Kettenschloss fürs Motorrad: Die Länge misst du am Mast, nicht im Laden

Daumendick ist die neue Kette, das Schloss wiegt wie ein Ziegelstein, und auf dem Parkplatz reicht sie genau bis an den Laternenmast. Nicht um ihn herum. Also fädelst du sie doch wieder nur durchs Hinterrad.

Beim Kettenschloss fürs Motorrad schaust du im Laden zuerst auf Dicke, Marke und Prüfsiegel. Ob die Kette am Abstellplatz überhaupt etwas Festes erreicht, entscheidet aber ihre Länge, und die lässt sich vorher ausmessen. Eine Schnur genügt.

Ein Kettenschloss fürs Motorrad braucht etwas Festes

Eine Kette, die nur durchs Rad läuft, blockiert das Rad. In einen Transporter heben lässt sich die Maschine trotzdem. Erst wenn die Kette das Motorrad mit etwas verbindet, das fest im Boden steckt, kommt es nicht mehr weg, ohne dass jemand sie knackt.

Bei Fahrrädern sagt die Polizei das ausdrücklich. Das Landeskriminalamt Sachsen rät in seiner Mitteilung zur Zweiradsaison 2024, das Rad an einen festen Gegenstand anzuschließen, etwa an einen Zaun, einen Fahrradständer oder einen Laternenmast. Für Motorräder nennt dieselbe Mitteilung dicke Bügelschlösser und massive Ketten- und Faltschlösser. Eine Kombination aus zwei Schlössern trage außerdem zu mehr Sicherheit bei.

Die polizeiliche Kriminalprävention zählt stabile Bügelschlösser zum besten mechanischen Schutz. Für die Verbindung zum Mast fehlt einem Bügel aber meist die Weite: Er umschließt ein Rahmenrohr oder greift durch ein Rad, aber nur selten um einen Mast und die Schwinge zugleich. Dafür ist die Kette da.

Fest heißt dabei mehr als schwer. Der Gegenstand muss im Boden verankert sein, er darf sich nicht abschrauben oder herausziehen lassen, und die Kette darf nicht oben darüber rutschen. Ein Laternenmast erfüllt das. Ein halbhoher Poller oder ein Pfosten, der nur in einer Hülse steckt, erfüllt es oft nicht, und der Gartenzaun nebenan gehört jemand anderem.

Abschließen solltest du trotzdem auch das Lenkschloss. Das LKA nennt die dicken Schlösser ausdrücklich neben ihm, nicht statt seiner. Wie es an deiner Maschine einrastet und ob sie eine Wegfahrsperre hat, steht im Fahrzeughandbuch.

Dicke und Härte der Kette entscheiden, wie lange sie einem Angriff standhält. Unknackbar ist auch die dickste nicht. Geübte Diebe könnten eine Kette durchtrennen, schreibt der ADAC, sie wählten aber in der Regel leichte Ziele ohne Lärm. Die Länge entscheidet, ob die Kette überhaupt etwas zum Festhalten findet. Das Feste kommt also zuerst, die Dicke danach.

Eine Wäscheleine als Probekette

Im Handel liegen Ketten von knapp einem bis zu zwei Metern, einige auch länger. Welche Länge dein Kettenschloss fürs Motorrad braucht, findest du mit einer Wäscheleine oder einem Stück Schnur heraus, am besten an dem Platz, an dem du am häufigsten parkst:

  1. Maschine hinstellen: so, wie sie dort parken soll, mit der Schwinge so nah am Mast, wie es der Platz erlaubt.
  2. Schnur legen: einmal um den Mast, dann durch den Rahmen oder um die Schwinge, die Enden zusammenführen.
  3. Markieren: die Schnur stramm ziehen und dort, wo sich die Enden treffen, mit einem Stift oder einem Stück Klebeband markieren.
  4. Messen: Länge der Schnur bis zur Markierung plus zwei Handbreit. Die dicke Kette braucht um Mast und Schwinge mehr Länge als die dünne Schnur, und im Dunkeln willst du nicht um das letzte Glied kämpfen.

Miss dort, wo die Kette später wirklich läuft. Eine Runde durch das Rad, um Felge und Reifen herum, braucht deutlich mehr Kette als eine um ein Rahmenrohr.

