Leistungsgewicht: Eine MT-07 trägt weniger Kilo je PS als ein Porsche 911

Am Stammtisch verliert ein Motorrad wie die MT-07 den PS-Vergleich schon gegen einen Kleinwagen. Ein VW Polo 1.0 TSI mit 95 PS hat gut 20 PS mehr als die Yamaha. Nur muss im Polo jedes PS mehr als elf Kilo bewegen, in der Yamaha zweieinhalb. Das ist das Leistungsgewicht, und bei dieser Zahl liegt die MT-07 sogar vor einem Porsche 911 Carrera.

Gerechnet ist das in einer Zeile: Gewicht geteilt durch PS. Yamaha nennt für die MT-07 fahrfertig mit vollem Tank 183 Kilo und 73,4 PS, das macht knapp 2,5 Kilo je PS. Porsche gibt den 911 Carrera mit 1.520 Kilo und 394 PS an, macht rund 3,9. Sobald du aufsteigst, schrumpft der Vorsprung, und mit Sozius ist er weg.

Zweieinhalb Kilo je PS gegen knapp vier

Damit der Vergleich beim Leistungsgewicht stimmt, müssen beide Gewichte dasselbe meinen, und dort liegt die erste Falle der Rechnung. Yamaha gibt die 183 Kilo der MT-07 „fahrfertig, vollgetankt“ an, also mit allen Betriebsstoffen und ohne Fahrer. Porsche veröffentlicht für den 911 Carrera zwei Werte: 1.520 Kilo Leergewicht nach DIN und 1.595 Kilo nach EU-Richtlinie. Im zweiten hat Porsche 75 Kilo Fahrergewicht bereits eingerechnet.

Ohne Fahrer passt damit der DIN-Wert zur Yamaha. Für den Polo nennt der ADAC-Autokatalog das EU-Leergewicht, 1.173 Kilo. Ziehst du auch dort die 75 Kilo Fahrergewicht ab, bleiben 1.098.

Mit allen Gewichten ohne Fahrer sieht die Reihe so aus:

ModellPSKiloKilo je PS
Yamaha MT-091191931,6
Yamaha MT-0773,41832,5
MT-07 mit 35 kW (A2)47,61833,8
Porsche 911 Carrera3941.5203,9
Yamaha MT-125151429,5
VW Polo 1.0 TSI951.09811,6
Herstellerangaben von Yamaha (Katalog 2026) und Porsche, ADAC-Autokatalog; beim Polo ohne die 75 Kilo des EU-Werts.

Die MT-09 kommt sogar auf ein Leistungsgewicht von 1,6 Kilo je PS. Selbst die 125er liegt ohne Fahrer noch vor dem Polo.

Warum beim Beschleunigen das Gewicht je PS zählt

Ein PS ist ein PS, ganz gleich, ob es in einem Motorrad steckt oder in einem Auto. Kommt es am Rad an, bringt es bei gleichem Tempo dieselbe Schubkraft auf die Straße. Daraus wird umso mehr Beschleunigung, je weniger Masse an dieser Kraft hängt: doppelte Masse bei gleicher Leistung, halbe Beschleunigung.

Deshalb sagen die PS allein so wenig. Der Polo hat mehr davon als die MT-07, aber jedes muss gut viereinhalbmal so viel Masse anschieben.

Am deutlichsten merkst du das beim Überholen. Wie lange du auf der Gegenfahrbahn bleibst, richtet sich danach, wie schnell du an Tempo zulegst, und genau dafür steht das Leistungsgewicht. Weniger Kilo je PS heißt: Du bist schneller wieder auf deiner Spur. Das ist der eigentliche Gewinn, solange du dafür keine knappere Lücke wählst.

Einen Haken hat die Zahl: Sie rechnet mit der vollen Leistung. Die 73,4 PS hat die MT-07 erst bei 8.750 Umdrehungen. Rollst du im sechsten Gang mit 4.000 über die Landstraße, ist davon nur ein Teil abrufbar, und für die Zahl aus der Tabelle musst du herunterschalten. Auch der Porsche hat seine 394 PS laut Datenblatt erst bei 6.500 Umdrehungen, nur schaltet sein Doppelkupplungsgetriebe beim Gasgeben selbst zurück.

