Morgens knallt der erste Gang. Abends nicht. Am Getriebe liegt es nicht

Sieben Uhr, Garage, Motor läuft seit zwanzig Sekunden. Du ziehst die Kupplung, trittst nach unten - und es macht KLONK, dass es von der Wand zurückkommt. Nachmittags, nach dem Tanken auf dem Rückweg: dasselbe Motorrad, dasselbe Getriebe, ein leises Klack. Zwei Stunden Landstraße Unterschied, zwei völlig verschiedene Geräusche.

Ein Öl für drei Baugruppen

Am Auto sind das drei getrennte Welten: Motoröl, Getriebeöl, und die Kupplung läuft trocken dazwischen. Am Motorrad ist es bei den allermeisten Maschinen eine einzige.

Dasselbe Öl schmiert die Kurbelwelle, füllt das Getriebe und steht zwischen den Lamellen deiner Nasskupplung. Deshalb steht auf einer Motorraddose JASO MA und nicht nur eine Viskosität - das Öl muss gleichzeitig schmieren und Reibung zulassen, und das sind Aufgaben, die sich widersprechen.

Für den ersten Gang am Morgen hat diese Bauart eine Folge, die kaum jemand ausspricht: Deine Kupplung trennt nie zu hundert Prozent. Auch bei ganz durchgezogenem Hebel bleiben zwischen den Lamellen wenige Zehntelmillimeter Öl stehen, und dieses Öl überträgt ein kleines Restdrehmoment. Schleppmoment heißt das, und ein bisschen davon ist völlig normal und an jeder gesunden Maschine vorhanden.

Und Zähigkeit ist der Hebel, an dem die Temperatur zieht. Bei zehn Grad Öltemperatur ist derselbe Film ein Vielfaches zäher als bei achtzig, und damit wächst auch das, was er überträgt.

Darauf läuft alles hinaus: Nicht das Getriebe verändert sich über Nacht - der Ölfilm tut es.

Wobei „kalt“ hier nicht heißt, was das Thermometer an der Garagenwand anzeigt. Gemeint ist die Temperatur deines Öls, und die hat mit der Außentemperatur weniger zu tun, als die meisten denken. Auch mitten im Juli, nach einer Nacht bei achtzehn Grad, steht dein Öl morgens auf achtzehn Grad - und Betriebstemperatur sind achtzig bis hundert.

Deshalb kennst du das Geräusch auch aus dem Hochsommer. Der September macht es nur deutlicher, weil zwischen der Morgentemperatur und der Nachmittagstemperatur inzwischen zehn bis vierzehn Grad liegen und der Unterschied zwischen der ersten und der letzten Fahrt des Tages damit größer wird.

Und die Anzeige im Cockpit hilft dir dabei nicht. Was dort steht, ist bei den meisten Maschinen die Kühlmitteltemperatur, und Kühlmittel ist erheblich schneller warm als das Öl im Sumpf. Wenn der Zeiger in der Mitte steht, hat dein Öl die Betriebstemperatur oft noch nicht erreicht.

Willst du wissen, ob diese Erklärung trägt, schau dir eine Maschine an, bei der sie nicht gelten kann. Eine Moto Guzzi hat eine Einscheiben-Trockenkupplung und ein Getriebe mit eigenem Ölhaushalt. Das zähe Öl vom Morgen liegt dort gar nicht an der Stelle, an der die Kupplung arbeitet.

Bevor jetzt jemand mit einer Guzzi in der Garage widerspricht: Doch, die rastet laut ein. Sehr laut sogar, mit der großen Schwungmasse dahinter. Nur eben am Sonntagmittag genauso wie am Montagmorgen - und darum geht es hier.

Beim BMW-Boxer wird es noch interessanter, weil dieselbe Marke beide Bauarten gefahren hat. Die luft- und ölgekühlten Boxer bis 2012 hatten eine trockene Kupplung und ein Getriebe mit eigenem Öl. Der wassergekühlte Boxer ab 2013 hat eine Mehrscheibenkupplung im Ölbad und ein Getriebe, das sich den Ölhaushalt mit dem Motor teilt. Gleiche Motorbauart, gleicher Hersteller, zwei verschiedene Antworten auf die Frage dieses Artikels.

