Drehmomentschlüssel am Motorrad richtig nutzen – Klick ist nicht gleich Klick

MotorradZoneMotorradZoneTipps & Ratgebervor 2 Stunden131 Aufrufe

Es gibt diesen einen Moment, den jeder Schrauber kennt. Du setzt den Drehmomentschlüssel an die Achsmutter, ziehst langsam – und dann: Klick. Erleichterung. Fertig. Sicher. Oder?

Die Wahrheit ist: Zwischen dem Klick, der Sicherheit bedeutet, und dem Klick, der nur gut klingt, liegen manchmal Welten. Ein Drehmomentschlüssel am Motorrad ist kein Werkzeug, das Fehler verzeiht. Er ist ein Präzisionsinstrument – und wenn du ihn falsch benutzt, gibt er dir trotzdem ein Klick. Nur eben das falsche.

Dieser Ratgeber zeigt dir, was die meisten Hobbyschrauber nicht wissen: warum das Drehmoment am Motorrad so kritisch ist, welche Fehler du mit dem besten Schlüssel der Welt machen kannst und wie du Schraubverbindungen hinbekommst, die halten – bei 8.000 Umdrehungen, bei 200 km/h, bei Regen auf der A7.

Warum Drehmoment am Motorrad keine Nebensache ist

Ein Auto verzeiht vieles. Vier Räder, breite Aufstandsfläche, Karosserie als Sicherheitszelle. Ein Motorrad verzeiht nichts. Jede Schraubverbindung an deiner Maschine ist ein Versprechen: Ich halte. Und wenn dieses Versprechen bricht – auf der Landstraße bei 120, in der Schräglage, bei nassem Asphalt – dann gibt es keinen Airbag, keine Knautschzone, kein „Nochmal-Glück-gehabt”.

Am Motorrad sind die Vibrationen brutal. Ein Einzylinder-Thumper wie die Yamaha SR 500 schüttelt anders als ein Boxermotor, und ein Vierzylinder mit 14.000 Umdrehungen bringt Frequenzen ins Spiel, die Schrauben buchstäblich losvibrieren. Das Drehmoment ist die einzige Versicherung dagegen.

⚠️ Sicherheitshinweis: Eine zu locker angezogene Achsmutter kann sich während der Fahrt lösen – das Rad blockiert oder löst sich, ein Sturz bei jedem Tempo ist die Folge. Zu fest angezogen wird die Bremsscheibe verzogen oder das Gewinde im Aluminium reißt aus. Beides kann tödlich enden.

Und es geht nicht nur um die großen Schrauben. Die Bremssattelbolzen deiner Vorderradbremse? 25 bis 35 Nm, je nach Hersteller. Klingt nach nichts. Aber zieh sie mit 50 Nm an, und das Aluminium des Bremssattels gibt irgendwann nach – nicht sofort, aber nach ein paar tausend Kilometern. Zieh sie nur mit 15 Nm an, und eines Tages rutscht der Sattel auf dem Halter. In der Kurve. Bergab.

Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Die drei Typen – und welchen du wirklich brauchst

Nicht jeder Drehmomentschlüssel ist für jede Arbeit am Motorrad geeignet. Und nicht jeder teure ist besser als ein solider aus dem Mittelfeld.

Der auslösende Drehmomentschlüssel (Knackschlüssel) ist der Klassiker. Du stellst das Soll-Drehmoment über eine Skala am Griff ein, ziehst die Schraube an – und bei Erreichen des Werts kippt ein Mechanismus im Inneren um. Das Ergebnis: ein spürbares und hörbares Knacken. Ab diesem Punkt darfst du nicht weiterdrehen.

Der anzeigende Drehmomentschlüssel zeigt dir über eine Messuhr oder eine Biegeskala das aktuelle Drehmoment in Echtzeit an. Du musst selbst aufhören, wenn der richtige Wert erreicht ist. Klingt simpel, erfordert aber Disziplin – besonders bei hohen Werten, wenn die Hand schon zittert.

Der elektronische Drehmomentschlüssel piept, blinkt, zeigt Werte digital an und speichert auf Wunsch die letzten Messungen. Präzise? Absolut. Nötig für die Garagenschrauberei? Meistens nicht – es sei denn, du dokumentierst für den TÜV oder baust beruflich Motoren.

