Enduro allein fahren: Was dich rettet, wenn im Wald alles schiefgeht

Stell dir die Frage einmal ernsthaft, bevor du weiterliest: Wenn du in zwanzig Minuten mit gebrochenem Unterschenkel neben einem Waldweg lägst - wie lange dauert es, bis jemand merkt, dass du fehlst? Und wie lange, bis dieser Jemand weiß, wo er suchen soll?

Für die meisten von uns lautet die ehrliche Antwort: Stunden. Und dann noch mal Stunden. Wer Enduro allein fahren will, denkt an Werkzeug, an Sprit, an den Ersatzschlauch - an das, was passiert, wenn er selbst das kaputte Teil ist, denkt fast keiner. Dabei ist genau das der Unterschied zwischen einer Panne auf der Landstraße und einer im Forst: Auf der Straße fährt irgendwann jemand vorbei. Im Wald, drei Kilometer hinter der letzten Schranke, an einem Dienstagvormittag im Oktober, fährt niemand vorbei.

Warum Enduro allein fahren ein völlig anderes Risiko ist

Auf der Straße ist die gefährlichste Größe die Geschwindigkeit. Im Gelände ist es die Zeit.

Rechne das einmal ehrlich durch. Du liegst mit gebrochenem Unterschenkel neben einem Waldweg. Bis dich jemand vermisst: sechs Stunden, wenn du zum Abendessen erwartet wirst. Bis diese Person begreift, dass etwas nicht stimmt und nicht nur der Akku leer ist: noch mal eine Stunde. Bis jemand weiß, wo gesucht werden muss: kommt drauf an, ob du gesagt hast, wo du hinfährst.

Und die ganze Zeit liegst du. Bewegst dich nicht. Und genau das, nicht der Bruch, ist das Problem.

Der zweite Unterschied ist banal und wird trotzdem unterschätzt: Im Gelände fährst du langsam und stürzt oft. Das trainiert dich darauf, Stürze als folgenlos zu erleben. Zwanzig harmlose Umfaller in einer Saison erzeugen ein Gefühl von Kontrolle, das genau bis zu dem Umfaller trägt, bei dem der Fußraster auf halber Höhe des Schienbeins landet oder der Lenker eine Rippe erwischt. Die Physik hat vom Trainingseffekt nie gehört.

Und der dritte: Kein Abschleppdienst kommt einen Rückegassenhang hoch. Wer eine Enduro über drei Kilometer weichen Waldboden geschoben hat, weiß danach, warum in Enduro-Rucksäcken ein Ersatzschlauch liegt und nicht die Hoffnung.

Die Sache mit dem Wald

Ein nüchterner Absatz, weil er zum Thema gehört und weil ihn viele Artikel elegant weglassen.

Der Wald in Deutschland ist zum Betreten freigegeben, das steht in § 14 BWaldG - für Radfahrer und Reiter allerdings nur auf Straßen und Wegen, und Motorräder tauchen dort gar nicht auf. Die Einzelheiten regeln die Landeswaldgesetze, und die sehen für Kraftfahrzeuge im Wald in aller Regel ein Fahrverbot vor. Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten. In Österreich steht die entsprechende Regelung im Forstgesetz und knüpft das Befahren an die Zustimmung des Waldeigentümers, in der Schweiz gilt für Waldstraßen ein Fahrverbot für Motorfahrzeuge auch ohne Beschilderung. Was in deinem Bundesland oder Kanton konkret gilt und welche Ausnahmen es gibt, sagt dir die zuständige Forstbehörde.

Der Weg, der bleibt, ist der bessere: Enduro-Parks, ausgewiesene Übungsgelände, geführte Touren und Strecken, für die jemand die Genehmigung eingeholt hat. Dort fährst du nicht mit halbem Auge nach hinten, und - das ist der Punkt, der zu diesem Artikel gehört - dort weiß auch jemand, dass du da bist. Wer Enduro allein fahren will, hat auf einem legalen Gelände die deutlich bessere Rettungskette als auf einem Waldweg, auf dem er gar nicht sein dürfte.

Damit ist der Rahmen gesteckt. Der Rest dieses Artikels zerfällt in zwei Hälften, und die erste ist die, die keiner ernst nimmt: das, was du erledigst, bevor der Motor läuft.

