Kühlflüssigkeit am Motorrad: Wann sie wirklich fällig ist - und was der Blick in den Kühler verrät

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Der Ausgleichsbehälter steht zwischen „min” und „max”, die Flüssigkeit ist noch bunt, alles gut. So endet die Kontrolle bei den meisten, und in den meisten Fällen stimmt sie sogar. In den anderen Fällen steht der Behälter deshalb voll, weil der Kühler daneben halb leer ist.

Kühlflüssigkeit am Motorrad ist der einzige Betriebsstoff, dem du von außen überhaupt nichts ansiehst. Das Öl wird dunkel, die Bremsflüssigkeit auch, die Kette rasselt. Das Kühlmittel sieht nach fünf Jahren aus wie am ersten Tag - und schützt trotzdem längst nicht mehr. Deshalb geht es hier nicht darum, welches Mittel du kaufst, sondern darum, wann es fällig ist und was dir das System selbst erzählt, wenn du an der richtigen Stelle hinsiehst.

Warum die Kühlflüssigkeit am Motorrad nach Jahren fällig ist, nicht nach Kilometern

Kühlflüssigkeit ist kein Wasser mit Farbe. Sie ist ein Chemiepaket: Frostschutz auf Glykolbasis plus eine Reihe von Additiven, die Korrosion verhindern, Ablagerungen aufhalten und die Gleitringdichtung der Wasserpumpe schmieren.

Und genau diese Additive sind Verbrauchsmaterial. Sie werden nicht durch Kilometer aufgebraucht, sondern durch Chemie: durch jeden Aufheiz- und Abkühlzyklus, durch Sauerstoff, der über Deckel und Schläuche ins System diffundiert, durch die Reaktion mit den Metallen, die sie schützen sollen. Der Frostschutz bleibt dabei fast unverändert - Glykol verschwindet ja nicht. Der Schutz vor Korrosion verschwindet sehr wohl.

Deshalb ist ein stehendes Motorrad kein geschontes Motorrad. Es steht mit einer Flüssigkeit im Motor, die weiter altert, während nichts umgewälzt wird. Wer 1.500 Kilometer im Jahr fährt, erreicht die Kilometergrenze nie und die Zeitgrenze trotzdem pünktlich.

Die konkreten Vorgaben unterscheiden sich stark: Es gibt Modelle mit zwei Jahren, andere mit vier, manche mit einer festen Kilometerzahl obendrauf. Auch der Kühlmitteltyp entscheidet mit. Was für deinen Motor gilt, steht an genau einer Stelle: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch. Und welches Mittel überhaupt hineindarf, ist ein eigenes Thema, das den Farbmythos gleich mit erledigt - der ausführliche Text dazu steht weiter unten in den Empfehlungen.

Bleibt die praktische Frage: Woher weißt du, wann zuletzt gewechselt wurde? Drei Quellen, in dieser Reihenfolge. Der Aufkleber im Bereich Kühler oder Rahmen, den viele Werkstätten setzen. Die alten Rechnungen, in denen die Position auftaucht. Und wenn beides fehlt: Behandle es als fällig. Ein Kanister kostet weniger als eine Tankfüllung.

Ein Wort zu den Testern, weil hier ein Missverständnis kursiert. Ein Refraktometer misst den Glykolanteil, also den Frostschutz. Es misst nicht, ob die Additive noch leben. Für den klassischen Frostschutzprüfer mit den Schwimmkörpern, der in vielen Garagen im Regal liegt, gilt dasselbe in einfacher: Er zeigt die Dichte und damit die Frostsicherheit, über den Zustand des Korrosionsschutzes sagt er nichts. Ein Mittel kann bis minus 35 Grad frostsicher sein und trotzdem chemisch am Ende. Teststreifen, die zusätzlich den pH-Wert anzeigen, kommen näher an die eigentliche Frage heran - mit zwei Einschränkungen. Sie müssen zum Typ des eingefüllten Kühlmittels passen, weil die älteren silikathaltigen Mittel und die modernen Langzeitmittel auf Basis organischer Säuren mit ganz unterschiedlichen Reserven arbeiten. Und wer irgendwann zwei verschiedene Mittel im Kreislauf gemischt hat, bekommt ohnehin keine belastbare Auskunft mehr. Sicher ist am Ende nur das Datum.

