Rucksack fürs Motorrad: Was ihn vom normalen Rucksack unterscheidet

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Der Wanderrucksack tut es auch, denkst du. Er hat Platz, er ist da, und für die zwanzig Kilometer zur Arbeit wird das schon gehen. Beim ersten Mal geht es auch. Beim zehnten Mal merkst du, dass er auf der Autobahn nach oben wandert, dass er dir bei jedem Schulterblick sanft gegen den Helm stupst, und dass dein Nacken nach einer Stunde anders wehtut als sonst.

Ein Rucksack fürs Motorrad ist keine Marketingkategorie. Er unterscheidet sich in vier konkreten Details vom normalen - und die wichtigsten davon prüfst du im Laden in dreißig Sekunden. Der Rest ist Farbe.

Zwei Gurte, die den ganzen Unterschied machen

Brustgurt und Hüftgurt. Das ist das erste und wichtigste Erkennungsmerkmal, und es hat auf dem Motorrad eine völlig andere Aufgabe als beim Wandern.

Beim Wandern verteilt der Hüftgurt das Gewicht auf die Hüfte, damit die Schultern entlastet werden. Auf dem Motorrad sitzt du, die Hüfte ist eingeklappt, und diese Lastverteilung findet gar nicht statt. Der Gurt hat hier einen anderen Job: Er verhindert, dass der Rucksack wandert.

Denn genau das passiert bei Tempo. Hinter Helm und Schultern reißt die Strömung ab und zerrt am Rucksack, statt ihn sauber anzulegen; beim Beschleunigen schiebt die Trägheit ihn zusätzlich nach hinten. Ein Rucksack, der nur an zwei Schultergurten hängt, macht diese Bewegung dauernd mit, und deine Schultern halten dagegen. Nach einer Stunde weißt du, welche Muskeln du da beschäftigt hast.

Der Brustgurt gehört dabei nicht an den Hals, sondern quer über das Brustbein - hoch genug, dass er die Schultergurte zusammenzieht, tief genug, dass er beim Kopfdrehen nicht stört. Die meisten tragen ihn zu tief, weil sie ihn beim Kauf einmal eingestellt und nie wieder angefasst haben.

Und dann die Sache mit den losen Enden, die auf dem Motorrad zu einem echten Problem wird. Alle Riemen sollten kurz genug sein oder sich sichern lassen - das ifz, das Institut für Zweiradsicherheit, nennt genau das als Kriterium. Was auf einem Wanderweg als Fransen herunterhängt, flattert bei 120 km/h wie eine Peitsche.

Sicherheitshinweis: Lose Gurtenden flattern bei Tempo, schlagen dir in Nacken und Helm und lenken dich genau dann ab, wenn du es nicht brauchst. Sobald der Sack hinten auf der Sitzbank verzurrt ist, wird daraus eine echte Gefahr: Dort hängt ein loses Ende in Reichweite von Kette und Hinterrad, und wird es eingezogen, blockiert das Rad. Überstehende Riemen kürzen, aufrollen und mit einem Gummi oder einer Schlaufe sichern, bevor du losfährst. Das ist keine Kosmetik.

Schmal statt groß: Die Form ist das Sicherheitsmerkmal

Der zweite Unterschied ist Geometrie, und er wird beim Kauf am häufigsten ignoriert, weil mehr Volumen im Laden immer besser aussieht.

Das ifz zieht die Grenze denkbar einfach: Nichts vom Rucksack darf über deine Silhouette hinausstehen - weder oben über die Schultern noch seitlich daneben. Alles, was übersteht, fängt Wind. Und Wind, der an einem Aufbau hinter dir zerrt, bringt Unruhe in das System aus dir und dem Motorrad - spürbar besonders bei Seitenwind und neben einem Lkw.

Der zweite Teil der Regel ist der wichtigere: Ein zu breiter und zu hoher Rucksack behindert den Schulterblick. Das ist keine Bequemlichkeitsfrage. Der Schulterblick ist auf dem Motorrad die wichtigste Kopfbewegung, die du machst, und ein Rucksack, dessen Oberkante beim Drehen an deinen Helm stößt, kürzt sie ab. Du drehst dann nicht mehr ganz, ohne es zu merken.