Ein Beispiel mit Zahlen: Für zwei Stahlmasten mit der Leuchte in dreieinhalb und sechs Metern Höhe nennt ein Leuchtenhersteller 13,4 und 14,6 Zentimeter Durchmesser am Fuß. Rechne mit einem Mast von 14 Zentimetern Durchmesser und einer Schwinge mit rund 30 Zentimetern Umfang.

Steht die Schwinge 20 Zentimeter neben dem Mast, misst die Schnur knapp einen Meter. Bei 40 Zentimetern Abstand sind es schon gut 1,35 Meter. Mit zwei Handbreit Zugabe heißt das: Eine Kette mit 1,20 Metern reicht nur, wenn du sehr dicht am Mast stehst. Steht die Schwinge 40 Zentimeter weg, sind auch 1,50 Meter zu knapp.

Zwei Meter brauchst du, sobald die Maschine nicht dicht heran kann, weil ein Bordstein, ein Fahrradständer oder ein anderes Motorrad im Weg ist, und erst recht an einem dickeren Mast. Länger als nötig ist allerdings auch nicht besser, das merkst du spätestens beim Packen für die Tour.

Der Weg der Kette am Motorrad

Führ die Kette durch den Rahmen oder um die Schwinge, nicht nur durch ein Rad. Dann hängt die ganze Maschine daran und nicht ein einzelnes Teil, das sich abschrauben lässt. Ein angeschraubter Halter, etwa der für die Soziusrasten, ist aus demselben Grund kein Rahmen, auch wenn er so aussieht. Achte darauf, dass die Kette keine Bremsleitung und kein Kabel einklemmt und nicht am Auspuff liegt, solange der noch heiß ist.

Viele Ketten stecken in einem Stoffschlauch, der den Lack schützt. Ohne ihn hat ein frisch lackierter Rahmen schnell die ersten Kratzer.

Auf dem Boden sollte die Kette nicht liegen. Das LKA rät Radfahrern, das Rad möglichst weit vom Boden entfernt anzuschließen, damit Diebe den Bolzenschneider nicht auf dem Boden absetzen und sich mit ihrem Gewicht daraufstemmen können. Für die Motorradkette heißt das: so kurz und so hoch wie möglich führen und überschüssige Länge lieber in einer zweiten Runde um den Mast verstauen.

Das Schloss selbst drehst du am besten so, dass das Schlüsselloch nach unten zeigt, dann läuft Regen ab statt hinein. Hat es eine Staubkappe über dem Schließzylinder, gehört die nach jedem Abschließen wieder drauf. Notier dir außerdem die Schlüsselnummer und bewahr sie getrennt vom Schlüssel auf, manche Hersteller fertigen mit dieser Nummer einen Ersatzschlüssel.

Und der Platz selbst muss stimmen. Auf dem Gehweg parken darfst du nur, wo ein Schild oder eine Markierung es erlaubt, und ein Laternenmast daneben ändert daran nichts. Spann die Kette auch nicht quer über einen Weg, über eine Kette in Kniehöhe stolpert im Dunkeln schnell jemand.

Zu Hause hält der Bodenanker

In deiner Garage steht kein Laternenmast. Dafür gibt es Boden- und Wandanker: einen Stahlkörper mit Öse, der fest im Boden oder in der Wand sitzt und durch den die Kette läuft. Sie werden angeschraubt oder einbetoniert.

Oxford legt seinen Ankern zum Anschrauben vier Spreizdübel mit Sicherheitsschrauben bei. Die Montageanleitung verlangt soliden Beton und schließt Asphalt, Pflaster, Hohlziegel und Holz ausdrücklich aus. Pflastersteine etwa liegen nur in einem Bett aus Sand oder Splitt, und ein Anker darin hält nicht fester als der Stein. Prüf vor dem Bohren mit einem Leitungssucher, ob im Boden oder in der Wand Strom- oder Wasserleitungen liegen. Gebohrt wird dann mit dem Steinbohrer, je nach Anker mit bis zu 16 Millimetern Durchmesser und gut sechs Zentimeter tief, und mit Schutzbrille.

Danach saugst du den Bohrstaub aus den Löchern. Die Schrauben ziehst du laut Anleitung gleichmäßig mit 34 bis 40 Newtonmetern an. Hast du keinen Drehmomentschlüssel, leih dir einen, denn zu viel Kraft kann den Beton beschädigen. Dann schlägst du vier Stahlkugeln vorsichtig in den Innensechskant der Schraubenköpfe, damit niemand die Schrauben wieder herausdrehen kann, und zum Schluss Stahlstopfen bündig in die Öffnungen des Ankers.

