Pinlock 70 oder 120? Für die meisten Visiere gibt es nur eine Stufe

„Nimm die 120, die ist besser.“ Den Rat bekommst du an der Helmwand schnell, wenn die alte Antibeschlagscheibe so verkratzt ist, dass jede Laterne auf dem Heimweg einen Strahlenkranz trägt. Mehr Beschlagschutz hat die 120 tatsächlich, so beschreibt es der Hersteller selbst. Nur gibt es sie für dein Visier wahrscheinlich gar nicht.

Pinlock 70 oder 120, dazu die 30, die 200 und das Kürzel XLT: Die Zahlen sind Stufen für den Beschlagschutz, keine Minuten und keine Prozente. XLT kennzeichnet ein klareres Material. Ob die Scheibe nach Einbruch der Dunkelheit im Visier bleiben darf, steht trotzdem in der Anleitung deines Helms. Welche Stufe es für deinen Helm überhaupt gibt, findest du über eine unscheinbare Nummer, die mit DKS beginnt.

Vier Stufen, von der Stadtfahrt bis zum Dauerregen

Pinlock baut seine Antibeschlagscheiben in vier Stufen. Die Zahl steht nach Angabe des Herstellers für den Grad des Beschlagschutzes, und die Reihenfolge ist schnell erklärt: Je höher die Stufe, desto mehr hält die Scheibe aus. Wofür die einzelnen Stufen gedacht sind, beschreibt Pinlock so:

  • 30: die Grundstufe für beschlagfreie Fahrten in der Stadt, kleiner als die anderen und mit weniger Aufnahmevermögen für Feuchtigkeit.
  • 70: verlässlicher Schutz für die alltägliche Fahrt.
  • 120: für Wetter, das sich nicht ankündigt.
  • 200: die stärkste Stufe, für die härtesten Bedingungen.

Pinlock veröffentlicht zu den Stufen weder eine Einheit noch eine Messgröße noch ein Prüfverfahren (Stand Oktober 2026). Die 120 verspricht also keine 120 Minuten ohne Beschlag, und aus der 70 lässt sich kein Prozentwert lesen. Was dir die Zahl verrät, ist die Reihenfolge.

Gemeinsam ist allen Stufen das Prinzip. Die Oberfläche der Scheibe zieht Wasser an und speichert es, bei trockener Luft verdunstet es wieder. Die Silikondichtung am Rand schließt zwischen Scheibe und Visier ein Luftpolster ein, das als Wärmesperre wirkt. Die Scheibe bleibt auf deiner Seite dadurch wärmer, und dein Atem schlägt sich dort nicht so leicht nieder.

Ob Pinlock 70 oder 120 für dich überhaupt eine Frage ist, entscheidet allerdings nicht der Wetterbericht, sondern dein Visier.

Die 30 gibt es nur in einer Form

Die niedrigste Stufe fällt aus der Reihe. Pinlock baut die 30 in einer einzigen Ausführung: klar und kleiner als die anderen Scheiben. In Pinlocks Linsensuche trägt sie bei jedem Helm, bei dem wir sie gefunden haben, dieselbe Nummer, quer über vier Marken. Ein Visier, das für die 30 gemacht ist, nimmt genau diese eine Scheibe.

Kleiner heißt auch: Beschlagfrei bleibt nur, was die Scheibe abdeckt. Außerhalb ihres Randes arbeitet das Visier allein, und dort kann es an einem kalten Morgen anlaufen, auch wenn du durch die Mitte klar siehst.

Ab der 70 ist jede Scheibe ein Zuschnitt. Pinlock fertigt sie passend zu bestimmten Visieren, und dafür gibt es eine Vielzahl von Formen. Für manche Visiere baut Pinlock die Scheibe größer und nennt das MaxVision. Diese Scheiben reichen weiter an den Rand und sitzen in einer Vertiefung, die eigens dafür ins Visier geformt ist. Auch darüber entscheidet das Visier und nicht der Griff ins Regal.

Steckt in deinem Helm eine 30, führt der Weg zu mehr Beschlagschutz nicht über eine andere Scheibe. In der Linsensuche steht für diese Helme nur die 30. Mehr holst du dann über Kinnbelüftung und Atemabweiser heraus, und beim nächsten Helmkauf lohnt ein Blick darauf, welche Scheibe im Karton liegt.

