
Freyung-Grafenau, ganz im Osten Bayerns. Ein Landkreis mit gut 78.000 Einwohnern, Wald bis an die tschechische Grenze, im Südosten das Dreiländereck mit Österreich. Hier kommen auf 1.000 Autos 187 Krafträder, so viele wie in keinem anderen Kreis und keiner kreisfreien Stadt Deutschlands.
Die Rangliste dahinter ist eine eigene Rechnung aus der Bestandstabelle des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) zum 1. Januar 2026. Und sie zeigt, wie sehr ein einziges Bundesland die Spitze beherrscht: Von den 30 Kreisen mit der höchsten Motorraddichte liegen 29 in Bayern.
Bundesweit kommen auf 1.000 Pkw 102,5 Krafträder, Roller, 125er, Trikes und leichte Quads eingeschlossen. Die Spitze liegt weit darüber:
Alle zehn liegen in Bayern, und es geht so weiter. Erst auf Platz 13 taucht mit dem Bodenseekreis der erste Kreis aus einem anderen Land auf, mit 154,3. Der nächste folgt auf Platz 35, Ravensburg, ebenfalls aus Baden-Württemberg.
Der Abstand zwischen oben und unten ist groß. Freyung-Grafenau liegt beim 1,8-Fachen des Bundeswerts, der letzte Platz bei weniger als der Hälfte davon.
Neu ist die Spitze nicht. Schon zum 1. Januar 2021 lagen dieselben drei Kreise vorn, Freyung-Grafenau mit 176, Lindau mit 161 und Cham mit 157. Bundesweit ist die Motorraddichte seitdem von 96,6 auf 102,5 Krafträder je 1.000 Pkw gestiegen.
Wer Motorradland hört, denkt an die Alpen. Die Liste hält sich nur zum Teil daran. Sieben der zehn Spitzenkreise liegen in Niederbayern und der Oberpfalz, im Bayerischen und Oberpfälzer Wald sowie in deren Vorland. Die meisten davon grenzen direkt an Tschechien, darunter Freyung-Grafenau, Regen und Cham.
Der Süden mit Bodensee und Alpen ist trotzdem vertreten. Lindau steht auf Platz zwei, Garmisch-Partenkirchen auf sieben, Oberallgäu und Ostallgäu folgen auf den Plätzen elf und zwölf. Und mittendrin steht ein Kreis, der in keines der beiden Bilder passt: Aichach-Friedberg auf Platz vier, fernab der Berge, gleich östlich von Augsburg.
Unter den ersten 30 sieht es ähnlich gemischt aus. Neun der 29 bayerischen Kreise dort liegen in Oberbayern, darunter Dachau, Pfaffenhofen und Landsberg im weiteren Umkreis von München. Sieben kommen aus Niederbayern, sechs aus der Oberpfalz, fünf aus Schwaben, je einer aus Mittel- und Oberfranken. Unterfranken ist als einziger Regierungsbezirk nicht vertreten.
Eine Erklärung, die auf alle zehn Spitzenkreise passt, gibt die Liste also nicht her. Gemeinsam ist ihnen vor allem eins: Es sind Landkreise. Keine einzige kreisfreie Stadt schafft es unter die ersten 30.
Außerhalb Bayerns sieht die Motorraddichte bescheidener aus. Das zeigen die Spitzenkreise der übrigen Flächenländer:
| Land | Spitzenkreis | je 1.000 Pkw |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | Bodenseekreis | 154,3 |
| Brandenburg | Oberhavel | 124,6 |
| Rheinland-Pfalz | Südliche Weinstraße | 123,5 |
| Hessen | Fulda | 121,5 |
| Saarland | Sankt Wendel | 120,2 |
| Sachsen | Erzgebirgskreis | 120,0 |
| Niedersachsen | Lüchow-Dannenberg | 117,0 |
| Thüringen | Hildburghausen | 112,5 |
| Nordrhein-Westfalen | Ennepe-Ruhr-Kreis | 109,8 |
| Schleswig-Holstein | Steinburg | 109,6 |
| Mecklenburg-Vorpommern | Vorpommern-Greifswald | 108,1 |
| Sachsen-Anhalt | Wittenberg | 105,1 |
Von diesen Spitzenreitern schafft es nur der Bodenseekreis unter die ersten 50 Deutschlands. Der beste Kreis Nordrhein-Westfalens landet auf Platz 148, der beste Sachsen-Anhalts auf 175. Von den Stadtstaaten kommt Berlin mit 100,6 dem Bundeswert am nächsten, Hamburg und Bremen bleiben deutlich darunter.