Boxer rasten dabei in beiden Fällen gern laut ein - das gehört zum Charakter, und kein Boxerfahrer würde es bestreiten. Der Unterschied liegt woanders: Beim älteren, trockenen wird es morgens nicht deutlich lauter als mittags. Beim wassergekühlten schon. Wer eine der beiden Bauarten fährt, kann diesen Artikel also an der eigenen Maschine gegenprüfen.

Warum es überhaupt schlägt

Kommen wir zu dem Teil, der das Geräusch erklärt - und der bei den meisten in die falsche Richtung gedacht wird.

Ein Motorradgetriebe schaltet über Klauen, nicht über Synchronringe. Die Zahnräder kämmen ständig miteinander, und beim Schalten schiebt sich ein Rad seitlich, bis seine Klauen in die Aussparungen des Nachbarrades fallen. Es gibt dabei nichts, was zwei unterschiedlich schnelle Teile vorher auf eine gemeinsame Drehzahl bringt. Sie treffen sich einfach.

Und genau das ist der Punkt: Solange die Eingangswelle noch dreht und das Hinterrad stillsteht, prallen die Klauen mit Drehzahldifferenz aufeinander. Der Schlag ist die Differenz, nicht der Schaden.

Deshalb macht auch ein völlig gesundes, betriebswarmes Motorrad beim Einlegen ein hörbares Geräusch. Ein Klauengetriebe klackt. Immer. Wer eine geräuschlose Eins erwartet, erwartet ein Auto.

Kalt kommt nur eines dazu: Das zähe Öl treibt die Eingangswelle stärker an, obwohl du den Hebel gezogen hältst. Die Differenz beim Aufeinandertreffen ist größer, und aus dem Klack wird ein Klonk.

An einer gesunden Maschine ist dabei nichts überlastet. Die Klauen sind für diesen Stoß gebaut, sie sind massiv und ballig ausgeführt, damit sie sich finden. Was du hörst, ist ihre Arbeit - nur eben lauter als nachmittags.

Die zweite Hälfte: die Drehzahl

Hier steht das, was in den meisten Erklärungen fehlt, und es ist mindestens so wichtig wie die Zähigkeit.

Wie viel ein Ölfilm überträgt, hängt an zwei Größen: daran, wie zäh er ist, und daran, wie schnell sich die beiden Flächen gegeneinander bewegen. Beide sind bei kaltem Motor erhöht - und die zweite hast du sogar selbst eingestellt, ohne es zu merken.

Denn was macht dein Motorrad bei einem Kaltstart? Es dreht höher.

Bei Einspritzern regelt das die Elektronik, bei einem Vergaser ziehst du dafür den Choke. Statt der üblichen 1.100 bis 1.300 Touren stehen da im ersten Moment gern 1.800 oder 2.000.

Nimm beides zusammen: zäheres Öl und höhere Drehzahl. Die Schleppwirkung ist morgens nicht ein bisschen größer - sie ist deutlich größer, und zwar aus zwei Gründen gleichzeitig.

Das erklärt nebenbei zwei Beobachtungen, über die sich Leute in Foren streiten. Erstens: warum der Schlag bei manchen Maschinen nach dreißig Sekunden schon halb weg ist, obwohl das Öl in dreißig Sekunden garantiert nicht warm wird - die Leerlaufdrehzahl ist inzwischen gefallen, das Öl noch nicht warm. Zweitens: warum die Maschine im eingelegten Gang mit gezogener Kupplung nach vorn drängt und die Drehzahl beim Einlegen kurz absackt. Der Motor arbeitet in diesem Moment gegen sein eigenes Öl.

Sicherheitshinweis: Bei kaltem Motor kann die Maschine mit eingelegtem ersten Gang und vollständig gezogener Kupplung von selbst nach vorn kriechen. Leg den Gang deshalb nie ein, während du danebenstehst und die Maschine nicht sicher hältst, und nie mit dem Vorderrad einen halben Meter vor der Garagenwand oder vor einem anderen Motorrad. Warm ist dieses Kriechen kaum spürbar, kalt bewegt es eine Maschine mit zweihundert Kilo. Dagegen hilft ein einziger Handgriff: Halt beim Einlegen des ersten Gangs immer den vorderen Bremshebel gezogen. Dann kann dir die Maschine nicht davonrollen, egal was das Öl gerade macht.