Die PS aus dem Datenblatt gelten außerdem am Ende der Kurbelwelle. Bis zum Rad bleibt bei beiden ein Teil davon in Getriebe und Antrieb hängen, und in unseren Rechnungen weiter unten verlieren beide denselben Anteil.

Das Leistungsgewicht beschreibt den Moment, in dem beide Motoren alles geben. Für diesen Moment aber sagt es mehr als jede PS-Zahl.

Mit dir im Sattel schrumpft der Abstand

Bisher saß niemand drauf, so stehen die Werte im Datenblatt. Steigst du auf und wiegst samt Helm, Jacke und Stiefeln 90 Kilo, wird aus der MT-07 ein Paket von 273 Kilo, und ihr Leistungsgewicht steigt auf 3,7 Kilo je PS. Den Porsche machen dieselben 90 Kilo nur knapp sechs Prozent schwerer, sein Leistungsgewicht liegt dann bei 4,1.

Aus fast 1,4 Kilo Vorsprung sind knapp 0,4 geworden.

Das ist die Eigenheit des Motorrads: Du bist ein großer Teil der Masse. In diesem Beispiel machst du ein Drittel des Ganzen aus, im Porsche keine sechs Prozent. Zehn Kilo Gepäck verschieben die Zahl der MT-07 um 0,14 Kilo je PS, die des Porsche um 0,03. Gleichstand herrscht erst, wenn in beiden dieselbe Person mit gut 120 Kilo samt Ausrüstung sitzt.

Bei kleinen Maschinen kippt die Rechnung schneller. Ohne Fahrer lag die MT-125 mit 9,5 Kilo je PS noch vor dem Polo. Mit denselben 90 Kilo kommt sie auf 15,5, der Polo nur auf 12,5. Auf einer 125er wiegst du fast zwei Drittel so viel wie die Maschine selbst, und das spürst du an jeder Steigung.

Ein Kilo außen am Rad zählt beim Beschleunigen fast doppelt

Für die Rechnung ist ein Kilo ein Kilo, ob es im Tankrucksack liegt, im Tank schwappt oder an der Maschine verschraubt ist. In den 183 Kilo der MT-07 stecken 14 Liter Benzin, gut zehn Kilo, und fürs Leistungsgewicht zählen sie genauso wie Gepäck.

Beim Beschleunigen stimmt das nicht mehr für jedes Kilo. Was sich dreht, muss zusätzlich in Schwung kommen, und je weiter außen die Masse sitzt, desto mehr. Gewicht ganz außen am Rad, im Reifen, zählt fast doppelt, Gewicht in der Felge etwa anderthalbfach.

Darum sind leichte Räder mehr wert, als die Waage verrät. Yamaha zählt die SpinForged-Räder zu den Teilen, mit denen die neue MT-07 leichter geworden ist als ihre Vorgängerin. In der Tabelle oben steckt dieser Vorteil nicht, das Leistungsgewicht kennt keine Drehung.

Zu zweit dreht sich die Reihenfolge

Setzt sich hinter dich noch jemand mit 75 Kilo samt Ausrüstung, steigt das Leistungsgewicht der MT-07 auf 4,7 Kilo je PS. Der Porsche kommt mit denselben zwei Menschen an Bord auf 4,3. Beim Leistungsgewicht liegt jetzt der Sportwagen vorn, und zwar schon auf dem Papier.

Zu zweit ändert sich mehr als der Zug. Dein Sozius sitzt hinter dir und höher als du, der gemeinsame Schwerpunkt wandert nach hinten und nach oben. Beim Beschleunigen wird das Vorderrad dadurch schneller leicht, und du spürst es zuerst am Lenker. Beim Bremsen schiebt von hinten mehr Masse nach.

Sicherheitshinweis: Dreh mit Sozius das Gas gleichmäßig auf, gerade beim Anfahren, und sag deinem Sozius vorher, dass es losgeht. Kommt das Vorderrad trotzdem hoch, nimm das Gas gefühlvoll weg, nicht mit einem Ruck.

Solange das Vorderrad keinen Bodenkontakt hat, lässt sich die Maschine nicht lenken. Steigt sie weiter, kann sie sich im schlimmsten Fall nach hinten überschlagen, oder dein Sozius rutscht hinten herunter.

