Enduro waschen mit dem Hochdruckreiniger: drei Fehler, die dein Bike schleichend ruinieren

Sechzig Zentimeter. So weit soll die Düse eines Hochdruckreinigers laut KTM-Betriebsanleitung mindestens von jedem Bauteil weg bleiben. Sechzig. Das ist deutlich mehr als eine Armlänge - und ungefähr das Vierfache dessen, was du auf jedem Waschplatz siehst, wenn jemand nach einer Schlammrunde seine Enduro waschen will und dem Lehm mit der Punktstrahldüse zu Leibe rückt.

Der Witz an der Sache: Es funktioniert ja. Nach zehn Minuten glänzt der Rahmen, die Felgen sind sauber, das Ding sieht aus wie aus dem Prospekt. Der Schaden entsteht nicht beim Waschen. Er entsteht in den drei Wintern danach, wenn Lager rau werden, die Gabel schwitzt und die Kette bei 8.000 Kilometern klingt wie eine mit 25.000.

Was diese 60 Zentimeter eigentlich bedeuten

Ein handelsüblicher Hochdruckreiniger arbeitet mit gut 100 bis 150 bar. Zum Vergleich: In deinem Geländereifen steht nicht einmal ein bar, wenn du im Dreck unterwegs bist, und auf der Verbindungsetappe eineinhalb bis zwei. Der Wasserstrahl aus einer Punktstrahldüse ist damit das Druckstärkste, was du jemals auf dein Motorrad loslässt - und du hältst ihn freihändig aus zwanzig Zentimetern auf Bauteile, die nie dafür gebaut wurden.

Der ADAC formuliert das Problem in einem Satz, den du dir merken kannst: Durch den extremen Druck kann Wasser selbst in kleinste Ritzen und in Lager eintreten und Fett ausspülen. Honda wird auf seiner Pflegeseite noch direkter und rät, Hochdruck-Wassersprühanlagen wie die in Münzwaschanlagen zu meiden. Das ist der ganze Mechanismus. Nicht Rost, nicht Dreck, nicht Chemie. Der Strahl trägt Fett ab und ersetzt es durch Wasser.

Und jetzt kommt der Punkt, an dem eine Enduro anders liegt als eine Straßenmaschine. Nicht, weil sie andere Bauteile hätte - Umlenkung, Radlager und Lenkkopf sitzen am Sportler genauso ungeschützt unter dem Heck. Der Unterschied ist, was diese Bauteile erleben. Eine Straßenmaschine sieht Staub und Sprühwasser. Eine Enduro steht bis zur Schwinge im Schlamm, durchfährt Bachläufe und kommt so dreckig nach Hause, dass ihr Besitzer zwangsläufig zum Hochdruckreiniger greift - jedes Wochenende, nicht dreimal im Jahr. Dieselben Dichtungen, ein Vielfaches an Belastung. Deshalb geht es hier nicht um Pedanterie, sondern um Wartungsintervalle, die sich halbieren.

Der zweite Unterschied ist der Dreck selbst. Straßenschmutz ist Staub und Öl. Geländeschlamm ist Sand. Sand plus Wasser plus dreistelliger bar-Wert ergibt eine Sandstrahlanlage, und die arbeitet genau dort am gründlichsten, wo du sie am wenigsten haben willst: an weichen Dichtlippen.

Die drei Fehler, die du erst Jahre später bezahlst

Sie sehen alle harmlos aus, und genau das ist ihr gemeinsamer Nenner. Keiner von ihnen macht ein Geräusch, keiner hinterlässt einen Kratzer. Sie schicken dir die Rechnung mit Verspätung.

Fehler 1: Der Anfang, der über alles andere entscheidet

Der erste Fehler besteht darin, gar nichts zu tun. Er passiert, bevor auch nur ein Tropfen Wasser fließt.

Fang mit dem Auspuff an. Das ist kein Enduristen-Aberglaube, sondern steht so in der Betriebsanleitung: Auspuffanlage verschließen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Bei einer Straßenmaschine mit tief liegendem, langem Krümmer ist das Risiko überschaubar. Bei einer Enduro zeigt das Endrohr oft leicht nach oben, sitzt auf Hüfthöhe und liegt genau in der Bahn, in der du dich um das Heck herumarbeitest. Ein Stopfen kostet ein paar Euro. Ein Anlassversuch mit Wasser im Schalldämpfer kostet Nerven, im ungünstigen Fall mehr.

