Was die Motorradkette über den Vorbesitzer verrät

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Beim Besichtigungstermin schauen alle nach vorn. Tank, Lack, Kilometerstand, Reifenprofil, Scheinwerfer an, Scheinwerfer aus. Der Verkäufer redet über den Ölwechsel, den er im Frühjahr hat machen lassen, und du nickst.

Dabei liegt die ehrlichste Auskunft über dieses Motorrad einen Meter weiter hinten und ist schwarz vor Dreck. Eine Motorradkette lässt sich nicht polieren, nicht zurückdrehen und nicht schönreden. Sie ist ein Verschleißteil, das jede Nachlässigkeit über Jahre mitschreibt - und wer sie lesen kann, weiß nach drei Minuten mehr über den Vorbesitzer als nach einer halben Stunde Smalltalk.

Warum ausgerechnet die Motorradkette nicht lügt

Fast alles an einem gebrauchten Motorrad lässt sich für einen Termin herrichten. Ein neuer Reifensatz kaschiert einen ruinierten Fahrstil. Frisches Öl versteckt, dass es drei Jahre lang keines gab. Politur macht aus stumpfem Lack einen Blickfang, jedenfalls für zwei Wochen.

Die Kette funktioniert anders, aus einem simplen Grund: Sie verschleißt nicht am Material, sondern in den Gelenken. Zwischen Bolzen und Buchse sitzt ein Schmierfilm, bei modernen Ketten dauerhaft eingeschlossen von kleinen Gummiringen zwischen den Laschen. Abgedichtet ist aber nur dieses Gelenk. Die Rolle darüber läuft ungedichtet auf der Buchse - deshalb brauchst du trotzdem Kettenspray, für Rolle, Dichtringe und die Zähne von Ritzel und Kettenrad. Fehlt der Film, arbeitet Stahl auf Stahl, und die Kette wird länger. Nicht gedehnt im Sinne von gestreckt - ausgeschlagen, Gelenk für Gelenk, ein hundertstel Millimeter nach dem anderen.

Diese Längung ist ein Speicher. Sie sagt dir nicht, was der Verkäufer erzählt, sondern was tatsächlich passiert ist. Und weil die Kette zwei Zahnräder mitnimmt, hast du gleich drei Zeugen statt einem.

Die straffe Stelle beim Durchdrehen

Der erste Handgriff kostet dreißig Sekunden und ist der aussagekräftigste des ganzen Termins.

Bike auf den Hauptständer oder aufgebockt, Gang raus, dann das Hinterrad langsam von Hand durchdrehen und dabei mit der anderen Hand den Kettendurchhang im unteren Trum an mehreren Stellen prüfen. Dreh das Rad dabei rückwärts und halt die Finger vom Bereich zwischen Kette und Kettenrad fern - dort zieht die Kette ein, und das geht sehr schnell. Nicht einmal. Alle zwanzig Zentimeter, einmal ganz herum.

Fühlt sich der Durchhang überall gleich an, ist das ein gutes Zeichen. Findest du eine Stelle, an der die Kette deutlich strammer wird als im Rest, hast du einen Befund. Der häufigste Grund ist ungleichmäßiger Verschleiß: Ein Teil der Gelenke ist stärker ausgeschlagen als der andere, einzelne sind sogar ganz festgegangen. Die Rolle darüber hat damit nichts zu tun - sie läuft frei auf der Buchse, gelängt wird im Gelenk. Dahinter steht fast immer dasselbe - über Jahre zu selten geschmiert, oft mit dem Hochdruckreiniger sauber gemacht.

Es gibt zwei weitere Ursachen, und beide sind teurer: ein verzogenes Kettenrad und ein Hinterrad oder Kettenradträger, der nicht mehr sauber rund läuft. Letzteres passiert nach Stürzen und nach Bordsteinbekanntschaften.

