Fotos im Motorrad-Inserat: Die Aufnahmen, die den Zustand beweisen - nicht die schönen

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Zwanzig Bilder, alle bei Abendsonne, alle aus demselben Dreiviertelwinkel von vorne links. Das Motorrad glänzt, der Hintergrund ist unscharf, die Felge wirft ein Glanzlicht. Ein schönes Inserat.

Und der Interessent scrollt es in vier Sekunden durch, schreibt „ist es noch da?“ und meint damit: Ich weiß nach zwanzig Bildern immer noch nicht, was ich kaufe. Denn kein einziges davon beantwortet eine Frage, die ein Käufer wirklich hat. Fotos im Motorrad-Inserat haben nur eine Aufgabe, und sie hat nichts mit Ästhetik zu tun: Jedes Bild soll genau eine Frage schließen, die der Käufer sonst beim Besichtigungstermin stellt.

Ein Bild, eine Frage - alles andere ist Dekoration

Setz dich einmal in den Kopf des Interessenten. Er kennt dein Motorrad nicht, er hat drei andere Inserate offen, und er hat genau eine Sorge: dass die Anfahrt umsonst war.

Seine Fragen sind erstaunlich immer dieselben. Wie viel ist es wirklich gelaufen? Ist der Antrieb am Ende oder frisch? Wie viel Bremse ist noch da? Ist die Gabel dicht? Lag es schon mal? Und: Sehe ich hier den aktuellen Zustand oder den vom letzten Frühjahr?

Sechs Fragen, und für jede gibt es ein Bild, das sie schließt. Wer die liefert, bekommt Anfragen von Leuten, die kaufen wollen, statt von Leuten, die noch etwas herausfinden wollen. Und der praktische Nebeneffekt: Du diskutierst vor Ort weniger. Ein Käufer, der die Kette schon gesehen hat, versucht nicht mehr, dir dafür zweihundert Euro abzuhandeln.

Die Übersichtsbilder brauchst du trotzdem, keine Frage - die beiden Seiten, Front, Heck, Cockpit. Wie du die gut hinbekommst, mit Licht, Hintergrund und Perspektive, steht ausführlich in unserem Ratgeber zum Inserat-Foto, und darum geht es hier ausdrücklich nicht. Hier geht es um die sechs unglamourösen Aufnahmen, die dazwischen fehlen.

Eines vorweg zur Technik: Du brauchst dafür keine Kamera. Ein aktuelles Telefon reicht für jedes einzelne dieser Fotos. Was du brauchst, ist Tageslicht, saubere Hände und die Bereitschaft, dich hinzuknien.

Der Tacho: ganz, scharf, und mit eingeschalteter Zündung

Das erste Beweisfoto ist das einfachste und wird trotzdem am häufigsten vermurkst.

Fotografiere den kompletten Kilometerstand, formatfüllend, scharf, ohne Spiegelung. Nicht „ca. 34.000“ im Text, nicht schräg von oben, sodass die letzte Ziffer verschwindet. Bei digitalen Anzeigen dazu die Info, welcher Wert gerade angezeigt wird - Gesamt- oder Tageskilometer. Ein Bild vom Tagesstreckenzähler beweist gar nichts, und genau das passiert ständig.

Ein Detail auf demselben Bild arbeitet still für dich, wenn dein Motorrad flüssigkeitsgekühlt ist: die Temperaturanzeige. Steht sie auf kalt, sieht der Käufer, dass hier nichts vorgewärmt wurde. Das ist kein Beweis, aber es ist genau das Signal, auf das misstrauische Käufer achten - denn ein Motor, der beim Besichtigungstermin schon warm ist, versteckt gern, wie er kalt anspringt. Luftgekühlte Maschinen haben diese Anzeige meist nicht; dort ersetzt sie nichts, dann bleibt es beim Angebot, den Motor vor Ort kalt starten zu lassen.

Der zweite, deutlich wertvollere Teil desselben Fotos: das Cockpit mit eingeschalteter Zündung. Ein Käufer sieht dann auf einen Blick, ob das Display vollständig arbeitet, ob alle Segmente da sind und welche Leuchten überhaupt reagieren.

Damit daraus kein Fehlalarm wird, gehört ein Satz dazu, und zwar einer, der zu deinem Cockpit passt. Hat deine Maschine eine rote Öldruckleuchte, brennt sie bei eingeschalteter Zündung und stehendem Motor: Der Motor läuft nicht, also baut die Ölpumpe keinen Druck auf - genau dafür ist die Lampenprobe da. Andere Modelle haben diese Leuchte gar nicht, und viele neuere Cockpits fahren nach dem Einschalten einen Lampentest, bei dem kurz alles leuchtet. Wer dieses Bild ohne Erklärung ins Inserat stellt, produziert Rückfragen; wer den Satz dazuschreibt, wirkt souverän.

Und hier ein Punkt, an dem regelmäßig unnötig Misstrauen entsteht: Die ABS-Leuchte brennt oder blinkt bei vielen Motorrädern im Stand ganz normal weiter und erlischt erst, wenn das Rad ein paar Stundenkilometer gedreht hat. Der Grund ist banal: Ein Teil des Selbsttests braucht Signale von den Raddrehzahlsensoren, und die liefern im Stand nichts. Ein Foto im Stand mit leuchtendem ABS-Symbol ist deshalb kein Befund. Wer es sauber machen will, schreibt einen Satz dazu - oder liefert ein zweites Bild nach kurzem Rollen, auf dem sie aus ist. Das ist ein starkes Signal, weil es zeigt, dass der Verkäufer weiß, wovon er redet.

