
Die Dose Kettenspray zischt nur noch. Die Kette glänzt trocken, und bis nach Hause sind es 900 Kilometer. Für diesen Fall nennt Honda in der Anleitung ein Öl: Getriebeöl SAE 80 oder 90. Suzuki führt ein Öl derselben Klasse gleich neben dem Kettenschmiermittel auf. Yamaha sieht bei MT-07, MT-09 und Tracer 700 O-Ring-Kettenspray vor, Motoröl und andere Schmiermittel sollen dort nicht auf die Kette.
Keiner der drei meint also die Flasche Motoröl im Gepäck. Und das Getriebeöl aus der Honda-Anleitung ist nicht das Öl, das im Getriebe deines Motorrads läuft.
Die Zahlen 80 und 90 sind Zähigkeitsklassen für Getriebeöl, wie es am Motorrad im Kardanantrieb oder im Getriebe eines Rollers läuft. Im Regal steht es zum Beispiel als 80W-90. Auf einer Flasche Motoröl kommen diese Zahlen nicht vor, denn seine Skala endet bei 60. Suzuki schreibt von einem hochviskosen, also zähen Öl und setzt dieselben Zahlen in Klammern dahinter: #80 - 90.
So viel zäher als Motoröl, wie die Zahlen vermuten lassen, ist Getriebeöl trotzdem nicht. Die beiden Skalen zählen verschieden: Ein Getriebeöl der Klasse 90 liegt warm etwa dort, wo ein Motoröl der Klasse 40 oder 50 liegt.
Mit dem Öl im Getriebe deines Motorrads hat das nichts zu tun. Bei den meisten Motorrädern mit Kette teilen sich Motor, Kupplung und Getriebe ein und dasselbe Öl, und das ist Motoröl. Liest du „Getriebeöl“ und denkst an den Ölstand deiner Maschine, landest du beim falschen Produkt.
Auf der Flasche steht neben der Zähigkeit eine Leistungsklasse, etwa GL-4 oder GL-5. Die Honda-Anleitung lässt sie offen. Ein italienischer Kettenhersteller, der dasselbe Öl für seine O-Ring-Ketten nennt, spricht von Mineralöl SAE 80W-90. Mit einem einfachen mineralischen 80W-90 triffst du beide Angaben.
Unterwegs bekommst du es auch dort, wo kein Motorradhändler in der Nähe ist: im Autozubehörhandel. Für eine Kette genügt ein Schluck davon. Fürs Gepäck gibt es eine handliche Form: Getriebeöl 80W-90 für Roller steckt in Tuben mit 150 Millilitern.
Getriebeöl riecht streng nach Schwefel, der ihm als Verschleißschutz zugesetzt ist. Die Tube gehört deshalb in einen dichten Beutel.
Honda empfiehlt zuerst ein spezielles Kettenschmiermittel für O-Ring-Ketten. Dann folgt: „Steht dieses nicht zur Verfügung, verwenden Sie Getriebeöl SAE 80 oder 90.“ Der Satz steht im Wartungskapitel und ein zweites Mal hinten bei den technischen Daten. So lautet er in den deutschen Anleitungen von sechs Modellen mit Kette, von der CB650R des Modelljahrs 2021 bis zur Africa Twin von 2025.
Im selben Abschnitt warnt Honda vor Reinigern und Schmiermitteln, die nicht für O-Ring-Ketten bestimmt sind, weil sie die Dichtungen aus Gummi angreifen können. Das Getriebeöl ist die eine Ausnahme, und die Anleitung nennt sie beim Namen.
Suzuki stellt beides nebeneinander. In der Anleitung der V-Strom 650 lautet der Schritt: „Schmieren Sie die Antriebskette mit einem Dichtring-verträglichen Motorrad-Kettenschmiermittel oder einem hochviskosen Öl (#80 - 90).“ Danach folgen zwei Handgriffe: Innen- und Außenlaschen schmieren, Überschuss rund um die Kette abwischen.
Yamaha sieht für MT-07, MT-09 und Tracer 700 O-Ring-Kettenspray vor und schreibt gleich dazu, Motoröl oder ein anderes Schmiermittel gehöre nicht auf die Antriebskette. An diesen drei Modellen bleibt es damit beim Spray.
