
Der Nagel steckt mitten in der Lauffläche, das Hinterrad steht platt auf dem Parkplatz, und im Tankrucksack des Kumpels liegt ein Schlauch in passender Größe. Rein damit, aufpumpen, heimfahren? Für eine Honda mit schlauchlosen Reifen steht die Antwort in der Anleitung: kein Schlauch hinein, weil er durch Hitze platzen kann. Der ADAC nennt ihn auch als Notbehelf unzulässig. An vielen Speichenrädern ist es umgekehrt, dort gehört der Schlauch hinein.
Honda schreibt die Warnung in die deutschen Anleitungen der CB650R von 2021 und 2024, der CB750 Hornet, der NC750X, der NT1100, der Africa Twin und der Gold Wing. Sie lautet: „Setzen Sie keinen Schlauch in einen schlauchlosen Reifen für dieses Fahrzeug ein. Ein übermäßiger Wärmeaufbau kann zu einem Platzen des Schlauchs führen.“
Auch die Africa Twin steht in dieser Reihe, obwohl sie auf Speichen rollt. Ihre Räder sind für schlauchlose Reifen gebaut, das zeigen die technischen Daten der Anleitung von 2025.
Direkt darunter folgt der zweite Satz, und er betrifft den umgekehrten Fall. An diesen Maschinen sollst du nur schlauchlose Reifen verwenden, weil die Felgen dafür konzipiert sind. Ein Schlauchreifen könnte beim starken Beschleunigen oder Bremsen auf der Felge rutschen und plötzlich die Luft verlieren.
Zwei Richtungen, eine Regel: Auf eine Felge für schlauchlose Reifen gehört ein schlauchloser Reifen, und in den kommt kein Schlauch.
Warum sich die Wärme aufbaut, beschreibt die Anleitung nicht. Einen Hinweis geben die Reifenhersteller, denn Schläuche haben eigene Tempogrenzen. Continental entwickelt seine Schläuche für bis zu 210 km/h. Pirelli begrenzt schlauchlose Reifen mit Schlauch auf 210 km/h bei Reifen mit H und auf 230 km/h bei V und Z. Ein Reifen, der laut Kennung schneller darf, hängt dann am schwächeren Teil.
Am Straßenrand ist der Schlauch erst recht keine Lösung. Der ADAC schreibt auf seiner Seite zur Reifenpanne mit dem Motorrad, einen Schlauch in einen undichten Schlauchlosreifen zu setzen, sei „nicht zulässig, auch nicht als Notbehelf“.
Für den schlauchlosen Reifen gibt es eigene Pannensets, mit Dichtmittel oder mit Stopfen und Dichtschnur. Der Reifen bleibt dabei auf der Felge, und Stopfen und Schnur gelten beim ADAC als bewährte Lösung für unterwegs.
Danach geht es langsam weiter. Honda nennt für die NC750X nach der Notreparatur höchstens 50 km/h, und der Händler soll den Reifen so bald wie möglich tauschen. Was dein Set an Strecke und Tempo erlaubt, steht außerdem in seiner Gebrauchsanleitung.
Nicht jede Panne lässt sich so überbrücken. Schäden an der Reifenflanke sind laut ADAC kein Fall fürs Flicken, und bei vielen Reparatursystemen darf das Loch nicht größer als 4,5 Millimeter sein. Dann bleibt der Transport in die Werkstatt, und auch ein Schlauch wäre keine Lösung.
Sicherheitshinweis: Zieh nach einer Panne keinen Schlauch in einen schlauchlos gefahrenen Reifen ein, auch nicht für den Heimweg. Bei einem kleinen Loch in der Lauffläche nimmst du das Set für schlauchlose Reifen und fährst danach langsam. Den Reifen bringst du zur Prüfung in die Werkstatt oder lässt ihn gleich ersetzen.
Honda nennt die Gefahr beim Namen: Der Schlauch kann durch Hitze platzen. Dann ist die Luft auf einen Schlag weg, und zwar mitten in der Fahrt.
Gegen das Einziehen am Straßenrand spricht noch etwas ganz Praktisches. Für einen Schlauch müsste das Rad heraus und der Reifen von der Felge. Auch das Ventil in der Felge wäre im Weg, denn durch sein Loch muss dann das Ventil des Schlauchs. Mit dem Pannenset entfällt all das. Für den Radausbau und die Reparatur seien Spezialwerkzeuge und besondere Kenntnisse nötig, schreibt Honda, und empfiehlt dafür den Händler.
Bei den Reifenherstellern gehen die Antworten auseinander, und das erklärt, warum sich in dieser Frage zwei Meinungen halten.
Continental zieht die Grenze an der Felge. Auf einer Tubeless-Felge ist ein Schlauch laut der Technischen Information des Herstellers nicht zulässig. Ein Schlauchreifen von Continental gehört gar nicht erst auf so eine Felge, weder mit noch ohne Schlauch.