Bevor du losfährst: der Satz, der mehr wert ist als jede Ausrüstung

Und jetzt die Maßnahme, die nichts kostet, kein Gerät braucht und trotzdem den größten Unterschied macht: Jemand muss wissen, wo du bist und wann du zurück sein willst.

Nicht „ich fahr ein bisschen raus“. Sondern vier Angaben, in eine Nachricht, an einen Menschen, der sein Handy in der Hand hat:

Wo du startest. Nicht die Region, den Parkplatz. Wo der Transporter oder das Auto steht, ist der einzige Punkt, den eine Suche sicher hat.

Welche Richtung. Grob reicht: „Runde nördlich Richtung Talsperre, zurück über die Forststraße.“

Wann du zurück bist. Eine Uhrzeit, keine Tageszeit. „Gegen Nachmittag“ ist keine Deadline, „16:30“ schon.

Ab wann Alarm ist. Das ist der Teil, den fast alle vergessen. Das ist der Teil, den fast alle vergessen. Sag klar, was passieren soll, wenn du zur genannten Uhrzeit nicht da bist: erst dich anrufen, und wenn du nach zwei, drei Versuchen nicht rangehst, die 112. Und mach den Puffer kurz - eine halbe Stunde, höchstens eine. Der Reflex, großzügig zu sein, damit niemand umsonst ausrückt, ist an dieser Stelle der falsche. Wer nur einen Platten flickt, geht ans Telefon und die Sache ist erledigt. Wer nicht rangeht, hat entweder kein Netz oder ein Problem - und in beiden Fällen ist es richtig, dass jemand anfängt zu suchen. Zwei Stunden Kulanz sind für einen, der auf kaltem Boden auskühlt, genau die zwei Stunden, die entscheiden.

Dieser eine Satz macht aus einer Vermisstenmeldung ohne Anhaltspunkt eine Suche in einem definierten Gebiet. Wer das für übertrieben hält, dreht das Ganze einmal um: Stell dir vor, dein Kumpel kommt abends nicht heim und du weißt nur, dass er „irgendwo im Schwarzwald“ war.

Bevor du losfährst: was wirklich in den Rucksack gehört

Jetzt zum Blech. Die Liste ist kurz, weil eine lange Liste zu Hause bleibt.

Ein Schlauch, und zwar der vom Vorderrad. Das ist der Trick, den Geländefahrer untereinander weitergeben und den außerhalb der Szene fast niemand kennt: Ein 21-Zoll-Vorderradschlauch lässt sich im Notfall auch in ein 18-Zoll-Hinterrad quetschen - andersherum wird es eng. Ein Schlauch für zwei Räder, das halbiert das Gewicht im Rucksack. Zu Hause kommt dann wieder der richtige rein.

Drei Reifenheber und ein Flickzeug. Zwei reichen theoretisch, praktisch kämpfst du mit einer steifen Geländeflanke und wünschst dir den dritten. Das Flickzeug ist die zweite Chance, wenn der Ersatzschlauch beim Einbau gleich wieder eingeklemmt wird. Passiert häufiger, als die meisten zugeben.

Und das Werkzeug, um überhaupt an den Schlauch zu kommen. Hier scheitern die meisten Rucksäcke, und zwar lautlos: Ein Ersatzschlauch nützt genau nichts, wenn du das Rad nicht abbekommst. Du brauchst den Schlüssel für die Achsmutter deiner Maschine und den für die Kettenspanner - beides einmal zu Hause ausprobieren und die passenden Schlüssel dauerhaft in den Rucksack legen. Es gibt dafür fertige Kombischlüssel, aber welcher zu deinem Modell passt, findest du nur am eigenen Bike heraus.

Etwas zum Aufpumpen. Mini-Kompressor oder CO2-Patronen. Rechne bei einem Enduro-Volumen mit mehreren Patronen, nicht mit einer.

Sicherheitshinweis: CO2-Patronen vereisen beim Ausströmen binnen Sekunden - Patrone und Ventil werden so kalt, dass blanke Finger einen Kältebrand davontragen. Dünne Einweghandschuhe schützen dagegen nicht. Nutze die Neoprenhülle, die den meisten Füllgeräten beiliegt, oder einen dicken Lederhandschuh.

