Motorrad kaufen als Paar: Warum der Sozius mit zum Besichtigungstermin muss

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Auf dem Foto sitzt ihr zu zweit. Auf dem Hof beim Verkäufer steht meistens nur einer. Und genau da fängt der Fehler an, der euch später jedes zweite Wochenende kostet.

Ein Motorrad kaufen als Paar heißt nämlich nicht, dass einer aussucht und der andere hinterher mitfährt. Wenn ihr zu zweit unterwegs sein wollt, hat der Mensch auf dem hinteren Teil der Sitzbank in dieser Kaufentscheidung mehr zu sagen als der Mensch am Lenker. Der vorne merkt in fünf Minuten Probefahrt, ob ihm die Maschine liegt. Der hinten merkt es nach vierzig Minuten Landstraße, und dann sitzt ihr schon in der Sackgasse.

Motorrad kaufen als Paar beginnt mit einem unbequemen Gespräch

Bevor wir über Fußrasten und Haltegriffe reden, kommt die Frage, die in den meisten Beziehungen nie sauber gestellt wird: Will der andere überhaupt mitfahren?

Nicht „findest du das schön“. Nicht „hast du Lust, mal wieder“. Sondern: Willst du regelmäßig zwei bis vier Stunden am Stück hinten sitzen, im Sommer bei 32 Grad in voller Montur, im Regen, mit einem Helm, in dem du fast nichts hörst, ohne Lenker, ohne Bremse, ohne Einfluss?

Das ist keine romantische Frage, und ehrliche Antworten darauf sind selten. Viele Menschen fahren mit, weil sie den anderen gernhaben, nicht weil sie das Motorradfahren gernhaben. Das ist völlig in Ordnung - nur führt es zu einer anderen Maschine. Wer zweimal im Jahr eine Stunde mitfährt, braucht keine Reiseenduro mit Topcase und Rückenlehne. Wer im Juni drei Wochen Alpen plant, sollte über einen Sportler mit handtellergroßer Rücksitzbank gar nicht erst nachdenken.

Diese Frage stellst du übrigens besser zwei Wochen vor dem ersten Termin als am Abend davor. Wer schon vier Inserate im Browser offen hat, hört nicht mehr wirklich zu.

Und die dritte Möglichkeit steht auch im Raum, obwohl sie selten ausgesprochen wird: Vielleicht will der andere gar nicht hinten sitzen, sondern vorne. Dann kauft ihr nicht ein Motorrad für zwei, sondern früher oder später zwei Motorräder. Auch das ist eine Antwort, und es ist besser, sie vor dem Kaufvertrag zu haben als danach.

Was der Sozius in dreißig Sekunden merkt

Steht ihr vor der Maschine, setzt sich fast immer der Fahrer zuerst drauf. Falsche Reihenfolge. Der zweite Mensch nimmt zuerst hinten Platz, in Ruhe, und dann geht ihr vier Dinge durch. Das ist der Sitzcheck im Stand; der realistische Aufsteigetest kommt gleich danach.

Wie lang ist die Fläche wirklich? Nicht wie lang sie aussieht. Bei vielen Sportlern und Naked Bikes ist der hintere Teil der Sitzbank eher ein Verkleidungsteil mit Polster darauf. Wenn die Sitzbeinhöcker den Rand berühren, hilft kein Gel-Pad der Welt.

Wie steil ist sie? Eine stark gestufte oder nach vorn geneigte Sitzfläche schiebt den Sozius bei jedem Bremsen in den Rücken des Fahrers. Das ist auf zwanzig Kilometern lustig und auf zweihundert das Ende der Reisefreundschaft - von den zusammenstoßenden Helmen ganz abgesehen.

Wo sitzen die Fußrasten? Der Abstand zwischen Sitzfläche und Rastenauflage bestimmt den Kniewinkel. Sitzt die Raste zu hoch, zieht es nach vierzig Minuten in der Kniekehle, und dagegen hilft nichts außer Absteigen. Prüfen kannst du das im Stand, wenn beide Füße wirklich auf den Rasten stehen und niemand mit den Zehen balanciert.

Woran hält sich der Mensch fest? Griffe am Heck, Griffe an der Sitzbank, ein Gurt, eine Topcase-Lehne - oder gar nichts. Und wenn nichts da ist, hält sich der Sozius an dir fest. Genau da wird aus Komfort ein Fahrverhalten. Bei der Topcase-Lehne lohnt der zweite Blick: Träger und Grundplatte sind je nach Hersteller nur auf wenige Kilogramm ausgelegt, den Koffer eingerechnet. Sie ist ein Anschlag nach hinten, kein Sitz - wer sich beim Beschleunigen mit vollem Gewicht dagegenlehnt, belastet ein Bauteil, das dafür nicht gebaut ist.