Pirelli lässt dagegen in seinen Antworten zu Motorradreifen den Schlauch im schlauchlosen Reifen zu, unter drei Bedingungen. Es muss der passende Pirelli-Schlauch sein, und das Tempo liegt mit H-Reifen bei höchstens 210 km/h, mit V- oder Z-Reifen bei höchstens 230 km/h. Außerdem gelten die Vorgaben des Motorradherstellers weiter.
In seinen Montagehinweisen setzt Pirelli noch eine Grenze dazu: Das Motorrad selbst darf höchstens 230 km/h schnell sein. Viele Sportmaschinen fallen damit von vornherein heraus.
An der dritten Bedingung endet die Ausnahme für die Honda-Modelle mit schlauchlosen Felgen, denn Honda schreibt für sie das Gegenteil. Für andere Marken entscheidest du mit zwei Unterlagen, der Anleitung deines Motorrads und den Hinweisen des Reifenherstellers. Widersprechen sie sich, hältst du dich an die strengere.
Pirelli beschreibt seine Ausnahme im Zusammenhang mit der Reifenmontage, also für die Werkstatt und mit dem passenden Pirelli-Schlauch. Um einen Notbehelf am Straßenrand geht es dort nicht.
Drei Bauarten begegnen dir an Motorrädern, und zwei davon sehen sich ähnlich.
Gussräder sind auf der Straße der Normalfall. Auf der Reifenflanke steht TL oder Tubeless. Die Felge hat innen an der Schulter eine kleine Erhebung, die den Reifenwulst am Platz halten soll. Continental nennt als Beispiel die Kontur MT H2 mit Sicherheits-Humps und schreibt, solche Felgen seien bei Gussrädern üblich.
Wie viel an diesem Sitz hängt, zeigt eine Beschreibung des ADAC. Fehlt Luft, kann der Wulst vom Horn in die Mitte der Felge rutschen, ins sogenannte Tiefbett, und dann ist der Druck auf einen Schlag weg. Auf so einer Felge kann laut Honda auch ein Schlauchreifen rutschen, mit demselben Ergebnis: plötzlicher Luftverlust. Deshalb schließt Honda ihn dort aus.
In den technischen Daten der Honda-Anleitungen steht beim Reifentyp „schlauchlos“, etwa bei NC750X, CB750 Hornet, NT1100 und Gold Wing.
Bei klassischen Speichen sitzen die Nippel in Löchern im Felgenbett, und durch diese Löcher würde die Luft eines schlauchlosen Reifens entweichen. Solche Felgen brauchen einen Schlauch und dazu ein Felgenband, das ihn vor den Nippeln schützt. Continental lässt das Band bei jedem neuen Reifen oder Schlauch auf Schäden prüfen und wenn nötig ersetzen.
Die Transalp gehört dazu. Ihre Anleitung von 2025 führt vorn einen Diagonal- und hinten einen Radialreifen, beide mit Schlauch.
Die Africa Twin hat ebenfalls Speichen und fährt laut Honda trotzdem schlauchlos. Für dich zählt deshalb, was dein Hersteller beim Reifentyp angibt. Dass ein Rad Speichen hat, sagt darüber allein noch nichts.
Im Zweifel klären die Anleitung und der Reifenhändler die Bauart, bevor der neue Reifen auf die Felge kommt. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
An der XL750 Transalp sitzt in beiden Rädern ein Schlauch, und Honda koppelt ihn an den Reifenwechsel: Mit dem Reifen kommt auch ein neuer Innenschlauch, auf der Rechnung sollten also beide stehen. Der alte Schlauch, heißt es zur Begründung, sei wahrscheinlich gedehnt und könne im neuen Reifen versagen.
Die Reifenhersteller sehen das ebenso. Bei Continental heißt es, beim Reifenwechsel sei immer der Schlauch zu erneuern. Pirelli beschreibt genauer, was mit einem alten Schlauch geschieht. Ein gebrauchter Schlauch hat sich im Fahrbetrieb gedehnt, im neuen Reifen kann er Falten werfen und aufreißen.
Ein platter Schlauchreifen braucht eine andere Reparatur. Das Stopfen-Set aus dem Tankrucksack ist laut ADAC ausschließlich für schlauchlose Motorradreifen gedacht. Beim Schlauchreifen muss das Rad in der Regel heraus, der Reifen auf einer Seite über das Felgenhorn, und der Schlauch kommt zum Flicken heraus.
Als Notreparatur nennt Honda für die Transalp einen Flicken oder Pannenspray. Ein reparierter Schlauch ist aber weniger zuverlässig als ein neuer und kann während der Fahrt versagen. Mit der Notreparatur fährst du deshalb vorsichtig und nicht schneller als 50 km/h, und vor der nächsten Fahrt kommt ein neuer Schlauch hinein.