Wichtig ist die praktische Konsequenz, und die ist genau andersherum, als man sie oft hört: Der Durchhang wird immer an der straffsten Stelle gemessen und dort auf den Sollwert eingestellt. Dreh dafür das Hinterrad langsam durch und drück die untere Kettenhälfte alle paar Zentimeter nach oben, bis du die Stelle mit dem geringsten Spiel gefunden hast. In dieser Radstellung wird gemessen und gespannt. Und noch etwas gehört zum Sollwert dazu: in welchem Zustand das Motorrad dabei steht. Der Wert gilt für eine bestimmte Stellung des Hinterrads im Federweg - die einen messen auf dem Seitenständer, die anderen mit belastetem Fahrwerk. Wer denselben Wert auf dem Montageständer einstellt, spannt zu stramm. Machst du es umgekehrt und spannst an einer lockeren Stelle auf den Sollwert, ist die Kette an der strammen Stelle bretthart - das geht auf das Lager der Getriebeausgangswelle, auf Ritzel und Kettenrad, und beim Einfedern wird es noch enger. Richtig eingestellt hängt sie an den weichen Stellen dafür etwas mehr durch, und das ist die harmlosere Seite - harmlos ist sie nur, solange der Unterschied klein bleibt. Wird er groß, schlägt die Kette an der lockeren Stelle beim Lastwechsel gegen Schwinge und Führung und kann im Extremfall vom Ritzel springen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch: Der Sollwert ist von Modell zu Modell verschieden. Am Befund ändert das Spannen trotzdem nichts - eine deutlich strammere Stelle lässt sich nicht wegjustieren, der Kettensatz ist fällig.

Haifischflossen: was die Zähne erzählen

Jetzt der Blick von der Seite auf das große Kettenrad. Ein gesunder Zahn ist symmetrisch, mit gleichmäßigen Flanken links und rechts.

Ein verschlissener Zahn sieht aus wie eine Haifischflosse. Die belastete Flanke ist ausgehöhlt, die Rückseite ist dafür als Haken stehen geblieben, und die Spitzen neigen sich alle in dieselbe Richtung. Einmal gesehen, erkennst du das Bild auf zwei Meter Entfernung. Und du hörst es: Ein solcher Kettensatz knackt beim Anfahren leise, weil die Rollen nicht mehr sauber in ihre Lücken finden.

Der zweite Test dazu ist noch eindeutiger und geht am hinteren Kettenrad: Fass die Kette am hintersten Punkt des Kettenrads und zieh sie nach hinten vom Zahn weg. Lässt sie sich um mehr als etwa eine halbe Zahnhöhe abheben, ist der Satz durch. Nicht bald durch. Durch.

Und dann gibt es noch die stille Variante, die kaum jemand kontrolliert: das kleine Ritzel vorn unter dem Deckel. Es hat die wenigsten Zähne, dreht am schnellsten und verschleißt deshalb zuerst. Wer nur hinten schaut, sieht die halbe Wahrheit.

Rost zwischen den Laschen

Oberflächlicher Flugrost auf den Laschen einer Kette, die zwei Wochen stand, ist Kosmetik. Er verschwindet nach fünf Kilometern.

Was du suchst, ist etwas anderes: rotbraune Krusten in den Zwischenräumen, genau dort, wo die Gummiringe zwischen Innen- und Außenlasche sitzen. Rost an dieser Stelle heißt, dass Wasser über längere Zeit dort stand, wo nie Wasser stehen sollte. Kommen stumpfe, schwarz-braune Rollen und Rost am Kettenradträger dazu, spricht sehr viel dafür, dass diese Maschine mindestens einen Winter draußen verbracht hat - unter einer Plane oder unter gar nichts.

Der zweite Beweis für dieselbe Geschichte liegt woanders: Schau dir die Bremsscheiben an. Ein feiner Rostrand außen an der Reibfläche gehört bei jedem Bike nach ein paar Regentagen dazu. Tiefe, narbige Rostnester in der Reibfläche oder ein rostiger Scheibentopf erzählen von Monaten im Freien.

Und dann gibt es eine Spielart desselben Rostbildes, die schlimmer ist als alles bisher Genannte, weil sie nicht draußen entsteht, sondern innen. Keine Krusten, sondern feiner rotbrauner Staub, der aus den Spalten kommt, sich auf der Schwinge absetzt und nach dem Reinigen wieder da ist. Sind die Gummiringe hart, platt gescheuert oder abgerissen, ist die Füllung des Gelenks verloren, Wasser kommt hinein, und Stahl arbeitet auf Stahl. Genau dieser Verschleiß längt die Kette. Eine solche Kette kann von außen ordentlich aussehen und trotzdem fertig sein - und dieser Posten steht nicht in der Anzeige.