Zweitens der Luftfilterkasten. Bei vielen Geländemaschinen sitzt er offen unter der Sitzbank oder im Heckrahmen, und die Ansaugöffnung schaut in eine Richtung, in die du beim Waschen zwangsläufig einmal zielst. Und bei den ölgetränkten Schaumstofffiltern, die in Geländemaschinen stecken, richtet Wasser mehr an, als es aussieht: Es wäscht das Filteröl aus, und ein Schaumstofffilter ohne Öl hält vor allem eines nicht mehr auf, nämlich Staub. Wasser hinter dem Filter ist noch einmal ein anderes Thema. Deshalb gehört eine Waschkappe für den Airbox zur Grundausstattung, und wer keine hat, nimmt einen Frotteelappen und eine Plastiktüte - Hauptsache, die Öffnung ist dicht und du erkennst nach der Wäsche, dass da noch was drin steckt.

Drittens: nicht in die Sonne stellen und nicht heiß waschen. Die KTM-Anleitung sagt ausdrücklich, direkte Sonneneinstrahlung während der Reinigung zu vermeiden, Honda formuliert es entspannter und rät, sich einen Tee zu nehmen und zu warten, bis Motor und Auspuffanlage abgekühlt sind. Beides läuft auf dasselbe hinaus: Reiniger, der antrocknet, bevor du ihn abspülst, hinterlässt Schlieren auf Lack und matten Kunststoffteilen, die du nicht mehr wegbekommst.

Und noch ein Detail, das im Handbuch steht und fast nie beachtet wird: Motorradreiniger nie auf das trockene Fahrzeug auftragen, vorher immer mit Wasser abspülen. Zwei Gründe dafür. Auf einer trockenen, womöglich warmen Oberfläche trocknet das Mittel ein, bevor es wirkt - und was eintrocknet, hinterlässt Schleier auf Lack und mattem Kunststoff, die sich später kaum noch wegbekommen lassen. Und der Staub, der ungespült liegen bleibt, wird beim ersten Zug mit Schwamm oder Bürste zur Schleifpaste. Nicht die Chemie kratzt, sondern das, was du mit ihr über den Lack schiebst.

Fehler 2: Draufhalten, wo es empfindlich wird

Hier ist die Liste, und sie ist kürzer, als du denkst. Der ADAC nennt als Problemzonen: Radnaben, Schwinge, Lenkkopflager, Hebelgelenke, Öl- und Wasserkühler sowie O-Ring-Ketten. Die Betriebsanleitung ergänzt elektrische Bauteile, Stecker und Bowdenzüge.

Übersetzt auf eine Enduro heißt das fünf Stellen, an denen du den Strahl wegnimmst oder wenigstens flach und aus Abstand arbeitest.

Die Staubkappen der Gabel. Sie sind Abstreifer, keine Dichtungen. Ihre Aufgabe ist, groben Dreck vom Standrohr zu wischen, bevor der eigentliche Simmerring ihn zu sehen bekommt. Gegen einen Wasserstrahl können sie nichts ausrichten - der drückt Wasser und feinen Sand genau in den Ringraum darüber. Was danach passiert, kennt jeder: Nach zwei Ausfahrten steht ein dünner Ölfilm am Standrohr, und die Gabel ist fällig.

Umlenkung und Schwingenlager. Nadellager, ab Werk gefettet, mit Dichtscheiben, die gegen Spritzwasser ausgelegt sind - nicht gegen über hundert bar aus zehn Zentimetern. Wenn dort erst einmal Wasser sitzt, merkst du das nicht am nächsten Tag, sondern in der übernächsten Saison, wenn sich die Umlenkung beim Zerlegen nur noch mit Gewalt bewegt.