Ein Clip-Kettenschloss, ein Stück Kette - und das Werkzeug, um die Kette überhaupt aufzubekommen. Das ist der zweite lautlose Fehler. Wenn eine Kette reißt, sind die benachbarten Laschen verbogen; die müssen raus, bevor das Schloss reinkann, und dafür musst du die Nietstifte auspressen. Genau das macht ein Kettentrenner - eine kleine Spindelpresse, die den Stift aus dem Glied drückt. Vernieten musst du im Wald nichts, das übernimmt draußen das Clipschloss; viele Trail-Werkzeuge können beides, gebraucht wird unterwegs nur die Presse. Ohne dieses Teil ist das Ersatzschloss totes Gewicht im Rucksack. Und wenn du wieder zu Hause bist, kommt eine ordentlich vernietete Verbindung rein - das Clipschloss ist die Heimfahrt, nicht die Reparatur.

Der Rest ist Kleinkram, der zusammen kaum 200 Gramm wiegt und trotzdem Ausfahrten rettet. Kabelbinder, ein Stück Draht und Gewebeband halten einen abgerissenen Kotflügel, einen gebrochenen Kühlerhalter oder einen losen Kabelbaum zusammen, bis du auf Asphalt stehst. Ein Abschleppgurt liegt nicht für dich im Rucksack, sondern für den, den du unterwegs triffst - und irgendwann bist du der, der geschleppt wird. Und ein Ersatzhebel: Ein abgebrochener Kupplungshebel macht eine Enduro im Gelände praktisch unfahrbar, das Ersatzteil kostet wenig und wiegt nichts. Beachte auch bei so kleinen Teilen immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - Schrauben, Momente und Passungen stehen dort, und im Wald willst du nicht raten.

Wasser. Nicht wegen des Durstes, sondern wegen der Stunden, in denen du eventuell wartest - und zum Ausspülen einer Wunde. Ein Vorbehalt gehört dazu: Wer schwer gestürzt ist und möglicherweise operiert werden muss, trinkt nicht. Ein voller Magen ist bei einer Narkose ein eigenes Risiko. Lippen befeuchten ja, trinken nein.

Wenn es passiert ist: die Rettungspunkte, die kaum ein Biker kennt

Zweite Hälfte. Ab hier ist das Bike egal, und es zählt nur noch eine Frage: Wie kommt Hilfe zu dir?

Dafür gibt es ein Werkzeug, das kostenlos ist und in der Motorradszene trotzdem praktisch unbekannt.

Forstliche Rettungspunkte sind definierte Orte im Wald, die über Koordinaten einen Treffpunkt beschreiben. Sie sind entweder als Schild montiert oder existieren rein virtuell als Koordinate. Zusammengetragen werden sie vom Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik, gespeist aus Daten, die Waldbesitzer und Länder freiwillig zur Verfügung stellen. Der frei verfügbare Datensatz umfasst je nach Ausgabe weit über 50.000 Punkte und wächst weiter; die App „Hilfe im Wald“ führt nach Angaben ihres Anbieters mehr als 68.000, in fast allen Bundesländern. Flächendeckend ist beides nicht - schau vor der ersten Tour nach, wie dicht dein Revier abgedeckt ist.

Der Sinn ist so simpel, dass er fast enttäuscht: Du sagst der Leitstelle nicht „irgendwo hinter Oberkirchen an einem Bach“, sondern die Bezeichnung eines Punktes, den es auf der Karte gibt. Die App zeigt dir den nächstgelegenen, gibt per Kompassfunktion die Richtung und hat die 112 hinterlegt.

Drei Dinge gehören dazu, bevor du dich in Sicherheit wiegst.

Erstens: Der Punkt ist ein Treffpunkt, kein Ort, an dem Hilfe wartet. Und jetzt der Teil, der in Ausrüstungslisten selten steht, weil er unbequem ist: Ob du dorthin gehst, ist keine Frage der Entfernung, sondern deiner Verletzung. Kannst du schmerzfrei stehen und laufen, ist der nächste Rettungspunkt der klügste Zielpunkt - dort ist die Zufahrt geklärt. Steht dagegen der Verdacht auf Wirbelsäule, Becken oder Oberschenkel im Raum, bleibst du liegen, Punkt. Dann ist der Rettungspunkt nur dein Bezugspunkt am Telefon: „Ich liege etwa 400 Meter nordwestlich davon, an der Rückegasse.“

Der zweite Grund, im Zweifel liegen zu bleiben, ist weniger offensichtlich: Wenn du losläufst und unterwegs zusammenklappst, liegst du weder an deiner gemeldeten Route noch an dem Punkt, den du genannt hast. Dann sucht dich eine Mannschaft an zwei Stellen, an denen du nicht bist. Wer sich doch bewegt, sagt das der Leitstelle vorher - und bleibt beim Handy erreichbar.