Der Ausgleichsbehälter und der Kühler machen zwei verschiedene Aussagen

Das ist der Teil, den kaum jemand auf dem Schirm hat, und er erklärt eine Menge rätselhafter Überhitzungen.

Dein Kühlsystem besteht aus zwei Kammern. Der eigentliche Kreislauf mit Kühler, Motor und Schläuchen steht unter Druck. Daneben hängt der Ausgleichsbehälter, eine drucklose Flasche, die über einen dünnen Schlauch am Einfüllstutzen angeschlossen ist.

Der Verschlussdeckel ist dabei kein Verschluss, sondern ein Ventil mit zwei Funktionen. Wird das Kühlmittel warm, dehnt es sich aus, der Druck steigt, und ab einem bestimmten Wert - bei vielen Motorrädern liegt der Deckel bei etwa 1,1 bar, bei manchen Enduros und Sportgeräten deutlich höher - öffnet das Überdruckventil und lässt die Überschussmenge in die Flasche. Kühlt der Motor ab, zieht sich das Kühlmittel zusammen und es entsteht Unterdruck. Dann öffnet ein zweites, kleines Rückschlagventil im selben Deckel und saugt die Flüssigkeit aus der Flasche zurück in den Kreislauf.

Und hier liegt die Falle. Ist die Deckeldichtung hart, das Rückschlagventil verklebt oder der Verbindungsschlauch porös, funktioniert der Hinweg noch, der Rückweg aber nicht mehr. Bei jedem Warmfahren wandert etwas Flüssigkeit in die Flasche und bleibt dort. Der Kreislauf verliert nach und nach Volumen, die Flasche füllt sich, und bei jeder Kontrolle siehst du einen völlig ordentlichen Stand.

Bis zu dem Tag, an dem im Kühler oben Luft steht statt Flüssigkeit und die Temperaturanzeige im Stau nach oben geht.

Für die Routine bleibt trotzdem der Ausgleichsbehälter zuständig, so steht es in den Handbüchern, und viele schreiben ausdrücklich dazu, dass der Kühlerverschlussdeckel dabei zubleibt. Sobald aber etwas nicht zusammenpasst, hilft nur der Blick eine Ebene tiefer: Motor komplett kalt, Verschlussdeckel öffnen, in den Einfüllstutzen schauen. Dort muss die Flüssigkeit bis unter den Rand stehen, nicht zwei Zentimeter tiefer. Bei manchen verkleideten Modellen sitzt dieser Deckel nicht am Kühler, sondern am Thermostatgehäuse oder hinter einem Verkleidungsteil - wo genau, zeigt dir das Handbuch.

Wie oft welche Kontrolle? Der Behälter gehört vor jeder längeren Tour angeschaut. Der Blick in den Einfüllstutzen ist dagegen kein Frühjahrsritual, sondern der Schritt für zwei Fälle: wenn Flasche und Temperaturanzeige nicht mehr zusammenpassen, und nach einem Kühlmittelwechsel, damit du sicher bist, dass keine Luft im Kreislauf steht. Und wer feststellt, dass er die Flasche regelmäßig nachfüllt, hat kein Nachfüllthema, sondern ein Diagnosethema.

Warum der Stand sinkt, ohne dass etwas darunter liegt

„Es tropft nichts, also verliere ich nichts.” Der Satz stimmt in etwa so oft, wie er ausgesprochen wird.