Zusammen bringt ihr in diesem Beispiel 165 Kilo auf die Maschine. Für das Vorgängermodell von 2021 nennt Yamaha eine Höchstzuladung von 171 Kilo, und darin stecken auch Gepäck und Zubehör. Für beides blieben damit gerade sechs Kilo. Was dein Modell tragen darf und welchen Reifendruck und welche Federvorspannung es zu zweit braucht, steht in seiner Anleitung. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Wo der Porsche davonzieht

Das Leistungsgewicht hat einen Gegenspieler, und der wird mit jedem km/h stärker: die Luft. Sie fragt nicht, wie schwer du bist, sie bremst nach Form und Größe. Und da hält sie ein Naked Bike mit aufrecht sitzendem Fahrer fast so stark auf wie einen Sportwagen.

Aerodynamiker rechnen dafür mit der Widerstandsfläche, dem cW-Wert mal der Stirnfläche. Porsche nennt für den 911 Carrera einen cW-Wert von 0,30 bei 2,07 Quadratmetern Stirnfläche, das macht 0,62 Quadratmeter. Bei einer Windkanalmessung von Forschern der Universität Warwick kam eine Triumph Street Triple, ein unverkleidetes Naked Bike wie die MT-07, mit aufrecht sitzendem Fahrer auf 0,59. Einen gemessenen Wert für die MT-07 selbst haben wir nicht gefunden.

Fast gleich viel Luftwiderstand, gegen den der Porsche mehr als fünfmal so viel Leistung stemmt. Bei Tempo 150 braucht die MT-07 nach unserer Überschlagsrechnung gut die Hälfte ihrer Leistung allein dafür, das Tempo zu halten. Dem Porsche reicht dafür etwa ein Achtel. Der Rest steht zum Beschleunigen bereit.

Mit je 90 Kilo Fahrergewicht gerechnet, liegen MT-07 und Porsche im Antritt bis Tempo 85 ungefähr gleichauf. Darüber kann der Sportwagen stärker beschleunigen, bei 130 um rund ein Drittel, bei 150 fast doppelt so stark.

Unten herum entscheidet die Leistung ohnehin nicht allein. Unter etwa Tempo 60 begrenzen die Reifen, wie stark beide beschleunigen können, und beim Motorrad das Vorderrad, das hochwill. Porsche nennt für den 911 Carrera 4,1 Sekunden von null auf 100. In Yamahas Datentabelle der MT-07 steht kein solcher Wert. Wer an der Ampel als Erster wegkäme, steht deshalb in keiner Tabelle, und auf der Straße musst du das auch nicht herausfinden.

Die A2-Version liegt fast genau beim 911

Die MT-07 gibt es auch mit 35 kW, das sind 47,6 PS. Ein eigenes Gewicht steht für diese Fassung nicht im Katalog, mit den 183 Kilo aus der Tabelle kommt sie auf 3,84 Kilo je PS. Der 911 Carrera liegt bei 3,86. Auf dem Papier bewegt jedes PS der gedrosselten Maschine fast so viel Masse wie im Porsche.

Dass die A2-Fassung dort landet, liegt am Führerschein. Er deckelt die Leistung bei 35 kW und das Verhältnis bei 0,2 kW für jedes Kilogramm Masse. Beim Verhältnis heißt das umgerechnet: Jedes PS muss mindestens rund 3,7 Kilo tragen.

Jede A2-Maschine liegt damit in der Nähe des Sportwagens oder dahinter. Die MT-03 kommt mit 42 PS und 167 Kilo auf knapp 4,0. Rein rechnerisch hielte sogar der Porsche die A2-Grenze beim Verhältnis ein, nur hat er mehr als achtmal so viel Leistung, wie die Klasse erlaubt. Ein ähnliches Leistungsgewicht heißt also noch nicht, dass A2-Maschine und Sportwagen gleich stark ziehen. Den Unterschied machen die absoluten PS, und die zählen umso mehr, je schneller es wird.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag deine Fahrschule oder die Führerscheinstelle.

Dein Leistungsgewicht steht in Feld Q

Für deine eigene Maschine musst du nichts aus Prospekten zusammensuchen. Das Leistungsgewicht steht im Fahrzeugschein, der Zulassungsbescheinigung Teil I, und zwar in Feld Q. Bei Autos bleibt dieses Feld leer, es ist für Krafträder gedacht. Der Wert darin gilt ohne dich und steht andersherum als in der Tabelle oben: Kilowatt je Kilogramm, also Leistung geteilt durch Gewicht. In Feld Q ist deshalb die größere Zahl die bessere.

