
Volltanken, bezahlen, Helm auf. Du drückst den Starter, der Anlasser orgelt, aber der Motor will nicht kommen. Im Cockpit meldet sich die Leuchte der Wegfahrsperre und gibt keine Ruhe. Für einen Moment fragst du dich, ob du gerade das Falsche getankt hast. Dabei baumelt der Verdächtige direkt unter dem Zündschloss: der Zweitschlüssel, den du an den Bund gehängt hast, damit er nicht verloren geht.
Der Verdacht ist nicht weit hergeholt, und der Bund kann noch mehr anrichten. Ein zweiter Chip in der Nähe des Schlosses kann den Start blockieren, ob er im Ersatzschlüssel steckt oder im Autoschlüssel. Ein Ersatzschlüssel am selben Ring verschwindet im Ernstfall zusammen mit dem ersten. Und an der GSX-R1000 könnte sich ein Bund laut Suzuki sogar so verfangen, dass er das Lenken behindert.
Das Bild von der Tankstelle beschreiben auch Honda und Kawasaki in ihren Fehlersuchen: Der Anlasser arbeitet, der Motor springt trotzdem nicht an. Beide nennen an dieser Stelle die Schlüssel als mögliche Ursache. Dazu meldet sich die Wegfahrsperre im Cockpit, bei jedem Hersteller auf seine Art:
| Modell | Was das Cockpit zeigt |
|---|---|
| Honda, etwa NC750X (2021, 2025) | Die Anzeige der Wegfahrsperre HISS bleibt nach dem Einschalten an |
| Yamaha MT-09 (2024), Tracer 700 | Die Leuchte blinkt fünfmal langsam, dann zweimal schnell |
| Suzuki V-Strom 650 mit Wegfahrsperre | Die Anzeige blinkt fortwährend, der Motor startet nicht |
| Kawasaki Z900 (2021) | Die rote Warnleuchte der Wegfahrsperre blinkt |
| BMW R 1300 GS (Anleitung 02.2023) | Im Display erscheint eine Warnung mit Schlüsselsymbol |
Nicht jedes Blinken heißt Alarm. Nach dem Ausschalten der Zündung blinkt die Leuchte bei der NC750X, der MT-09 und der Z900 mit Absicht, und zwar 24 Stunden lang. So zeigt die Maschine, dass die Sperre scharf ist. Danach hört das Blinken auf, die Wegfahrsperre bleibt trotzdem aktiv. An der NC750X und der Z900 lässt sich das Blinken im Menü abschalten.
Nach dem Einschalten der Zündung geht die Leuchte bei Honda und Yamaha dagegen nach wenigen Sekunden aus, bei Suzuki nach einem kurzen Blinken, das die Zahl der angelernten Schlüssel anzeigt. Verhält sich die Leuchte anders, deutet das auf eine Störung hin.
Zündung aus, Schlüssel abziehen. Nimm den Motorradschlüssel vom Ring, steck den Rest des Bunds in die Jacke und versuch es mit dem einzelnen Schlüssel noch einmal. Genau diesen Schritt nennt Kawasaki für die Z900: Ersatzschlüssel oder Metallteile entfernen und den Start erneut versuchen. Bei Suzuki ist das Aus- und Wiedereinschalten der Zündung die vorgesehene Abhilfe für einen Kommunikationsfehler.
Springt der Motor jetzt an, ist der Bund der erste Verdächtige. Bleibt die Störung aus, solange er in der Jacke mitfährt, hast du deine Antwort.
Will die Maschine auch mit dem einzelnen Schlüssel nicht anspringen, liegt es vermutlich nicht am Bund. Dann geht es mit den übrigen Punkten der Fehlersuche weiter, etwa der Motorkontrollleuchte oder dem Kippsensor nach einem Umfaller. Leuchtet oder blinkt die Anzeige der Wegfahrsperre weiter, lässt du die Maschine vom Händler prüfen. So steht es bei Honda und bei Kawasaki.
Vor dem Weg zum Händler kommt bei Yamaha noch ein Schritt dazu, und für den brauchst du den roten Schlüssel, der zu Hause liegen sollte. Zeigt die MT-09 das Muster aus fünf langsamen und zwei schnellen Blinkern, sieht Yamaha nach dem Entfernen anderer Schlüssel einen Startversuch mit dem roten Schlüssel vor. Klappt das, schaltest du den Motor wieder aus und probierst die schwarzen Standardschlüssel. Will einer von ihnen nicht, bringst du die Maschine mit allen drei Schlüsseln zur Yamaha-Fachwerkstatt und lässt dort die Standardschlüssel neu registrieren.
