Durchschnittsalter 19,8 Jahre: Das Motorrad in Deutschland ist fast doppelt so alt wie das Auto

„Die ist schon alt, Baujahr 2008.“ Der Satz fällt auf dem Parkplatz vor dem Café, oft mit einem entschuldigenden Klopfen auf den Tank. Zu entschuldigen gibt es da nichts. Das Durchschnittsalter der Motorräder in Deutschland liegt bei 19,8 Jahren, so hat es das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum 1. Januar 2026 ausgezählt. Eine Maschine von 2008 ist jünger als der Schnitt.

Ein Pkw kommt in derselben Statistik auf 10,9 Jahre. Das Motorrad ist also fast doppelt so alt, und unter den 5,07 Millionen Krafträdern im Register haben mehr als eine Million die 30 schon hinter sich. Als Oldtimer anerkannt sind davon die wenigsten.

Das Durchschnittsalter steigt beim Motorrad schneller

Anfang 2017 lag das Durchschnittsalter der Krafträder laut KBA noch bei 17,1 Jahren, das der Pkw bei 9,3. Seitdem ist das Auto im Schnitt 1,6 Jahre älter geworden, das Motorrad 2,7 Jahre, und der Abstand ist auf knapp neun Jahre gewachsen. Beide Flotten altern, die der Motorräder schneller.

Wie schnell das geht, zeigt schon ein einziges Jahr. Vom 1. Januar 2025 bis zum 1. Januar 2026 wuchs die Gruppe der Krafträder mit 30 und mehr Jahren um 66.440 Maschinen, ein Plus von 6,4 Prozent. Der ganze Bestand legte im selben Jahr nur um 0,2 Prozent zu.

Am anderen Ende ging es abwärts. Die Gruppe unter fünf Jahren schrumpfte um knapp 47.000 Maschinen, und 2025 kamen 35,5 Prozent weniger neue Krafträder auf die Straße als im starken Jahr davor. Oben wächst die Flotte, unten kommt weniger nach. Für das Durchschnittsalter geht beides in dieselbe Richtung.

Zu den Krafträdern rechnet das Amt alles mit amtlichem Kennzeichen, vom 125er-Roller über die Reiseenduro bis zum Trike. Mofas und 50er mit Versicherungskennzeichen fehlen.

Drei über 30 auf jede neue Maschine

Hinter dem Durchschnitt steckt eine Verteilung, und die sieht bei Motorrad und Auto völlig verschieden aus.

Alter seit Erst­zulassungKrafträder in ProzentPkw in Prozent
unter 2 Jahre7,310,4
2 bis 4 Jahre11,013,3
5 bis 9 Jahre14,427,5
10 bis 14 Jahre10,921,0
15 bis 19 Jahre11,215,1
20 bis 24 Jahre11,46,9
25 bis 29 Jahre12,02,6
30 Jahre und älter21,83,1

Die Prozente zeigen den Anteil am jeweiligen Bestand zum 1. Januar 2026, gezählt vom Kraftfahrt-Bundesamt.

Beim Auto ballt sich der Bestand zwischen fünf und 14 Jahren, dahinter dünnt er schnell aus. Beim Motorrad sind die Gruppen fast gleich stark, von zwei bis 29 Jahren liegt jede bei rund elf bis 14 Prozent. Und dann kommt die letzte Zeile.

In absoluten Zahlen sind das 368.977 Krafträder unter zwei Jahren und 1.104.015 mit 30 oder mehr. Auf jede Maschine aus den letzten zwei Jahren kommen damit drei, die ihren 30. Geburtstag hinter sich haben. Beim Auto ist es umgekehrt, dort stehen mehr als drei junge Wagen gegen einen alten.

Maschinen, die vor 25 bis 29 Jahren erstmals zugelassen wurden, grob also die Jahrgänge 1996 bis 2000, gibt es noch 608.219. Die fünf Jahrgänge 2016 bis 2020 bringen es auf 731.875. Auf fünf Maschinen aus den Jahren um 2018 kommen damit noch mehr als vier aus den späten Neunzigern.

Mit 15 Jahren gilt ein Motorrad schnell als alt. Laut Tabelle ist aber mehr als die Hälfte aller Krafträder in Deutschland 15 Jahre oder älter, 56 Prozent. Beim Auto sind es 28 Prozent. Eine 15-jährige Maschine liegt im Kraftradbestand sogar unter dem Durchschnittsalter.

