
Auf dem Foto liegt es auf der Seite, sauber ausgeleuchtet, in einer Halle mit nummerierten Stellplätzen. Verkleidung rechts geschrammt, Blinker ab, Hebel abgebrochen, sonst sieht es aus wie ein Motorrad, das nächste Woche wieder fährt. Darunter steht eine Zahl, die ungefähr ein Drittel dessen beträgt, was dasselbe Modell nebenan im Portal kostet.
Genau an dieser Stelle fängt jeder falsche Kauf an. Nicht mit Leichtsinn, sondern mit einer völlig vernünftigen Überlegung: Der Schaden, den ich sehe, ist überschaubar. Beim Unfallmotorrad kaufen ist der Schaden, den du siehst, aber nie der, der über den Preis entscheidet.
Ein beschädigtes Motorrad landet meistens nach demselben Muster im Markt. Die Versicherung reguliert den Schaden, und ein Gutachter schätzt, was das Fahrzeug beschädigt noch wert ist - dafür holt er in der Regel mehrere Angebote aus dem regionalen Markt ein und schreibt sie ins Gutachten. Daneben laufen die Restwertbörsen, über die Aufkäufer bundesweit bieten.
Und jetzt wird es interessant, denn „Auktion” ist nicht gleich „Auktion”. Die Börsen, über die Versicherer und Sachverständige den Restwert ermitteln, richten sich an gewerbliche Bieter: Händler, Verwerter, Aufkäufer. Daneben gibt es die großen offenen Auktionsplattformen, bei denen sich auch Privatleute registrieren können - ohne Gewerbeschein, gegen eine Jahresmitgliedschaft.
Wer dort mitbietet, sollte allerdings vorher rechnen. Auf den Zuschlag kommen Käufergebühr, Online-Gebotsgebühr, eine Gebühr fürs Herausgeben des Fahrzeugs und, wenn du nicht binnen weniger Werktage abholst, Standgeld pro Tag. In der Summe ist das kein Rundungsfehler, sondern ein zweistelliger Prozentsatz auf den Hammerpreis. Der Betrag, der dich anspringt, ist also nicht der Betrag, den du zahlst.
Für die meisten gilt aber ohnehin: Was du im normalen Portal siehst, ist gar nicht die Auktion. Es ist das, was jemand nach der Auktion daraus gemacht hat. Zwischen dir und dem Zuschlag sitzt ein Betrieb, der davon lebt, und der hat vor dir zwei Dinge getan: Er hat das Motorrad gesehen, und er hat gerechnet.
Darin steckt eine Information. Wenn ein Fachbetrieb eine Maschine anschaut und beschließt, sie nicht selbst instand zu setzen, sondern beschädigt weiterzureichen, hat das einen Grund. Nicht immer einen schlechten - manchmal passt das Modell nicht ins Programm, manchmal fehlt die Kapazität. Aber manchmal eben doch.
Der Preis ist jedenfalls keine Wohltat. Er ist eine Kalkulation aus drei Posten: Teile, Arbeit, Risiko. Wer beschädigt kauft, kauft alle drei mit.
Im Inserat begegnen dir drei Formulierungen, die sich ähneln und völlig Verschiedenes meinen. Wer sie auseinanderhält, hat schon die Hälfte gewonnen.
„Unfallschaden” heißt: Das Motorrad ist beschädigt, so wie es dasteht. Was beschädigt ist, steht selten dabei - beschrieben wird meist nur, was auf den Fotos ohnehin zu sehen ist.
„Bastlerfahrzeug” oder „zur Ersatzteilgewinnung” ist keine Zustandsbeschreibung, sondern eine Kategorie: Ich verkaufe dir das als Sammlung von Teilen, nicht als Fahrzeug. Über den technischen Zustand sagt der Begriff exakt nichts - er kann heißen, dass der Vergaser fehlt, und er kann heißen, dass der Rahmen verzogen ist. Wichtig ist etwas anderes: Wer diese Worte wählt, hat sich Gedanken gemacht. Frag ihn, welche.