Bei den Kettenherstellern findet sich beides. Der italienische nennt das Mineralöl 80W-90 in einem Atemzug mit Kettenschmiermitteln, die für O-Ringe unbedenklich sind. Die beiden japanischen Hersteller, deren Ketten Honda als Standard angibt, empfehlen Mittel, die für Dichtringketten ausgewiesen sind.
Einig sind sich Honda, Suzuki und Yamaha in einem Punkt: Der Hochdruckreiniger bleibt von der Kette weg, ebenso Lösungsmittel, die den Dichtringen schaden. Honda und Suzuki nennen Benzin beim Namen.
Auf Tour betrifft das die Waschbox. Vom Hochdruckstrahl raten alle drei auch am übrigen Motorrad ab, Suzuki und Yamaha nennen dabei ausdrücklich die Münzwaschanlage. Nach einer Wäsche von Hand kommt frisches Schmiermittel auf die Kette.
Alle diese Sätze gelten für Ketten mit Dichtringen, wie sie die genannten Modelle tragen. Fährst du eine Kette ohne Dichtringe, lies die Angabe in deiner Anleitung nach.
Für deine Maschine entscheidet ohnehin deine Anleitung. Aus dem Honda-Satz folgt nichts für eine andere Marke, und aus dem Yamaha-Satz auch nicht. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Motoröl ist das Öl, das auf Tour am ehesten im Gepäck liegt. An der Zähigkeit allein scheitert es nicht, denn ein dickes Motoröl liegt warm nicht weit vom Getriebeöl entfernt. Nennen die Anleitungen einen Grund, geht es um die Dichtringe.
Yamaha nennt Motoröl beim Namen: Es könne Stoffe enthalten, die den O-Ringen schaden. Suzuki schreibt, manche Kettenschmiermittel enthielten Lösungsmittel und Zusätze, welche die Dichtringe angreifen könnten. Hondas Warnung vor Schmiermitteln, die nicht für O-Ring-Ketten bestimmt sind, zielt in dieselbe Richtung.
Ein japanischer Kettenhersteller führt in den Pflegehinweisen seiner amerikanischen Niederlassung eine Liste von Mitteln, die den Dichtungen schaden können. Motoröl steht dort neben Diesel und Bremsenreiniger.
Auch der Wortlaut spricht dagegen. Honda und Suzuki schreiben die Klassen 80 und 90 dazu, und die gibt es bei Motoröl nicht. Mit Motoröl hast du keine der drei Anleitungen auf deiner Seite.
Um diese Dichtringe dreht sich alles. Sie sitzen zwischen den Laschen der Kette und halten das Fett im Gelenk, das ab Werk dort eingefüllt ist. An der Kette einer CB650R sind es 236 Stück, zwei an jedem der 118 Gelenke. Wird ein Ring hart oder rissig, läuft das Fett heraus und Schmutz hinein. Nachfüllen kannst du so ein Gelenk nicht.
Was du von außen aufträgst, hat deshalb bescheidene Aufgaben. Es schmiert die Rollen, an denen die Zähne angreifen, es hält die Ringe geschmeidig, und es schützt das Metall vor Rost. So beschreibt es der italienische Kettenhersteller. Eine Reserve, die das für ein paar Tage leistet und den Ringen nichts tut, reicht aus.
Gar nichts zu tun, hilft der Kette allerdings auch nicht. Läuft sie trocken, steigt die Reibung an den Rollen, die Teile werden wärmer, und der Verschleiß nimmt zu. Derselbe Hersteller nennt die Zeichen dafür: Die Kette sieht trocken aus, sie quietscht im Lauf, oder sie zeigt rötliche Stellen.
Kriechöl, Sägekettenöl oder Fahrradöl stehen in keiner dieser Anleitungen. Rostschutzöl führt ein Kettenhersteller unter den Mitteln, die nicht an die Kette sollen.
Aus der Dose kommt das Mittel als Strahl, und nach ein paar Minuten zieht es an. Getriebeöl aus Tube oder Flasche braucht einen Pinsel oder einen Lappen und bleibt flüssig. Deshalb zählt vor allem eines: wenig. Der Kettenhersteller, der Mineralöl empfiehlt, spricht von einem Schleier aus Öl. Die Kette soll benetzt sein, abtropfen darf nichts.
