
Ein falscher Tritt beim Rangieren in der Hofeinfahrt, das Vorderrad steht eingeschlagen, und die Maschine legt sich langsam auf die linke Seite. Du wuchtest sie wieder hoch, klappst den Seitenständer aus und atmest durch. Ein Spiegel steht schief, sonst sieht alles gut aus.
Die Zündung ist noch an, also drückst du auf den Startknopf. Der Anlasser dreht den Motor durch, doch der springt nicht an, auch nicht beim zweiten und dritten Versuch.
Kaputt ist dabei oft gar nichts. Der Kippsensor hat beim Umfallen Motor und Kraftstoffpumpe abgeschaltet, und er gibt sie erst wieder frei, wenn du die Zündung einmal aus- und wieder einschaltest. Die Sperre ist gewollt. Nicht jede Maschine zeigt sie dir allerdings im Display an.
Sicherheitshinweis: Schalte nach einem Umfaller die Zündung aus, bevor du die Maschine aufrichtest, auch wenn der Motor schon still ist. Läuft er noch, stellst du ihn damit sofort ab.
Suzuki warnt in der Anleitung der V-Strom 650: Eine umgefallene Maschine kann so beschädigt sein, dass der Motor weiterläuft. Dann drohen ein Brand und Verletzungen durch drehende Teile wie das Hinterrad. Deshalb verlangt Suzuki, nach einem Umfaller sofort die Zündung auszuschalten, und rät, die Maschine vom Händler auf Schäden prüfen zu lassen, die von außen nicht zu sehen sind.
Der Weg zurück sieht an fast jeder Maschine mit Kippsensor gleich aus:
Qualmt der Motor danach blau, kann das Öl sein, das beim Liegen in den Ansaugtrakt gelaufen ist. Verzieht sich der Rauch nach einiger Zeit von selbst, war es dieses Öl.
Stell dir die Maschine ohne Kippsensor vor. Sie liegt auf der Seite, der Motor läuft weiter, die Pumpe drückt Benzin in eine Anlage, von der du nicht weißt, ob sie noch dicht ist. War ein Gang eingelegt, dreht womöglich das Hinterrad. Diese Lage beschreibt Suzuki in der Warnung oben, und der Sensor soll sie beenden.
Die Anleitungen nennen das Bauteil unterschiedlich. Yamaha spricht bei der MT-07 von einem Neigungswinkelsensor, Honda in der deutschen Anleitung der CMX500 ebenso, BMW bei der R 1300 GS von einem Sturzsensor. An der MT-09 mit dem 890er-Motor ist es die IMU, eine Messeinheit, die Neigung und Beschleunigung auch für die Traktionskontrolle und die anderen Fahrhilfen erfasst.
Allen gemeinsam ist das Zurücksetzen. Die Sperre fällt nicht weg, sobald die Maschine wieder aufrecht steht. Erst ein Neustart der Zündung gibt Motor und Pumpe wieder frei, und diesen Schritt vergisst du leicht, weil der Schlüssel noch steckt und das Cockpit noch leuchtet.
Als Auslöser nennen die Anleitungen das Umfallen, den Sturz oder den Überschlag. Einen Winkel, ab dem der Sensor anspricht, findest du in keiner von ihnen.
Ältere Maschinen haben oft gar keinen solchen Sensor. Ein Motor im Leerlauf kann dort nach einem Umfaller weiterlaufen, bis jemand ihn abstellt.
Tückisch ist, dass der Kippsensor an vielen Maschinen den Anlasser in Ruhe lässt. Du drückst, der Motor dreht mit, es klingt fast wie ein normaler Start, nur zündet nichts. Yamaha beschreibt es für die MT-07 und die MT-09 wortgleich: Ohne den Neustart der Zündung startet der Motor nicht, obwohl der Anlasser ihn durchdreht.
Dieses Geräusch schickt viele auf die falsche Fährte. Der eine hält den Motor für abgesoffen und dreht am Gas, der andere hofft aufs nächste Mal, und beide orgeln weiter. Jeder neue Versuch kostet aber nur Batterie, denn solange die Sperre steht, bekommt der Motor keinen Kraftstoff.