„Unfallfrei nach Reparatur” ist der Ausdruck, bei dem es interessant wird, denn er ist ein Widerspruch in sich. Ein Motorrad, das repariert werden musste, ist nicht unfallfrei. Es ist repariert. Gemeint ist meistens: „Der Schaden ist behoben, es fährt wieder.” Das kann völlig in Ordnung sein. Es ist aber keine Auskunft über den Umfang, sondern über das Ergebnis - und das Ergebnis beurteilt hier derjenige, der verkauft.
Was daraus für dich folgt, ist unspektakulär und hilft trotzdem mehr als jede Checkliste: Frag nach dem Schaden, nicht nach dem Zustand. „Was war kaputt?” ist eine bessere Frage als „Ist alles in Ordnung?”, weil die erste eine Geschichte verlangt und die zweite nur ein Ja.
Beim Auto ist die Karosserie das große, teure Ding, das du ansiehst. Beim Motorrad ist der Rahmen ein schmales Gerüst, das unter Tank und Verkleidung verschwindet - und zugleich das Bauteil, an dem die Identität des Fahrzeugs hängt.
Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer ist in den Rahmen eingeschlagen oder eingeprägt, meist im Bereich des Lenkkopfs; die Fundstelle dazu ist § 59 Absatz 2 StVZO.
Daraus wird ein sehr konkreter Prüfstein, und der kostet dich zwei Minuten: Such die eingeschlagene Nummer und vergleich sie Zeichen für Zeichen mit den Papieren. Sieh dir dabei die Prägung selbst an - sauber und gleichmäßig, oder frisch überlackiert, uneben, angeschliffen? Findest du dort eine durchkreuzte Nummer und daneben eine zweite, dann stammt der Rahmen aus einem anderen Fahrzeug. Das ist kein Makel, aber dazu gehören Papiere, und nach denen fragst du.
Denn genau hier liegt der teuerste Teil des Problems: Rahmen und Lenkkopf lassen sich nicht mit dem Auge prüfen. Ein Rahmen kann sich um wenige Millimeter verzogen haben und trotzdem tadellos aussehen. Merkbar wird das erst im Fahrverhalten - das Motorrad zieht in eine Richtung, es braucht in Rechts- und Linkskurven unterschiedlich viel Kraft, es wird bei höherem Tempo unruhig. Und die Gerade hält es nur, wenn du am Lenker leicht gegenhältst - ein Zug, den viele Fahrer monatelang ausgleichen, ohne ihn zu bemerken.
Sicherheitshinweis: Ein verzogener Rahmen oder eine krumme Gabel sind keine Komfortmängel. Beide verändern die Vorderradführung genau in dem Moment, in dem du sie brauchst - beim harten Bremsen und in Schräglage. Wer ein Motorrad kauft, das auf der Seite lag, und im ersten Probefahrtkilometer einen Zug in eine Richtung spürt, sollte diesen Kilometer als das ernst nehmen, was er ist: die Warnung vor allen weiteren.
Der Heckrahmen ist übrigens der freundliche Teil der Geschichte. An vielen modernen Motorrädern ist er geschraubt und damit ein Ersatzteil wie jedes andere. An älteren und an manchen Sportlern ist er mit dem Hauptrahmen verschweißt, und dann wird aus einem verbogenen Heck plötzlich eine Rahmenfrage. Das ist einer der wenigen Punkte, den du vorab am Modell klären kannst, bevor du überhaupt hinfährst.
Und jetzt der Teil, bei dem viele die falsche Vorstellung aus der Autowelt mitbringen: Am Motorrad ist Richten kein Pfusch, sondern ein eigenes Gewerbe. Es gibt spezialisierte Betriebe, die Rahmen aus Stahl und Aluminium, Gabelstandrohre, Gabelbrücken, Schwingen und Räder richten - und zwar nicht nach Augenmaß, sondern auf einer Bank und nach einer Laservermessung, die vorher sagt, wo etwas krumm ist und wie viel.