Die Rechnung mit den Autos hat einen Haken, und den zeigt ein einfacher Gegentest. Teilst du die Krafträder durch die Einwohner statt durch die Pkw, verschiebt sich die Liste deutlich. Die Einwohnerzahl lässt sich für jeden Kreis aus der Pkw-Dichte zurückrechnen, die das KBA mit angibt.
Ganz oben bleibt es, wie es war. Freyung-Grafenau kommt auf 132 Krafträder je 1.000 Einwohner, rechnerisch eins auf weniger als acht Menschen. Dahinter folgen Cham mit 119 und Lindau mit 113. Auch in dieser Rechnung kommt unter den ersten 30 nur ein Kreis nicht aus Bayern, der Bodenseekreis auf Platz 21.
Garmisch dagegen fällt von Platz sieben auf Platz 38. Der Grund steht in derselben Tabelle: Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen kommen auf 1.000 Einwohner 604 Pkw, in Freyung-Grafenau 704. Wo weniger Autos stehen, sieht jedes Motorrad in der Autorechnung größer aus. Unter den ersten zehn der Einwohnerrechnung stehen vom Bodensee und vom Alpenrand nur Lindau und Miesbach.
Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigt ein Beispiel aus Wien. Im innerstädtischen Bezirk Neubau kommen auf 1.000 Pkw 153 Motorräder, fast so viele wie in Garmisch-Partenkirchen, in ganz Wien sind es 120. Je Einwohner hat Wien aber nur 44 Motorräder auf 1.000 Menschen, den niedrigsten Wert aller österreichischen Bundesländer.
Der Gegentest mit den Einwohnern hat die Autos aus der Rechnung genommen. Ein zweiter nimmt sich die Krafträder selbst vor: In der KBA-Zahl stecken auch Trikes und leichte Quads, und die sind ungleich verteilt. In Freyung-Grafenau sind es 674, sechseinhalb Prozent aller Krafträder des Kreises, im Bundesschnitt drei Prozent.
Zählen nur die Zweiräder, bleibt Freyung-Grafenau trotzdem vorn, mit 175 je 1.000 Pkw. Lindau folgt mit 166, dann Aichach-Friedberg, Garmisch-Partenkirchen und Cham. Der Bodenseekreis springt von Platz 13 auf Platz sieben und bleibt der einzige Kreis außerhalb Bayerns unter den ersten 30.
Mit dieser Zählweise lässt sich auch über die Grenze schauen, denn Statistik Austria führt Trikes und Quads nicht unter Motorrädern. Der stärkste österreichische Bezirk ist Klagenfurt Land mit 167 Motorrädern je 1.000 Pkw, knapp vor Villach Land mit 166 und Feldkirch in Vorarlberg mit 161. Freyung-Grafenau liegt also auch vor jedem österreichischen Bezirk, Lindau gleichauf mit den Kärntnern.
Von den 397 Kreisen mit unveränderten Grenzen ist die Motorraddichte seit 2021 in 385 gestiegen. Den größten Sprung machte Miesbach, von 134 auf 152 Krafträder je 1.000 Pkw. Danach folgen acht ostdeutsche Kreise, angeführt von Sonneberg und Hildburghausen in Thüringen sowie Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen an der Ostsee. In Sonneberg und Hildburghausen kamen jeweils mehr als 500 Krafträder dazu, während die Zahl der Autos sank. In Vorpommern-Rügen wuchs der Bestand in fünf Jahren um gut 2.100 Krafträder, ein Plus von 21 Prozent.
In den übrigen zwölf Kreisen ist die Dichte gefallen oder gleich geblieben. Am stärksten sank sie in Euskirchen und Wiesbaden. Weniger Motorräder gibt es dort trotzdem nicht, in Euskirchen sind es 1.125 mehr als 2021, in Wiesbaden 1.408. Gewachsen ist vor allem die Zahl der Autos, und die drückt den Wert je 1.000 Pkw.
Den letzten Platz der Autorechnung belegt Wolfsburg mit 48,6 Krafträdern je 1.000 Pkw. Ein Blick auf die Pkw-Dichte zeigt, warum die Zahl so niedrig ausfällt: In Wolfsburg sind 978 Pkw je 1.000 Einwohner zugelassen, fast ein Auto pro Kopf. Je Einwohner steht die Stadt mit 47,5 Krafträdern je 1.000 auf Platz 333.
Ganz hinten stehen in dieser Wertung andere: Schwerin mit 26, Rostock mit 27, Leipzig und Magdeburg mit 28. Auch Hamburg und Berlin liegen mit 33 weit hinten.
Die größten Stückzahlen haben dagegen die Großstädte. Berlin führt mit 123.033 Krafträdern, vor München mit 72.104 und Hamburg mit 60.971. Freyung-Grafenau hat 10.373, gut ein Zwölftel der Berliner Zahl.
