harley-Davidson trotz plus 23,5 Prozent um 34,8 Prozent, Suzuki trotz plus 33,3 um 26,7 Prozent, BMW trotz plus 1,1 um 19,6 Prozent (eigene Rechnung).
Bei den Modellen fällt der Vorjahresvergleich noch härter aus. Die Honda CB 1000 Hornet stand im Vorjahreszeitraum auf Platz sechs mit 1.698 Stück; jetzt steht sie auf Platz 47 mit 516. Und die R 1300 GS, immer noch die Nummer eins des Landes, hat gegenüber dem Vorjahreszeitraum 20,6 Prozent verloren - 1.326 Maschinen.
Das erklärt nebenbei die 187 von BMW weiter oben. Ohne sie gerechnet, ist der Rest der Marke gegenüber dem Vorjahr um 14,7 Prozent gewachsen (eigene Rechnung). Eine einzige Maschine hält die Bilanz einer ganzen Marke flach.
Hier gehört der Einwand hin, den wir uns selbst machen müssen, bevor es ein Leser tut: Modelle altern. Ein Bestseller im dritten Jahr verkauft sich anders als im ersten, und die CB 1000 Hornet war 2025 gerade neu. Ein Rückgang danach ist normal und beweist über den Markt genau gar nichts.
Bei der Hornet lässt sich das sogar nachzählen. In den Top 50 von Januar bis August 2024 taucht sie noch gar nicht auf, 2025 steht sie auf Platz sechs, 2026 auf Platz 47. Das ist die Kurve eines Modellstarts, nicht die eines Marktes.
Bei der GS geht dieselbe Rechnung anders aus. Sie stand 2024 bei 5.930 Maschinen, 2025 bei 6.451, jetzt bei 5.125. Über zwei Jahre sind das 13,6 Prozent weniger - bei einem Markt, der im selben Zeitraum 13,0 Prozent verloren hat. Ihr Marktanteil liegt heute bei 5,57 Prozent, 2024 waren es 5,61 (eigene Rechnung). Der Einbruch gegenüber dem Vorjahr ist echt. Er misst vor allem, wie ungewöhnlich hoch die GS 2025 stand.
Deshalb taugt kein einzelnes Motorrad als Beleg für eine Marktthese - und das gilt genauso für die Maschinen, die gerade nach oben gehen.
Die Tabelle weiter oben taugt, und zwar aus einem schlichten Grund: Sie zählt keine 50 festen Namen, sondern die jeweils 50 meistverkauften. Altert eine Maschine aus der Liste heraus, rückt die nach, die sich gerade besser verkauft - fünfzehn haben das in diesem Jahr getan. Ein Lebenszyklus verschiebt darin Plätze. Die Summe verschiebt er nicht.
Für die Segmente wechselt die Grundmenge, sonst geht die Rechnung nicht auf: Hier zählen Roller und Leichtklassen mit. Dieser größere Markt ist um knapp 25 Prozent gewachsen, nicht um 17,5.
Naked-Bikes bleiben darin mit 41.161 Maschinen die größte Gruppe. Nur wachsen sie kaum: plus 4,4 Prozent, während alles zusammen um ein Viertel zulegt. Ihr Anteil fällt damit von 31,4 auf 26,3 Prozent. 2024 lag er bei 32,3 Prozent - dieser Rückgang ist also echt und nicht bloß die Gegenbewegung zu einem schrägen Vorjahr.
Gewachsen ist anderes. Nur zählt hier der Anteil mehr als die Wachstumszahl, weil der Markt selbst um ein Viertel zugelegt hat:
Auch hier lohnt der Blick ein Jahr weiter zurück. Enduro und Supermoto haben sich gegenüber 2025 mehr als verdoppelt - 2024 stand das Segment aber schon bei 15.131 Maschinen und 9,0 Prozent. Die Verdopplung ist eine Rückkehr, kein Rekord.
Ein Teil davon dürfte schlicht daran liegen, was 2025 überhaupt lieferbar war. Belegen lässt sich das aus diesen Tabellen nicht - sie zeigen Stückzahlen, keine Gründe.