Diese Anker dürfen laut Anleitung auch an die Wand. Dort kannst du die Öse auf Höhe der Schwinge setzen, dann liegt die Kette nicht auf dem Garagenboden. Auch an der Wand gilt: nur in soliden Beton.

Bist du dir beim Untergrund nicht sicher, ist eine Fachfirma die bessere Wahl, denn ein Anker im falschen Material hält nur so lange, bis jemand daran zieht.

Einbetonierte Anker sitzen in einem eigenen Fundament, ein Hersteller verweist dafür auf Fertigbeton aus dem Baumarkt. Das passt zu einem Stellplatz, an dem du ohnehin ein Loch graben darfst.

Steht deine Maschine in einer Miet- oder Tiefgarage, klärst du das Bohren zuerst mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung, denn Boden und Wände gehören dort nicht dir allein. Teilen sich Wohnungseigentümer die Tiefgarage, ist ihr Betonboden in aller Regel gemeinsames Eigentum, auch unter einem Stellplatz, der einem Einzelnen gehört. Ob ein Anker in den Boden darf, entscheidet dann die Gemeinschaft. Und ohne Garage bleibt dir ein Mast an einem Platz, an dem du parken darfst. Dann muss die Kette eben jeden Abend um diesen Mast reichen.

Einen Vorteil hat der Anker gegenüber jedem Mast: Du setzt ihn passend zur Kette. Montier ihn so nah an die Stelle, an der später Schwinge oder Rahmen stehen, dass die Kette kurz und straff läuft. Neben die Spur der Räder beim Ein- und Ausparken, nicht hinein: Ein großer Anker ragt einige Zentimeter aus dem Boden, und darüber willst du nicht jeden Abend rollen. Der Laternenmast kommt dir dagegen keinen Zentimeter entgegen.

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Mit der Kette auf Reisen

Jeder Zentimeter Kette wiegt mit. Bei gleicher Gliederstärke sind zwei Meter zwei Drittel mehr Kette als 1,20 Meter, und dieses Gewicht fährt an jedem Tag der Tour mit.

Sicherheitshinweis: Eine schwere Kette fährt am Motorrad mit, nie im Rucksack und nie um die Hüfte. Das ifz warnt, harte Gegenstände im Rucksack könnten bei einem Sturz zu schweren Verletzungen führen, und eine Kette liegt dann zwischen dir und dem Asphalt. Laut den Anleitungen von Yamaha und Honda soll schweres Gepäck möglichst dicht am Fahrzeugschwerpunkt liegen, etwa bei Ténéré 700 und CB650R. Pack die Kette deshalb tief, zum Beispiel unten in einen Seitenkoffer oder eine Satteltasche.

Das Topcase ist dafür meist der falsche Platz. Es thront hoch über dem Hinterrad, und seine Zuladung ist oft knapp. Für das Topcase aus dem BMW-Zubehör erlaubt die Betriebsanleitung der F 800 GS (Ausgabe Juli 2023) höchstens fünf Kilo, für jeden Seitenkoffer acht. Laut der Anleitung der F 900 R (Ausgabe November 2019) gelten fünf Kilo auch für jeden Seitenkoffer. Leg die Kette mit Schloss deshalb einmal auf die Waage, bevor du sie einpackst. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Unterwegs findest du außerdem nicht an jedem Stopp etwas Festes in Reichweite. Bei der Unterkunft lohnt vorher die Frage nach einer Garage oder einem abschließbaren Hof.

Für die Tour liegt deshalb eine Kombination nahe: die Kette dort, wo es etwas Festes gibt, und für kurze Stopps ein Bremsscheibenschloss mit Erinnerungskabel. Stehen beide dran, bindet die Kette das Heck über die Schwinge an den Mast, und das Schloss vorn blockiert das Vorderrad. Wegschieben und anheben scheitern dann jeweils an einem anderen Schloss. Dass zwei Schlösser mehr Sicherheit bringen, schreibt auch das LKA, und das Kettenschloss fürs Motorrad muss dann nicht an jeden Mast der Welt passen, nur an deinen.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wo du in deinem Ort parken darfst, weiß die Stadt- oder Gemeindeverwaltung, und bevor du in einer Garage bohrst, die nicht dir allein gehört, fragst du den Eigentümer oder die Hausverwaltung.