Und wenn du die Kette an einer Stelle in die Hand nimmst und seitlich hin und her biegst, merkst du es sofort: Ein Glied, das sich steif anfühlt und nicht von selbst zurückfällt, ist ein festgegangenes Gelenk. Ein steifes Glied wird nicht wieder gesund, egal wie viel Spray man draufkippt.

Neue Kette auf alten Zähnen: die Verkaufskosmetik

Und dann das Gegenteil: eine Kette, die verdächtig frisch glänzt. Goldene Laschen, saubere Rollen, kein einziger Kratzer, und darunter zwei Zahnräder, die aussehen wie eine Reihe Haifischflossen.

Das ist der teuerste Fund an diesem Motorrad, obwohl er nach dem Billigsten aussieht. Eine neue Kette auf verschlissenen Zahnrädern übernimmt deren Teilung innerhalb weniger tausend Kilometer. Die alten Zähne arbeiten die neue Kette regelrecht ein, und was du gekauft hast, ist nicht ein neues Bauteil, sondern eine Verzögerung.

Kettensätze werden aus genau diesem Grund komplett getauscht: Kette, Ritzel, Kettenrad, alle drei zusammen. Wer nur ein Teil erneuert, spart heute und zahlt in einer Saison doppelt.

Woran du es erkennst, wenn nur die Kette neu ist: Die Ritzelschraube oder die Muttern am Kettenrad sind unangetastet und tragen dieselbe Patina wie der Rest der Maschine. Neue Zahnräder hinterlassen immer Spuren an ihren Befestigungen.

Rechnen wir das kurz durch, denn beim Verhandeln hilft eine Zahl mehr als ein Gefühl. Ein kompletter Kettensatz kostet je nach Modell und Kettenqualität grob 100 bis 250 Euro, dazu kommt rund eine Stunde Werkstattzeit. Das ist kein Drama, aber es ist Geld, das der Verkäufer eingespart und im Preis nicht abgezogen hat.

Der Spanner auf der letzten Markierung

An der Schwinge, hinter der Achse, sitzen die Kettenspanner mit einer Skala aus Strichen oder Kerben. Sie sagen dir, wie viel Verstellweg noch übrig ist.

Steht der Marker bei einem gebrauchten Motorrad ganz hinten, auf der letzten oder vorletzten Markierung, ist das ein starkes Indiz für einen fertigen Kettensatz - ein Beweis ist es nicht. Die Skala setzt Serienübersetzung, Originalkettenlänge und einen korrekt eingestellten Durchhang voraus. Ein kleineres Ritzel oder ein Glied mehr schiebt die Achse genauso nach hinten. Nicht theoretisch: Der Verstellweg ist nicht beliebig, sondern auf die zulässige Längung ausgelegt. Wer am Anschlag ist, hat nichts mehr, womit er nachstellen könnte.

Manche Hersteller machen daraus sogar eine Ampel und teilen die Skala farbig ein: Solange der Zeiger im grünen Bereich steht, ist alles in Ordnung, im roten ist die Kette fällig. Wenn du so eine Skala vor dir hast, brauchst du für diesen Punkt gar keine Diskussion mehr - nur einen Blick.

Dieselbe Skala verrät noch etwas Zweites, und das ist der eigentlich interessante Teil. Vergleiche links und rechts. Stehen die Marker nicht auf demselben Strich, läuft das Hinterrad schief zum Vorderrad. Manchmal ist das schlicht schlampig eingestellt. Manchmal steckt eine verzogene Schwinge oder ein krummer Rahmen nach einem Sturz dahinter, und dann bist du plötzlich in einem ganz anderen Gespräch. Die Marker sind übrigens nur ein Anhaltspunkt, kein Messgerät - wirklich beurteilen lässt sich der Radversatz nur mit Richtlatte oder Fluchtwerkzeug.

Und ein chronischer Versatz hinterlässt Spuren, die du sehen kannst: Das Kettenrad ist auf einer Seite der Zähne stärker eingelaufen als auf der anderen, und die Innenseiten der Kettenlaschen sind blank gescheuert. Wer schief läuft, verschleißt schneller, und zwar auf beiden Seiten des Antriebs.