Zweitens: Nachher ist zu spät. Die Karte für dein Revier lädst du zu Hause im WLAN herunter, dann liegt sie offline auf dem Handy - im Funkloch lädt nichts mehr nach. Und du schaust sie dir an, bevor du fährst, nicht mit blutender Hand und drei Prozent Akku. Wer regelmäßig dieselben Reviere fährt, hat die zwei, drei relevanten Punkte irgendwann im Kopf.

Drittens: Es ersetzt kein Netz. Ein Treffpunkt nützt dir nur, wenn du jemandem sagen kannst, dass du ihn brauchst.

Wenn es passiert ist: kein Netz

Das Handy im Wald ist ein wackliges Versprechen, und die meisten Fahrer glauben ein bisschen zu fest daran.

Was stimmt: Wählst du 112, sucht dein Handy von sich aus nach jedem verfügbaren Netz, nicht nur nach deinem eigenen. Steht dein Anbieter auf null und ein anderer hat dort Empfang, geht der Notruf über den anderen raus. Was viele nicht wissen: Der Notruf ohne SIM-Karte ist in Deutschland seit 2009 abgeschaltet - eine Karte muss also im Gerät sein.

Was nicht stimmt: dass das immer irgendwie klappt. Wenn an einer Stelle gar kein Netz steht, hilft auch das schönste Notrufroaming nicht. Und Funklöcher sitzen in Deutschland ziemlich genau dort, wo Endurofahrer gern sind - in Tälern, hinter Kuppen, unter dichtem Nadelwald.

Und weil das alles am Akku hängt: Der Handyakku ist im Gelände nicht dein Freund. Dauernde Netzsuche zieht ihn leer, Kälte beschleunigt das. Die naheliegende Lösung heißt trotzdem nicht Flugmodus. Nicht, weil das Telefon dann nichts mehr wüsste - der GPS-Empfänger arbeitet weiter, deine Offline-Karte funktioniert also. Sondern weil nichts mehr hinausgeht: kein Notruf, keine Nachricht, und vor allem keine Standortfreigabe. Deine Position kennt dann nur noch dein eigenes Display, und genau dort nützt sie niemandem. Nimm stattdessen eine kleine Powerbank in die Brusttasche und schalte den Stromsparmodus ein. Das ist eines der wenigen Ausrüstungsteile, das seinen Platz immer verdient.

Der Weg, der ohne Mobilfunk auskommt

Und deshalb gehört an diese Stelle der unbequeme Satz: Wer regelmäßig allein ins Gelände fährt, sollte über einen Weg nachdenken, der kein Funknetz braucht.

Die gute Nachricht ist, dass du dafür seit ein paar Jahren nichts mehr kaufen musst, wenn dein Telefon neu genug ist. iPhones ab der 14er-Generation können in Deutschland einen Notruf über Satellit absetzen, bei den Pixel-Modellen gibt es die Funktion je nach Gerät seit der 9er-Reihe. Der Ablauf ist bei beiden ähnlich: Das Telefon merkt, dass kein Netz da ist, und schlägt den Satellitenweg vor. Übertragen wird kein Gespräch, sondern kurze Textnachrichten und deine Position - also genau das, was die Leitstelle braucht.

Und jetzt der Haken, der ausgerechnet im Wald zuschlägt: Eine Satellitenverbindung braucht freie Sicht nach oben. Unter dichten Fichten oder auf einer Rückegasse mit geschlossenem Kronendach richtet sie genauso wenig aus wie das Mobilfunknetz. Das Telefon zeigt dir zwar die Richtung an, in die du das Gerät halten musst, aber Bäume räumt es nicht weg. Wer sich bewegen kann, schleppt sich die zwanzig Meter bis zur Schneise - wer nicht, sollte das vorher wissen.