Sicherheitshinweis: Ein Sozius ohne eigenen Halt greift beim Bremsen instinktiv nach vorn, meist an Arme oder Schultern des Fahrers. In dem Moment, in dem du die Bremse fein dosieren musst, hast du Gewicht und fremde Hände an deinen Armen. Wer regelmäßig zu zweit fährt, klärt die Haltefrage vor dem Kauf und nicht auf der ersten Tour.

Ein fünfter Punkt fällt im Stand selten auf und im August sofort: Wärme. Bei kompakten Motoren mit hinten liegendem Zylinder oder eng geführter Auspuffanlage staut sich die Abwärme genau dort, wo die Waden des Sozius sind. An einer roten Ampel im Sommer ist das kein Komfortdetail mehr. Wenn die Maschine bei der Probefahrt ohnehin warm wird, geht danach einmal kurz mit der flachen Hand in den Bereich unter der hinteren Fußraste.

Aufsteigen ist kein Detail, sondern der halbe Alltag

Jetzt kommt der Test, den bei Besichtigungsterminen praktisch niemand macht - und der mehr über eure nächsten drei Jahre aussagt als jede Probefahrt.

Auf dem Hof steht das Motorrad auf dem Seitenständer, schräg, entlastet, mit einer Sitzhöhe, die es im Betrieb nie hat. Der Sozius steigt in dieser Position bequem auf. Und dann, im echten Leben, sieht es so aus: Der Fahrer sitzt schon oben, hält die Maschine senkrecht, das Fahrwerk ist unter seinem Gewicht eingefedert, der Ständer ist eingeklappt. Der zweite Mensch steigt als Zweiter auf - auf ein Fahrzeug, das steht, aber nicht sicher steht.

Also macht genau das. Der Fahrer setzt sich auf, hält vorne die Bremse und stellt beide Füße fest ab. Der Sozius stellt einen Fuß auf die Raste und zieht sich hoch. Und dasselbe rückwärts: absteigen. Wenn die Maschine dabei schon warm ist, umso besser - warum, steht gleich.

Was ihr dabei mitbekommt, steht in keinem Datenblatt. Ob die Fußraste erreichbar ist, ohne dass jemand an der Verkleidung hängen bleibt. Ob genug Platz zwischen Auspuffanlage und Bein ist. Ob das Motorrad beim Aufsteigen so wandert, dass es dem Fahrer unangenehm wird. Bei hohen Reiseenduros ist das der Punkt, an dem sich Paare für ein anderes Modell entscheiden - nicht wegen der Leistung, sondern weil eine der beiden Personen jedes Mal einen kleinen Kampf auszutragen hat.

Dieser Moment verrät noch etwas Zweites: wie sich die Maschine bei Schrittgeschwindigkeit anfühlt, wenn zwei Menschen darauf sitzen. Rangieren, Wenden am Hang, rückwärts aus einer Parklücke schieben - überall dort balanciert der Fahrer plötzlich siebzig zusätzliche Kilo, die von sich aus nichts ausgleichen. Wer das nicht wenigstens einmal auf dem Hof gemacht hat, macht es zwei Wochen später auf einem Parkplatz mit Gefälle.

Und ein Nebenaspekt, der auf einem warmen Motorrad vom Vorbesitzer sofort auffällt: Krümmer und Endschalldämpfer sind heiß. Wo genau die Beine des Sozius beim Aufsteigen entlanggehen, willst du am liebsten einmal wissen, bevor du es in kurzer Hose herausfindest.

Die Zahl in den Papieren, die kaum jemand liest

Fragt beim Termin nach der Zulassungsbescheinigung Teil I und schaut euch zwei Felder an: F.1, die technisch zulässige Gesamtmasse, und G, die Masse des in Betrieb befindlichen Fahrzeugs - im Papier steht dahinter das Wort Leermasse. Die Differenz ist eure Zuladung. Und diese Leermasse enthält beim Kraftrad zwar den nahezu vollen Tank, aber weder Fahrer noch Sozius.

Rechnet einmal durch, es dauert eine Minute. Eine große Reiseenduro bringt fahrbereit gut 220 Kilogramm auf die Waage, zulässig sind rund 420. Bleiben etwa 200 Kilogramm Zuladung, und das klingt nach reichlich.