Der Praxistest dafür kostet nichts, und im Laden macht ihn fast niemand: Helm auf, Rucksack aufsetzen, beide Gurte schließen, hinsetzen, Arme nach vorn wie am Lenker - und dann den Kopf einmal ganz nach links und ganz nach rechts drehen. Der Helm gehört dazu, sonst misst du die falsche Bewegung. Spürst du irgendwo Kontakt, ist der Rucksack zu hoch. Fertig.

Realistisch landest du damit bei 15 bis 25 Litern. Das reicht für Laptop oder Wechselkleidung, Verpflegung und Kleinkram. Wer mehr braucht, braucht kein größeres Modell, sondern ein anderes Gepäcksystem - ein Rucksack ersetzt kein Topcase, und er soll es auch nicht.

Ein Detail am Rande, das dieselbe Logik hat: Offene Außentaschen bleiben auf dem Motorrad leer. Was da drin liegt, liegt irgendwann auf der Straße.

Was drin ist, entscheidet über den Sturz

Jetzt der unbequeme Teil, den kein Hersteller auf die Verpackung schreibt.

Ein Rucksack liegt im Sturz zwischen dir und dem Asphalt, und alles, was darin hart und kantig ist, liegt damit zwischen deiner Wirbelsäule und der Fahrbahn. Das ifz wird an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: Spitze oder harte Gegenstände gehören nicht hinein - Glasflaschen, Kameras und Werkzeug werden ausdrücklich genannt.

Denk das einen Schritt weiter, dann wird klar, warum. Beim Aufprall auf den Rücken wirkt die Energie nicht flächig, sondern über den härtesten Punkt. Ein Kameragehäuse, ein Bügelschloss, ein Multitool, eine Thermosflasche - jedes davon ist ein Hebel, der genau dort ansetzt, wo du keine Reserve hast.

Die Regel hat aber auch eine angenehme Seite, und die wird selten erwähnt: Alles, was weich ist und sich anschmiegt, darf mit. Regenkombi, Wechselkleidung, Handschuhe - und Wasser. Genau deshalb haben viele Motorradrucksäcke ein Fach für eine Trinkblase samt Kanal für den Schlauch am Schultergurt. An einem heißen Tag ist das mehr als Komfort, weil Trinken auf der Rast erfahrungsgemäß ausfällt und Konzentration als Erstes leidet. Ob der Schlauch bei dir überhaupt funktioniert, hängt am Helm: Unter manchen Kinnpartien kommst du bequem hin, unter anderen gar nicht. Das probierst du besser im Hof aus als auf der Autobahn.

Was ein weicher Wassersack nicht ist: ein Schutz. Er ist bloß deutlich harmloser als das, wovor der Absatz oben warnt. Wer Rückenschutz will, liest zwei Abschnitte weiter.

Sicherheitshinweis: Der klassische Fehler ist das Bügelschloss im Rucksack, weil es sonst nirgends hinpasst. Ein Stahlbügel quer über dem unteren Rücken bündelt die Aufprallkraft auf eine schmale Linie, und zwar genau dort, wo du keine Reserve hast. Ein geprüfter Protektor darunter ist für kantige Schläge gebaut und nimmt einiges davon weg - ein Freibrief ist er deshalb nicht. Schlösser gehören ans Motorrad oder in eine Tasche am Fahrzeug, nicht auf deinen Rücken.

Und der Laptop? Der ist der Grund, warum die meisten überhaupt einen Rucksack fahren, und ihn zu verbieten wäre lebensfremd.

Also ehrlich: Ein Laptop ist eine flache, steife Platte, und steif ist auf dem Rücken für sich genommen keine schützende Eigenschaft. Ein Bügelschloss ist schlimmer, weil es die Last auf eine schmale Linie bündelt. Harmlos wird der Laptop dadurch aber nicht. Er ist nicht dafür gebaut, Energie aufzunehmen, sondern dafür, sie weiterzugeben, und wer auf etwas Kantiges fällt - Bordstein, Leitplankenfuß, Stein am Feldrand - bekommt ihn genau an seinen eigenen Kanten in den Rücken gedrückt. Wenn er mitmuss, dann in einem gepolsterten Fach, flach anliegend, mittig, ohne Netzteil oder Maus als harte Kanten daneben - und im Idealfall mit einem geprüften Protektor zwischen ihm und dir. Wer täglich pendelt, ist mit einem Topcase trotzdem besser bedient.