Hondas Startregel für die CB650R löst das Problem nebenbei. Springt der Motor nicht innerhalb von fünf Sekunden an, soll die Zündung aus, und der nächste Versuch kommt erst nach zehn Sekunden. Gedacht ist die Pause für die Batterie, aber dieses Aus hebt auch die Sperre auf.
Lag die Maschine eben noch auf der Seite, schalt die Zündung deshalb aus und wieder an, bevor du ein zweites Mal drückst. Das dauert ein paar Sekunden und spart dir die Suche nach einem Fehler, den es nicht gibt.
Manche Maschinen sagen dir, was los ist. Die MT-07 zeigt nach dem Auslösen den Fehlercode 30, und Yamaha schreibt ausdrücklich dazu, dass das keine Fehlfunktion ist. Mit dem Schlüssel auf OFF und wieder auf ON verschwindet der Code. Die R 1300 GS meldet sich mit Text: Im Display steht „Fahrzeug gestürzt“, dazu der Hinweis, dass der Motorstart nicht möglich ist, und die Schritte Aufrichten, Zündung aus und ein, Starten.
Bei der R 1300 GS gibt es noch einen zweiten Weg zurück. Laut BMW geht es neben dem Neustart der Zündung auch über den Not-Aus-Schalter: einmal auf Stopp und wieder auf Betrieb. Die anderen hier zitierten Hersteller nennen nur den Zündschlüssel.
Fährst du eine R 1250 GS oder R 1300 GS mit dem intelligenten Notruf aus der Sonderausstattung, kann sich nach einem Sturz noch etwas melden. Erkennt das System einen leichten Sturz, ertönt ein Signalton, und ein Countdown bis zum automatischen Notruf beginnt. Solange er läuft, lässt sich der Notruf abbrechen, bei der R 1300 GS mit zwei Sekunden auf der SOS-Taste oder mit dem Ausschalten der Zündung. Ob schon ein Umfaller im Stand als leichter Sturz zählt, schreibt BMW nicht.
Honda nennt bei der CB650R keine Anzeige, nur dass Motor und Pumpe stoppen und wie du den Sensor zurücksetzt. Ein Cockpit ohne Meldung heißt also nicht, dass der Kippsensor nichts getan hat.
Springt die Maschine auch nach dem Neustart der Zündung nicht an, sind die üblichen Startsperren die nächsten Verdächtigen. Die Yamaha MT-07 zum Beispiel startet nur im Leerlauf oder mit eingelegtem Gang, hochgeklapptem Seitenständer und gezogener Kupplung. Ein Umfaller kann jede dieser Bedingungen durcheinanderbringen.
Der Kupplungshebel ist so ein Fall. Ob du ihn ziehst, meldet ein kleiner Schalter an seiner Aufnahme. Ist der Hebel so abgebrochen, dass du ihn nicht mehr ziehen kannst, oder hat dieser Schalter selbst etwas abbekommen, kann die Meldung fehlen, und die Maschine startet dann nur noch im Leerlauf.
Ein anderer ist der Seitenständerschalter. Er sitzt links am Drehpunkt des Ständers, und auf dieser Seite landet eine Maschine, deren Ständer einsinkt oder wegklappt. Springt der Motor zwar an, geht aber aus, sobald du bei hochgeklapptem Ständer einen Gang einlegst, liegt der Verdacht beim Schalter oder seinem Stecker.
Yamaha beschreibt in der Anleitung der MT-09 eine Probe dafür: Motor läuft, Ständer oben, Kupplung ziehen, Gang rein, dann den Ständer ausklappen, und erst jetzt muss der Motor ausgehen. Tut er das nicht, lass die Maschine in einer Fachwerkstatt prüfen, bevor du wieder fährst.
Zeigt die R 1300 GS statt „Fahrzeug gestürzt“ die Meldung „Sturzsensor defekt“, hat der Kippsensor selbst ein Problem. Das löst kein Zündschlüssel, damit gehört die Maschine in die Werkstatt. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Dass der Motor wieder läuft, heißt noch nicht, dass die Maschine fahrbereit ist. Ein Umfaller aus dem Stand trifft meist dieselben Stellen: Hebel, Rasten, Spiegel, Lenkerenden, Blinker.
Sicherheitshinweis: Fahr erst los, wenn beide Bremshebel sich wie gewohnt betätigen lassen und die Bremse im Stand sauber greift. Zieh den Handbremshebel dazu einmal kräftig und prüf, ob er irgendwo ansteht.