Sicherheitshinweis: Eine Kette am Ende ihres Verstellwegs gehört nicht mehr auf die Straße. Springt sie vom Ritzel, kann sie das Hinterrad blockieren oder ein Loch ins Motorgehäuse schlagen - beides bei voller Fahrt, beides ohne Vorwarnung. Das gilt auch für die Probefahrt bei der Besichtigung.

Es lohnt sich, in diesem Moment kurz die Perspektive zu wechseln. Eine Motorradkette, die am Anschlag steht, ist für den Verkäufer ein Detail und für dich eine Rechnung. Genau deshalb ist es der Punkt, an dem du nicht diskutieren, sondern nur zeigen musst: Finger auf die Markierung, Blick zum Verkäufer, warten. Die meisten wissen selbst, was dort steht - sie hatten nur gehofft, dass du nicht hinschaust.

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Fett auf der ganzen Schwinge

Ein Bild, das jeder kennt: Die Schwinge hat einen breiten, klebrigen Streifen aus Kettenfett und Straßendreck, der Kettenschutz sieht aus wie paniert, und am Felgenhorn zieht sich eine schwarze Spur einmal rundherum.

Das ist keine Sorgfalt, das ist ihr Gegenteil. Wer die Kette bei laufendem Rad aus zwanzig Zentimetern Entfernung besprüht, trifft alles außer die Rollen. Das Fett gehört auf die Innenseite der Kette, dorthin, wo die Fliehkraft es nach außen auf Rollen, Dichtringe und Zähne verteilt - ins Gelenk selbst kommt es ohnehin nicht, das ist ja abgedichtet. Und zwar auf eine warme Kette nach der Fahrt, sparsam, mit einem Lappen hinter der Kette als Spritzschutz.

Was diese Schmiererei über den Vorbesitzer sagt, ist einfach: Er hat die Kette gepflegt, ohne sich je damit beschäftigt zu haben. Was das über den Rest der Wartung sagt, kannst du dir selbst denken.

Sicherheitshinweis: Kettenspray auf der Reifenflanke oder gar auf der Lauffläche ist lebensgefährlich. Ein geschmierter Hinterreifen bricht in der ersten Kurve weg, ohne Vorwarnung. Wenn du bei der Besichtigung eine Fettspur auf dem Reifen siehst, fahr nicht Probe, bevor sie sauber entfernt ist - mit Spülmittel und Wasser, nicht mit Bremsenreiniger. Der greift die Gummimischung an.

Der Blick hinter den Ritzeldeckel

Der letzte Handgriff kostet zwei Schrauben und trennt Gebrauchtkäufer von Gebrauchtkennern. Frag den Verkäufer vorher, ob du den Deckel abnehmen darfst - wer nein sagt, hat dir damit auch schon etwas gesagt.

Unter dem kleinen Deckel vor dem Ritzel sammelt sich alles, was die Kette verliert. Bei einem normal gewarteten Motorrad findest du dort trockenen, schwarzen Abrieb. Bei einem vernachlässigten eine zentimeterdicke, zähe Paste aus Fett und Straßenstaub.

Interessant wird es, wenn diese Paste feucht und ölig ist und nach Getriebeöl riecht. Dann kommt sie nicht von der Kette, sondern von innen. Am häufigsten ist der Wellendichtring an der Getriebeausgangswelle undicht, es kann im selben Bereich aber auch der Simmerring der Schaltwelle sein. Das ist keine Katastrophe, aber es ist eine Reparatur, bei der Ritzelabdeckung und Ritzel herunter müssen - das Ritzel sitzt direkt auf der Verzahnung der Welle. Und es ist genau die Art von Nachricht, die kein Verkäufer von sich aus überbringt.

Was am Ende hängen bleibt

Eine Motorradkette ist kein Verschleißteil, über das man beim Kauf hinwegsieht. Sie ist das Protokoll der letzten drei Jahre, geschrieben in einer Sprache, die man in zwanzig Minuten lernen kann: gleichmäßiger Durchhang, symmetrische Zähne, saubere Gelenke, Spanner mit Luft nach hinten, links und rechts auf demselben Strich.

Und sie ist der einzige Punkt am ganzen Motorrad, an dem sich Erzählung und Wirklichkeit so schnell auseinanderdividieren lassen. Wer sagt, er habe „immer alles machen lassen“, und dessen Kettenrad Haifischflossen trägt, hat entweder ein schlechtes Gedächtnis oder eine sehr flexible Definition von „alles“.