Der beste Zeitpunkt ist der Abend nach der Fahrt. Die Kette ist dann noch warm, und so empfehlen es zwei Kettenhersteller.
Stell die Maschine ab, bevor du anfängst: Leerlauf einlegen, Motor aus, Zündung aus. Sie steht auf ebenem Boden, am besten auf dem Montageständer oder dem Hauptständer, sonst auf dem Seitenständer.
Sicherheitshinweis: Dreh das Hinterrad beim Schmieren nur von Hand und nur bei abgestelltem Motor. Arbeite mit Pinsel oder Lappen am stehenden Rad und dreh erst danach weiter.
Zwischen Kette und Kettenrad geraten Finger schnell, wenn der Motor das Rad dreht. Wischst du und drehst zugleich, zieht es den Lappen ins Kettenrad, und die Finger hinterher.
Geh zuerst mit einem trockenen Tuch über die Kette. Honda nennt für starken Schmutz zusätzlich eine weiche Bürste.
Streich danach einen dünnen Film auf den unteren Teil der Kette, dort, wo sie frei zwischen Ritzel und Kettenrad läuft. Fang auf der Innenseite an, der Seite, die zu den Zähnen zeigt. Das Öl gehört auf die Rollen und an die Kanten zwischen Innen- und Außenlaschen. Halt dabei einen Lappen oder ein Stück Pappe hinter die Kette, damit kein Öl auf Felge und Reifen kommt. Hast du keinen Pinsel, gibst du ein paar Tropfen auf einen zweiten Lappen und ziehst ihn über den Kettenabschnitt.
Innen beginnst du, weil die Fliehkraft das Schmiermittel von dort in die Kette hineindrückt, sobald sie um die Kettenräder läuft. So begründet es der italienische Kettenhersteller für das Spray. Beim Öl lässt er die Außenseite nicht aus: Er streicht die Kette innen wie außen ein.
Ist ein Abschnitt fertig, drehst du das Hinterrad mit der sauberen Hand am Reifen ein Stück weiter und nimmst den nächsten. Ohne Ständer schiebst du die Maschine vor. An einer CB650R ist die Kette nach rund fünfeinhalb Metern einmal herum.
Den Überschuss nimmst du mit einem sauberen Lappen ab. Der Kettenhersteller, von dem der Ölschleier stammt, lässt es vorher einige Stunden einziehen. Auf Tour passt das gut zusammen: abends ölen, morgens abwischen.
Sicherheitshinweis: Kontrollier Felge, Reifen und Bremsscheibe, bevor du losfährst. Von der Felge wischst du Öl ab, vom Reifen wäschst du es mit warmem Wasser und einem milden Reinigungsmittel. Sind Bremsscheibe oder Beläge betroffen, brauchst du Bremsenreiniger. Teste danach bei niedrigem Tempo, ob die Bremse greift. Bremst sie schwächer als gewohnt, lass sie prüfen, bevor du weiterfährst.
Öl auf der Reifenflanke kann dir in Schräglage das Hinterrad wegziehen, Öl auf der Bremsscheibe nimmt der Bremse die Wirkung. Honda schreibt, das Schmiermittel dürfe nicht auf Bremsen und Reifen gelangen. Für den Fall, dass es doch passiert, nennt Yamaha warmes Wasser mit mildem Reinigungsmittel am Reifen und Bremsenreiniger an der Bremse.
Was vom Getriebeöl zu viel auf der Kette ist, schleudert bei der Fahrt nach außen, auf Felge und Reifen. Schau nach den ersten Kilometern noch einmal hin.
Honda knüpft das Getriebeöl an eine Bedingung: Das Kettenschmiermittel steht nicht zur Verfügung. Es ist die Reserve für unterwegs, und die nächste Dose Spray löst sie wieder ab. Eine Kilometerzahl für das Öl steht in keiner der Anleitungen.
Es bleibt beim allgemeinen Takt. Honda und Suzuki nennen 1.000 Kilometer. Yamaha schreibt für MT-09 und Tracer 700 dieselbe Strecke und setzt jede Regenfahrt und jede Wäsche dazu. Die Kettenhersteller rechnen mit 400 bis 500 Kilometern.