Für die meisten Arbeiten am Motorrad brauchst du zwei Schlüssel. Einen kleinen mit 3/8-Zoll-Antrieb für den Bereich von 5 bis 30 Nm – das sind Bremssattelbolzen, Verkleidungsschrauben, Lenkerklemmungen, Ölablassschrauben. Und einen großen mit 1/2-Zoll-Antrieb für den Bereich von 40 bis 200 Nm – das sind Achsmuttern, Ritzel-Zentralmutter, Zylinderkopfschrauben.

Einen einzigen Schlüssel für alles? Gibt es nicht. Der Bereich von 3 bis 200 Nm ist zu groß. Ein Schlüssel mit Bereich 20 bis 110 Nm kann zwar 25 Nm anzeigen – aber das Auslösesignal ist bei so niedrigen Werten kaum spürbar. Du drehst über, ohne es zu merken.

Der Klick, der lügt – die sieben häufigsten Fehler

Hier wird es ernst. Denn die meisten Fehler passieren nicht aus Unwissen, sondern aus Gewohnheit. Und ein Drehmomentschlüssel bestraft schlechte Gewohnheiten nicht sofort – sondern erst auf der Straße.

Fehler 1: Nach dem Klick weiterdrehen. Das ist der Klassiker. Du hörst das Knacken und denkst: „Noch ein bisschen, sicher ist sicher.” Falsch. Der Klick bedeutet: Stopp. Sofort. Jedes weitere Grad überdreht die Schraubverbindung und verfälscht die Vorspannkraft. Bei Aluminium-Gewinden – und davon hat dein Motorrad reichlich – reichen wenige Grad zu viel für einen Materialriss.

Fehler 2: Ruckartig ziehen. Ein schneller Ruck am Hebel erzeugt einen Kraftimpuls, der den Auslösemechanismus überspringt. Das Knacken kommt – aber das Drehmoment ist längst überschritten. Richtig geht es nur langsam. Gleichmäßig. Du solltest spüren, wie der Widerstand zunimmt, bevor das Knacken einsetzt.

Fehler 3: Falscher Anfassungspunkt. Jeder Drehmomentschlüssel ist auf eine bestimmte Hebellänge kalibriert. Die Markierung am Griff zeigt dir, wo deine Hand hingehört. Fasst du weiter vorne an, wird der Hebelarm kürzer – und du brauchst mehr Kraft für dasselbe Drehmoment. Fasst du weiter hinten an, reicht weniger Kraft – und du übersteigst den Wert, ohne es zu merken.

Fehler 4: Zum Lösen benutzen. Ein Drehmomentschlüssel ist kein Schraubenschlüssel. Niemals. Er ist ein Messinstrument, das in eine Richtung funktioniert: Anziehen. Wer damit Schrauben löst, überlastet die innenliegende Feder und ruiniert die Kalibrierung. Nach ein paar Löse-Aktionen zeigt dein 30-Nm-Schlüssel vielleicht noch 25 Nm an – ohne dass du es merkst.

Fehler 5: Nicht entspannen nach Gebrauch. Die Feder im Inneren eines Knackschlüssels wird bei eingestelltem Wert permanent vorgespannt. Lässt du den Schlüssel über Wochen oder Monate auf 80 Nm stehen, ermüdet das Federmaterial. Die Folge: schleichende Ungenauigkeit. Nach dem Schrauben stellst du den Wert immer auf die niedrigste Markierung zurück. Immer. Ausnahme: Hochwertige Schlüssel mit Biegestab-Mechanik (z. B. von Stahlwille) arbeiten nicht mit einer vorgespannten Feder, sondern mit einem nahezu verschleißfreien Biegestab, der nur im Moment der Belastung beansprucht wird. Diese Schlüssel müssen nicht auf Null zurückgestellt werden – der Hersteller weist explizit darauf hin. Für die restlichen 95 Prozent aller Schlüssel auf dem Markt gilt jedoch: Immer entspannen.