Ein kleiner Schwund über Jahre ist normal: Über Schlauchwände und den Deckel diffundiert Feuchtigkeit langsam nach draußen. Das sind Milliliter pro Saison, keine Zentimeter im Behälter.

Alles darüber hat eine Ursache, und es gibt vier typische.

Die Undichtigkeit, die verdampft. Eine winzige Leckage an einer Schlauchschelle, am Kühlerhals oder an einer Dichtfläche tropft nicht auf den Boden, sondern läuft auf ein heißes Bauteil und verdampft dort sofort. Was bleibt, ist eine trockene, oft farbige Kruste. Genau danach suchst du: nicht nach Nässe, sondern nach hellen, krustigen Rändern an Schellen, Schlauchenden, am Thermostatgehäuse und an der Wasserpumpe.

Die Wasserpumpe. Praktisch jede Motorrad-Wasserpumpe hat eine Entlastungsbohrung zwischen Kühlmittel- und Ölseite. Sie ist eine Konstruktionsabsicht: Wenn die Gleitringdichtung anfängt aufzugeben, soll die Flüssigkeit nach außen tropfen, statt sich ins Motoröl zu mischen. Ganz trocken ist sie allerdings selten: Zwischen Gleitring und Gegenring läuft konstruktionsbedingt eine winzige Leckage mit, die normalerweise verdunstet. Ein dünner, trockener Farbrand am Bohrungsrand ist deshalb noch kein Defekt. Ernst wird es, wenn dort feuchte Tropfen hängen, sich eine dicke, klebrige Kruste aufbaut oder der Stand im Behälter dazu passt. Dann ist die Dichtung fällig.

Diese Bohrung ist dabei nach beiden Seiten ehrlich. Zur Kühlmittelseite hin sitzt die Gleitringdichtung, zur Motorseite hin ein Wellendichtring, und die Bohrung liegt genau zwischen beiden. Kommt dort Öl heraus statt Kühlmittel, ist eben der andere der beiden hinüber. Die Farbe des Tropfens sagt dir also schon, welche Dichtung dran ist - der Weg ist in beiden Fällen derselbe: nachsehen lassen, bevor sich die zwei Flüssigkeiten im Motor treffen.

Der Weg nach innen. Verliert das System Kühlmittel in den Brennraum, siehst du außen gar nichts. Typische Begleiter: süßlicher Geruch am Auspuff, weißer Rauch, der auch nach dem Warmfahren nicht aufhört, ein Stand, der nach jeder Fahrt ein Stück tiefer liegt, und manchmal Blasen im Ausgleichsbehälter bei laufendem Motor. Das ist der teure Fall, und er gehört in eine Werkstatt mit Druckprüfgerät.

Der falsche Deckel. Ein müder Deckel hält den Systemdruck nicht mehr, und mit dem Druck fällt der Siedepunkt. Was im heißen Motor anfängt zu dampfen, schiebt echtes Volumen über den Überlauf hinaus, und das kommt nicht zurück. Der Verschlussdeckel ist ein Verschleißteil mit Feder und Gummi, und er kostet wenig. Bei einem älteren Motorrad mit unerklärlichem Kühlmittelschwund ist er der erste Verdächtige, nicht der letzte.

Was der Blick in den Kühler wirklich verrät

Wenn der Deckel schon ab ist, lohnt sich eine Minute mit einer Taschenlampe. Fünf Befunde, fünf Bedeutungen.

Schillernder Film auf der Oberfläche. Sieht aus wie ein Ölfleck in einer Pfütze. Das ist Öl im Kühlmittel, und dafür gibt es nur wenige Wege: die Zylinderkopfdichtung, ein Ölkühler mit innerem Leck oder eine durchgegangene Wasserpumpendichtung. In allen drei Fällen wird nicht nachgefüllt, sondern geprüft.