Gezählt wird mitten im Winter

Der 1. Januar wirkt wie ein ungünstiger Tag, um Motorräder zu zählen. Viele stehen dann unter der Plane. Ins Durchschnittsalter rechnet das KBA trotzdem jede Maschine ein, die im Zentralen Fahrzeugregister angemeldet ist, auch die mit Saisonkennzeichen, deren Saison gerade ruht. In der Statistik fehlen nur Motorräder, die über den Winter ganz abgemeldet sind.

Und Saisonkennzeichen sind beim Motorrad weit verbreitet. Zum 1. Januar 2025 hatten laut KBA 1.367.734 Krafträder ein Saisonkennzeichen, mehr als die Hälfte aller Fahrzeuge mit diesem Schild. Das war gut jedes vierte Kraftrad.

Die Abmeldungen über den Winter fallen dagegen kaum ins Gewicht. Zum 1. Juli 2026 meldete das Amt 5.155.719 Krafträder, 84.251 mehr als im Januar, und darin stecken auch die Neuzulassungen des Frühjahrs. Würden im Herbst Hunderttausende Maschinen abgemeldet und kämen im Frühjahr zurück, wäre dieser Unterschied viel größer.

Bewegt wird der Bestand aber wenig. Ein Kraftrad ist 2025 durchschnittlich 1.594 Kilometer gefahren, ein Pkw 10.616, auch das hat das KBA ausgerechnet. Mit diesem Schnitt käme eine 20 Jahre alte Maschine auf rund 32.000 Kilometer, so viel fährt ein Auto in drei Jahren.

Warum die Motorräder im Register so viel älter sind als die Autos, schreibt das KBA nicht dazu. Seine Zahlen zeigen aber eine andere Nutzung: oft nur in der Saison und mit rund einem Siebtel der Strecke eines Pkw. Bei so wenigen Kilometern nutzt sich eine Maschine langsamer ab.

Über 30, aber kein Oldtimer

Zum 1. Januar 2026 hatten 1.104.015 Krafträder die 30 erreicht. Das ist die Altersgrenze, ab der ein Fahrzeug als Oldtimer anerkannt werden kann. Als Oldtimer führt das KBA zum selben Stichtag aber nur 21.404 Krafträder, nicht einmal jedes fünfzigste.

Das Alter allein genügt dafür nicht. Oldtimer ist beim KBA ein Fahrzeug, das ein Sachverständiger per Gutachten anerkannt hat: weitestgehend im Originalzustand, gut erhalten, ein Stück Fahrzeuggeschichte. Erst dann gibt es auf Antrag das H-Kennzeichen. Die übrigen gut eine Million Maschinen tragen ein normales Kennzeichen.

Ganz anders sieht die Quote beim Auto aus. Von 1.545.070 Pkw mit 30 oder mehr Jahren sind 822.537 als Oldtimer anerkannt, mehr als die Hälfte.

Das H bringt am Motorrad allerdings weniger als am Auto. Ein Auto mit H-Kennzeichen darf ohne Plakette in die Umweltzone, ein Motorrad darf das sowieso: Zwei- und dreirädrige Fahrzeuge sind von diesen Fahrverboten ausgenommen. Und die Kfz-Steuer richtet sich beim Motorrad allein nach dem Hubraum, 1,84 Euro je angefangene 25 Kubikzentimeter, ganz gleich, wie alt die Maschine ist. Mit H sind es pauschal 46,02 Euro im Jahr.

Bis 625 Kubik spart das H damit keinen Cent, und Leichtkrafträder bis 125 Kubik und 11 kW sind ohnehin steuerfrei. Eine 1000er zahlt regulär 73,60 Euro und mit H 46,02, also 27,58 Euro weniger im Jahr. Dem steht das Gutachten gegenüber. Bei der Technischen Prüfstelle, in Bayern ist das TÜV SÜD, kostet es nach der Gebührenordnung 65 Euro plus Mehrwertsteuer, die Hauptuntersuchung nicht eingerechnet. Andere Prüforganisationen verlangen teils mehr. Dazu kommen die Gebühr der Zulassungsstelle und neue Schilder mit dem H.

Schon zum amtlichen Satz braucht eine ganzjährig zugelassene 1000er knapp drei Jahre, bis die Steuerersparnis das Gutachten wieder hereinholt. Auch für die Versicherung ist das H nicht nötig: Eine Oldtimer-Versicherung setzt es laut ADAC nicht voraus. Ob das alles die niedrige Oldtimer-Quote erklärt, verrät die Statistik nicht.