Fehler 6: Geschmierte Gewinde ohne Korrektur. Fett auf dem Gewinde verändert das Reibungsverhalten – und damit die reale Klemmkraft. Anzugsmomente in Werkstatthandbüchern gelten fast immer für trockene, saubere Gewinde. Wer die Schraube vorher ölt (manche Hersteller verlangen das für bestimmte Stellen), muss das Soll-Drehmoment um etwa 15 bis 20 Prozent reduzieren. Und wer Schraubensicherung wie Loctite verwendet, darf definitiv kein zusätzliches Fett verwenden – beides zusammen neutralisiert die Sicherungswirkung. Was viele nicht wissen: Auch flüssige Schraubensicherung wie Loctite wirkt beim Eindrehen wie ein Schmiermittel – solange sie noch nicht ausgehärtet ist. Der Reibwert im Gewinde sinkt dabei ähnlich wie bei leichtem Öl. Profis reduzieren deshalb auch bei Loctite-Verschraubungen das Drehmoment um 10 bis 15 Prozent, sofern das Werkstatthandbuch keine eigene Angabe für „nasse” Montage macht. Arbeite hier besonders gefühlvoll – ein überdehntes Gewinde lässt sich nicht reparieren, nur ersetzen.

Fehler 7: Falscher Drehmomentbereich. Du willst eine Schraube mit 8 Nm anziehen und nimmst den großen 40-200-Nm-Schlüssel, weil der gerade in Reichweite liegt? Das funktioniert nicht. Die DIN EN ISO 6789 definiert die Genauigkeit eines Drehmomentschlüssels nur im Bereich von 20 bis 100 Prozent seiner Skala. Unterhalb von 20 Prozent ist die Auslösegenauigkeit so schlecht, dass du im Blindflug schraubst.

Die richtige Technik – Schritt für Schritt

Ein Drehmomentschlüssel verzeiht keine Schlamperei, aber er belohnt Sorgfalt. Und sorgfältiges Arbeiten ist kein Hexenwerk – es ist eine Gewohnheit.

Schritt 1: Das Drehmoment nachschlagen. Klingt banal, wird trotzdem ständig übersprungen. Öffne das Werkstatthandbuch deiner Maschine und suche das exakte Drehmoment für die Schraube, die du anziehen willst. Nicht die Tabelle vom Kumpel, nicht das Forum, nicht das Bauchgefühl. Das Handbuch. Dort steht zum Beispiel: Achsmutter hinten 108 Nm, Ölablassschraube 20 Nm, Bremssattelbolzen 30 Nm. Jede Maschine hat andere Werte.

Schritt 2: Gewinde und Auflageflächen reinigen. Schmutz, Rost, alte Schraubensicherung – all das verfälscht das Drehmoment. Nimm eine Messingbürste (keine Stahlbürste – die beschädigt Alu-Gewinde) und reinige Gewinde und Auflagefläche. Sauber heißt: metallisch blank, trocken, frei von Öl – es sei denn, der Hersteller gibt ausdrücklich Schmierung vor.

Schritt 3: Schraube handfest anziehen. Bevor der Drehmomentschlüssel zum Einsatz kommt, drehst du die Schraube von Hand oder mit einer normalen Ratsche ein, bis sie plan aufliegt. Nicht fest – nur bis zum Kontakt. Der Drehmomentschlüssel übernimmt erst den letzten Schritt.

Schritt 4: Drehmoment einstellen und anziehen. Stelle den Wert am Griff ein, setze den Schlüssel an – und ziehe langsam, gleichmäßig, in einem Zug. Die Hand greift genau an der Markierung. Sobald das Knacken kommt: Stopp. Nicht nachsetzen. Nicht „noch ein Tick”. Stopp.

Schritt 5: Bei Mehrfachverschraubungen über Kreuz arbeiten. Vier Schrauben am Zylinderkopf? Nicht eine nach der anderen auf volles Drehmoment bringen. Erst alle handfest, dann über Kreuz stufenweise erhöhen – zum Beispiel erst auf 50 Prozent des Sollwerts, dann auf 100 Prozent. Das verteilt die Klemmkraft gleichmäßig und verhindert, dass sich das Bauteil verzieht.