Braune, trübe Brühe. Wenn die Farbe des Mittels einer schlammigen Trübung gewichen ist, ist entweder Rost im Spiel oder das Additivpaket ist zusammengebrochen. Braun heißt in aller Regel, dass der Korrosionsschutz seine Arbeit schon vor einer Weile eingestellt hat.

Flocken und Krümel im Stutzen. Weißliche oder gelartige Klumpen entstehen, wenn zwei unverträgliche Mittel aufeinandertreffen oder wenn ein Mittel weit über seine Zeit gefahren wurde. Diese Klumpen setzen genau die feinen Kanäle zu, auf die es ankommt.

Schaum oder aufsteigende Blasen. Schaum siehst du auch am kalten Motor. Der Blasentest bei laufendem Motor gehört dagegen nicht in deine Einfahrt, sondern in die Werkstatt: Er verlangt einen offenen Kreislauf bei laufendem Motor, und genau das ist die Situation, vor der der Sicherheitshinweis weiter unten warnt. Steigen dort ständig Blasen auf, obwohl das System entlüftet ist, spricht viel für Verbrennungsgase im Kühlkreislauf.

Süßlicher Geruch. Und hier gleich eine Richtigstellung, die fast überall falsch steht: Glykol schmeckt süß, riechen kannst du es kaum. Der typische süßliche Geruch entsteht erst, wenn Kühlmittel auf ein heißes Bauteil läuft und dort verdampft oder mitverbrannt wird. Genau danach schnupperst du. Riecht es nach dem Anhalten an der Ampel, am Auspuff oder am nächsten Morgen in der Garage süßlich, ist irgendwo Kühlmittel, wo keines sein sollte - oft lange, bevor eine Anzeige reagiert.

Und der wichtigste Befund ist der, der nicht verrät: Eine klare, kräftig gefärbte Flüssigkeit beweist gar nichts. Farbstoff ist stabiler als das Additivpaket. Ein perfekt aussehendes Kühlmittel kann seinen Job vollständig eingestellt haben - und genau deshalb steht am Anfang dieses Artikels das Datum und nicht der Farbeindruck.

Was die Temperaturanzeige dazu beiträgt

Sie ist der günstigste Diagnosekanal, den du hast, und die meisten lesen nur „zu heiß” oder „normal” daraus.

Interessant ist das Verhalten. Ein gesundes System pendelt: Die Anzeige steigt im Stand, der Lüfter läuft an, die Temperatur fällt wieder, der Lüfter geht aus. Dieses Auf und Ab ist genau richtig.

Steigt die Anzeige dagegen im Stand kontinuierlich, ohne dass der Lüfter etwas ausrichtet, und fällt sie erst beim Fahren wieder deutlich ab, spricht das für zu wenig Kühlmittel im Kreislauf oder für Luft im System. Springt die Anzeige unruhig hin und her, ist das der Klassiker für eine Luftblase, die am Temperatursensor vorbeiwandert - typischerweise nach einem Wechsel, bei dem nicht sauber entlüftet wurde.

Bleibt sie umgekehrt dauerhaft unten und der Motor braucht ewig, bis er warm wird, ist der Thermostat vermutlich offen hängen geblieben. Das ist kein Sicherheitsproblem, kostet aber Sprit und lässt den Motor im Teillastbetrieb dauerhaft zu kalt laufen.

Der gefährlichere Fall ist der umgekehrte, und er fehlt in fast jeder Aufzählung: Der Thermostat bleibt geschlossen. Dann bekommt der Kühler gar keine Flüssigkeit mehr, und die Anzeige klettert nicht erst im Stau, sondern schon während der Fahrt nach oben - also genau dann, wenn der Fahrtwind das Problem eigentlich lösen müsste. Der Verdacht liegt nahe, wenn die Anzeige oben steht und der Kühler dabei nicht richtig heiß wird. Nachfühlen ist an dieser Stelle allerdings keine gute Idee; wer es prüfen will, misst berührungslos, etwa mit einem Infrarot-Thermometer. Und zwar an der richtigen Stelle, sonst führt die Messung in die Irre: Ein geschlossener Thermostat macht den Kühler ja gerade kalt. Die Hitze steht davor, am Thermostatgehäuse und an dem Schlauch, der vom Zylinderkopf dorthin führt. Kalter Kühler bei kochend heißem Thermostatgehäuse ist genau das Bild, das den Verdacht bestätigt. Und die Reihenfolge bleibt die aus dem Sicherheitshinweis weiter unten: erst abstellen, dann suchen.