Das ist eine gute Nachricht und eine teure zugleich. Gut, weil ein verzogener Rahmen kein Totalschaden sein muss. Teuer, weil allein die Vermessung ein dreistelliger Posten ist, bevor überhaupt etwas gerichtet wurde - und weil du sie brauchst, bevor du weißt, ob sich der Rest lohnt.
Für dich als Käufer verschiebt das die eigentliche Frage. Sie lautet nicht „ist das reparabel”, denn das ist es meistens. Sie lautet: „Wurde es vermessen, und liegt das Protokoll vor?” Ein Verkäufer, der sagt, das Motorrad fahre wieder geradeaus, hat eine Meinung. Ein Blatt Papier aus einer Richtwerkstatt ist etwas anderes.
Was danach beim Zusammenbau gilt, steht nicht im Ermessen des Schraubers. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - welche Verbindungen mit welchem Moment und welcher Reihenfolge angezogen werden, entscheidet über das Ergebnis mit.
Wenn ein Motorrad frontal etwas berührt hat, geht die Kraft über das Vorderrad in die Gabel. Und Gabelholme verbiegen sich nicht spektakulär. Sie verbiegen sich um Zehntelmillimeter, und danach sehen sie noch aus wie Gabelholme.
Was du als Käufer ohne Werkzeug prüfen kannst, ist wenig, aber nicht nichts.
Stell dich vor das Motorrad und schau von vorn an beiden Holmen entlang. Sie sollen parallel stehen, das Rad soll mittig zwischen ihnen sitzen, und der Spalt zwischen Reifen und Schutzblech soll links und rechts gleich sein.
Miss dann, wie weit die Rohre oben aus der oberen Gabelbrücke herausragen - links und rechts sollte das gleich sein. Ein Unterschied heißt für sich genommen aber nur, dass jemand an der Gabel war: tiefergelegt oder nach dem Dichtringwechsel nicht sauber ausgerichtet. Frag danach, aber mach daran nicht deine Entscheidung fest.
Der Blick, der mehr verrät, geht tiefer. Dreh den Lenker langsam einmal ganz nach links und einmal ganz nach rechts und sieh dir dabei die Lenkanschläge an - die Nase an der unteren Gabelbrücke und ihr Gegenstück am Rahmen. Verformt, gestaucht oder angerissen ist ein klares Unfallzeichen, frisch nachlackiert ist eine Frage wert. Beschädigungen an dieser Stelle bedeuten meist einen Rahmenschaden - und damit bist du wieder bei dem Posten, den du vor der Vermessung nicht beziffern kannst.
Sieh dir die Klemmschrauben der Gabelbrücken an. Frische Werkzeugspuren sagen dir, dass die Holme schon einmal draußen waren - für sich genommen harmlos, denn für neue Dichtringe oder frisches Gabelöl müssen sie ohnehin raus. Interessant wird das erst zusammen mit ungleichem Überstand oder Schleifspuren an der Front. Dann ist es eine Frage an den Verkäufer.
Steht der Lenker im Stand schräg, während das Vorderrad geradeaus zeigt, sind meist die Holme in den Gabelbrücken verdreht - das lässt sich ausrichten, sagt dir aber nichts darüber, ob die Holme selbst noch gerade sind.
Und dann drück die Gabel im Stand mit gezogener Vorderbremse mehrmals kräftig durch. Sie muss gleichmäßig arbeiten, ohne Haken, ohne Stellen, an denen es schwerer geht. Das ist kein Beweis, aber ein Hinweis: Ein krummer Holm klemmt.
Der ehrliche Rest ist unbequem. Sicher weißt du es erst, wenn die Holme ausgebaut und gemessen sind - und wer das machen lässt, zahlt für Arbeit an einem Motorrad, das ihm noch nicht gehört. Genau deshalb ist ein Frontschaden die Schadensart, bei der aus einem Schnäppchen am häufigsten ein Fass ohne Boden wird.
Der unterschätzteste Posten überhaupt, weil er auf keinem Foto zu sehen ist und im ersten Monat nicht auffällt.