Zum Gewicht sagt das ifz sinngemäß dasselbe wie dein Nacken nach 80 Kilometern: Ein Rucksack eignet sich auf dem Motorrad nicht für schwere Dinge. Zu viel Last zerrt von hinten an den Schultern und geht auf die Feinmotorik - und die brauchst du beim Kurvenfahren. Dazu kommt ein zweiter Effekt, der selten erwähnt wird: Schwere Gegenstände sind meistens auch die harten. Wer leicht packt, packt fast automatisch weicher.

Und noch etwas, das mit Rucksäcken gern verwechselt wird: Ein gepolstertes Rückenteil ist kein Rückenprotektor. Nur weil da Schaumstoff eingenäht ist, hat niemand gemessen, wie viel Kraft er durchlässt. Wenn du Schutz willst, brauchst du ein geprüftes Teil - entweder als Einschub in der Jacke oder als eigene Weste unter dem Rucksack.

Womit eine Bauart ins Spiel kommt, die bis hierhin gefehlt hat: der Hartschalenrucksack. Statt Stoff über Schaumstoff trägt er eine feste Außenschale, und damit dreht er die Logik dieses Abschnitts um. Die harte Fläche auf deinem Rücken ist hier nicht das Missgeschick im Innenraum, sondern das Bauteil selbst. Ein Teil dieser Modelle ist als Rückenprotektor nach EN 1621-2 geprüft, in der Spitze bis Level 2 - und wo das zutrifft, ersetzt der Rucksack die Weste darunter, statt sie nur zu dulden.

Zwei Dinge gehören dazugesagt. Erstens gilt die Prüfung nie für die Bauart, sondern immer nur für das konkrete Modell: Eine glatte Schale allein ist keine Zertifizierung, und was zählt, steht auf dem Etikett und nicht in der Produktbeschreibung. Zweitens bezahlst du das mit Gewicht und mit einer Form, die nicht nachgibt. Halb leer lässt sich so ein Rucksack nicht flach ziehen, und mit einem Höcker, zu dem er nicht passt, verhandelt er nicht.

Der Reißverschluss-Trick, den kaum jemand kennt

Das hier ist die Sorte Detail, wegen der es sich lohnt, eine Fachstelle zu lesen statt eines Produkttexts.

Viele Rucksäcke haben ein Hauptfach mit umlaufendem Reißverschluss und zwei gegenläufigen Zippern. Gewohnheitsmäßig schiebt jeder die beiden Schieber oben in der Mitte zusammen, weil das ordentlich aussieht und dort am besten zu greifen ist.

Auf dem Motorrad ist das genau die falsche Stelle. Der Fahrtwind wird hinter Helm und Schultern nach unten abgelenkt und zieht am Rücken entlang nach unten - und diese Strömung greift ausgerechnet dort an, wo die beiden Zipper zusammenstoßen. Fehlt eine Verschlusssicherung, kann sich der Reißverschluss unterwegs öffnen. Du merkst es erst, wenn du an der Ampel etwas rollen hörst.

Der Behelf ist kostenlos: Führ die beiden Zipper unten an einer Seite des Rucksacks zusammen, nicht oben in der Mitte. Dort unten, seitlich, liegen sie schlicht nicht mehr in der Strömung.

Beim Kauf achtest du besser gleich auf eine echte Zippersicherung - eine Lasche, ein Clip, ein Sturmriegel darüber. Und wenn wir schon bei der Machart sind: Nähte und Reißverschlüsse eines Motorradrucksacks werden über Jahre von Wind, Nässe und Vibration bearbeitet. Der Unterschied zwischen einem robusten und einem hübschen Modell zeigt sich nicht im Laden, sondern im dritten Winter.

Wasserdicht - und was Hersteller darunter verstehen

„Wasserdicht“ steht auf fast allem. Gemeint sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Variante eins: Das Material ist dicht, die Nähte sind verschweißt, der Verschluss ist ein Rollverschluss. Das funktioniert wirklich, auch nach zwei Stunden Regen auf der Autobahn. Der Preis dafür ist ein Sack ohne viele Fächer, weil jede zusätzliche Naht ein Risiko ist.

Variante zwei: Ein Regenüberzug liegt im Bodenfach. Das ist keine Wasserdichtigkeit, das ist ein Zubehörteil. Der Überzug flattert bei Tempo, er deckt die Rückseite prinzipbedingt nicht ab - und genau dort läuft das Wasser hin, das von deinem Nacken kommt. Wer den Laptop trocken haben will, packt ihn zusätzlich in einen Beutel. Das ist kein Misstrauen, das ist Erfahrung.