Sicherheitshinweis: Wenn die Temperaturanzeige in den roten Bereich geht, wird nicht weitergefahren, um „die nächste Ausfahrt noch zu schaffen”. Ein überhitzter Motor kann sich den Zylinderkopf verziehen, und aus einem Kühlerschlauch für zwanzig Euro wird dann eine Rechnung im vierstelligen Bereich. Anhalten, Motor aus, abkühlen lassen, dann suchen.

Übrigens gehört auch der Blick von vorn dazu: Ein Kühler, dessen Lamellen mit Insekten, Laub und Straßendreck zugesetzt sind oder flächig umgelegt wurden, kühlt schlechter, egal wie frisch die Flüssigkeit ist. Vorsichtig ausspülen von hinten nach vorn und umgelegte Lamellen mit einem passenden Kamm richten - das ist Arbeit für eine halbe Stunde und wirkt sofort.

Der heiße Deckel

Ein eigener Abschnitt, weil dieser eine Handgriff zu den wenigen an einem Motorrad gehört, die dich sofort und ernsthaft verletzen können.

Das Kühlsystem steht im Betrieb unter Überdruck, und dieser Überdruck hebt den Siedepunkt der Flüssigkeit weit über 100 Grad, je nach Deckel und Mischung in den Bereich um 120 Grad und darüber. Solange das System geschlossen ist, bleibt das Kühlmittel deshalb flüssig, obwohl es längst heißer ist als kochendes Wasser.

Öffnest du in diesem Zustand den Deckel, fällt der Druck schlagartig weg. Die Flüssigkeit siedet dann im selben Moment im ganzen Kreislauf und schießt als Gemisch aus Dampf und heißem Kühlmittel aus dem Stutzen - nach oben, dorthin, wo dein Gesicht ist.

Sicherheitshinweis: Den Verschlussdeckel niemals bei warmem Motor öffnen. Es drohen schwere Verbrühungen im Gesicht und an den Händen. Maßstab ist dabei nicht die Uhr, sondern das Bauteil: Erst wenn Kühler und oberer Schlauch nur noch handwarm sind, ist der Druck aus dem System - je nach Modell dauert das bis zu einer Stunde. Entweder kalt oder gar nicht.

Und wenn du unterwegs stehst, weil der Motor kocht: Der Deckel bleibt trotzdem zu. Motor aus, Zündung aus, abwarten, bis du den oberen Kühlerschlauch anfassen kannst. Genau dann, und keine Minute früher, legst du einen dicken Lappen über den Deckel, drehst ihn bis zum ersten Anschlag und lässt ihn dort stehen. Erst danach ganz abnehmen. Handschuhe an, Gesicht weg.

Ein Schluck aus der Pfütze reicht

Bevor du das Werkzeug wegräumst, kommt der Teil, der in keiner Wartungstabelle steht und der wichtiger ist als alles davor.