Der schönste Fund bleibt trotzdem der umgekehrte. Eine leicht gebrauchte, gleichmäßig geschmierte Kette an einem zehn Jahre alten Motorrad mit 40.000 Kilometern sagt dir, dass hier jemand regelmäßig zwanzig Minuten in der Garage verbracht hat, ohne dass es jemand von ihm verlangt hätte. Solche Leute vergessen auch den Ölwechsel nicht.

❓ Häufige Fragen zur Motorradkette beim Gebrauchtkauf

Woran erkenne ich beim Besichtigungstermin, dass der Kettensatz durch ist?

Am schnellsten am hinteren Kettenrad: Zieh die Kette am hintersten Punkt nach hinten vom Zahn weg. Lässt sie sich um mehr als etwa eine halbe Zahnhöhe abheben, ist der Satz verschlissen. Dazu passen hakenförmige, asymmetrische Zähne und ein Kettenspanner, der bereits auf einer der letzten Markierungen steht.


Was bedeutet eine straffe Stelle beim Durchdrehen des Hinterrads?

Sie zeigt ungleichmäßigen Verschleiß. Meist sind einzelne Kettengelenke festgegangen, seltener steckt ein verzogenes Kettenrad oder ein unrund laufender Kettenradträger dahinter. Fürs Spannen gilt: Dreh das Hinterrad durch, such die straffste Stelle und stell den Durchhang genau dort auf den Sollwert ein. An der lockersten Stelle hängt die Kette dann etwas mehr durch, was unkritisch bleibt, solange der Unterschied klein ist. Wird er groß, schlägt die Kette dort beim Lastwechsel gegen Schwinge und Führung. Andersherum wird sie an der strammen Stelle zu straff und belastet die Lager. Wird der Unterschied deutlich, hilft Spannen ohnehin nicht weiter: Dann ist der Kettensatz fällig.


Reicht es, nur die Kette zu wechseln und die Zahnräder zu behalten?

In aller Regel nicht. Verschlissene Zahnräder haben eine veränderte Teilung und arbeiten eine neue Kette innerhalb weniger tausend Kilometer ein. Deshalb werden Kette, Ritzel und Kettenrad als Satz getauscht. Eine auffallend neue Kette auf sichtbar verschlissenen Zähnen ist beim Gebrauchtkauf ein Warnsignal, kein Pluspunkt.


Was sagt Rost an der Kette über das Motorrad aus?

Leichter Flugrost auf den Laschen nach zwei Wochen Standzeit ist normal. Rostkrusten in den Zwischenräumen zwischen den Laschen, dort wo die Dichtringe sitzen, sprechen für längeres Stehen im Freien. Zusammen mit narbigem Rost auf den Bremsscheiben ergibt das ein ziemlich klares Bild vom letzten Winter.


Warum stehen die Kettenspanner links und rechts manchmal unterschiedlich?

Häufig ist es schlicht ungenau eingestellt. Es kann aber auch auf einen dauerhaften Radversatz hindeuten, etwa nach einem Sturz. Sichtbar wird das an einseitig eingelaufenen Zähnen und blank gescheuerten Innenseiten der Kettenlaschen. Die Markierungen sind nur ein Anhaltspunkt, exakt beurteilen lässt sich der Versatz mit einer Richtlatte oder einem Fluchtwerkzeug.


Was kostet ein neuer Kettensatz?

Je nach Modell und Qualität der Kette liegen die Teile grob zwischen 100 und 250 Euro, dazu kommt rund eine Stunde Werkstattzeit. Für die Preisverhandlung ist das eine brauchbare Zahl, weil sie sich am Motorrad belegen lässt statt nur behaupten.


Was bedeutet eine dicke Fettschicht auf Schwinge und Felge?

Dass jemand die Kette im Vorbeisprühen geschmiert hat, statt sie zu pflegen. Das Schmiermittel gehört sparsam auf die Innenseite der warmen Kette, damit die Fliehkraft es nach außen auf Rollen, Dichtringe und Zähne verteilt. Ins abgedichtete Gelenk gelangt es nicht, dort sitzt die Füllung ab Werk. Fett auf der Felge ist unschön, Fett auf dem Reifen ist gefährlich und muss vor jeder Fahrt vollständig entfernt werden.

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