Wer diesen Vorbehalt ernst nimmt, muss ihn auf jede Zeile anwenden: Ein Plus kann Nachfrage sein oder schlicht Lieferfähigkeit. Belastbar ist deshalb nicht die einzelne Wachstumszahl, sondern die Verschiebung der Anteile - und die sagt, dass das größte Segment schrumpft, während die Ränder zulegen.
Eine Etage tiefer passiert dasselbe noch stärker. 23.266 Leichtkrafträder von Januar bis August, plus 44,1 Prozent. In den Top 10 dieser Klasse stehen mit Benda Motor (1.416) und Stark Future (1.313) zwei Marken, die im Vorjahreszeitraum bei null lagen.
Bei Stark Future lohnt der zweite Blick, sonst stimmt das Bild nicht. Dieselbe Ausgabe führt genau diese 1.313 Maschinen auch in der Liste der Elektro-Modelle. Und bei Elektroantrieb entscheidet über die Fahrzeugklasse nicht der Hubraum, sondern die Dauerleistung - die Spitzenleistung kann ein Vielfaches davon betragen. In der 125er-Klasse steht deshalb inzwischen auch eine Maschine, die mit einer klassischen 125er wenig gemeinsam hat.
Was die Motorrad-Neuzulassungen 2026 damit zeigen, siehst du auf dem Hof, bevor du es in einer Tabelle liest. Es stehen mehr verschiedene Maschinen da als vor einem Jahr. Und auf einigen steht ein Name, den du vor zwei Saisons noch nicht auf dem Zettel hattest.
Hinweis zu den Zahlen: Alle Angaben stammen aus öffentlich zugänglichen Veröffentlichungen - der Pressemitteilung des Kraftfahrt-Bundesamtes vom 3. September 2026 und den Heften „IVM Performance“ 2026-09, 2025-09 und 2024-09 des Industrie-Verbands Motorrad Deutschland (Stand: September 2026). Die Marken- und Modellzahlen sind kumuliert für Januar bis August, nicht für den Monat August allein. Prozentwerte, die dort nicht abgedruckt sind, haben wir selbst gerechnet und im Text als solche gekennzeichnet.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deine Zulassungsstelle, eine Prüforganisation oder deinen Versicherer - und erwarte von einer Statistik keine Aussage darüber, was dein Wunschmotorrad morgen kostet.
Zwei Zeilen aus der Statistik betreffen dich wirklich, und sie stehen weit auseinander.
Die erste kommt vom Kraftfahrt-Bundesamt, das alle Klassen zusammenzählt - also wieder die große Grundmenge. Dort stehen die Neuzulassungen von Januar bis August 24,7 Prozent über dem Vorjahr. Die Besitzumschreibungen im selben Zeitraum 3,1 Prozent darunter, nämlich 378.782 Stück.
Eine Besitzumschreibung ist nicht dasselbe wie ein Verkauf. Der Halter wechselt auch bei einer Erbschaft oder wenn die Maschine innerhalb der Familie weitergereicht wird. Als öffentlich verfügbares Maß für die Bewegung im Bestand ist es trotzdem das Beste, was es gibt.
Auf zwei Zahlen gebracht: Auf jede Neuzulassung kamen von Januar bis August 2026 genau 2,38 Besitzumschreibungen. Ein Jahr zuvor, über exakt dieselben acht Monate, waren es 3,06 (eigene Rechnung). Gleicher Zeitraum, gleiche Quelle - der Gebrauchtmarkt wird gegenüber dem Neumarkt also tatsächlich dünner.
Was das für Preise bedeutet, sagen diese Zahlen nicht. Wer dir daraus eine Preisprognose baut, liest mehr heraus, als drinsteht - und wenn du wissen willst, was deine Wunschmaschine wert ist, hilft dir ohnehin nur der Blick auf laufende Inserate.
Die zweite Zeile ist die aus der Tabelle oben, und sie ist die angenehmere: Die Auswahl ist wieder so breit wie vor der Delle. Hätten die 50 meistverkauften Modelle ihren Anteil von 2025 gehalten, stünden dort gut 7.400 Maschinen mehr (eigene Rechnung). Die sind stattdessen woanders gekauft worden.
Praktisch heißt das: Die Maschine, die auf jeder Liste oben steht, ist nicht mehr automatisch die, die zu dir passt. Sie ist die, die am häufigsten gekauft wird, und das ist nicht dasselbe. Wer 2026 mit einer festen Modellidee zum Händler fährt und nur danach sucht, übersieht eher etwas als im vergangenen Jahr.