Dazu kommt der Blick aufs Ventil. Steht es schief, rutscht laut Honda der Schlauch im Reifen oder der Reifen auf der Felge, und die Maschine gehört zum Händler.
Die Mutter am Ventil eines Schlauchs soll nicht fest an der Felge sitzen, und Continental und Pirelli nennen dafür je einen eigenen Grund. Continental lässt die beiden Muttern etwa fünf Millimeter vor der Felge kontern, damit das Ventil nicht abreißt, wenn sich Reifen und Schlauch ein wenig verdrehen. Pirelli lässt die Kontermutter nach der Montage wieder lösen, damit sich ein Verdrehen an der Schiefstellung des Ventils erkennen lässt.
Sicherheitshinweis: Steht das Ventil am Schlauchreifen schräg, fahr langsam bis zur nächsten Werkstatt und nicht weiter.
Dreht sich der Reifen mit dem Schlauch weiter auf der Felge, zerrt er am Ventil. Reißt es ab, ist die Luft auf einmal draußen.
Am schlauchlosen Reifen einer Maschine mit Gussrädern gibt es diesen Fall nicht, dort sitzt das Ventil fest in der Felge, und kein Schlauch kann wandern.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag einen Reifenfachbetrieb oder eine Prüforganisation.
Ein Reifen mit TL auf der Flanke läuft nicht in jedem Rad ohne Schlauch. Continental erlaubt seine schlauchlosen Reifen auch auf Felgen für Schlauchreifen, dann aber mit einem Schlauch der richtigen Größe. Pirelli lässt den Schlauch im TL-Reifen auf Motorrad-Normfelgen zu, mit den Bedingungen von oben.
Zwei Honda-Reiseenduros zeigen noch einmal, dass es auf das Rad ankommt. Die Transalp rollt auf Speichen mit Schlauch, die Africa Twin auf Speichen ohne. In der Anleitung trennt sie eine Zeile beim Reifentyp.
Entscheidend ist also die Felge, nicht die Aufschrift. Auf einer Speichenfelge für Schlauchreifen gehört ein Schlauch hinein, ganz gleich, ob auf dem Reifen TL oder TT steht. Auf eine Tubeless-Felge kommt nach Honda und Continental ein TL-Reifen ohne Schlauch, und ein TT-Reifen gehört dort überhaupt nicht hin.
Beim Reifenwechsel stellst du dem Händler deshalb eine Frage, bevor er anfängt: Bleibt es bei der Bauart, die in der Anleitung steht? Ein Händler, der deine Maschine kennt, beantwortet sie in einem Satz.
Kann ich nach einer Panne einen Schlauch in den Tubeless-Reifen stecken?
Einen Schlauch nach einer Panne in den Tubeless-Reifen zu stecken, hält der ADAC für unzulässig, auch als Notbehelf. Honda schreibt für seine Modelle mit schlauchlosen Reifen, der Schlauch könne durch Hitze platzen. Für schlauchlose Reifen gibt es Pannensets mit Stopfen, Dichtschnur oder Dichtmittel.
Warum kann ein Schlauch im schlauchlosen Reifen platzen?
Als Grund für das Platzen nennen die Honda-Anleitungen einen übermäßigen Wärmeaufbau. Dass ein Schlauch nicht jedes Tempo verträgt, zeigen die Reifenhersteller. Continental baut seine Schläuche für höchstens 210 km/h, Pirelli setzt für TL-Reifen mit Schlauch je nach Kennung 210 oder 230 km/h als Grenze.
Hat mein Motorrad Schlauchreifen oder schlauchlose?
Ob Schlauchreifen oder schlauchlos, steht am sichersten in der Anleitung: Honda führt beim Reifentyp „schlauchlos“ oder „mit Schlauch“. Auf der Reifenflanke steht TL für schlauchlos oder TT für Schlauchtyp, entscheidend ist aber die Felge. Klassische Speichenräder brauchen einen Schlauch, doch es gibt auch schlauchlose wie an der Africa Twin.
Muss beim Reifenwechsel auch der Schlauch neu?
Beim Reifenwechsel gehört ein neuer Schlauch dazu. Honda verlangt es für die Transalp, und Continental und Pirelli schreiben es für Schlauchreifen ebenfalls vor. Ein gebrauchter Schlauch ist gedehnt und kann im neuen Reifen Falten werfen oder versagen. Auch das Felgenband ist dabei auf Schäden zu prüfen.
Was bedeutet ein schief stehendes Ventil am Motorrad?
Ein schief stehendes Ventil zeigt bei einem Schlauchreifen, dass der Schlauch im Reifen oder der Reifen auf der Felge rutscht, so beschreibt es Honda für die Transalp. Dann gehört die Maschine zum Händler. Verdreht sich der Reifen weiter, kann das Ventil abreißen, und die Luft entweicht schlagartig.
0 Stimmen: 0× Daumen hoch, 0× Daumen runter (0 Punkte)