Der einzelne Schlüssel hilft, weil im Schloss eine Antenne auf genau eine Antwort wartet. Im Kopf deines Zündschlüssels sitzt ein winziger Chip, der Transponder. Eine eigene Batterie hat er nicht, anders als ein Funkschlüssel für den schlüssellosen Start. Schaltest du die Zündung ein, weckt ihn eine ringförmige Antenne rund um das Schloss mit einem schwachen Funkfeld. Er antwortet mit seinem Code, und nur wenn der zur Maschine passt, darf der Motor starten.
Hängt ein zweiter Schlüssel mit Chip direkt daneben, wacht der ebenfalls auf und antwortet mit. Yamaha nennt das Signalüberlagerung. Im Klartext: Am Schloss kommen zwei Antworten gleichzeitig an, und im ungünstigen Fall kann die Antenne keine davon sauber lesen.
Dass beide Schlüssel zur selben Maschine gehören, hilft dir nicht. Yamaha und Kawasaki schreiben in ihren Anleitungen, dass zwei Schlüssel derselben Wegfahrsperre nicht an denselben Ring gehören. Honda führt den Ersatzschlüssel als möglichen Störenfried auf, wenn er in der Nähe des Zündschalters liegt.
Die Hersteller schreiben „kann“ und „könnte“. Es muss also nicht bei jedem Start schiefgehen, und genau das macht die Sache lästig. Wie nah der zweite Chip gerade am Schloss hängt, spielt mit, und ein Bund pendelt nie zweimal gleich. Einen Fehler, der mal kommt und mal nicht, schiebst du dann leicht auf die Batterie.
Oft ist der Zweitschlüssel nicht der einzige Chip am Bund. Suzuki nennt den Fall in der Anleitung der V-Strom 650 beim Namen: Wer andere Fahrzeuge mit Wegfahrsperrenschlüsseln besitzt, soll deren Schlüssel vom Zündschalter fernhalten, solange das Motorrad in Gebrauch ist. Sonst könne die Wegfahrsperre des Motorrads gestört werden.
Das schließt das Auto ein. Dort ist die elektronische Wegfahrsperre seit Ende der Neunzigerjahre Standard, und auch dort sitzt der Chip im Schlüssel. In Yamahas Anleitung heißt es: Schlüssel anderer Wegfahrsperrensysteme sollen vom Zündschloss fernbleiben, weil sie Signalstörungen verursachen können. Das trifft auch den Schlüssel deiner zweiten Maschine.
Bei Motorrädern mit Funkschlüssel steckt kein Schlüssel im Schloss, er liegt in deiner Tasche. Den Satz zum zweiten Schlüssel gibt es trotzdem. Bei der R 1300 GS warnt BMW: Hängt ein weiterer Fahrzeugschlüssel an dem Schlüssel, mit dem du startest, kann die Elektronik „irritiert“ werden, und das Motorsteuergerät gibt den Start nicht frei. Im Display erscheint dann die Warnung mit dem Schlüsselsymbol. Die Anleitung sagt deshalb: weitere Schlüssel immer getrennt aufbewahren.
In Zentimetern nennt keine dieser Anleitungen einen Abstand, dort steht nur „in der Nähe“ und „fernhalten“. Eine Jackentasche erfüllt das deutlich besser als ein Bund, der direkt unter dem Schloss hin und her schwingt. Am einfachsten wird das mit zwei Ringen, die ein Karabiner verbindet: Der Motorradschlüssel kommt allein ins Schloss, den Rest hakst du vor der Fahrt aus und steckst ihn ein.
Auch ohne zweiten Chip ist der Bund nicht harmlos. Kawasaki nennt für die Z900 neben Ersatzschlüsseln auch Metallteile am Schlüsselring: Beide können die Verständigung zwischen Schlüssel und Wegfahrsperre stören. Honda fragt in derselben Lage, ob der Schlüssel metallische Aufkleber oder Ähnliches trägt.
Die englische Anleitung der V-Strom 650 von 2021 zählt drei Arten von Störern auf: alles aus Metall, alles Magnetische und alles, was Funkwellen aussendet. Nichts davon gehört an den Schlüsselhalter oder nah an den Schlüssel. Darunter fallen der Flaschenöffner aus Edelstahl, der Magnetanhänger und der kleine Funkanhänger, mit dem du den Bund wiederfindest.
Von Magneten sollen die Schlüssel ohnehin fernbleiben. Das steht bei Honda, Yamaha und Kawasaki in den Hinweisen zum Umgang mit dem Schlüssel, in derselben Liste wie hohe Temperaturen. Honda nennt außerdem einen handfesten Grund gegen Anhänger aus Metall: Solche Anhänger können den Bereich um den Zündschalter beschädigen.