Am schnellsten ist die Reserve nach Regen gefragt. Eine Woche Tour mit drei nassen Tagen bedeutet nach dem Maßstab der Yamaha-Anleitung drei Schmierungen außer der Reihe, und so leert sich eine Dose schneller als geplant.
Ob die Kette früher Nachschub braucht, zeigt sie dir. Die Rollen glänzen trocken, oder sie läuft hörbar. Kürzer wird der Abstand laut Honda auch auf schwierigen Strecken, bei hohem Tempo und bei abrupten Lastwechseln.
Wenn du ohnehin an der Kette bist, prüf den Durchhang gleich mit, so wie es deine Anleitung beschreibt. Honda beginnt den Absatz zur Kettenpflege mit diesem Handgriff. Yamaha schreibt dazu, beim Messen dürfe keine Last auf der Maschine sein. Mit Gepäck federt das Heck tiefer ein, und die Kette spannt sich.
Beim Kauf der neuen Dose zählt der Aufdruck: Das Spray muss für Ketten mit Dichtringen ausgewiesen sein, also für O-Ring- oder X-Ring-Ketten.
Bevor nach dem Getriebeöl wieder Spray daraufkommt, reinigst du die Kette. Ein Ölfilm bindet Staub, und frisches Mittel auf altem Schmutz ergibt eine Paste, die schmirgelt.
Für die nächste Tour kannst du vorsorgen. Bleibt deine Anleitung beim Spray, fährt eine zweite, kleine Dose mit. Nennt sie Öl der Klasse 80 oder 90, genügen eine Tube Getriebeöl und ein Pinsel.
Kann ich die Motorradkette mit Getriebeöl schmieren?
Ob Getriebeöl auf die Motorradkette gehört, steht im Handbuch des Motorrads. Honda-Handbücher führen es in der Klasse SAE 80 oder 90 als Ausweichmittel, wenn das Kettenschmiermittel für O-Ring-Ketten fehlt. Suzuki lässt ein zähes Öl dieser Klasse gleichrangig zu. Für die Yamaha-Modelle MT-07, MT-09 und Tracer 700 ist O-Ring-Kettenspray vorgesehen.
Welches Getriebeöl nehme ich für die Kette?
Getriebeöl für die Kette trägt die Klasse SAE 80 oder 90, im Handel etwa als 80W-90. Eine Leistungsklasse lassen die Honda-Anleitungen offen. Ein Kettenhersteller, der dasselbe Öl nennt, spricht von Mineralöl. Das Öl aus dem Getriebe eines Motorrads ist damit nicht gemeint, denn das ist bei den meisten Maschinen Motoröl.
Darf Motoröl auf die Motorradkette?
Motoröl kommt in keinem der gelesenen Handbücher als Schmiermittel für Dichtringketten vor. Im Yamaha-Handbuch heißt es, Motoröl gehöre nicht auf die Kette, weil seine Inhaltsstoffe die O-Ringe angreifen könnten. Ein Kettenhersteller reiht Motoröl unter die Mittel ein, von denen er für abgedichtete Ketten abrät.
Kann ich Kriechöl als Kettenspray benutzen?
Kriechöl steht in keiner der Anleitungen als Schmiermittel für die Kette. Ein Kettenhersteller nennt Rostschutzöl unter den Mitteln, welche die Dichtringe angreifen. Auf ein Kettenspray gehört der Hinweis, dass es für O-Ring- oder X-Ring-Ketten geeignet ist.
Wie oft muss die Motorradkette geschmiert werden?
Honda und Suzuki sehen das Schmieren der Motorradkette alle 1.000 Kilometer vor. Yamaha nennt für MT-09 und Tracer 700 dieselbe Strecke und zusätzlich jede Fahrt im Regen und jede Wäsche. Kettenhersteller setzen mit 400 bis 500 Kilometern kürzere Abstände an. Hohes Tempo und schlechte Strecken verkürzen den Abstand.
Was ist eine O-Ring-Kette?
Eine O-Ring-Kette hat zwischen den Laschen Dichtringe aus Gummi. Sie halten das Fett im Gelenk und den Schmutz draußen. Bei X-Ring-Ketten haben die Ringe einen x-förmigen Querschnitt. Weil die Ringe empfindlich auf Lösungsmittel reagieren, braucht eine solche Kette Reiniger und Schmiermittel, die dafür ausgewiesen sind.
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