Die DKS-Nummer ist der eigentliche Name deiner Scheibe

DKS heißt das Nummernsystem, mit dem Pinlock seine Scheiben auseinanderhält. Jede Nummer steht für eine Scheibenform, und jedes Visier nimmt nur die Form, für die es gemacht ist. Bei Pinlock selbst kannst du keine Scheibe kaufen. Der Hersteller rät, beim Händler oder im Netz mit dieser Nummer zu suchen. Finden kannst du sie in der Linsensuche auf pinlock.com (dort „Lens finder“): Marke wählen, Helmmodell wählen, und auf der Seite deines Helms steht die Nummer.

Welche Stufe zu deinem Helm gehört, zeigt dir die Linsensuche gleich mit. Bei den meisten Helmen liegt laut Pinlock eine klare Scheibe schon im Karton. Bei Shoei steht in Anleitung und Linsensuche keine dieser Zahlen, dort heißt die mitgelieferte Scheibe Pinlock EVO.

Wie sich die Stufen verteilen, zeigt ein Blick in diese Linsensuche. Wir haben dort am 15. Oktober 2026 nachgesehen, welche klare Scheibe für 580 Helme und Helmvarianten von 19 Marken eingetragen ist. Bei sieben von zehn war es eine 70, bei gut einem Fünftel eine 120 XLT. Die 200 stand nur bei sechs Helmen.

Wie selten du beim Nachkauf wirklich wählst, zeigen die DKS-Nummern: Von 207 verschiedenen tauchen nur 16 in mehr als einer Stufe auf. Für den Shark EVO-ONE 2 zum Beispiel führt Pinlock eine 70 und eine 120 XLT, beide mit der Nummer DKS160 und damit für dieselbe Form. In solchen Fällen hast du die Wahl. Bei allen anderen hat dein Visier sie schon getroffen.

Such deshalb nach der Nummer und nicht nach dem Helmnamen. Dieselbe Form steckt manchmal in mehreren Modellen, bei Shark etwa in einigen Klapphelmen der EVO-Reihe. Umgekehrt stehen unter dem Namen AGV K3 gleich drei Nummern: eine für den K3 SV und je eine für die Visiere GT6-1 und GT6-2. Die 120 XLT für den EVO-ONE 2 steht in der Linsensuche sogar unter einem eigenen Helmeintrag mit dem Zusatz „(120)“. Klickst du nur „EVO-ONE 2“ an, siehst du dort allein die 70.

Pinlock 70 oder 120, wenn du die Wahl hast

Die Frage Pinlock 70 oder 120 stellt sich also nur, wenn es deine Form in beiden Stufen gibt oder wenn du gerade einen neuen Helm aussuchst. Dann hilft Pinlocks eigene Beschreibung weiter. Die 70 ist für die alltägliche Fahrt gebaut, die 120 für Wetter, das sich nicht ankündigt. Fährst du vor allem bei trockenem Wetter, am Wochenende wie zur Arbeit, reicht die 70. Pendelst du bis in den Winter, durch Novembernebel und Nieselregen, passt die 120.

Die 200 ist bisher eine Ausnahme. In unserer Auszählung tauchte sie nur bei Helmen von Nexx und Scorpion auf. Bekommst du sie für dein Visier, hast du die stärkste Stufe, die Pinlock derzeit baut, und bei Dauerregen im Winter auch den größten Puffer.

Keine Scheibe schluckt unbegrenzt Wasser, auch die 200 nicht. Auf Shoeis Seite mit häufigen Fragen heißt es, die Aufnahmefähigkeit der Scheibe sei begrenzt, bei Regen und Kälte solle deshalb wenigstens die Kinnbelüftung leicht offen bleiben. Eine höhere Stufe hält länger durch, ersetzt aber nicht die offene Lüftung.

Beschlägt es trotz Scheibe, lohnt der Blick, wo genau. Sitzt der Beschlag zwischen Scheibe und Visier, liegt die Dichtung nicht mehr rundum an. Das ist meist eine Frage der Spannung, keine der Stufe: Laut Pinlock kann die Scheibe mit der Zeit schrumpfen. Dann bekommt sie über die Stifte mehr Spannung, wie im Abschnitt zum Einbau beschrieben.