Der Parallaxe-Effekt – wenn deine Augen lügen

Klingt nach Physik-Unterricht, ist aber einer der häufigsten Gründe für falsch eingestellte Drehmomentschlüssel. Die meisten Knackschlüssel haben eine Skala mit einer Markierungslinie. Schaust du genau von oben drauf, liest du 30 Nm ab. Schaust du leicht von der Seite, liest du 28 oder 32 Nm – je nach Blickwinkel.

Der Parallaxe-Effekt ist derselbe Grund, warum dein analoger Tacho bei leicht geneigtem Kopf eine andere Geschwindigkeit zeigt. Am Drehmomentschlüssel bedeutet das: Immer senkrecht von oben auf die Skala schauen. Nicht schräg, nicht im Halbdunkel der Garage. Wer unsicher ist, nimmt eine Taschenlampe und positioniert sich so, dass die Markierung exakt mit dem Skalenstrich fluchtet.

Elektronische Schlüssel haben dieses Problem nicht – ein weiterer Punkt, der für die digitale Variante spricht, wenn du regelmäßig schraubst.

Kalibrierung – der vergessene Wartungsposten

Dein Drehmomentschlüssel ist selbst ein Wartungsobjekt. Das vergessen die meisten. Die innenliegende Feder altert. Der Auslösemechanismus verschleißt. Und irgendwann zeigt dein Schlüssel nicht mehr 30 Nm an, wenn er 30 Nm auslöst – sondern 26. Oder 34.

Die DIN EN ISO 6789 empfiehlt eine Rekalibrierung nach zwölf Monaten Nutzung oder 5.000 Lastwechseln – je nachdem, was zuerst eintritt. Die zulässige Abweichung liegt bei ±4 Prozent. Das klingt großzügig, aber bei einer Achsmutter mit 110 Nm Sollwert bedeuten 4 Prozent Abweichung immerhin 4,4 Nm Differenz.

Erschreckend: Laut Erfahrungen von Prüforganisationen liegen bei Erstprüfungen bis zu drei Viertel aller Drehmomentschlüssel außerhalb der Toleranz. Drei Viertel. Dein billiger Schlüssel aus dem Baumarkt, der seit fünf Jahren in der Schublade liegt – der knackt zwar noch, aber was er anzeigt, hat mit der Realität möglicherweise wenig zu tun.

Eine professionelle Kalibrierung kostet zwischen 50 und 150 Euro pro Schlüssel. Bei einem 30-Euro-Werkzeug lohnt sich das kaum – kauf lieber ein neues. Bei einem Qualitätsschlüssel von Stahlwille, Hazet oder Gedore ist die Kalibrierung alle ein bis zwei Jahre eine lohnende Investition.

Welche Schrauben wirklich einen Drehmomentschlüssel brauchen

Nicht für jede Schraube am Motorrad brauchst du das Präzisionsinstrument. Die Verkleidungsschraube, die deinen Windschild hält? Die kannst du mit Gefühl anziehen – wenn du weißt, was „handfest” bedeutet. Der Blinkerhalter? Ebenfalls kein Drama.

Aber es gibt Schraubverbindungen, bei denen es keine Diskussion gibt:

Radachsen: Hier geht es um die Verbindung zwischen deinem Fahrwerk und dem Boden. Zu locker, und das Rad bekommt Spiel. Zu fest, und die Radlager werden verspannt. Beides endet schlecht.

Bremssattelbolzen: Deine Bremse ist das wichtigste Sicherheitssystem am Motorrad. Die Schrauben, die den Sattel am Gabelholm halten, müssen exakt sitzen. Keine Schätzung, kein Bauchgefühl.

Ölablassschraube: Ein Klassiker unter den Pannenursachen. Zu locker – Ölverlust auf dem Hinterreifen. Zu fest – Aluminium-Gewinde im Motorgehäuse ausgerissen. Beides steht auf der Liste der Schäden, die kein Schrauber zweimal macht. Die Werte liegen typischerweise zwischen 15 und 25 Nm, je nach Hersteller.

Zylinderkopfschrauben: Hier wird es kritisch, weil verzogene Dichtflächen zu Öl- und Kühlmittelverlust führen. Viele Hersteller geben nicht nur ein Drehmoment vor, sondern einen Winkelanzug – erst X Nm, dann noch Y Grad weiterdrehen.