Und ja - dieselbe Physik ist der Grund, warum der Motor beim Einlegen manchmal abstirbt. Solange du im Leerlauf stehst, treibt das Schleppmoment nur eine frei drehende Welle an, das kostet fast nichts. In dem Moment, in dem der Gang einrastet, hängt dieselbe Schleppwirkung plötzlich am stehenden Hinterrad - und dagegen anzudrehen schafft ein kalter Leerlauf nicht immer.

Praktisch trennt das die Maschinen in zwei Gruppen, und die eine hat es leichter.

Bei einem Vergaser mit Chokehebel hast du die Drehzahl selbst in der Hand. Du kannst den Choke ein Stück zurücknehmen, warten, bis der Motor bei knapp über Leerlauf sauber steht, und erst dann einlegen. Wird er dabei unruhig, bist du zu früh - dann eben ein Stück wieder auf.

Am Einspritzer entscheidet die Elektronik. Sie hebt die Drehzahl beim Kaltstart selbst an und nimmt sie über ein bis zwei Minuten zurück, und du kannst dabei nichts anderes tun als zuhören. Dafür musst du übrigens nicht daneben stehen und den Motor laufen lassen - Handschuhe an, Helm zu, Gurte richten, und der Moment ist ohnehin da. Warmlaufen im Stand bringt dem Öl nichts, das haben wir oben geklärt. Es lohnt sich trotzdem, weil das Zurücknehmen der Drehzahl hörbar ist und ziemlich genau den Moment markiert, ab dem der erste Gang deutlich leiser rastet.

Was in beiden Fällen nicht hilft: Gas geben, um „die Sache zu beschleunigen“. Höhere Drehzahl heißt mehr Schleppmoment, nicht weniger. Und die paar Grad, die der Motor dabei gewinnt, erkaufst du dir mit hohen Drehzahlen im kalten Zustand - warm wird das Öl ohnehin erst unter Last auf der Straße.

Der Tipp, der verkehrt herum ist

Hier muss ich meine eigene Ausgangsannahme korrigieren.

Der Rat, der zu diesem Thema am häufigsten kursiert, lautet: Zieh den Hebel im Leerlauf ein paarmal durch, pump die Lamellen auseinander, dann leg ein. Ich habe ihn selbst für plausibel gehalten. Er ist es nicht - jedenfalls nicht für den Fall, um den es hier geht.

Denk ihn zu Ende. Jedes Mal, wenn du den Hebel loslässt, koppeln die Lamellen wieder zusammen, und die Getriebeeingangswelle wird auf Motordrehzahl gerissen. Beim nächsten Ziehen fängt sie wieder bei genau diesem Wert an auszutrudeln. Fünfmal pumpen und dann einlegen bringt dich also dorthin, wo dich ein einziger Zug auch hingebracht hätte - nur hast du die Welle vorher fünfmal zusätzlich beschleunigt.

Was tatsächlich hilft, ist unspektakulär: ziehen und halten. Drei, vier, fünf Sekunden. Mehr nicht.

In dieser Zeit trudelt die Eingangswelle aus, weil sie außer dem Schleppmoment nichts mehr antreibt und die Verluste im Getriebe sie bremsen. Sie kommt nie ganz zum Stillstand - aber sie wird langsamer, und die Differenz beim Einrasten sinkt mit ihr. Das ist die ganze Kunst.

Und woher kommt der Pump-Tipp dann? Aus zwei anderen Fällen, in denen er tatsächlich etwas bewirkt - nur eben nicht in diesem.

Der erste ist die hydraulische Kupplung mit Luft im System oder alter Flüssigkeit. Dort baut mehrmaliges Ziehen für einen Moment Druck auf, der Druckpunkt wandert nach vorn, und die Kupplung trennt kurzzeitig besser. Das ist echt - es ist aber kein Ölproblem, sondern ein Hinweis darauf, dass die Anlage entlüftet oder die Flüssigkeit gewechselt gehört.

Der zweite ist die Maschine, die Wochen gestanden hat: Der Ölfilm ist zwischen den Lamellen abgelaufen, und die Beläge kleben regelrecht aneinander. Das ist Haftung, nicht Zähigkeit. Und hier wird es interessant, weil der Pump-Tipp genau da an seine Grenze kommt: Im Leerlauf dreht sich das ganze Paket als Klumpen mit, egal wie oft du den Hebel ziehst - es fehlt die Kraft, die die Scheiben gegeneinander verschiebt. Die bekommst du erst, wenn das Hinterrad die Ausgangsseite festhält. Also: Gang rein, Hebel gezogen halten und die Maschine ein paar Meter schieben oder rollen lassen. Dann reißt die Verklebung auf.