Geh im Zweifel einmal die Reihe entlang, statt geradeaus auf den Namen zuzulaufen, den du kennst. Auf dem Hof stehen dieses Jahr wieder mehr Schilder als im letzten, an denen du bisher vorbeigegangen bist. Bei einem Namen, den du noch nicht kennst, stell dieselben drei Fragen wie bei jedem anderen: Wo wird die Maschine gewartet, wie lange wartest du auf ein Ersatzteil, und was genau steht in der Garantie?
Ein paar dieser Maschinen sind trotzdem das falsche Motorrad für dich. Aber du weißt es erst, wenn du draufgesessen hast.
Wie viele Motorräder wurden 2026 in Deutschland neu zugelassen?
Von Januar bis August 2026 waren es 159.019 Krafträder insgesamt, rund ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Ohne Roller und Leichtklassen bleiben 91.946 Motorräder, ein Plus von 17,5 Prozent. Gegenüber Januar bis August 2024 liegt diese Gruppe allerdings immer noch 13 Prozent im Minus.
Welches Motorrad ist 2026 das meistverkaufte in Deutschland?
Die BMW R 1300 GS mit 5.125 Neuzulassungen von Januar bis August. Sie liegt damit rund 40 Prozent vor der zweitplatzierten Kawasaki Z 900 mit 3.629 Stück. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sie 20,6 Prozent verloren, gegenüber Januar bis August 2024 aber nur 13,6 Prozent - so viel wie der Gesamtmarkt in diesen zwei Jahren. Beides gehört zusammen.
Gelten diese Zahlen für den Monat August?
Nein, bis auf eine Ausnahme. Alle Marken- und Modellzahlen sind kumuliert, sie umfassen also Januar bis August zusammen. Nur die Gesamtsumme des Kraftfahrt-Bundesamtes gibt es auch für den einzelnen Monat: 19.367 neu zugelassene Krafträder im August 2026. Monatswerte je Marke oder Modell sind frei zugänglich nicht zu finden.
Warum nennen Kraftfahrt-Bundesamt und Branchenverband unterschiedliche Zahlen?
Weil sie unterschiedliche Grundmengen ausweisen. Die 159.019 des Kraftfahrt-Bundesamtes sind eine Sammelzahl über alle Klassen, die 91.946 des Verbands IVM nur die Motorräder ohne Roller und ohne Leichtklassen. Der Fehler entsteht erst, wenn die große Zahl neben der kleinen steht: Das wäre der gesamte Markt gegen einen Ausschnitt davon.
Welche Marke ist 2026 am stärksten gewachsen?
In Stück gerechnet CF Moto mit 4.847 zusätzlichen Maschinen, gefolgt von KTM mit 3.233. Zusammen sind das 59 Prozent des gesamten Marktwachstums. Die Prozentangabe allein führt in die Irre: Die 649,7 Prozent bei CF Moto entstehen aus einer Vorjahresbasis von 746 Maschinen.
Wird die Auswahl auf dem Markt größer oder kleiner?
Größer als im Vorjahr, aber nicht größer als üblich. Die 50 meistverkauften Motorräder decken 55,2 Prozent des Marktes ab, im Vorjahreszeitraum waren es 63,2 Prozent - von Januar bis August 2024 lag der Wert allerdings schon bei 54,5 Prozent. Der Ausreißer ist also 2025, nicht 2026. Zugleich stammen 59 Prozent des Wachstums von nur zwei Marken; beides stimmt gleichzeitig, weil diese Marken mit breiten Baureihen kommen und nicht mit einem einzelnen Erfolgsmodell.
Werden gebrauchte Motorräder jetzt billiger?
Das sagen diese Zahlen nicht. Belegt ist nur: Die Neuzulassungen liegen von Januar bis August 24,7 Prozent über dem Vorjahr, die Besitzumschreibungen 3,1 Prozent darunter. Auf jede Neuzulassung kamen in diesen acht Monaten 2,38 Besitzumschreibungen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres 3,06. Was daraus für Preise folgt, lässt sich aus einer Zulassungsstatistik nicht ableiten.
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