Ein Motorrad, das nach dem Unfall geborgen und auf eine Pritsche geladen wurde - abgeschleppt werden Krafträder nicht -, steht danach selten trocken. Es steht auf einem Hof, oft wochenlang, meistens ohne Plane, oft mit abgerissener Verkleidung, sodass Regen genau dorthin kommt, wo sonst nie Wasser hinkommt: an Steckverbindungen, an den Kabelbaum, ans Cockpit, an die Steuergeräte.
Wasser in einem Stecker macht keinen sofortigen Ausfall. Es macht Korrosion, und Korrosion braucht Zeit. Die Fehler kommen im übernächsten Winter: eine Zündaussetzung bei Nässe, ein Blinker, der manchmal geht, ein Startversuch, der an einem feuchten Morgen ins Leere läuft. Dann sitzt du vor einem Fehlerbild, das keine Werkstatt schnell findet, weil es keine Ursache hat, sondern zwanzig.
Deshalb ist die Standzeit die Frage, die du unbedingt stellst, und zwar sehr konkret: Wann war der Unfall, und wo hat das Motorrad seitdem gestanden? Ein Motorrad, das drei Tage nach dem Sturz in einer Halle war, ist eine völlig andere Ware als eines, das seit acht Monaten hinter einem Zaun steht.
Dazu ein zweiter Punkt, banal, aber teuer: Ein Tank, der ein halbes Jahr halb voll im Freien stand, ist innen nicht mehr derselbe, und was sich dort löst, wandert in Pumpe und Einspritzung.
Jetzt zu dem Irrtum, der die meisten Käufe rettet, die eigentlich nicht zu retten waren: die Annahme, dass irgendjemand die Reparatur amtlich abgesegnet hat.
Hat er nicht.
Deutsche Fahrzeugpapiere kennen keine Unfall-Kennzeichnung. Es gibt kein Feld, in dem steht, dass dieses Motorrad einmal ein wirtschaftlicher Totalschaden war. Die Dokumente eines nie berührten Motorrads und die eines wieder aufgebauten sehen identisch aus.
Und eine allgemeine Pflicht, ein repariertes Unfallfahrzeug erneut vorführen zu lassen, gibt es ebenfalls nicht. Eine Vollabnahme wird erst zum Thema, wenn die Betriebserlaubnis erloschen ist; die Hauptuntersuchung, wenn ihr Termin da ist - war das Motorrad abgemeldet und der Termin in dieser Zeit verstrichen, dann bei der Wiederzulassung. Beide prüfen den Zustand am Prüftag, nicht die Geschichte.
Das ist kein Vorwurf an die Prüforganisationen, das ist ihr Auftrag. Nur zieht daraus fast jeder den falschen Schluss: Eine frische Plakette bedeutet, dass an diesem Tag die geprüften Punkte in Ordnung waren. Sie bedeutet nicht, dass der Rahmen gerade ist.
Ob er gerade ist, sagt dir nur eine Vermessung durch jemanden, der das kann. Das kostet Geld, und es fühlt sich falsch an, es für ein fremdes Motorrad auszugeben. Es ist trotzdem der einzige Posten in diesem Artikel, bei dem sich Geiz sicher rächt.
Praktisch geht das so: Du suchst dir vorher einen Betrieb, der Motorradrahmen vermisst, und fragst nach Preis und Wartezeit. Erwarte dabei keinen um die Ecke - anders als Karosseriebetriebe fürs Auto sind das bundesweit einige wenige Spezialisten. Dafür wird heute mit mobilen Lasersystemen gemessen, für die das Motorrad nicht zerlegt werden muss. Dann verabredest du mit dem Verkäufer, dass ihr vor dem Kauf gemeinsam dorthin fahrt - oder dass er dir das Motorrad bis zum Befund zurückstellt. Ein Verkäufer, der von seinem Motorrad überzeugt ist, geht darauf ein. Einer, der sofort abwinkt, hat dir gerade die wichtigste Antwort des Tages gegeben - kostenlos.
Jetzt der Teil, der nicht abschreckt, sondern sortiert. Denn es gibt sie, die guten Käufe.