In Sachsen stehen die ältesten Motorräder

Je nach Bundesland unterscheidet sich das Durchschnittsalter deutlich. Am ältesten sind die Krafträder in Sachsen mit 23,7 Jahren, dahinter folgen Thüringen mit 23,5 sowie Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit je 22,5. Am jüngsten sind sie in Berlin mit 16,1 Jahren und in Hamburg mit 17,8. Bayern, das Land mit den meisten Krafträdern, liegt mit 19,9 fast genau auf dem Bundeswert.

Zwischen Sachsen und Berlin liegen beim Motorrad 7,6 Jahre. Ein solches Gefälle gibt es beim Auto nicht: Ein Pkw ist in beiden Ländern im Schnitt 11,1 Jahre alt, und über alle Länder hinweg liegt der Pkw-Schnitt zwischen 10,4 und 11,4 Jahren.

Auch bei den anerkannten Oldtimern liegt Sachsen vorn. Dort hat fast jedes hundertste Kraftrad das Gutachten, in Bayern nicht einmal jedes zweihundertste. Selbst Brandenburg, das ostdeutsche Flächenland mit dem niedrigsten Anteil, kommt auf fast das Doppelte des westdeutschen Spitzenreiters Baden-Württemberg.

In Österreich sind die Motorräder jünger

Über die Grenze lässt sich das Alter nur ungefähr vergleichen. Statistik Austria nennt in ihren Bestandstabellen kein Durchschnittsalter, sie zählt die Motorräder nach dem Jahr ihrer Erstzulassung. Für ein deutliches Bild reicht das trotzdem.

Von den 671.842 Motorrädern, die zum Jahresende 2025 in Österreich zugelassen waren, stammen 177.491 aus dem Jahr 2000 oder früher, 26 Prozent. In Deutschland ist es mit 34 Prozent rund ein Drittel. Jünger als 15 Jahre sind in Österreich 55 Prozent der Maschinen, in Deutschland 44 Prozent.

Am jungen Ende sieht es genauso aus. 23 Prozent der dortigen Motorräder sind in den letzten fünf Jahren erstmals zugelassen worden, in Deutschland 18 Prozent. Die Flotte im Nachbarland ist also an beiden Enden jünger.

Fast jedes zweite Motorrad läuft auf 50- bis 64-Jährige

Das KBA weist auch aus, auf wen die Maschinen in Deutschland zugelassen sind. Die größte Gruppe unter den Haltern zweirädriger Krafträder ist zwischen 60 und 64 Jahre alt, auf sie laufen 878.285 Motorräder. Gleich dahinter folgen die 55- bis 59-Jährigen mit 832.358.

Zusammengerechnet läuft mehr als die Hälfte aller Motorräder in privater Hand auf Menschen ab 55. Das klingt nach einem Hobby der Älteren, beim Auto ist der Anteil aber fast derselbe. Der Unterschied liegt in der Mitte: Auf 50- bis 64-Jährige laufen 46 Prozent der privaten Motorräder, aber nur 36 Prozent der Autos. Bei den Haltern ab 65 liegt dafür das Auto vorn, mit 28 gegen 20 Prozent.

Zwei Drittel sind älter als die ABS-Pflicht

Seit dem 1. Januar 2017 braucht jedes neu zugelassene Motorrad über 125 Kubikzentimeter oder über 11 kW ein ABS, neue Typen schon seit 2016. Ausgenommen sind Wettbewerbs-Enduros und Trialmaschinen, und eine 125er darf statt ABS auch eine Kombibremse haben. Rund zwei Drittel aller Krafträder in Deutschland sind zehn Jahre oder älter und damit vor dieser Pflicht zugelassen worden.

Ohne ABS fahren sie deshalb noch lange nicht alle. Viele Maschinen hatten es schon vorher, serienmäßig oder gegen Aufpreis, und die Statistik zählt nur das Alter, nicht die Ausstattung.

Ob deine Maschine ABS hat, zeigt dir das Cockpit: Dafür gibt es eine eigene Kontrollleuchte, die beim Einschalten der Zündung aufleuchtet und nach den ersten Metern Fahrt erlischt. Bleibt die Leuchte an, ist das ABS gestört oder abgeschaltet. Ist es gestört, bremst die Maschine womöglich ohne Blockierschutz und gehört umgehend in die Werkstatt, so etwa Honda für die CB650R und Yamaha für die MT-07. Bei einem Durchschnittsalter von fast 20 Jahren ist das keine theoretische Frage, vor allem nicht beim Kauf einer Gebrauchten.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Was für dein Kennzeichen und deine Kfz-Steuer gilt, sagen dir die Zulassungsstelle, eine Prüforganisation und das Hauptzollamt.