Fairerweise: Wasserdichtes Material ist kein Muss. Für die Fahrt zur Arbeit bei wechselhaftem Wetter tut es auch ein robuster Sack mit einem Trockenbeutel darin. Nur solltest du wissen, welche der beiden Varianten du gekauft hast.

Der zweite Punkt in diesem Abschnitt wird fast immer übersehen, und er ärgert mich jedes Mal, wenn ich jemanden im Dunkeln sehe: Der Rucksack verdeckt genau die Reflektoren, für die du bei der Jacke extra bezahlt hast. Die Streifen auf dem Rücken, die dich von hinten sichtbar machen, liegen unter zwanzig Litern Nylon. Ein Motorradrucksack sollte deshalb selbst reflektierende Flächen auf der Außenseite haben, also auf der Fläche, die nach hinten zeigt, und zwar großzügig. Helle Farben helfen zusätzlich, aber im Dunkeln ist Reflex das, was zählt.

Höcker, Protektor, Airbagweste: die Kombinationen, die zicken

Drei Dinge, die viele von uns tragen, vertragen sich mit einem Rucksack unterschiedlich gut.

Der Höcker am Einteiler. Der aerodynamische Buckel im Nacken ist genau dort, wo die Oberkante des Rucksacks hin will. Das Ergebnis ist ein Sack, der auf dem Höcker aufsitzt, dabei nach oben kippt und den Zug auf die Schultergurte verlagert. Es gibt Modelle mit ausgesparter oder abgesenkter Oberkante, die das mitmachen - aber du musst gezielt danach suchen, und du musst es anprobieren. Ein Rucksack, der über einem Höcker sauber sitzt, sitzt ohne Höcker oft zu tief.

Der Rückenprotektor. Kein Problem, im Gegenteil: Protektor unter den Rucksack, nicht statt. Achte nur darauf, dass die Gurte nicht auf dem Protektorrand liegen, sonst drückt es nach zwanzig Kilometern.

Die Airbagweste. Hier wird es ernst, und hier lohnt genaues Lesen. Das ifz warnt hier ausdrücklich: Für einen Rucksack obendrüber sind längst nicht alle Airbagsysteme gemacht. Der Luftsack muss sich entfalten können, und alles, was ihm dabei im Weg sitzt, arbeitet gegen ihn.

Was das ifz an dieser Stelle nicht sagt, sage ich deshalb auch nicht: eine Zahl, um wie viel eine Auslösung verzögert wird. Solche Werte kursieren, sie sind aber system- und sitzabhängig und nirgends belastbar veröffentlicht. Die belegbare Aussage lautet schlicht: Der Luftsack braucht Raum, und ein festgezurrter Rucksack nimmt ihn.

Das heißt weder „geht nie“ noch „ist egal“. Es heißt: Es kommt auf dein System an. Manche Westen sind ausdrücklich für die Kombination freigegeben, andere setzen die passende Jacke desselben Herstellers voraus. Wer eine Airbagweste fährt, liest deshalb die Anleitung des eigenen Systems, bevor er einen Rucksack darüber schnallt - und zieht die Schultergurte nicht bretthart an.

Der pragmatische Kompromiss, wenn dein System die Kombination nicht mag: Der Rucksack wandert aufs Motorrad. Womit wir beim letzten Abschnitt wären.

Die Alternative: hinten drauf statt vorne dran

Wer ohne Sozius fährt, hat einen Gepäckplatz, den er meistens vergisst: die Sitzfläche hinter sich.

Ein Rucksack lässt sich dort erstaunlich gut befestigen, und zwar über Kreuz. Zwei Spanngurte diagonal über den Sack, jeweils von einer Seite zur gegenüberliegenden, an Punkten, die dafür gedacht sind - Haltegriffe des Sozius, Gepäckhaken, Rahmenösen. Über Kreuz deshalb, weil der Sack damit gegen Verrutschen nach vorn, nach hinten und zur Seite gleichzeitig gesichert ist. Zwei parallele Gurte tun das nicht.

Welche Punkte an deinem Motorrad überhaupt belastet werden dürfen, ist modellabhängig: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Manche Haltegriffe sind für ein paar Kilo Zurrlast völlig unkritisch, andere sind dünn angeschraubte Kunststoffteile.