Bei der Dichte bleiben aber auch in Bayern die Großstädte fast alle unter dem Bundesschnitt. Von den acht bayerischen Großstädten kommt nur Fürth mit 104 knapp darüber. Nürnberg liegt bei 98, Augsburg bei 97, Regensburg bei 92 und Ingolstadt bei 86 Krafträdern je 1.000 Pkw.
München zeigt das besonders gut. Die Stadt hat die zweitmeisten Krafträder Deutschlands und landet bei der Motorraddichte trotzdem nur auf Platz 301 von 400. Der gleichnamige Landkreis steht auf Platz 229.
Die Zahlen für deinen eigenen Kreis liegen frei im Netz. Das KBA veröffentlicht den Bestand nach Zulassungsbezirken einmal im Jahr als Tabelle unter dem Kürzel FZ 1, zuletzt im April 2026, zum Herunterladen ohne Anmeldung. Ein Zulassungsbezirk entspricht einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt, nur die Stadt Trier steckt im Bezirk Trier-Saarburg. In der ersten Tabelle, FZ 1.1, findest du für jeden Kreis die Krafträder und die Pkw, jeweils in der Spalte „insgesamt“. Am Ende des Pkw-Blocks steht die Pkw-Dichte je 1.000 Einwohner.
Mit diesen drei Spalten hast du beide Rechnungen. Krafträder durch Pkw mal 1.000 ergibt die Autorechnung. Krafträder durch Pkw mal Pkw-Dichte ergibt die Krafträder je 1.000 Einwohner. Für Freyung-Grafenau sieht das so aus: 10.373 durch 55.440, mal 704, macht 132.
Die Tabellen der Vorjahre stehen auf derselben Seite. Willst du sehen, wie sich dein Kreis entwickelt hat, achte auf geänderte Grenzen, sonst vergleichst du verschiedene Gebiete. Eisenach etwa gehört seit 2021 zum Wartburgkreis, Hanau ist seit 2026 kreisfrei.
Zum Vergleich dient der Bundesschnitt: 102,5 je 1.000 Pkw und rund 61 je 1.000 Einwohner. Liegt dein Kreis in beiden Rechnungen weit darüber, wohnst du in einer echten Motorradgegend. Liegt er nur in einer darüber, macht die Zahl der Autos den Unterschied.
Welcher Landkreis hat die höchste Motorraddichte in Deutschland?
Die höchste Motorraddichte hat der Landkreis Freyung-Grafenau im Bayerischen Wald, mit 187 Krafträdern auf 1.000 Pkw und 132 auf 1.000 Einwohner. Beides ist der Spitzenwert unter allen Kreisen und kreisfreien Städten. Grundlage ist der Bestand des Kraftfahrt-Bundesamts zum 1. Januar 2026.
Wo gibt es in absoluten Zahlen die meisten Motorräder?
In absoluten Zahlen führt Berlin mit 123.033 Krafträdern. München folgt mit 72.104, Hamburg mit 60.971. Je Einwohner landen alle drei im letzten Fünftel der Rangliste.
Wie hoch ist die Motorraddichte in München?
Die Stadt München kommt auf 91 Krafträder je 1.000 Pkw und steht damit auf Platz 301 von 400. Der Landkreis München liegt mit knapp 100 auf Platz 229. Beide bleiben unter dem Bundeswert von 102,5.
Wo ist die Motorraddichte am niedrigsten?
Am niedrigsten ist die Motorraddichte je Auto in Wolfsburg, mit 48,6 Krafträdern auf 1.000 Pkw. Je Einwohner steht Schwerin am Ende, mit 26 Krafträdern auf 1.000 Menschen, knapp hinter Rostock und Leipzig.
Wie berechne ich die Motorraddichte meines Landkreises?
Die Motorraddichte deines Landkreises berechnest du mit der KBA-Tabelle FZ 1: Krafträder des Kreises durch seine Pkw, mal 1.000. Für den Wert je Einwohner brauchst du zusätzlich die Pkw-Dichte aus derselben Tabelle. Den Bundesschnitt von 102,5 kannst du als Vergleich nehmen.
Warum gibt es in Bayern so viele Motorräder?
In Bayern kommen 128 Krafträder auf 1.000 Pkw, deutlich mehr als im Bundesschnitt von 102,5, und mit 1.081.145 hat der Freistaat auch absolut die meisten. Am höchsten ist die Dichte in Landkreisen im Bayerischen und Oberpfälzer Wald, im Allgäu und am Bodensee, nicht in den Großstädten. Einen Grund nennt die Statistik nicht, sie zählt nur.
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