Ethylenglykol schmeckt süß. Hunde und Katzen schlecken es freiwillig von der Hofeinfahrt, und die Mengen, um die es geht, sind erschreckend klein: Bei einer Katze liegt die tödliche Dosis bei etwa anderthalb Millilitern unverdünntem Ethylenglykol je Kilogramm Körpergewicht, beim Hund bei rund 6,6 Millilitern. In der fertigen Mischung steckt ungefähr die Hälfte davon, es braucht also etwa die doppelte Menge - für eine kleine Katze ist das immer noch nicht mehr als ein Schluck aus der Pfütze. Der Verdacht allein gehört sofort zum Tierarzt, denn ein Gegenmittel wirkt nur in den ersten Stunden. Deshalb wird verschüttetes Kühlmittel sofort aufgenommen und die Stelle nachgewischt, bevor das Werkzeug weggeräumt wird. Es gibt Mittel auf Basis von Propylenglykol, die als weniger giftig gelten - verlassen würde ich mich darauf trotzdem nicht, denn welches Glykol tatsächlich drin ist, steht im Sicherheitsdatenblatt und nicht auf der Schauseite der Flasche.

Das Altmittel. Sondermüll, das weißt du. Praktisch heißt das: Der leere Kanister, aus dem das neue Mittel kam, ist der Transportbehälter für das alte. Beschriften, damit ihn niemand für Frostschutz hält, und ab damit zum Wertstoffhof oder zur Schadstoffsammlung. Nicht in den Gully, nicht auf den Rasen, nicht in die Restmülltonne. Für das Spülwasser gilt dasselbe, denn darin steckt der Rest des alten Mittels.

Der Notbehelf mit Wasser. Wer unterwegs auffüllen musste, um nach Hause zu kommen, hat genau das getan: Er ist nach Hause gekommen. Wasser verdünnt die Additive, senkt den Siedepunkt und nimmt im Winter den Frostschutz mit. Ein solcher Zustand hält bis zum nächsten freien Abend, nicht bis zum nächsten Frühjahr.

Und dann ist da die Grenze zur Werkstatt, und sie ist erfreulich klar. Alles, was mit Stand, Deckel, Schellen, Krusten und Lamellen zu tun hat, kannst du selbst finden. Sobald aber Öl im Kühlmittel schwimmt, Blasen aufsteigen oder der Verlust nach innen geht, brauchst du ein Druckprüfgerät und im Zweifel einen CO2-Test am Kühlmittel, mit dem sich Verbrennungsgase im Kühlkreislauf nachweisen lassen. Das sind zwanzig Minuten für jemanden, der das Werkzeug hat, und ein verlorener Nachmittag für jeden, der es nicht hat. Die Kühlflüssigkeit am Motorrad ist damit einer der wenigen Betriebsstoffe, bei denen die Diagnose günstiger ist als das Bauteil.

Was am Ende hängen bleibt

Die Kühlflüssigkeit am Motorrad ist der stillste Betriebsstoff von allen. Sie meldet sich nicht, sie sieht immer gleich aus, und wenn sie sich doch bemerkbar macht, dann meistens im Stau an einem heißen Tag, wenn es zu spät ist, noch etwas zu entscheiden.

Am Ende hängt alles an drei Handgriffen, und keiner davon kostet Geld. Du schaust auf das Datum, weil Additive nach Zeit sterben und nicht nach Kilometern. Du glaubst der Flasche nicht mehr blind, sondern schaust im Zweifel in den Kühler selbst, weil nur einer der beiden Stände die Wahrheit sagt. Und du wirst neugierig, sobald etwas nicht passt: eine Kruste an einer Schelle, ein süßlicher Geruch nach dem Abstellen, eine Anzeige, die sich anders benimmt als sonst.

Das Schöne daran ist, wie wenig es kostet. Ein kalter Motor, ein Deckel, eine Taschenlampe. Zwei Minuten, einmal im Frühjahr. Verglichen mit allem anderen, was an einem Motorrad Aufmerksamkeit will, ist das ein lächerlicher Aufwand für den Betriebsstoff, an dem der Zylinderkopf hängt.

❓ Häufige Fragen zur Kühlflüssigkeit am Motorrad

Wie oft muss die Kühlflüssigkeit am Motorrad gewechselt werden?