Beschlägt die Scheibe selbst, hat sie sich in der Regel mit Feuchtigkeit vollgesogen. Dann hilft mehr Luft durch die Kinnbelüftung. Das gespeicherte Wasser gibt die Scheibe erst in trockener Luft wieder ab. Unter dem Dach einer Tankstelle bleibt die Luft an einem Regentag feucht. In einem geheizten Raum ist sie trockener, und dort hat die Scheibe die ganze Nacht Zeit, am besten bei offenem Visier. Gibt es deine Form in einer höheren Stufe, ist sie beim nächsten Nachkauf eine Überlegung wert.

Was XLT im Dunkeln ändert

Jede Schicht vor deinen Augen schluckt etwas Licht, das Visier ebenso wie die Scheibe auf seiner Innenseite. Am Tag merkst du das kaum. Nachts zählt jedes Prozent. Die Helmregelung ECE 22.06 zieht hier eine Grenze: Ein Visier für Tag und Nacht muss mindestens 80 Prozent des Lichts durchlassen. Liegt es darunter, bis hinab zu 35 Prozent, braucht es ein Sonnensymbol oder den Vermerk „Daytime use only“. Für Dunkelheit und schlechte Sicht ist ein solches Visier laut Regelung nicht geeignet.

Eine Antibeschlagscheibe kann ein klares Visier knapp unter diese Grenze bringen. Shoei schreibt in der Anleitung zum NXR2, klares Visier und mitgelieferte Scheibe ließen zusammen ungefähr 80 Prozent durch, und das liege unter der europäischen Vorgabe. Die Scheibe ist dort deshalb nur für den Tag freigegeben.

Hinter XLT steckt laut Pinlock eine neue Rezeptur des Materials. Die Scheiben werden dadurch klarer und lassen nach Angabe des Herstellers mehr Licht durch, als die ECE 22.06 verlangt. Wegen des zusätzlichen Lichts hält Pinlock sie auch nachts für geeignet. In der Linsensuche begegnete uns XLT nur als 120 XLT, eine klare 120 ohne das Kürzel stand dort bei gerade zwei Helmen.

Getönte Scheiben gehören in dieselbe Rechnung. Manche Formen gibt es ab der 70 auch in Hellgrau, Dunkelgrau, Gelb und als Scheibe, die sich je nach Licht selbst tönt. Die hellgraue ist laut Pinlock für leichte Sonne gedacht, die dunkelgraue für mittleres bis helles Licht, und sie wirkt wie ein dunkel getöntes Visier. Die gelbe soll bei Wolken, Regen und Nebel den Kontrast heben. Mehr Licht als die klare Scheibe lässt keine von ihnen durch. Wie viel weniger Licht sie durchlassen, gibt Pinlock nicht an.

Sicherheitshinweis: Eine getönte oder gelbe Scheibe macht aus deinem klaren Visier ein getöntes. In der Dämmerung erkennst du damit dunkel gekleidete Fußgänger, Wild und Schlaglöcher später, und die Meter fehlen dir dann beim Bremsen. Tausch sie gegen die klare, bevor die Fahrt in die Dämmerung geht, auch an einem Nebeltag. Holt dich die Dunkelheit unterwegs ein, kommt die getönte oder gelbe am nächsten Parkplatz heraus, nicht erst zu Hause. Liegt die klare dann nicht im Gepäck, fährst du ohne Antibeschlagscheibe weiter, mit offener Kinnbelüftung.

Für die klare Scheibe gilt dasselbe Prinzip, nur weniger auffällig. Ob sie nachts im Visier bleiben darf, entscheidet am Ende die Anleitung deines Helms, ganz gleich, ob Pinlock 70 oder 120. Steht dort „nur tagsüber“, kommt die Scheibe vor der Fahrt ins Dunkel heraus. Die Anleitung des Shoei Neotec 3 geht noch weiter und schließt neben der Nacht auch andere schlechte Sicht aus. Daran ändert der Vermerk „All day use“ nichts, den Pinlock bei klaren Scheiben angibt, auch bei denen für Shoei-Helme.

Ob es für dein Visier eine XLT-Scheibe gibt, zeigt die Linsensuche. Ob der Helmhersteller sie auch für die Nacht vorsieht, erfährst du von ihm.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Welche Scheibe bei deinem Visier für die Nacht freigegeben ist, sagt dir der Hersteller deines Helms. Bei Fragen zur Prüfnorm hilft eine Prüforganisation.