Ganz anders liegt der Fall an der GSX-R1000: Laut Suzuki kann sich dort ein Schlüsselbund zwischen Lenkungsdämpfer und Lenkkopfmutter verfangen, das Lenken behindern und zum Verlust der Kontrolle führen. Suzukis Anweisung für dieses Modell: den Zündschlüssel ohne Kette, Anhänger und weitere Schlüssel benutzen.
Sicherheitshinweis: Setz dich auf die Maschine, die Füße fest am Boden, und halt sie gerade. Schlag dann den Lenker mit steckendem Schlüssel bis zum Anschlag nach links und nach rechts ein und beobachte, wohin der Bund pendelt. Berührt er ein Bauteil oder kann er sich irgendwo einhaken, fährst du ab sofort mit dem einzelnen Schlüssel.
Ein Bund, der sich am Lenkkopf verfängt, kann das Einlenken behindern, und das merkst du erst, wenn du lenken willst. An Maschinen mit einem Lenkungsdämpfer in der Nähe des Schlosses, etwa der GSX-R1000, gilt das ganz besonders.
Der zweite Schlüssel hängt oft aus einem guten Grund am Bund: Er soll nicht verloren gehen. Genau dort geht er im schlechtesten Fall zusammen mit dem ersten verloren, auf dem Rastplatz oder aus einer offenen Jackentasche. Dann hast du nicht einen Schlüssel weniger, sondern keinen mehr.
Ab diesem Punkt wird es aufwendig. Gehen bei einer Honda alle Zündschlüssel und der Anhänger mit der Schlüsselnummer verloren, muss der Händler das PGM-FI-/Zündsteuergerät tauschen. Suzuki nennt für diesen Fall den Tausch des Motorsteuergeräts, Kawasaki den des Steuergeräts und der zugehörigen Teile. Bei Yamaha muss dann das gesamte Wegfahrsperrensystem ersetzt werden, bei der KTM 390 Duke von 2024 das komplette Schließsystem.
Was der Tausch kostet, nennt keine der Anleitungen. Billig ist er kaum, und bis das Teil da ist, steht die Maschine womöglich.
Auch ohne Totalverlust ist ein verschwundener Schlüssel ein Sicherheitsthema. Nach einem Verlust ist bei Kawasaki eine Neuregistrierung beim Vertragshändler erforderlich, damit der verlorene Schlüssel keinem Dieb mehr nützt. Bei Suzuki lässt du den verlorenen Schlüssel vom Händler deaktivieren. Für die R 1300 GS beschreibt BMW das Sperren eines verlorenen Schlüssels beim BMW Motorrad Partner, dazu bringst du alle übrigen Schlüssel mit. Ein gesperrter Schlüssel startet den Motor nicht mehr. Findest du ihn später, kann er laut BMW wieder freigeschaltet werden.
Ein gewöhnlicher Nachschlüssel hilft bei einer Maschine mit Wegfahrsperre nicht weiter. Der Code ist in den Schlüssel einprogrammiert, schreibt Suzuki, deshalb funktioniert ein Schlüssel vom normalen Schlüsseldienst nicht.
Kawasaki schreibt für die Z900 auf, wofür die beiden Schlüssel gedacht sind: Einer ist für den täglichen Gebrauch bestimmt, den anderen solltest du sicher aufbewahren. Sicher heißt getrennt. Nicht am Bund, nicht im Tankrucksack und nicht unter der Sitzbank, denn was am Motorrad liegt, verschwindet im Fall eines Diebstahls mit dem Motorrad.
Zum zweiten Schlüssel gehört, was du für einen neuen brauchst. Für eine Honda ist das der Anhänger mit Schlüsselnummer und Strichcode, für eine KTM die Keycodecard mit der Schlüsselnummer. Den Anhänger oder die Karte hebst du gut auf, nur eben nicht am Motorrad.
Bei einer Yamaha wie der MT-09 kommt der rote Schlüssel dazu. Mit ihm lernt die Werkstatt neue Schlüssel an, zum Fahren ist er nicht gedacht. Geht er verloren, lassen sich keine neuen Standardschlüssel mehr programmieren. Laut Yamaha gehören außerdem die schwarzen Schlüssel und die Schlüssel anderer Wegfahrsperren nicht in seine Nähe. Er liegt also am besten für sich allein.
Auf einer längeren Tour fährt der Zweitschlüssel mit, aber an einer anderen Stelle als der erste: in der Innentasche, im Geldbeutel oder bei deinem Sozius. Fährst du Yamaha, ist das ein schwarzer Schlüssel, der rote bleibt zu Hause.