Und ein Ärgernis, das erst nach der Tour sichtbar wird: Was zwischen Rucksack und Lack liegt, arbeitet dort stundenlang. Straßenstaub und feiner Sand geraten unter den Boden und unter die Gurte, und die Vibration macht daraus Schleifpapier. Auf einer Sitzbank ist das egal, auf einer lackierten Heckverkleidung nicht - ein Wochenende reicht für eine matte Stelle, die nicht mehr weggeht. Der Aufwand dagegen ist lächerlich: Auflagefläche vor dem Verzurren einmal abwischen, und wo der Sack auf Lack oder Klarlackfolie liegt, eine dünne Antirutschmatte oder ein Stück Schutzfolie dazwischen. Das hält gleichzeitig besser.

Vier Dinge, auf die es dabei ankommt:

Gurte mit Schlaufe statt mit Metallhaken. Ein Haken, der sich löst, schlägt gegen Lack, Speichen oder Bein. Schlaufen können das nicht.

Ein elastischer Anteil im Gurt. Hier scheitern starre Zurrgurte auf einer Sitzbank: Du ziehst sie bretthart, fährst los, und auf der ersten Bodenwelle gibt der Schaumstoff der Sitzbank nach. Der Gurt wird lang, der Sack fängt an zu wandern, und nachspannen kannst du erst beim nächsten Halt. Gurte, die einen Gummiabschnitt mit einem festen Bandteil kombinieren, nehmen genau diese Setzbewegung auf und halten die Spannung. Im Motorradzubehör sind sie leicht zu erkennen: kurzes Gummistück mit angenähter Schlaufe an einem Ende, langes Gurtband am anderen, dazwischen ein Klickverschluss zum Längenverstellen. Was ausdrücklich nicht gemeint ist: das reine Gummiseil mit zwei Haken. Das gibt so weit nach, dass die Last am Ende hängt statt sitzt - und seine Haken sind ohnehin schon aussortiert.

Enden aufrollen und sichern. Dieselbe Regel wie oben, aus demselben Grund: Alles, was hängt, sucht das Hinterrad.

Rücklicht, Bremslicht, Blinker und Rückstrahler bleiben frei, das Kennzeichen lesbar. Das ist alles, was dich von hinten ankündigt, und ein Gepäckstück davor macht dich für den Nachfolgenden im Zweifel unsichtbar - genau in der Situation, in der es darauf ankommt.

Der Nebeneffekt ist der eigentliche Gewinn: Das Gewicht hängt nicht mehr an deinen Schultern. Umsonst ist der Platz trotzdem nicht, denn die Sitzbank liegt hoch und hinter dem Schwerpunkt - für die paar Kilo Rucksack ist das unkritisch, alles wirklich Schwere gehört näher an den Schwerpunkt. Der Nacken dankt es dir nach der ersten längeren Etappe, und im Sturz liegt zwischen dir und der Straße nichts als deine Jacke.

Was am Ende hängen bleibt

Wenn du dir aus diesem Artikel eine einzige Sache mitnimmst, dann die Prüfung im Laden: aufsetzen, beide Gurte zu, hinsetzen, Arme an den gedachten Lenker, Kopf einmal ganz nach links und ganz nach rechts. Berührt nichts den Helm, hast du die richtige Größe. Berührt etwas, hilft kein Datenblatt.

Alles andere folgt daraus fast von selbst. Ein Rucksack fürs Motorrad ist schmal, weil du dich umdrehen musst. Er hat zwei zusätzliche Gurte, weil der Fahrtwind daran zieht. Seine Riemen sind kurz, weil das Hinterrad direkt darunter ist. Und er ist leicht gepackt, weil er im Sturz zwischen dir und der Straße liegt.

Was mich an dem Thema fasziniert, ist, wie unsichtbar diese Logik ist, solange nichts passiert. Ein schlecht sitzender Rucksack fühlt sich nicht gefährlich an. Er fühlt sich nach Nackenschmerzen an, nach einem Schulterblick, der ein bisschen kürzer ausfällt, nach einem Gurtende, das irgendwann keiner mehr sieht.

Und dann fährst du eines Tages ohne ihn, weil die Sachen ausnahmsweise im Topcase liegen - und merkst nach zwanzig Kilometern, wie viel entspannter das ist. Das ist der ehrlichste Test von allen.