Für Kilo je PS teilst du 0,74 durch den Wert aus Feld Q, denn ein PS entspricht knapp 0,74 Kilowatt. Steht dort 0,29, trägt jedes PS deiner Maschine gut 2,5 Kilo.

Dann rechne dich dazu. In Feld G steht die Masse ohne Fahrer, anders als beim Auto, wo dieses Feld schon 75 Kilo Fahrergewicht enthält. Die Leistung in Kilowatt steht in Feld P.2, und mal 1,36 werden daraus PS. Leg dein Gewicht mit Kleidung auf die Masse und teile durch die PS.

Die Zahl, die dabei herauskommt, ist schlechter als die aus dem Prospekt. Dafür gehört sie zu dir. Und wenn am Stammtisch wieder einer die PS seines Kleinwagens aufzählt, hast du die ehrlichere Zahl in der Tasche.

❓ Häufige Fragen zum Leistungsgewicht

Was ist das Leistungsgewicht beim Motorrad?

Das Leistungsgewicht setzt Masse und Leistung ins Verhältnis. Im Alltag rechnest du meist in Kilo je PS, also Gewicht geteilt durch PS. Je kleiner die Zahl, desto weniger muss jedes PS bewegen. Eine Yamaha MT-07 kommt ohne Fahrer auf knapp 2,5 Kilo je PS.


Wo finde ich das Leistungsgewicht in den Fahrzeugpapieren?

Im Fahrzeugschein steht das Leistungsgewicht in Feld Q, in Kilowatt je Kilogramm und ohne Fahrer gerechnet. Ausgefüllt wird dieses Feld nur bei Krafträdern. Ein Wert von 0,20 entspricht knapp 3,7 Kilo je PS, ein Wert von 0,30 knapp 2,5.


Welches Leistungsgewicht ist mit dem A2-Führerschein erlaubt?

Für den A2-Führerschein liegt die Grenze bei 0,2 kW pro Kilogramm, dazu kommen höchstens 35 kW Leistung. Außerdem darf die Maschine nur von einem Motorrad mit höchstens 70 kW abgeleitet sein. Für A2-Fahrerlaubnisse, die vom 19. Januar 2013 bis 27. Dezember 2016 erteilt wurden, gilt diese Ableitungsregel im Inland nicht. In Kilo je PS ausgedrückt muss jedes PS mindestens rund 3,7 Kilo tragen. Leistung und Verhältnis stehen in den Feldern P.2 und Q, im Zweifel fragst du die Führerscheinstelle.


Hat eine MT-07 wirklich ein besseres Leistungsgewicht als ein Porsche 911?

Nach den Herstellerangaben trägt bei der MT-07 jedes PS weniger Kilo als beim 911 Carrera. Yamaha nennt 183 Kilo und 73,4 PS, Porsche 1.520 Kilo nach DIN und 394 PS. Ohne Fahrer sind das knapp 2,5 gegen rund 3,9 Kilo je PS. Mit Fahrer schrumpft der Abstand auf wenige Zehntel, mit Sozius liegt der Porsche vorn.


Wird das Fahrergewicht beim Leistungsgewicht mitgerechnet?

Beim Motorrad rechnen Herstellerangaben und Feld Q in der Regel ohne Fahrer. Dabei bist du ein großer Teil der Masse, bei 183 Kilo Maschine und 90 Kilo samt Ausrüstung rund ein Drittel. Im Auto machen dieselben 90 Kilo nur wenige Prozent aus, und im EU-Leergewicht eines Pkw stecken schon 75 Kilo Fahrergewicht.


Warum ist ein Sportwagen auf der Autobahn trotzdem schneller als ein Naked Bike?

Ein Sportwagen wie der 911 hat ein Vielfaches an Leistung, wird von der Luft aber kaum stärker gebremst als ein Naked Bike mit aufrecht sitzendem Fahrer. Der Luftwiderstand wächst mit dem Tempo und hängt von Form und Stirnfläche ab, nicht vom Gewicht. Bei 150 km/h bleibt dem Naked Bike deshalb viel weniger Leistung zum Beschleunigen übrig.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

Lade nächsten Beitrag...
Suche
Jetzt beliebt
Wird geladen

Anmeldung in 3 Sekunden …

Registrierung in 3 Sekunden …