Echte Ersparnis liegt dort, wo der Schaden auf angeschraubten Teilen sitzt. Verkleidungsteile, Spiegel, Hebel, Blinker, Schutzbleche, Fußrastenanlage, ein Endschalldämpfer, ein Lenker. Alles Teile, für die es einen lebendigen Gebrauchtmarkt gibt, weil andere genau dieselben Teile ausschlachten. Wer schrauben kann, Zeit hat und geduldig sammelt, fährt hier tatsächlich billiger - und zwar deutlich.
Grenzfall ist alles, was zwar teuer, aber sauber austauschbar ist. Räder, Tank, Kühler, Auspuffanlage, Bremsscheiben. Das rechnet sich, wenn du Neupreise durch Gebrauchtteile ersetzen kannst, und es rechnet sich nicht, wenn du beim Händler bestellen musst. Der Verkleidungssatz eines Sportlers zum Listenpreis kann allein mehr kosten als das ganze Motorrad wert ist.
Die offene Rechnung ist alles, was Rahmen, Lenkkopf, Schwinge, Gabel oder Motorgehäuse betrifft. Nicht weil es unreparierbar wäre - das ist es meistens - sondern weil du die Summe erst kennst, wenn vermessen wurde, und die Vermessung schon Geld kostet. Vermessung, Richten, Zerlegen und Zusammenbauen fressen den Abstand zum unbeschädigten Gebrauchtmotorrad regelmäßig auf. Wer schon eine Richtwerkstatt an der Hand hat und ehrliche Zahlen bekommt, kann das rechnen. Wer aus dem Bauch kauft, kauft eine Zahl, die er noch nicht kennt.
Und ein Posten kommt noch vor allen dreien: der Transport. Das Motorrad fährt nicht nach Hause. Es bleiben ein Anhänger, ein gemieteter Transporter oder eine Motorradspedition, die Sammeltransporte fährt. Der Haken ist dabei nicht die Fahrt, sondern das Verladen: Gerechnet wird mit einem Motorrad, das rollt und lenkt - und genau das tut deins nach einem Frontschaden womöglich nicht. Wer selbst lädt, braucht eine Rampe, Zurrgurte an tragenden Teilen statt an Spiegel oder Verkleidung und eine zweite Person, die hält. Kläre das, bevor du bietest: Auf dem Auktionshof läuft nach wenigen Werktagen das Standgeld.
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Beides ist modellunabhängig und bleibt dir erhalten, auch wenn aus diesem Motorrad am Ende nichts wird. Die zweite Person, die hält, ersetzen sie nicht.
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Was in fast jeder Rechnung fehlt, ist der letzte Posten: der Wiederverkauf. Ein Motorrad mit Unfallvorgeschichte bleibt eines. Der nächste Käufer wird danach fragen, und die Antwort gehört ins Inserat. Damit gibst du den Abschlag, den du beim Kauf bekommen hast, beim Verkauf wieder ab. Wer das Motorrad zehn Jahre fährt, den stört das nicht. Wer nach zwei Saisons wechseln will, hat sich verrechnet.
Wer ein Unfallmotorrad kaufen will, rechnet also nicht mit drei Posten, sondern mit fünf: Transport, Teile, Arbeit, Prüfung - und der Abschlag, den er beim eigenen Verkauf wieder abgibt.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: August 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag eine Prüforganisation, deinen Versicherer oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.
Es gibt einen einfachen Satz, mit dem sich fast jedes Angebot dieser Art sortieren lässt. Er lautet: Was ist dran kaputt, und lässt es sich abschrauben?
Ist die Antwort ja, dann kann ein Unfallmotorrad kaufen die vernünftigste Entscheidung sein, die du in diesem Jahr triffst. Verkleidungsteile, Hebel und Blinker sind Geld, aber sie sind kein Risiko. Du siehst genau, was du reparierst, und du weißt, wann du fertig bist.
Ist die Antwort nein - weil es um Rahmen, Lenkkopf, Gabel oder Motorgehäuse geht - dann kaufst du keine Reparatur, sondern eine Wette. Nicht weil sich das nicht machen ließe, dafür gibt es Richtwerkstätten. Sondern weil dir am Anfang genau die Information fehlt, die alles entscheidet, und weil sie sich nur mit Geld beschaffen lässt, das dir danach für die Reparatur fehlt.