Radlager. Dasselbe Prinzip. Der Dichtring sitzt seitlich in der Nabe, und dort kommt der Strahl an jedem Rad ungehindert hin - Speichenrad wie Gussrad. Was die Enduro unterscheidet, ist nicht die Bauform, sondern die Dosis: Sand im Wasser, und das jedes Wochenende. Ein Radlager stirbt leise, erst mit Spiel, dann mit Geräusch, und die Rechnung kommt spät.

Der Kühler. Ein anderer Schadensmechanismus, ein sofortiger: Die Lamellen sind Zehntelmillimeter dick. Ein Punktstrahl aus kurzer Distanz legt sie flach, und flachgelegte Lamellen bedeuten weniger Kühlfläche. Bei einer Maschine, die im Gelände ohnehin am Limit der Kühlung fährt, ist das keine Kosmetik. Wer Kühlerlamellen einmal einzeln mit einem Kunststoffkamm aufgerichtet hat, macht diesen Fehler genau einmal.

Stecker und Züge. Wasser im Steckergehäuse trocknet nicht, es korrodiert. Der Fehler taucht dann als sporadischer Aussetzer auf, den keine Werkstatt findet, weil er bei trockenem Wetter weg ist.

Fehler 3: Die Kette, die den Winter nicht überlebt

Der teuerste Fehler steht am Schluss, weil er am unschuldigsten aussieht. Die Kette ist dreckig, also hältst du drauf. Sie wird sauber. Also war es richtig.

War es nicht. Eine O-Ring- oder X-Ring-Kette ist kein Bauteil, das du reinigst - sie ist ein Bauteil, das ab Werk gefüllt ist. Zwischen Bolzen und Buchse jedes einzelnen Glieds sitzt Fett, das ein Leben lang dort bleiben soll. Der Gummiring hält es drin und den Dreck draußen. Was du außen aufträgst, schmiert nur noch Rollen und Laschen. Das eigentliche Lager ist unerreichbar - für Schmierstoff genauso wie für dich.

Genau deshalb geht es beim Kettenreinigen nur darum, was von außen dranbleibt - und darum, die Dichtringe in Ruhe zu lassen. Ein Wasserstrahl mit dreistelligem Druck verformt die Dichtlippe für Sekundenbruchteile, drückt Wasser in den Spalt und Fett heraus. Aggressive Lösemittel schaffen dasselbe ohne jeden Druck, nur langsamer: Sie lassen den Gummi quellen oder verhärten. D.I.D nennt als verbotene Behandlung ausdrücklich Dampf, Verdünner und flüchtige Lösemittel wie Benzin sowie Drahtbürsten; RK ergänzt Petroleum, Waschbenzin, Diesel, Bremsenreiniger, Motoröl und ätzende Reiniger. Die Begründung der Hersteller ist bei allen gleich: Das verformt die Dichtringe, und ist das Fett einmal draußen, kommt es nie wieder rein.

Danach läuft die Kette trocken. Nicht sofort spürbar - sie wird nur schneller lang, bekommt einzelne steife Glieder und irgendwann klemmt eines. Ein kompletter Kettensatz für eine Geländemaschine, also Kette plus Ritzel plus Kettenrad, startet je nach Modell und Ausführung bei gut hundert Euro und geht nach oben offen weiter. Für zehn gesparte Minuten pro Wäsche ist das ein schlechtes Geschäft.

Richtig geht es unspektakulär: Kettenreiniger auf Mineralölbasis, der ausdrücklich als dichtringverträglich ausgewiesen ist, eine weiche Nylonbürste, ein Lappen. Kein Draht, keine Messingbürste, kein Bremsenreiniger. Und danach schmieren, wie es die Anleitung sagt - Honda formuliert die Reihenfolge klar: erst waschen, dann trocknen, dann die Antriebskette schmieren. Nicht umgekehrt.

Enduro waschen, ohne sie kaputtzumachen: der Ablauf

Die gute Nachricht: Du musst den Hochdruckreiniger nicht wegwerfen. Du musst ihn nur anders benutzen. So sieht das aus, wenn du eine Enduro waschen willst, ohne sie schleichend zu ruinieren.

Erst einweichen, dann spritzen. Angetrockneter Lehm geht nicht mit Druck ab, sondern mit Zeit. Zehn Minuten mit einem weichen Strahl oder einer Schaumlanze eingeweicht, und der halbe Dreck fällt von selbst. Das spart genau den Druck, den du sonst brauchst.