Ritzel-/Kettenrad-Zentralmutter: Hohe Drehmomente (oft über 100 Nm), hohe Vibrationsbelastung. Wer hier nach Gefühl arbeitet, spielt russisches Roulette.

Lenkerklemmung und Gabelbrücke: Alles, was zwischen deinen Händen und dem Vorderrad sitzt, muss exakt fixiert sein. Ein Lenker, der sich unter Bremsdruck verdreht, ist der Beginn einer Geschichte, die niemand hören will.

Drehmomentschlüssel kaufen – worauf du achten solltest

Der Markt ist voll von Angeboten zwischen 15 und 500 Euro. Die Frage ist nicht, ob du Geld ausgeben musst, sondern wofür.

Genauigkeit: Die DIN EN ISO 6789 fordert ±4 Prozent im oberen Bereich der Skala. Günstige Schlüssel liegen oft bei ±6 Prozent oder darüber – und das nur ab Werk. Nach zwei Jahren ohne Kalibrierung ist die reale Abweichung unbekannt.

Ratschenmechanismus: Ein sauberer, spielfreier Mechanismus macht den Unterschied. Billige Schlüssel haben oft deutliches Spiel im Kopf – das kostet dich Feingefühl und Genauigkeit.

Skalenablesbarkeit: Du willst die Skala auch in der dunklen Garage ohne Verrenkungen ablesen können. Manche Hersteller wie Stahlwille drucken die Werte direkt am Fenster auf – andere verstecken sie am Schaftende.

Aufbewahrung: Ein guter Drehmomentschlüssel wird im Koffer geliefert, der ihn vor Stößen und Feuchtigkeit schützt. Kein Werkzeugwagen-Schubfach, in dem er gegen Schraubendreher und Zangen klappert.

Meine Empfehlung für den Einstieg: Zwei Schlüssel im Bereich 5–30 Nm und 40–200 Nm von einem Markenhersteller. Hazet, Gedore, Proxxon, Wera oder Stahlwille – alle liefern solide Qualität im Hobbybereich zwischen 50 und 120 Euro pro Schlüssel.

⚠️ Sicherheitshinweis: Ein unkalibrierter oder beschädigter Drehmomentschlüssel gibt dir ein falsches Sicherheitsgefühl. Im schlimmsten Fall versagt eine sicherheitsrelevante Schraubverbindung während der Fahrt – mit potenziell tödlichen Folgen.

Lagerung und Pflege – damit der Klick ehrlich bleibt

Ein Drehmomentschlüssel ist kein Hammer. Kein Brecheisen. Kein „Hol-mal-schnell”-Werkzeug. Er ist ein Messinstrument, das Pflege verdient.

Nach jeder Benutzung: Wert auf die niedrigste Markierung zurückstellen (außer bei Biegestab-Schlüsseln, siehe oben). Die Feder entspannen. Im Koffer verstauen. Nicht in der feuchten Garage auf dem Boden liegen lassen.

Reinigung: Trockenes Tuch. Keine Lösungsmittel, kein WD-40 am Mechanismus. Wenn der Auslösekopf hakelt, nicht selbst reparieren – einschicken zum Service.

Temperatur: Extreme Kälte oder Hitze beeinflussen die Federcharakteristik. Ein Schlüssel, der im ungeheizten Schuppen bei –10°C überwintert, kann im Frühjahr andere Werte zeigen als im Sommer. Profiwerkzeug ist kalibriert für den Bereich von etwa –15 bis +40°C (nach DIN EN ISO 6789). Deine Garagentemperatur liegt meistens irgendwo dazwischen – aber bei extremer Kälte oder direkter Sonneneinstrahlung solltest du vorsichtig sein.

Der letzte Gedanke

Ein Drehmomentschlüssel ist kein Statuszeichen und kein Spielzeug. Er ist das Werkzeug, das den Unterschied macht zwischen „ich schraube gern” und „ich schraube verantwortungsvoll”. Und Verantwortung heißt am Motorrad: Dein Rad bleibt dran, deine Bremse hält, dein Motor überlebt die nächsten 50.000 Kilometer.

Das Knacken, das du hörst, wenn du den Schlüssel richtig benutzt, ist kein Geräusch. Es ist ein Versprechen.