Ein verbogener Bremshebel kann am Gasgriff oder am Lenkerende anstoßen, bevor die Bremse voll greift, und ein angeknackster Hebel kann beim ersten kräftigen Zug brechen. Beides merkst du sonst erst in dem Moment, in dem du die Bremse brauchst.
Schau danach auf den Lenker. Steht er schief zum Vorderrad, ist die Gabel in den Brücken verzogen oder das Lenkerrohr krumm. Sitzen die Griffe höher oder tiefer als gewohnt, hat sich das Rohr in seiner Klemmung gedreht.
Prüf außerdem, ob der Kupplungshebel sich noch ganz ziehen lässt und die Fußraste auf der Sturzseite fest sitzt. Lag die Maschine links, kann es auch den Schalthebel getroffen haben: Ist er verbogen, findet dein Fuß ihn nicht mehr dort, wo er ihn sucht. Erst wenn all das stimmt, ist der Kippsensor das Einzige, was dich an diesem Tag aufgehalten hat.
Mein Motorrad ist umgefallen und springt nicht an. Ist es kaputt?
Springt ein Motorrad nach einem Umfaller nicht an, hat oft nur ein Sensor abgeschaltet, in den Anleitungen Neigungswinkel- oder Sturzsensor genannt, umgangssprachlich Kippsensor. Er legt beim Umfallen den Motor still und hält diese Sperre, bis du den Zündschlüssel auf OFF und zurück auf ON drehst. Springt die Maschine danach an, war es der Sensor.
Wie setze ich den Kippsensor am Motorrad zurück?
Den Kippsensor setzt du über die Zündung zurück: Schlüssel auf OFF, am besten schon vor dem Aufrichten, und danach wieder auf ON. Dieses Aus und An beschreiben Honda, Yamaha, Suzuki und BMW in ihren Anleitungen. Bei der R 1300 GS geht es zusätzlich über den Not-Aus-Schalter, einmal auf Stopp und zurück.
Was bedeutet Fehlercode 30 bei einer Yamaha MT-07?
Mit Code 30 meldet die MT-07, dass ihr Neigungswinkelsensor den Motor nach einem Sturz abgeschaltet hat. Laut Yamaha ist das keine Fehlfunktion. Dreh den Schlüssel auf OFF und wieder auf ON, dann ist der Code weg und der Motor lässt sich starten.
Warum dreht der Anlasser nach dem Umfaller, aber der Motor springt nicht an?
An vielen Maschinen legt der Kippsensor Kraftstoffversorgung und Motor still, den Anlasser aber nicht. Der Motor wird also durchgedreht, doch ohne Kraftstoff springt er nicht an. Weiteres Orgeln leert nur die Batterie, erst der Neustart der Zündung hebt die Sperre auf.
Was mache ich, wenn der Motor nach einem Umfaller weiterläuft?
Läuft der Motor nach einem Umfaller weiter, schalte sofort die Zündung aus. Damit steht er, und erst danach richtest du die Maschine auf. Eigentlich sollte der Kippsensor den Motor schon abgestellt haben. Wurde die Maschine beim Fallen beschädigt, kann das laut Suzuki scheitern, und dann drohen ein Brand und Verletzungen durch das drehende Hinterrad.
Der Motor springt an, geht aber beim Einlegen des Gangs aus. Woran liegt das?
Geht der Motor beim Einlegen eines Gangs aus, steckt oft der Seitenständerschalter dahinter, der beim Umfallen etwas abbekommen haben kann. Meldet er einen ausgeklappten Ständer, obwohl der Ständer oben ist, schaltet die Elektronik den Motor mit eingelegtem Gang ab. Schalter und Stecker gehören dann in die Werkstatt.
Kann nach einem Umfaller der Notruf einer BMW auslösen?
Bei der R 1250 GS und der R 1300 GS mit intelligentem Notruf (Sonderausstattung) meldet sich nach einem erkannten leichten Sturz zuerst ein Signalton, und das Display zählt bis zum Notruf herunter. Solange der Countdown läuft, kannst du den Notruf stoppen. An der R 1300 GS hältst du dafür die SOS-Taste zwei Sekunden gedrückt oder schaltest die Zündung aus. Ob ein Umfaller im Stand schon als Sturz gilt, lässt BMW offen.
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