Breitstrahl statt Punktstrahl, und die Düse dahin, wo Fläche ist: Rahmen, Tank, Kotflügel, Motorschutz, Felgenbett. Über Lager, Gabel, Kettenrad und Steckern nimmst du sie weg und arbeitest mit Pinsel, weicher Bürste und Gartenschlauch.

Der Kühler ist ein Fall für sich, und dort ist auch der Pinsel kein Freibrief: Nasser Sand zwischen Borsten und Lamellen legt genau die Bleche um, die du retten willst. Also erst mit viel Wasser und wenig Druck spülen, bis der grobe Dreck weg ist, und dann - wenn überhaupt - mit einem weichen Pinsel längs der Lamellen arbeiten, nie quer und nie mit Druck. Was schon flach liegt, richtest du hinterher geduldig mit einem Kunststoffkamm auf, nicht mit dem Schraubendreher.

Und dann kommt der Schritt, bei dem jedes Jahr Motoren sterben: Stopfen raus, Airbox-Kappe ab. Vor dem Startknopf, nicht danach. Die Betriebsanleitung führt das als eigenen Punkt („Verschluss der Auspuffanlage entfernen“), und der Lappen in der Ansaugöffnung ist der gefährlichere von beiden - ein Motor, der sich einen Putzlappen einzieht, ist ein wirtschaftlicher Totalschaden für zwei Minuten Unaufmerksamkeit. Deshalb gehört an den Stopfen ein knallbuntes Band, das über den Kotflügel hängt.

Danach trocknen, und zwar richtig. Die Betriebsanleitung schickt dich nach der Wäsche ein kurzes Stück fahren, bis der Motor Betriebstemperatur erreicht - die Wärme verdunstet das Wasser auch an Stellen, an die du nie kommst. Kettenhersteller sehen die Reihenfolge genauso: Auch RK rät, nach dem Reinigen und vor dem Schmieren eine kurze Runde zu drehen, damit Reiniger- und Wasserreste die Kette verlassen, und erst danach zu schmieren, solange sie noch warm ist. Hier ziehen zwei Ziele gegeneinander: Der Motor soll warm werden, die frisch gereinigte Kette soll möglichst kurz trocken laufen. Der Kompromiss ist ein paar Minuten warmlaufen lassen - dabei steht die Kette still - und danach das kürzeste Stück, mit dem die Maschine wirklich Temperatur bekommt. Es geht um Wärme, nicht um eine Runde ums Dorf. Und dann direkt schmieren, solange die Kette handwarm ist - nicht erst, wenn die Maschine wieder kalt in der Garage steht. Warm ist keine Nebensache: Das Lösemittel aus der Dose verdunstet schneller, und der Schmierstoff läuft dünnflüssig unter die Rollen, statt außen aufzuliegen. Vorsicht nur an dem, was daneben liegt - Krümmer und Auspuff sind zu diesem Zeitpunkt heiß.

Wenn du Druckluft benutzt, dann mit Verstand - und das ist genau die Stelle, an der sich viele selbst widersprechen. Sechs bis acht bar aus zwei Zentimetern drücken Wasser genauso hinter eine Dichtlippe wie der Hochdruckreiniger, nur leiser. Druckluft ist dazu da, Wasser von Flächen und aus Spalten zu blasen: aus dem Kühlerpaket, aus dem Kettenrad, unter der Sitzbank. Nicht in Bremssättel, nicht in Lager, nicht direkt in einen Steckverbinder. Steckt in einem Stecker Wasser, ziehst du ihn ab, schüttelst ihn aus und lässt ihn offen trocknen.

Und wenn die Maschine abgekühlt ist, kommt der Schritt, den fast alle vergessen: alle Gleit- und Lagerstellen schmieren. Hebelgelenke, Zughüllen, Seitenständerbolzen, Fußrastenlager.

Das ist der ganze Unterschied. Nicht weniger sauber - nur eine Viertelstunde langsamer.