Der Mast, an dem du täglich parkst

2025 hat die Polizei in Deutschland 26.692 Diebstähle von Mopeds und Krafträdern registriert, unbefugte Benutzung eingerechnet. Als häufige Tatorte nennt die polizeiliche Kriminalprävention für Zweiräder aller Art, Fahrräder eingeschlossen, große Abstellplätze an Bahnhöfen, Schulen, Bädern, Sport- und Freizeitstätten. Also Orte, an denen ein Zweirad oft stundenlang allein steht.

Miss die Länge deshalb nicht am erstbesten Mast, sondern an deinem. Am Bahnhof, vor dem Büro, vor der Halle, in der du dienstags trainierst, oder auf dem Stellplatz vor dem Haus, wo die Maschine die Nacht verbringt. Dort steht sie am längsten allein, und dort muss die Kette passen. Alle anderen Plätze sind Zugabe.

❓ Häufige Fragen zum Kettenschloss fürs Motorrad

Wie lang sollte ein Kettenschloss fürs Motorrad sein?

Ein Kettenschloss fürs Motorrad sollte lang genug sein, um Rahmen oder Schwinge mit einem festen Gegenstand zu verbinden. Bei einem Laternenmast mit 14 Zentimetern Durchmesser und rund 40 Zentimetern Abstand zur Schwinge braucht die Kette mehr als 1,50 Meter, 1,20 Meter reichen nur sehr dicht am Mast. Am genauesten misst du mit einer Schnur am eigenen Parkplatz und gibst zwei Handbreit dazu, weil die dicke Kette mehr aufträgt.


Wo befestige ich die Kette am Motorrad?

Die Kette gehört durch den Rahmen oder um die Schwinge, damit die ganze Maschine gesichert ist. Bremsleitungen und Kabel dürfen dabei nicht eingeklemmt werden, und am heißen Auspuff hat sie nichts zu suchen. Ein Stoffschlauch um die Kette schont den Lack.


Warum soll die Kette nicht auf dem Boden liegen?

Eine Kette am Boden ist leichter anzugreifen, weil Diebe den Bolzenschneider dort aufsetzen und ihr Körpergewicht einsetzen können. Die Polizei rät deshalb schon Radfahrern, Schlösser möglichst hoch anzulegen. Lass die Kette so kurz und straff wie möglich laufen. Überschüssige Länge legst du besser als zweite Runde um den Mast.


Welcher Boden eignet sich für einen Bodenanker?

Geschraubte Bodenanker brauchen in der Regel massiven Beton. Auf Asphalt, Pflastersteinen, Hohlziegeln oder Holz darf der Anker laut Oxford-Anleitung nicht montiert werden. Wo kein Betonboden ist, kommen Anker infrage, die in ein eigenes Fundament gegossen werden.


Darf ich in einer Tiefgarage einen Bodenanker setzen?

In einer Tiefgarage oder Mietgarage entscheidet der Eigentümer oder die Eigentümergemeinschaft, ob gebohrt werden darf. Kläre das vorher mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung und lass dir die Zustimmung geben, bevor der erste Dübel sitzt.


Wie transportiere ich eine schwere Kette auf Tour?

Eine schwere Kette reist am besten tief und nah am Schwerpunkt der Maschine, etwa unten im Seitenkoffer. Wie viel ein Koffer tragen darf, steht in der Betriebsanleitung: Bei der BMW F 800 GS (Ausgabe Juli 2023) sind es im Topcase fünf Kilo und im Seitenkoffer acht. Im Rucksack oder um die Hüfte kann die Kette dich bei einem Sturz verletzen, davor warnt das ifz bei harten Gegenständen im Rucksack.


Welche Prüfsiegel gibt es für Motorradschlösser?

In Deutschland prüft der VdS Zweiradschlösser. Für Motorräder ist dort Klasse B gedacht, und ein Plus wie bei B+ steht für Schlösser, mit denen sich das Motorrad an einen festen Gegenstand anschließen lässt. Aus Großbritannien kommt das Prüfsiegel Sold Secure, für Motorräder gibt es dort die Stufen Gold und Diamond. Niederländische Prüfungen tragen das Zeichen ART, dort sind die Kategorien 4 und 5 für Motorräder gedacht. Ob dein Versicherer ein bestimmtes Siegel erwartet, steht in deinen Vertragsbedingungen.

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