Nach Zeit, nicht nach Laufleistung. Die Additive bauen sich chemisch ab, auch wenn das Motorrad steht. Je nach Modell und Kühlmitteltyp liegen die Vorgaben meist zwischen zwei und vier Jahren, teils zusätzlich mit einer Kilometergrenze. Verbindlich ist ausschließlich die Angabe im Fahrzeughandbuch.


Warum ist der Ausgleichsbehälter voll und der Kühler trotzdem leer?

Weil der Verschlussdeckel zwei Ventile hat. Eines lässt warmes Kühlmittel in die Flasche, das zweite saugt es beim Abkühlen zurück. Ist die Dichtung hart, das Rückschlagventil verklebt oder der Schlauch porös, funktioniert nur noch der Hinweg. Der Kreislauf verliert dann bei jeder Fahrt etwas Volumen, während die Flasche gut aussieht.


Wo prüfe ich den Kühlmittelstand richtig?

In der Routine am Ausgleichsbehälter: Motorrad senkrecht, Motor kalt, Stand zwischen den Markierungen. So schreiben es die Handbücher vor, und viele verbieten dabei ausdrücklich, den Kühlerverschlussdeckel abzunehmen. Passt etwas nicht zusammen, etwa wenn die Anzeige im Stau hochgeht oder die Flasche dauerhaft randvoll steht, sagt dir erst der Blick in den Einfüllstutzen die Wahrheit - und der Deckel wird ausschließlich am vollständig abgekühlten Motor geöffnet.


Der Stand sinkt, aber es tropft nichts - woran liegt das?

Häufig an einer kleinen Leckage, die auf einem heißen Bauteil sofort verdampft und nur eine farbige Kruste hinterlässt. Weitere Kandidaten sind die Entlastungsbohrung der Wasserpumpe, ein müder Verschlussdeckel oder ein Verlust nach innen in den Brennraum. Letzterer zeigt sich durch süßlichen Geruch, weißen Rauch und Blasen im Behälter.


Was bedeutet ein Ölfilm auf der Kühlflüssigkeit?

Dass Öl und Kühlmittel irgendwo Kontakt haben. Infrage kommen die Zylinderkopfdichtung, ein innen undichter Ölkühler oder eine defekte Wasserpumpendichtung. Nachfüllen hilft hier nicht, das gehört geprüft, bevor der Motor weiter bewegt wird.


Darf ich Kühlflüssigkeit mit Wasser auffüllen?

Als Notlösung, um nach Hause zu kommen, ja, aber nur am abgekühlten Motor: Kalte Flüssigkeit in einem heißen Motor kann durch die Temperaturspannungen Risse verursachen, und dann ist aus der Panne ein Motorschaden geworden - danach gehört das Verhältnis wieder korrigiert. Wasser allein senkt Frost- und Siedeschutz und verdünnt die Additive, die vor Korrosion schützen. Wer unterwegs auffüllen muss, nimmt klares Wasser in Trinkwasserqualität; die Kühlmittelhersteller nennen dafür sogar Grenzwerte, vor allem eine Gesamthärte bis etwa 20 Grad deutscher Härte. Viele Motorrad-Handbücher verlangen darüber hinaus destilliertes oder entsalztes Wasser, und in Gegenden mit sehr hartem Wasser ist das ohnehin die bessere Wahl. Kalkreiches Wasser ist der schlechteste Kandidat, weil der Kalk im Kreislauf bleibt. Danach wird zeitnah komplett gewechselt.


Warum darf der Kühlerdeckel bei warmem Motor nicht geöffnet werden?

Weil das System unter Überdruck steht und die Flüssigkeit dadurch weit über 100 Grad heiß sein kann, ohne zu sieden. Beim Öffnen fällt der Druck schlagartig weg, das Kühlmittel siedet sofort und schießt als heißes Dampf-Flüssigkeits-Gemisch nach oben. Schwere Verbrühungen sind die Folge.

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