Dann rechnet ihr weiter: Fahrer 85 Kilo plus Kombi, Helm und Stiefel, macht rund 97. Sozius 68 Kilo plus Ausrüstung, macht 78. Zusammen 175. Übrig bleiben 25 Kilogramm für Topcase, Koffer, Zelt und die zwei Flaschen Wein aus Südtirol - wobei ein leeres Topcase davon schon vier bis fünf wegnimmt.

Bei Maschinen mit weniger Reserve wird es noch enger, und Sportler liegen dabei selten auf der komfortablen Seite. Wie viel dir bleibt, sagt dir keine allgemeine Faustzahl, sondern nur die Differenz aus den beiden Feldern in den Papieren des Motorrads, vor dem ihr gerade steht. Deshalb gehört diese Rechnung an den Besichtigungstermin und nicht in den Urlaubsvorabend.

Ein Haken steckt in der amtlichen Zahl selbst: Sie beschreibt das Motorrad, wie es das Werk verlassen hat. Koffersystem, Sturzbügel, Zusatzscheinwerfer und ein Tankrucksack stehen da nicht drin. Wer es genau wissen will, fährt einmal über eine Waage - das ist die einzige Zahl, die wirklich zu eurem Motorrad gehört.

Sicherheitshinweis: Ein überladenes Motorrad bremst schlechter, federt durch und reagiert träge auf Lenkbefehle - besonders unangenehm, wenn Gewicht weit hinter der Hinterachse sitzt. Die verbindlichen Werte für dein Wunschmodell stehen in den Fahrzeugpapieren und im Handbuch, nicht im Prospekt.

Zwei Einstellungen gehören übrigens ebenfalls zum Thema und lassen sich am Verkaufsobjekt direkt anschauen: Hat das Federbein eine erreichbare Verstellung der Federvorspannung, am besten ein Handrad statt eines Hakenschlüssels? Und steht der empfohlene Reifendruck für den Betrieb zu zweit irgendwo am Fahrzeug? Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - auf der Reifenflanke steht dieser Wert nämlich nicht.

Zwei Augenpaare sehen den Verkäufer anders

Und jetzt der Teil, der nichts mit Sitzbänken zu tun hat und trotzdem der stärkste Grund ist, zu zweit hinzufahren.

Wer sein Wunschmotorrad zum ersten Mal live sieht, ist verliebt. Verliebte Menschen sehen keinen Ölnebel am Gabelholm. Sie sehen die Farbe. Der zweite Mensch ist nicht verliebt, jedenfalls nicht in das Motorrad, und deshalb fallen ihm Dinge auf, die neben dem Blickfeld liegen.

Zum Beispiel, dass der Motor schon warm ist, wenn ihr ankommt. „Ich hab ihn nur kurz rangefahren“ ist manchmal wahr und manchmal die eleganteste Art, einen Kaltstart zu verstecken. Ein Motor, den ihr nicht kalt startet, hat euch nichts über sich erzählt.

Oder eine Hebelspitze, die frischer lackiert ist als der Rest. Oder eine Fußrastenauflage, die auf einer Seite blank geschliffen ist und auf der anderen nicht. Oder Schraubenköpfe an der Verkleidung, die sich in Farbe und Zustand unterscheiden. Oder dass der Verkäufer beim Wort „Sturz“ eine halbe Sekunde zu lange braucht.

Der Sozius hat dabei einen strukturellen Vorteil: Er steht nicht am Lenker, er läuft herum. Aus zwei Metern Abstand siehst du, ob eine Maschine gerade steht, ob die Lenkerenden gleich hoch sind, ob eine Blinkerhalterung schief hängt. Vom Fahrersitz aus siehst du das nie.

Der zweite Vorteil ist zeitlicher Natur. Zu zweit lässt sich ein Termin beenden, ohne dass er kippt: Einer schaut sich noch die Papiere an, der andere geht schon langsam Richtung Auto, und die Situation bleibt offen. Allein stehst du dagegen mit dem Verkäufer im Hof, es entsteht eine Pause, und aus solchen Pausen werden erstaunlich oft Kaufverträge.

Wer „nein“ sagen darf, muss es vorher abmachen

Der eigentliche Wert der zweiten Person liegt nicht im Sehen, sondern im Sagen. Und das funktioniert nur, wenn ihr die Rollen vor der Anfahrt geklärt habt.

Macht es konkret. Einer redet mit dem Verkäufer, einer schaut. Der Schauende darf jederzeit unterbrechen, ohne sich zu rechtfertigen. Und es gibt einen abgesprochenen Satz, der bedeutet: Wir gehen jetzt kurz zum Auto. Nicht als Trick, sondern weil zwei Minuten ohne Publikum den Kopf zurückbringen.