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In der Reihenfolge der Arbeit: waschen, Kette säubern, Kette schmieren. Die letzte Position steht hier, weil die Wäsche sie gerade herausgespült hat.

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Wo aus Verschleiß ein Sturzrisiko wird

Bis hierher ging es um Verschleiß. Die nächsten drei Punkte gehen weiter: Sie betreffen Reifen und Bremsen, und da hört Verschleiß auf und Sturzrisiko fängt an.

Der erste betrifft das, was viele danach draufsprühen. Silikonspray und Sprühglanz sind auf jedem Waschplatz zu sehen, und sie machen ihre Sache gut - sie legen einen dünnen Trennfilm auf alles, was sie treffen. Genau darin liegt das Problem. Honda sagt es direkt: Reifen und Bremsen müssen vor Sprühreiniger oder Sprühpolitur geschützt sein, empfindliche Teile gehören vor dem Sprühen abgedeckt. Die KTM-Anleitung zieht dieselbe Grenze bei der Korrosionsschutzbehandlung - blanke Metallteile ja, Bremsscheiben und Auspuffanlage ausdrücklich nicht.

Sicherheitshinweis: Pflegemittel auf dem Reifen oder der Bremsscheibe ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Sturzrisiko mit Lebensgefahr. Am Motorrad gibt es keine harmlose Reifenflanke, auf der so etwas landen dürfte - in Schräglage trägt der Reifen bis weit auf die Schulter. Und ein Film auf der Scheibe kostet dich die erste Bremsung, in der es darauf ankommt. Sprühdose immer mit Abstand und mit Abdeckung, oder Mittel auf den Lappen und den Lappen ans Bauteil.

Der zweite Fehler ist der Anfahrmoment selbst. Nasse Bremsen bremsen schlechter, und das ist keine gefühlte Wahrheit: Die Anleitung schreibt vor, eine verschmutzte oder nasse Bremsanlage vorsichtig sauber- beziehungsweise trockenzubremsen. Honda wird noch deutlicher und rät, vor der Fahrt die Bremsen zu testen, gegebenenfalls mehrmals zu ziehen und mit einem längeren Bremsweg zu rechnen. Nach einer Wäsche also: Schrittgeschwindigkeit, ein paar Mal sanft bremsen, hören und fühlen, ob der Biss zurückkommt. Erst dann Gas.

Und noch etwas, das ADAC-Wissen ist und kaum irgendwo steht: Der Dampfstrahler hat auch auf dem Reifen selbst nichts verloren.

Sicherheitshinweis: Werden Reifen aus kurzer Distanz und zu lange an einer Stelle mit dem Dampfstrahler bearbeitet, können unsichtbare Schädigungen entstehen - dem Reifen sieht danach niemand etwas an. Bei höherem Tempo oder auf langen Etappen kann das üble Folgen haben. Reifen gehören unter Wasser, Bürste und Spülmittel, nicht unter Druck.

Für alles, was Toleranzen, Pflegemittel und Intervalle angeht, gilt am Ende dasselbe wie immer: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Was dein Hersteller zum Hochdruckreiniger sagt, steht dort in einem eigenen Absatz - und die Zahlen unterscheiden sich zwischen den Marken.

Und wo darfst du überhaupt waschen?

Kurzer, nüchterner Absatz, weil es dazugehört: Fahrzeugwäsche ist nicht überall zulässig. Beim Waschen läuft ab, was am Motorrad hängt - Öl, Kettenschmierstoff, Kraftstoffreste - und deshalb regeln Kommunen und Länder, wo das ins Abwasser darf und wo nicht. Der ADAC weist ausdrücklich darauf hin, dass Putzaktionen ohne entsprechende Schutzmaßnahmen, etwa auf Privatgrund oder öffentlichen Straßen, verboten sind.