Wer mehr will als einen Notruf, nimmt einen Satelliten-Messenger: kostet Abo, funkt dafür in beide Richtungen - du bekommst eine Bestätigung, dass dein Ruf angekommen ist, und kannst auch ein schlichtes „bin spät dran, alles gut“ schicken. Was dein Gerät kann, in welchen Ländern und wie lange kostenfrei, steht in dessen Anleitung. Und das ist eine der wenigen Anleitungen, die du gelesen haben solltest, bevor du sie brauchst - im Ernstfall liest du gar nichts mehr.

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Das eine ist eine bewusste Anschaffung, das andere Kleinkram für den Rucksack. Beide helfen nur in dem einen Fall, in dem niemand danebensteht - und beide müssen vorher da sein, nicht dann.

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Wenn es passiert ist: Erste Hilfe, ohne Publikum

Das unangenehme Kapitel, und deshalb kommt es ausführlich.

Der klassische Verbandkasten aus dem Auto taugt für den Wald nur bedingt - er ist auf Wunden ausgelegt, die jemand anders versorgt. Was ein Alleinfahrer braucht, ist etwas, das er mit einer Hand und mit Adrenalin im Blut bedienen kann: eine Rolle Verbandmaterial, ein Verbandpäckchen, Handschuhe, Klebeband, und vor allem eine Rettungsdecke.

Die Rettungsdecke ist das unterschätzteste Teil im ganzen Rucksack. Sie wiegt nichts, kostet nichts, und sie arbeitet gegen das, was einen liegenden Verletzten wirklich umbringt.

Sicherheitshinweis: Eine Unterkühlung beginnt, wenn die Körperkerntemperatur unter 35 Grad fällt - und dazu braucht es keinen Frost. Wer nach einer schweißtreibenden Geländerunde regungslos auf kaltem Waldboden liegt, verliert Wärme über die durchnässte Funktionswäsche und direkt über den Boden. Aus einem gebrochenen Bein wird so eine Lage, die lebensbedrohlich werden kann, bevor jemand dich findet. Die Rettungsdecke gehört deshalb nicht nur über dich, sondern auch unter dich.

Und dann das Thema, das der Artikelplan zu Recht anspricht und das Ehrlichkeit verlangt: das Tourniquet, also das Abbindesystem.

Ja, es kann bei einer lebensbedrohlichen Blutung an Arm oder Bein die entscheidende Maßnahme sein. Genau so beschreibt es die Fachinformation der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung: Reicht die herkömmliche Wundversorgung - direkter Druck, Druckverband - nicht aus, um die Blutung zu stoppen, kommt das Abbindesystem in Betracht. Als Beispiel für Bereiche, in denen das sinnvoll sein kann, nennt das Papier ausdrücklich Arbeiten mit der Motorsäge in entlegenen Gebieten. Also genau das Szenario, um das es hier geht: schwere Verletzung, lange Rettungszeit.

Aber im selben Papier steht der Satz, der in keiner Ausrüstungsliste im Internet auftaucht: Weil es sich um eine Maßnahme handelt, die nicht zur allgemeinen Erste-Hilfe-Ausbildung gehört, muss der Umgang damit unterwiesen und regelmäßig geübt werden.

Sicherheitshinweis: Ein falsch angelegtes Abbindesystem ist gefährlicher als keines. Zu locker angelegt staut es nur den venösen Rückfluss und verstärkt die Blutung, statt sie zu stoppen. Ein Tourniquet im Rucksack ohne Übung ist Ausrüstungs-Theater - kauf es erst, wenn du einen Kurs gemacht hast, in dem du es unter Anleitung angelegt hast, und übe es danach regelmäßig.

Das gilt übrigens für den ganzen Bereich: Wer Enduro allein fahren will, hat in einem Erste-Hilfe-Kurs für Motorradfahrer die einzige Ausrüstung, die er nicht verlieren, nicht vergessen und nicht falsch dimensionieren kann. Und der letzte liegt bei den meisten von uns länger zurück, als uns lieb ist.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: September 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag die zuständige Forstbehörde, deinen Versicherer oder einen Fachanwalt.

Freiheit ist ein Plan B

Der Reiz am Alleinfahren im Gelände ist nicht das Gelände. Es ist, dass niemand wartet, niemand drängelt und niemand zusieht, wenn du eine Stelle dreimal probierst. Dieses Gefühl ist echt, und es ist einer der besten Gründe, überhaupt Motorrad zu fahren.