Der wichtigste Teil dieser Absprache ist die Reihenfolge. Wenn du zuerst „ja“ gesagt hast und der andere danach „nein“ sagen soll, verliert ihr beide. Also entscheidet niemand allein auf dem Hof. Nicht heute, nicht bei diesem Preis, nicht weil noch zwei Interessenten angeblich unterwegs sind.

Motorrad kaufen als Paar endet in einem von zwei Sätzen. Entweder: „Wir haben es zusammen ausgesucht.“ Oder: „Ich hab es gekauft, und du fährst halt mit.“ Der erste Satz hält länger.

Was am Ende hängen bleibt

Die meisten Paare kaufen nicht das falsche Motorrad. Sie kaufen ein richtiges Motorrad für eine Person und benutzen es dann für zwei.

Der Unterschied kostet auf dem Hof genau eine halbe Stunde: einmal hinten sitzen, einmal richtig auf- und absteigen, einmal zwei Zahlen aus den Papieren voneinander abziehen, einmal getrennt herumlaufen. Das ist alles. Danach wisst ihr mehr über die nächsten Jahre als nach einer Probefahrt über die Umgehungsstraße.

Und wenn dabei herauskommt, dass der zweite Mensch eigentlich gar nicht hinten sitzen will - dann habt ihr an diesem Tag die wertvollste Information des ganzen Kaufprozesses bekommen. Die ist unangenehm. Sie ist trotzdem billiger als eine Sitzbank, auf der jemand aus Höflichkeit sitzt.

❓ Häufige Fragen zum Motorradkauf zu zweit

Warum soll der Sozius mit zum Besichtigungstermin?

Weil sich der hintere Arbeitsplatz nicht aus dem Datenblatt ablesen lässt. Länge und Neigung der Sitzfläche, Höhe der Fußrasten, Haltemöglichkeiten und die Frage, wie sich Auf- und Absteigen anfühlt, entscheiden über den Alltag zu zweit. Dazu kommt ein zweites Augenpaar, das den Verkäufer nüchterner betrachtet als der frisch verliebte Käufer.


Worauf achte ich beim Probesitzen hinten?

Auf vier Dinge: die tatsächliche Länge der Sitzfläche, ihre Neigung, den Kniewinkel bei richtig aufgesetzten Füßen und den vorhandenen Halt. Fehlt ein Griff oder eine Lehne, hält sich der Sozius am Fahrer fest, und das verändert das Fahrverhalten beim Bremsen spürbar.


Wie berechne ich die Zuladung eines Motorrads?

Aus der Zulassungsbescheinigung Teil I: technisch zulässige Gesamtmasse minus Masse in fahrbereitem Zustand. Beim Kraftrad ist der Fahrer in dieser Leermasse nicht enthalten, deshalb ziehst du anschließend beide Personen samt Ausrüstung ab. Was dann noch übrig ist, ist der Platz für Gepäck.


Wie viel Zuladung hat ein typisches Motorrad?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht, weil sie von Modell und Ausstattung abhängt. Zwei Personen mit voller Ausrüstung liegen zusammen schnell bei 170 bis 190 Kilogramm, wodurch bei vielen Maschinen nur noch wenig für Koffer und Topcase bleibt. Die verbindliche Zahl steht in den Fahrzeugpapieren.


Sollte der Sozius beim Termin auch aufsteigen üben?

Ja, und zwar realistisch. Nicht am Seitenständer, sondern mit dem Fahrer bereits auf der Maschine, die dann senkrecht steht und unter Last eingefedert ist. Genau in dieser Situation zeigt sich, ob die Fußraste erreichbar ist, ob genug Platz zur Auspuffanlage bleibt und ob das Motorrad beim Aufsteigen unruhig wird.


Woran erkenne ich, dass der Motor vor meinem Besuch schon lief?

An der Wärme von Motorblock, Krümmer und Kühler. Ein warmer Motor verhindert, dass du den Kaltstart beurteilen kannst, und der sagt am meisten über den Zustand. Kündige beim Terminvereinbaren an, dass du kalt starten möchtest, und komm lieber ein paar Minuten früher.


Was tun, wenn wir uns beim Termin nicht einig werden?

Nichts entscheiden. Absprache vorher: Einer redet, einer schaut, und der Schauende darf jederzeit unterbrechen. Wenn zwei Menschen dieselbe Maschine unterschiedlich bewerten, ist das kein Streit, sondern der Grund, weshalb ihr zu zweit hingefahren seid.

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