Wie alt ist deine Maschine?

Für diese Frage ist das Baujahr die falsche Zahl. Das KBA geht vom Tag der ersten Zulassung aus, und der steht in Feld B des Fahrzeugscheins, amtlich Zulassungsbescheinigung Teil I. Wurde eine Maschine erst später zugelassen, liegen Baujahr und Erstzulassung auseinander.

Mit dem Datum aus Feld B ordnest du deine Maschine in die Tabelle ein. Erstzulassung 2016 oder später heißt jüngstes Drittel. Liegt das Datum vor 2006, ist deine Maschine älter als der Durchschnitt und älter als gut die Hälfte des Bestands. Vor 1996 heißt ältestes Fünftel, und das ist eine große Gesellschaft: Zum 1. Juli 2026 zählte das KBA schon 1.167.872 Krafträder mit 30 oder mehr Jahren.

Die Reifen haben übrigens ihr eigenes Datum. Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Flanke nennen Woche und Jahr der Herstellung. Gerade an einer Maschine, die wenig bewegt wird, gehört dieser Blick dazu, denn das Profil zeigt das Alter eines Reifens nicht. Michelin rät, einen Reifen nach fünf Jahren jährlich in der Fachwerkstatt prüfen zu lassen und ihn nach zehn Jahren zu ersetzen, beides ab diesem Datum gerechnet.

Und wenn sich das nächste Mal jemand auf dem Parkplatz für seine 2008er entschuldigt, klopf ihm auf die Schulter statt auf den Tank. Seine Maschine hat das Durchschnittsalter noch vor sich.

❓ Häufige Fragen zum Alter von Motorrädern

Wie alt sind Motorräder in Deutschland im Schnitt?

Motorräder sind in Deutschland im Mittel 19,8 Jahre alt, so steht es in der Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts zum 1. Januar 2026. Das Amt rechnet ab der ersten Zulassung und erfasst alle angemeldeten Krafträder. Ein Pkw kommt im Vergleich auf 10,9 Jahre.


Wie viele Motorräder sind 30 Jahre oder älter?

Zum 1. Januar 2026 waren 1.104.015 Krafträder 30 Jahre oder älter, gut jedes fünfte. Bis zum 1. Juli 2026 stieg ihre Zahl auf 1.167.872. Beim Auto haben nur rund drei Prozent des Bestands dieses Alter erreicht.


Ist jedes Motorrad über 30 Jahre ein Oldtimer?

Als Oldtimer anerkannt wird ein Motorrad über 30 Jahre erst mit einem Gutachten, das ihm einen weitestgehend originalen und guten Zustand bescheinigt. Mit dieser Anerkennung führt das KBA 21.404 Krafträder, unter zwei Prozent aller Maschinen ab 30 Jahren.


Lohnt sich ein H-Kennzeichen beim Motorrad steuerlich?

Ein H-Kennzeichen senkt die Kfz-Steuer am Motorrad erst über 625 Kubikzentimeter. Mit H sind pauschal 46,02 Euro im Jahr fällig, ohne H zählt der Hubraum, und eine 1000er spart so 27,58 Euro jährlich. Für das Oldtimer-Gutachten setzt die Gebührenordnung bei einer Technischen Prüfstelle wie TÜV SÜD in Bayern allerdings 65 Euro an, dazu kommt die Mehrwertsteuer. Andere Prüforganisationen nehmen teils mehr. Die Steuerersparnis gleicht das erst nach mehreren Jahren aus.


In welchem Bundesland sind die Motorräder am ältesten?

Die ältesten Motorräder stehen in Sachsen, im Schnitt 23,7 Jahre alt, knapp vor Thüringen mit 23,5. Die jüngsten Bestände haben Berlin mit 16,1 und Hamburg mit 17,8 Jahren. Bayern liegt mit 19,9 Jahren beim Bundesschnitt.


Zählt beim Motorradalter das Baujahr oder die Erstzulassung?

In der Statistik zählt beim Motorradalter die Erstzulassung, nicht das Baujahr. Das Kraftfahrt-Bundesamt rechnet ab dem Tag der ersten Zulassung, und den nennt Feld B der Zulassungsbescheinigung Teil I, die im Alltag meist Fahrzeugschein heißt. Das Baujahr kann davor liegen, etwa bei einer Maschine, die lange beim Händler stand.

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