Nur hat Freiheit eine Voraussetzung, über die selten jemand spricht: Sie funktioniert genau so lange, wie du der bist, der entscheidet. In der Sekunde, in der du unter der Maschine liegst und dein Bein in eine Richtung zeigt, in die es nicht soll, entscheidet nicht mehr du. Dann entscheidet, was du vier Stunden vorher getan hast - ob jemand weiß, wo du bist, ob eine Rettungsdecke im Rucksack liegt, ob du die Nummer des Rettungspunkts kennst.

Zwei Minuten am Parkplatz. Eine Nachricht, ein Blick in die App, ein Griff in den Rucksack. Danach kannst du dich wieder allein fühlen.

❓ Häufige Fragen zum Alleinfahren im Gelände

Was ist ein forstlicher Rettungspunkt und wie nutze ich ihn?

Ein definierter Treffpunkt im Wald, beschrieben über Koordinaten. Er ist entweder als Schild montiert oder existiert virtuell als Koordinate und soll Rettungsdiensten helfen, eine Unfallstelle schneller zu finden. Im Notfall nennst du der Leitstelle die Bezeichnung statt einer vagen Ortsbeschreibung. Der Datensatz des KWF umfasst knapp 58.000 Punkte, die App „Hilfe im Wald“ nach Anbieterangaben mehr als 68.000.


Funktioniert der Notruf 112 auch ohne eigenen Empfang?

Teilweise. Wählst du 112, sucht dein Handy jedes verfügbare Netz, nicht nur das deines Anbieters. Eine SIM-Karte muss aber im Gerät stecken - den Notruf ganz ohne SIM gibt es in Deutschland seit 2009 nicht mehr. Und steht an deinem Standort gar kein Netz, hilft auch das nicht. Dann bleiben Satelliten-Notruf oder ein Satelliten-Messenger.


Welchen Ersatzschlauch nehme ich für eine Enduro mit?

Den vom Vorderrad. Ein 21-Zoll-Schlauch lässt sich im Notfall auch in ein 18-Zoll-Hinterrad einbauen, umgekehrt wird es eng. So deckst du beide Räder mit einem Schlauch ab. Zu Hause tauschst du ihn gegen den passenden.


Gehört ein Tourniquet in mein Erste-Hilfe-Set?

Nur wenn du gelernt hast, es anzulegen. Die Fachinformation der DGUV nennt es als Maßnahme, wenn Druckverband und direkter Druck eine lebensbedrohliche Blutung nicht stoppen - betont aber, dass der Umgang damit unterwiesen und regelmäßig geübt werden muss, weil er nicht Teil der normalen Erste-Hilfe-Ausbildung ist. Falsch angelegt kann es die Blutung verstärken.


Warum ist Unterkühlung im Wald so ein großes Thema?

Weil ein Verletzter sich nicht mehr bewegt und Wärme über den Boden und über durchnässte Kleidung verliert. Eine Unterkühlung beginnt ab einer Körperkerntemperatur unter 35 Grad - dafür reichen milde Temperaturen und ein paar Stunden. Eine Rettungsdecke gehört deshalb unter und über die Person.


Was sage ich vor der Abfahrt und wem?

Vier Angaben an eine Person, die erreichbar ist: wo dein Fahrzeug parkt, welche Richtung du fährst, wann du zurück bist, und ab wann sie 112 anrufen soll. Eine Uhrzeit, keine Tageszeit. Damit wird aus einer Suche ohne Anhaltspunkt eine Suche in einem klaren Gebiet.


Darf ich mit der Enduro überhaupt im Wald fahren?

In der Regel nicht. Grundlage ist § 14 BWaldG, die Einzelheiten regeln die Landeswaldgesetze, und die sehen für Kraftfahrzeuge im Wald in aller Regel ein Fahrverbot vor; Verstöße sind Ordnungswidrigkeiten. In Österreich hängt das Befahren an der Zustimmung des Waldeigentümers, in der Schweiz gilt auf Waldstraßen ein Fahrverbot für Motorfahrzeuge auch ohne Schild. Was bei dir gilt, sagt die Forstbehörde. Legale Alternativen sind Enduro-Parks und ausgewiesene Übungsgelände.

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