Der beste Zeitpunkt, das zu merken, ist vor der Überweisung. Der schlechteste ist der erste Kilometer, auf dem das Motorrad in eine Richtung zieht, in die du gar nicht wolltest.
Kann ich als Privatperson ein Unfallmotorrad ersteigern?
Es kommt auf die Plattform an. Die Restwertbörsen, über die Versicherer und Sachverständige den Restwert ermitteln, richten sich an gewerbliche Bieter. Bei den großen offenen Auktionsplattformen können sich dagegen auch Privatleute registrieren, ohne Gewerbeschein und gegen eine Jahresmitgliedschaft. Dort kommen auf den Zuschlag allerdings Käufer-, Gebots- und Abholgebühren sowie Standgeld - in der Summe ein zweistelliger Prozentsatz.
Was bedeutet „Bastlerfahrzeug” im Inserat?
Es ist eine Kategorie, keine Zustandsbeschreibung. Der Verkäufer bietet das Motorrad als Sammlung von Teilen an und nicht als fahrbereites Fahrzeug. Über den technischen Zustand sagt der Begriff nichts - es kann ein fehlender Vergaser sein und ein verzogener Rahmen. Frag deshalb immer nach dem konkreten Schaden.
Steht ein Unfallschaden in den Fahrzeugpapieren?
Nein. Deutsche Fahrzeugpapiere haben kein Feld für eine Unfallvorgeschichte. Die Dokumente eines nie beschädigten und die eines wieder aufgebauten Motorrads sehen identisch aus. Ein anderes System gibt es in den USA, wo für Schadenfahrzeuge ein eigenes Papier ausgestellt wird.
Muss ein repariertes Unfallmotorrad neu abgenommen werden?
Eine allgemeine Pflicht dazu gibt es nicht. Eine Vollabnahme wird erst zum Thema, wenn die Betriebserlaubnis erloschen ist; die Hauptuntersuchung wird fällig, wenn ihr Termin ansteht - war das Motorrad abgemeldet und der Termin in dieser Zeit verstrichen, dann bei der Wiederzulassung. Beide prüfen den Zustand am Prüftag, nicht die Reparaturqualität und nicht die Vorgeschichte.
Woran erkenne ich einen verzogenen Rahmen?
Mit dem Auge fast nie. Ein Rahmen kann um wenige Millimeter verzogen sein und tadellos aussehen. Auffällig wird es im Fahrverhalten: Das Motorrad zieht in eine Richtung, Rechts- und Linkskurven fühlen sich unterschiedlich an, bei höherem Tempo wird es unruhig, und die Gerade hältst du nur, wenn du leicht gegenhältst. Sicherheit gibt nur eine Vermessung in einer Richtwerkstatt - und deren Protokoll ist das Dokument, nach dem du beim Kauf fragst.
Woran sehe ich, ob der Rahmen der originale ist?
An der eingeschlagenen Fahrzeug-Identifizierungsnummer, meist im Bereich des Lenkkopfs - der Rahmen ist beim Motorrad das Bauteil, an dem die Identität des Fahrzeugs hängt (Fundstelle: § 59 Absatz 2 StVZO). Vergleich sie Zeichen für Zeichen mit den Papieren und sieh dir die Prägung an. Findest du eine durchkreuzte Nummer und daneben eine zweite, stammt der Rahmen aus einem anderen Fahrzeug. Frag in dem Fall nach den Papieren dazu.
Warum ist die Standzeit nach dem Unfall so wichtig?
Weil beschädigte Motorräder oft monatelang im Freien stehen, meist mit abgerissener Verkleidung. Wasser kommt dann an Stecker, Kabelbaum und Steuergeräte. Der Ausfall passiert nicht sofort, sondern über Korrosion, und zeigt sich als sporadischer Fehler ein bis zwei Jahre später. Frag konkret: Wann war der Unfall, und wo stand das Motorrad seitdem?
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