Drei Fälle, drei Handgriffe, und sie werden ständig durcheinandergeworfen. Wandernder Druckpunkt an der hydraulischen Kupplung: entlüften lassen. Klebende Lamellen nach längerem Stehen: im Gang schieben. Zähes Öl am Montagmorgen: ziehen und warten.

Die beiden letzten hältst du an einem einzigen Merkmal auseinander. Klebende Lamellen sind ein einmaliges Ereignis: Nach der ersten Fahrt ist der Ölfilm wieder verteilt, und tags darauf ist die Sache erledigt. Das zähe Öl kommt jeden einzelnen Morgen wieder, den ganzen Herbst über und im nächsten Frühjahr genauso.

Ein Ereignis oder eine Gewohnheit - mehr musst du an dieser Stelle gar nicht unterscheiden.

Ein zweiter Punkt zum Öl selbst, und der ist keine Kaufempfehlung: Die erste Zahl einer Viskositätsangabe beschreibt das Verhalten in der Kälte. Ein 10W-40 bleibt bei niedrigen Temperaturen dünner als ein 20W-50 - was du daran merkst und was das für deine Maschine bedeutet, ist eine Frage der Freigabe und nicht des Gefühls. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch, bevor du an der Viskosität etwas änderst.

Zähl morgen früh bis drei

Zwei Morgen hintereinander, und du hast die ganze Erklärung mit den Ohren überprüft.

Morgen früh: Motor starten, sofort Kupplung ziehen, sofort einlegen. Hör genau hin, wie laut es ist. Das ist deine Ausgangslage.

Übermorgen früh: Motor starten. Dann warten, bis die Leerlaufdrehzahl hörbar abgefallen ist - bei einem Vergaser den Choke dabei zurücknehmen. Erst dann die Kupplung ziehen, drei ruhige Sekunden zählen, und einlegen.

Der Unterschied ist bei den meisten Maschinen nicht subtil. Er ist der Unterschied zwischen einem Schlag, bei dem du zusammenzuckst, und einem satten Klack.

Hast du Lust, häng einen dritten Morgen an und mach es andersherum: warten, bis die Drehzahl gefallen ist, dann Kupplung ziehen und sofort einlegen, ohne die drei Sekunden. Damit trennst du die beiden Ursachen voneinander und hörst, welche bei deiner Maschine mehr ausmacht - die Drehzahl oder die Wartezeit.

Bei einer luftgekühlten Maschine mit Vergaser ist es meistens die Drehzahl. Bei einem modernen Einspritzer mit engem Lamellenpaket eher die Wartezeit.

Und falls sich gar nichts ändert, egal was du machst: Das ist auch ein Ergebnis, und darum geht es im letzten Abschnitt.

Wann es wirklich das Getriebe ist

Es gibt Symptome, bei denen die Entwarnung dieses Artikels nicht mehr gilt. Sie haben alle dasselbe Erkennungsmerkmal: Sie verschwinden nicht mit der Wärme.

Wenn der Schlag beim Einlegen nach zwanzig Kilometern Landstraße genauso hart ist wie im ersten Moment, ist es nicht die Zähigkeit des Öls. Wenn ein Gang unter Last herausspringt - typischerweise der zweite oder der dritte, meistens beim Beschleunigen aus dem Kurvenausgang -, sind das die Klauen selbst, und das wird von allein nicht besser. Wenn die Maschine im eingelegten Gang bei gezogener Kupplung auch betriebswarm kräftig nach vorn drängt, trennt die Kupplung nicht mehr richtig, und dann ist meistens das Hebelspiel zu groß oder das Lamellenpaket am Ende.

Der vierte Fall ist der unauffälligste und der ärgerlichste: Der Schlag kommt beim Einlegen erst nach einer halben Sekunde Verzögerung, mit einem zweiten, dumpferen Geräusch. Im Getriebe kann das nicht sitzen - die Klauen fassen sofort oder gar nicht. Was du hörst, ist der Antriebsstrang, der danach sein Spiel aufbraucht: Die Kette zieht sich stramm und schlägt dabei gegen ihre Führung, oder die Gummis im Ruckdämpfer am Hinterrad geben nach. Beides gehört angesehen, das Getriebe nicht.