Bevor die neue Scheibe ins Visier kommt

Die neue Scheibe ist ausgesucht, jetzt muss sie richtig sitzen. Pinlock beschreibt den Einbau so: Visier vom Helm nehmen, nachsehen, ob die Pfeile auf den Stiften nach außen zeigen, das Visier leicht aufbiegen und die Scheibe zwischen die beiden Stifte setzen. Fass sie dabei nur an den schmalen Kanten an. Die Silikondichtung zeigt zum Visier.

Im Tageslicht siehst du, ob die Silikondichtung überall am Visier anliegt. Nur mit lückenloser Dichtung bildet sich das Luftpolster. Liegt sie irgendwo nicht an, musst du die Stifte nachstellen. Bei Stiften von Pinlock kommt die Scheibe dafür wieder heraus, und gedreht wird um höchstens 45 Grad pro Schritt. Den Handgriff für deine Stiftart zeigt Pinlocks Anleitung, bei Helmen mit eigenen Stiften die des Helms. Beachte immer die Freigaben und Angaben in der Gebrauchsanweisung deines Helms.

Zwei Kleinigkeiten gehen beim ersten Einbau leicht unter. Auf der neuen Scheibe klebt eine Schutzfolie, die du abziehst, wenn die Scheibe eingesetzt ist und die Dichtung anliegt. Und wenn das Visier wieder am Helm sitzt, schau es dir von außen an: Das Pinlock-Logo muss sich lesen lassen. Steht es spiegelverkehrt, steckt die Scheibe falsch herum im Visier, und die Dichtung liegt auf deiner Seite statt am Visier.

Hast du zwei Scheiben, eine klare und eine getönte für sonnige Tage, wartet die gerade unbenutzte am besten dunkel, trocken und ohne Staub, in einem weichen Tuch oder einer Plastiktüte. So empfiehlt es Pinlock, weil die Oberfläche leicht verkratzt. Lose im Tankrucksack, zwischen Werkzeug und Schloss, ist das schnell passiert.

❓ Häufige Fragen zu Pinlock 70, 120 und XLT

Ist ein Pinlock 120 besser als ein Pinlock 70?

Ein Pinlock 120 bietet nach Herstellerangabe den stärkeren Beschlagschutz und ist für wechselhaftes Wetter gedacht, die 70 für die alltägliche Fahrt. Einsetzen kannst du die 120 aber nur, wenn Pinlock sie für die Form deines Visiers baut. Ob das so ist, zeigt dir die Linsensuche auf pinlock.com.


Was ist der Unterschied zwischen Pinlock 120 und 120 XLT?

Pinlock 120 und 120 XLT haben dieselbe Stufe Beschlagschutz. Die XLT-Ausführung besteht aus einem klareren Material, lässt mehr Licht durch und ist laut Pinlock auch für Fahrten bei Nacht geeignet. Ob dein Helmhersteller sie für die Nacht vorsieht, verrät dir seine Anleitung.


Was bedeutet die DKS-Nummer bei Pinlock?

Die DKS-Nummer ist Pinlocks Bezeichnung für die Form einer Antibeschlagscheibe. Jede Form passt nur zu den Visieren, für die sie gemacht ist, deshalb suchst du Ersatz am sichersten mit dieser Nummer statt mit dem Helmnamen. Du findest sie in Pinlocks Linsensuche auf pinlock.com, auf der Seite deines Helmmodells.


Kann die Pinlock-Scheibe nachts im Visier bleiben?

Ob die Antibeschlagscheibe nachts drinbleiben kann, beantwortet der Helmhersteller in seiner Anleitung. Shoei etwa gibt die mitgelieferte Scheibe bei Modellen wie dem NXR2 nur tagsüber frei. Laut Anleitung kommt ein klares Visier mit ihr auf ungefähr 80 Prozent Lichtdurchlässigkeit und erreicht die europäische Vorgabe damit nicht ganz. Dass Pinlocks Linsensuche klare Scheiben mit „All day use“ beschriftet, ändert an dieser Freigabe nichts. Die XLT-Scheiben von Pinlock sind klarer und laut Hersteller auch nachts tauglich, nur gibt es sie nicht für jedes Visier.


Lohnt sich ein Pinlock 200?

Der Pinlock 200 ist die stärkste Stufe des Herstellers und für die härtesten Wetterbedingungen gedacht. In Pinlocks Linsensuche stand er im Oktober 2026 nur bei sechs von 580 Helmen und Helmvarianten, die wir nachgesehen haben. Gibt es ihn für deine Visierform, ist er etwas für alle, die viel bei Nässe und Kälte unterwegs sind.

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