Was in deinem Ort gilt, sagt dir die Gemeinde oder der Betreiber deines Waschplatzes - und zwar bevor du den Schlauch anschließt, nicht danach. Wer nach einer Geländerunde seine Enduro waschen will, hat ohnehin mehr Schlamm am Bike, als eine Hofeinfahrt vertragen sollte; der Waschplatz mit Ölabscheider ist da nicht nur die legale, sondern auch die bequemere Lösung.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deine Gemeinde, eine Prüforganisation oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Sauber ist nicht dasselbe wie heil

Es gibt einen Moment, in dem das klick macht. Bei mir war es eine Umlenkung, die sich nach zwei Jahren nur noch mit dem Gummihammer zerlegen ließ, und ein Nadellager, das innen aussah wie ein Aschenbecher. Die Maschine war in diesen zwei Jahren immer sauber gewesen. Sehr sauber sogar.

Genau das ist die Falle. Ein sauberes Motorrad fühlt sich nach Pflege an, und wir verwechseln das Gefühl mit dem Ergebnis. Dabei ist die Wäsche der einzige Wartungsvorgang, bei dem du das Bauteil nicht anfasst, nicht prüfst und nichts über seinen Zustand erfährst - du machst nur die Oberfläche schön und schießt gleichzeitig Wasser in Stellen, in die es nicht gehört.

Die Enduro von jemandem, der es richtig macht, sieht nach der Wäsche übrigens nicht anders aus. Sie hat nur noch das Fett drin, mit dem sie ausgeliefert wurde.

❓ Häufige Fragen zum Enduro waschen

Darf ich meine Enduro überhaupt mit dem Hochdruckreiniger waschen?

Ja, mit Abstand und Breitstrahl. Die KTM-Betriebsanleitung nennt einen Mindestabstand von 60 Zentimetern zwischen Düse und Bauteil und verbietet den direkten Strahl auf elektrische Bauteile, Stecker, Bowdenzüge und Lager. Was für deine Maschine gilt, steht im Fahrzeughandbuch.


Warum ist der Hochdruckreiniger für eine O-Ring-Kette so schlimm?

Weil das Schmierfett zwischen Bolzen und Buchse ab Werk eingeschlossen ist und der Dichtring es dort hält. Ein Wasserstrahl kann die Dichtlippe verformen, Wasser hineindrücken und Fett herausspülen. Nachschmieren hilft danach nicht mehr - von außen erreichst du nur Rollen und Laschen, nicht das eigentliche Lager.


Muss ich den Auspuff wirklich verschließen?

Die Betriebsanleitung sagt es ausdrücklich: Auspuffanlage verschließen, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Bei einer Enduro mit hoch endendem Rohr ist das Risiko größer als bei einer Straßenmaschine. Genauso wichtig ist der zweite Halbsatz derselben Anleitung: Verschluss danach wieder entfernen. Und was du in die Ansaugöffnung gestopft hast, muss vor dem Startknopf raus - ein eingesaugter Lappen kostet den Motor.


Womit reinige ich die Kette dann?

Mit einem Kettenreiniger auf Mineralölbasis, der ausdrücklich als dichtringverträglich gekennzeichnet ist, plus weicher Nylonbürste und Lappen. Die Kettenhersteller nennen als schädlich unter anderem Dampf, Benzin, Verdünner, Petroleum, Diesel, Bremsenreiniger und Drahtbürsten.


Warum soll ich nach dem Waschen noch eine Runde fahren?

Weil Wärme das Wasser auch aus Stellen holt, an die kein Tuch kommt - Motorinnenseiten, Bremssättel, Spalten. Die Anleitung schickt dich deshalb nach der Reinigung ein kurzes Stück fahren, bis der Motor Betriebstemperatur erreicht hat. Vorher: vorsichtig trockenbremsen.


Ist Silikonspray nach der Wäsche eine gute Idee?

Auf Kunststoff und blankem Metall spricht wenig dagegen, auf Reifen und Bremsscheiben nichts dafür. Honda schreibt, dass Reifen und Bremsen vor Sprühreiniger und Sprühpolitur geschützt werden müssen. Sicherer ist es, das Mittel auf einen Lappen zu geben statt auf das Bike zu nebeln.


Wie oft sollte ich eine Geländemaschine überhaupt waschen?

Nach jeder Schlammfahrt, aber schonend. Getrockneter Lehm zieht Feuchtigkeit und arbeitet als Schleifpaste an Dichtungen und Lack. Der Fehler ist nicht das häufige Waschen, sondern der Druck, mit dem viele es tun.

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