Vier Symptome, vier Baustellen. Keines davon lässt sich mit Warten lösen.

Für den ersten und den dritten Fall gibt es allerdings eine Sache, die du vor jedem Werkstatttermin selbst prüfen solltest, weil sie zehn Minuten kostet und erstaunlich oft die Erklärung ist: das Spiel am Kupplungshebel.

Wenn dort zu viel Leerweg ist, zieht der Hebel die Lamellen nicht mehr vollständig auseinander - und dann hast du ganzjährig genau das, was sonst nur kalt auftritt. Zu wenig Spiel ist übrigens der schlimmere Fehler, weil die Kupplung dann dauerhaft leicht schleift und sich dabei aufreibt.

Am Seilzug stellst du das an der Rändelschraube am Hebel nach, den Sollwert nennt dein Fahrzeughandbuch. Bei einer hydraulischen Kupplung gibt es diese Einstellung nicht - dort ist ein wanderndes Verhalten eher ein Hinweis auf Luft im System oder alte Flüssigkeit.

Der Rest - der laute Morgen, der leise Nachmittag, das kurze Drängen beim Einlegen im kalten Zustand - ist nichts weiter als ein Ölfilm, der noch nicht so weit ist wie du. Er wird jeden Morgen wieder so sein, solange die Nächte abkühlen und die Tage auf ihre vierundzwanzig Grad klettern.

Womit eigentlich nur eine Frage offen ist: Wie lange hörst du dir dieses Geräusch morgens schon an, ohne je zwei Morgen lang etwas anderes ausprobiert zu haben?

❓ Häufige Fragen zum lauten ersten Gang

Ist es normal, dass der erste Gang beim Motorrad laut einrastet?

Ja. Ein Motorradgetriebe schaltet über Klauen und hat keine Synchronringe - beim Einlegen treffen zwei unterschiedlich schnell drehende Teile aufeinander, und das ist hörbar. Bei kaltem Motor wird daraus ein deutlicher Schlag, weil das zähe Öl die Getriebeeingangswelle stärker mitzieht.


Warum ist der Schlag nur morgens so laut?

Zwei Dinge kommen zusammen. Kaltes Öl ist ein Vielfaches zäher und überträgt zwischen den Kupplungslamellen mehr Restmoment, und die Leerlaufdrehzahl liegt bei kaltem Motor höher als warm. Beides zusammen vergrößert die Drehzahldifferenz beim Einrasten. Mit den ersten Kilometern lässt der Schlag deutlich nach, ganz weg ist er erst, wenn das Öl auf Temperatur ist.


Soll ich den Kupplungshebel vor dem Einlegen mehrmals pumpen?

Bei der täglich gefahrenen Maschine nicht. Jedes Loslassen koppelt die Lamellen wieder und beschleunigt die Eingangswelle erneut auf Motordrehzahl. Besser ist: Hebel ziehen, drei bis fünf Sekunden halten, dann einlegen. Und bei einer Maschine, die wochenlang gestanden hat und deren Lamellen zusammenkleben, hilft Pumpen auch nicht: Dort dreht das Paket als Klumpen mit. Da hilft nur, im eingelegten Gang mit gezogenem Hebel ein paar Meter zu schieben.


Kriecht das Motorrad bei gezogener Kupplung nach vorn?

Bei kaltem Motor kann es das, weil das zähe Öl zwischen den Lamellen ein Restmoment überträgt. Deshalb den ersten Gang nie einlegen, wenn du die Maschine nicht sicher hältst oder das Vorderrad dicht vor einer Wand steht. Bleibt dieses Drängen auch betriebswarm kräftig, trennt die Kupplung nicht mehr richtig und gehört kontrolliert.


Wann ist der laute erste Gang ein echter Defekt?

Wenn er mit der Betriebstemperatur nicht verschwindet. Ebenso verdächtig sind ein Gang, der unter Last herausspringt, ein kräftiges Drängen bei gezogener Kupplung im warmen Zustand und ein zweiter, dumpfer Schlag kurz nach dem Einlegen - letzterer deutet eher auf Spiel im Antriebsstrang als aufs Getriebe hin.

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