Ob du dieses Versprechen hältst, liegt nicht am Werkzeug. Sondern daran, ob du dir die drei Minuten nimmst, das Handbuch zu öffnen, den richtigen Wert nachzuschlagen und den Schlüssel korrekt anzusetzen. Drei Minuten, die über tausende Kilometer entscheiden.

❓ Häufige Fragen zum Drehmomentschlüssel am Motorrad

Welchen Drehmomentschlüssel brauche ich fürs Motorrad?

Für die meisten Arbeiten brauchst du zwei Schlüssel: einen kleinen mit 3/8-Zoll-Antrieb im Bereich 5–30 Nm (für Bremssattel, Ölablassschraube, Verkleidung) und einen großen mit 1/2-Zoll-Antrieb im Bereich 40–200 Nm (für Achsmuttern, Zentralmutter, Zylinderkopf). Ein einzelner Schlüssel deckt nicht den gesamten Bereich ab.


Darf ich nach dem Klick noch weiterdrehen?

Nein. Sobald der Drehmomentschlüssel knackt, ist das Soll-Drehmoment erreicht. Weiteres Drehen überschreitet den Wert und kann das Gewinde beschädigen oder die Schraube überdehnen. Bei Aluminium-Bauteilen reichen wenige Grad zu viel für einen Materialriss.


Kann ich mit dem Drehmomentschlüssel auch Schrauben lösen?

Niemals. Der Drehmomentschlüssel ist ausschließlich zum Anziehen konstruiert. Beim Lösen wird die innenliegende Feder überlastet, was die Kalibrierung zerstört. Zum Lösen verwendest du eine normale Ratsche oder einen Ringschlüssel.


Wie oft muss ein Drehmomentschlüssel kalibriert werden?

Die DIN EN ISO 6789 empfiehlt eine Kalibrierung nach zwölf Monaten Nutzung oder 5.000 Lastwechseln – je nachdem, was zuerst eintritt. Für Hobbyschrauber, die den Schlüssel nur wenige Male im Jahr nutzen, reicht eine Prüfung alle zwei bis drei Jahre. Professionelle Werkstätten kalibrieren oft halbjährlich.


Muss ich den Drehmomentschlüssel nach der Benutzung entspannen?

Bei den meisten Schlüsseln mit klassischer Spiralfeder: ja, unbedingt. Die Feder wird bei eingestelltem Drehmoment dauerhaft vorgespannt und ermüdet mit der Zeit. Nach jedem Einsatz den Wert auf die niedrigste Markierung zurückstellen. Ausnahme: Schlüssel mit Biegestab-Mechanik (z. B. Stahlwille) benötigen kein Zurücksetzen, da der Biegestab nur unter Last beansprucht wird.


Soll ich Schrauben vor dem Anziehen mit dem Drehmomentschlüssel fetten?

Nur wenn der Hersteller es ausdrücklich vorschreibt. Anzugsmomente im Werkstatthandbuch gelten fast immer für trockene, saubere Gewinde. Fett reduziert die Reibung, wodurch bei gleichem Drehmoment eine höhere Klemmkraft entsteht – das kann zu Überbelastung führen. Auch flüssige Schraubensicherung wie Loctite wirkt beim Eindrehen wie ein Schmiermittel und senkt den Reibwert, solange sie noch nicht ausgehärtet ist. Aber Achtung: Wenn der Hersteller im Handbuch Loctite oder Fett ausdrücklich vorschreibt und einen Wert nennt, ist die Reibungsminderung darin bereits eingerechnet – dann das genaue Handbuch-Drehmoment verwenden. Trägst du Loctite jedoch auf eigene Faust auf ein eigentlich „trockenes” Gewinde auf, solltest du das Drehmoment um ca. 10 bis 15 Prozent reduzieren.


Was passiert bei falschem Anzugsmoment am Motorrad?

Zu wenig Drehmoment: Die Schraube kann sich durch Vibrationen lösen – besonders gefährlich bei Achsen, Bremsen und Fahrwerkskomponenten. Zu viel Drehmoment: Gewinde können ausreißen, Dichtflächen sich verziehen, Bauteile brechen. Beides kann zum Verlust der Betriebserlaubnis nach §19 StVZO führen, wenn sicherheitsrelevante Teile betroffen sind.

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