❓ Häufige Fragen zum Rucksack fürs Motorrad

Was unterscheidet einen Motorradrucksack von einem normalen?

Vier Dinge: ein Brust- und ein Hüftgurt, die ihn bei Fahrtwind an Ort und Stelle halten; eine schmale Form, die weder seitlich noch nach oben über den Körper hinausragt; kurze oder sicherbare Riemen; und reflektierende Flächen auf der nach hinten zeigenden Außenseite. Volumen und Fächeraufteilung sind dagegen zweitrangig.


Wie groß darf ein Rucksack auf dem Motorrad sein?

Er sollte nicht über die Silhouette des Körpers hinausragen - weder nach oben noch zur Seite. Praktisch sind das etwa 15 bis 25 Liter. Der einfachste Test: aufgesetzt hinsetzen und den Kopf ganz nach links und rechts drehen. Berührt der Rucksack den Helm, behindert er den Schulterblick und ist zu groß.


Was darf nicht in den Rucksack?

Spitze und harte Gegenstände. Das Institut für Zweiradsicherheit nennt ausdrücklich Glasflaschen, Kameras und Werkzeug. Im Sturz liegt der Rucksack zwischen Rücken und Fahrbahn, und harte Teile bündeln die Kraft auf einen Punkt statt sie zu verteilen. Ein Bügelschloss gehört deshalb ans Motorrad, nicht auf den Rücken.


Warum öffnet sich mein Reißverschluss während der Fahrt?

Weil die beiden Zipper eines umlaufenden Reißverschlusses meist oben in der Mitte zusammengeführt werden. Genau dort zieht der Fahrtwind, der hinter Helm und Schultern am Rücken herunterströmt, am Verschluss. Führ die Schieber stattdessen unten an einer Seite zusammen, oder wähl ein Modell mit Zippersicherung.


Darf ich einen Rucksack über einer Airbagweste tragen?

Das hängt vom System ab. Nicht alle Airbagsysteme sind dafür geeignet, weil der Luftsack Platz zum Entfalten braucht und Widerstände die Entfaltung beeinträchtigen können. Wie stark ein bestimmter Rucksack ein bestimmtes System behindert, ist nirgends belastbar veröffentlicht, deshalb steht hier keine Zahl. Maßgeblich ist die Anleitung deines eigenen Systems, und die Schultergurte ziehst du nicht bretthart an.


Ersetzt das gepolsterte Rückenteil einen Rückenprotektor?

Nein. Ein Polster ist kein geprüftes Bauteil, und niemand hat gemessen, wie viel Kraft es durchlässt. Wer Rückenschutz will, trägt einen geprüften Protektor als Einschub in der Jacke oder als eigene Weste - unter dem Rucksack, nicht statt seiner. Eine Ausnahme sind Hartschalenrucksäcke, von denen einzelne Modelle selbst als Protektor nach EN 1621-2 geprüft sind. Entscheidend ist dabei das Prüfzeichen am konkreten Modell, nicht die Bauart.


Ist ein Rucksack mit Regenhülle wasserdicht?

Nur eingeschränkt. Eine Regenhülle flattert bei Tempo und deckt die Rückseite prinzipbedingt nicht ab - und dorthin läuft das Wasser, das vom Nacken kommt. Wirklich dicht sind Modelle mit verschweißten Nähten und Rollverschluss. Für alles andere gilt: empfindliche Dinge zusätzlich in einen Beutel packen.


Wie befestige ich einen Rucksack auf der Sitzbank?

Mit zwei Spanngurten über Kreuz, jeweils von einer Seite zur gegenüberliegenden, an Punkten, die dafür vorgesehen sind. Über Kreuz sichert gegen Verrutschen nach vorn, hinten und zur Seite gleichzeitig. Gurte mit Schlaufe statt Metallhaken verwenden, dabei möglichst welche mit elastischem Abschnitt, weil starre Gurte locker werden, sobald der Sitzbankschaum nachgibt. Alle Enden aufrollen und sichern, Rück- und Bremslicht frei lassen. Die Auflagefläche vorher abwischen, weil Straßenstaub unter dem Gepäck durch die Vibration wie Schleifpapier auf dem Lack arbeitet. Welche Punkte belastet werden dürfen, steht im Fahrzeughandbuch.

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