Teilst du dir die Maschine mit jemandem, ist ein dritter Schlüssel die saubere Lösung. Sonst hat jeder einen in der Tasche, und für die Schublade bleibt keiner. Zu den zwei registrierten Schlüsseln der V-Strom 650 lassen sich zwei weitere anlernen, an der Z900 sind bis zu fünf insgesamt möglich. Reserveschlüssel für die R 1300 GS gibt es nur über den BMW Motorrad Partner, und der muss dabei prüfen, ob du berechtigt bist. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Kaufst du eine Gebrauchte, lass dir vor dem Bezahlen alle Schlüssel zeigen und leg sie nebeneinander. Bei Yamaha gehört der rote dazu, bei Honda der Anhänger mit der Schlüsselnummer, bei KTM die Keycodecard. An einer V-Strom 650 mit Wegfahrsperre zählst du beim Einschalten der Zündung mit, wie oft die Anzeige blinkt. Blinkt sie öfter, als Schlüssel da sind, ist irgendwo noch einer angelernt. Den lässt du nach dem Kauf vom Händler deaktivieren, wie einen verlorenen.
Im Zündschloss steckt dann ein Schlüssel ohne Gesellschaft. Der Bund mit Haustür und Auto wartet in der Jacke. Und zu Hause in der Schublade liegt der zweite Motorradschlüssel neben dem Anhänger oder der Karte mit der Schlüsselnummer, bei einer Yamaha mit etwas Abstand der rote.
Kann ein Zweitschlüssel am Schlüsselbund die Wegfahrsperre stören?
Ein zweiter Schlüssel mit eigenem Chip kann den Motorstart verhindern, wenn er beim Einschalten nah am Zündschloss hängt. Selbst der passende Ersatzschlüssel derselben Maschine zählt dazu. Yamaha und Kawasaki schreiben, dass zwei Schlüssel einer Wegfahrsperre nicht an einen gemeinsamen Ring gehören.
Stört der Autoschlüssel die Wegfahrsperre am Motorrad?
Ein Autoschlüssel am Bund kann den Start des Motorrads blockieren, wenn er beim Einschalten nah am Zündschloss hängt, denn auch er trägt meist einen Chip für die Wegfahrsperre des Autos. In der Anleitung der V-Strom 650 verlangt Suzuki, Schlüssel anderer Fahrzeuge mit Wegfahrsperre bei Gebrauch des Motorrads vom Zündschalter fernzuhalten. In der Jackentasche ist er gut aufgehoben.
Warum blinkt die Leuchte der Wegfahrsperre nach dem Abstellen?
Bei Modellen wie der Honda NC750X, der Yamaha MT-09 oder der Kawasaki Z900 zeigt das Blinken nach dem Ausschalten der Zündung an, dass die Wegfahrsperre aktiv ist. Nach 24 Stunden hört es auf, die Sperre bleibt trotzdem wirksam. Auf eine Störung deutet die Leuchte erst hin, wenn sie nach dem Einschalten der Zündung anders blinkt oder dauerhaft leuchtet.
Was tun, wenn das Motorrad wegen der Wegfahrsperre nicht anspringt?
Schalte die Zündung aus, zieh den Schlüssel ab und nimm ihn vom Bund. Halte alle anderen Schlüssel und Metallteile vom Zündschloss fern, schalte die Zündung wieder ein und starte noch einmal. Meldet die Wegfahrsperre danach weiter eine Störung, lass die Maschine vom Händler prüfen.
Was passiert, wenn alle Motorradschlüssel verloren sind?
Ohne einen einzigen Schlüssel kann bei vielen Motorrädern kein neuer angelernt werden. Je nach Hersteller muss dann das Steuergerät, die ganze Wegfahrsperre oder das Schließsystem getauscht werden, bei Honda zum Beispiel das PGM-FI-/Zündsteuergerät, wenn auch der Anhänger mit der Schlüsselnummer fehlt. Deshalb gehört der Zweitschlüssel an einen anderen Ort als der erste.
Funktioniert ein nachgemachter Motorradschlüssel vom Schlüsseldienst?
Bei einem Motorrad mit Wegfahrsperre reicht eine rein mechanische Kopie nicht. Laut Suzuki steckt der Code der Wegfahrsperre im Schlüssel selbst, ein Nachschlüssel vom gewöhnlichen Schlüsseldienst startet die Maschine deshalb nicht. Neue Schlüssel lernt der Vertragshändler an, und je nach Hersteller musst du dazu die vorhandenen Schlüssel mitbringen.
Wofür ist der rote Schlüssel bei einer Yamaha?
Der rote Schlüssel ist bei Yamaha der Hauptschlüssel zur Neuprogrammierung. Mit ihm lernt die Fachwerkstatt neue Standardschlüssel an, zum Fahren nimmst du einen der schwarzen. Geht der rote verloren, lassen sich keine neuen Schlüssel mehr programmieren. Er gehört an einen sicheren Ort.
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