Wenn Serviceheft, Rechnungen oder ein aktueller Prüfbericht vorhanden sind: fotografieren. Nicht den ganzen Stapel, sondern die Seite mit dem letzten Eintrag und dem Kilometerstand darauf. Ein Beleg schlägt jede Beschreibung - nur gehört er vorher unter den schwarzen Stift. Auf dem Untersuchungsbericht der Hauptuntersuchung stehen Kennzeichen und Fahrzeug-Identifizierungsnummer, auf Rechnungen und im Serviceheft zusätzlich Name und Anschrift. Nichts davon muss in ein öffentliches Inserat; beim Besichtigungstermin zeigst du das Original ohnehin im Ganzen.

Auf dasselbe Bild gehört etwas, das fast nie jemand fotografiert und das trotzdem über mehrere hundert Euro entscheiden kann: alle Schlüssel, nebeneinander. Motorräder mit Wegfahrsperre werden häufig mit zwei Fahrschlüsseln und einem zusätzlichen Codier- oder Masterschlüssel ausgeliefert, oft rot eingefärbt. Mit ihm lassen sich neue Schlüssel anlernen. Ohne ihn wird aus einem verlorenen Schlüssel je nach System eine Angelegenheit für den Händler, bis hin zum Tausch von Bauteilen, und die Rechnung dafür ist dreistellig oder schlimmer. Ein Käufer, der den vollständigen Satz auf dem Foto sieht, hakt das Thema ab. Fehlt der Codierschlüssel, schreib es dazu - er wird ohnehin danach fragen, und beim Besichtigungstermin kostet es dich mehr als im Text.

Ein Sonderfall kommt auf dem Gebrauchtmarkt häufiger vor, als die meisten Inserate vermuten lassen: das getauschte Cockpit. Ist der Tacho irgendwann ersetzt worden, beweist ein Foto der Anzeige für sich genommen gar nichts mehr, weil der Zähler danach bei null oder bei einem eingestellten Wert neu losgelaufen ist. Genau dann brauchst du das zweite Bild: die Werkstattrechnung mit dem Stand zum Zeitpunkt des Tauschs, oder den Untersuchungsbericht der Hauptuntersuchung, in dem der Kilometerstand mit vermerkt ist. Wer das offen dazuschreibt und belegt, nimmt dem Thema die Spitze. Wer hofft, dass keiner fragt, verhandelt beim Besichtigungstermin genau darüber.

Kettensatz: das Foto, das das Alter des Antriebs verrät

Jetzt wird es interessant, denn hier gibt es ein Detail, das fast nie fotografiert wird und mehr aussagt als jedes andere Bild im Inserat.

Die meisten zeigen die Kette von der Seite. Schön geölt, sieht gut aus, beweist nichts - eine gepflegte Kette kann trotzdem am Ende ihrer Längung sein. Was du stattdessen brauchst, sind zwei Aufnahmen:

Erstens: die Markierung am Kettenspanner. Fotografiere die Schwinge an der Achse so, dass die Skala und der Stand des Achsblocks erkennbar sind. Was das Bild zeigt, ist der verbleibende Spannweg: Steht die Achse noch weit vorn, ist nach oben viel Luft. Steht sie am hinteren Anschlag, lässt sich nicht mehr nachspannen, und ein neuer Kettensatz steht an.

Ein ehrlicher Vorbehalt dazu, den du im Inserat ruhig mitschreiben kannst: Der Achsstand hängt nicht allein vom Verschleiß ab, sondern auch von der Kettenlänge und der Übersetzung. Wer ein Zahn mehr am Kettenrad fährt oder eine Kette mit anderer Gliederzahl montiert hat, startet an einer anderen Stelle der Skala. Das Foto ist deshalb ein starker Hinweis und kein Beweis - aber es ist ein Hinweis, den kein Konkurrenzinserat liefert.

Und wenn unter deinem Motorrad eine Einarmschwinge hängt, gibt es diese Skala schlicht nicht. Dort sitzt die Verstellung als Exzenterring im Radträger, den Klemmschrauben an der Schwinge halten: Der Ring wird gelöst und gedreht, der Achsmittelpunkt wandert mit. Das Rad selbst dreht sich weiter frei - verstellt wird also nicht die Nabe, sondern der Ring um sie herum. Der Bildausschnitt ändert sich damit, die Aussage nicht. Fotografiere diesen Ring so, dass seine Stellung gegenüber dem Schwingenarm erkennbar ist - viele Exzenter tragen dafür eine Markierung, und wo keine ist, erkennst du den Versatz trotzdem. Ein Käufer, der solche Motorräder kennt, sucht genau dieses Bild und findet es fast nie.

Zweitens: die Zähne des Kettenrads, im Gegenlicht. Halte das Telefon so, dass die Zähne sich gegen einen hellen Hintergrund abzeichnen - Himmel, helle Wand, ein Blatt Papier dahinter. Ein gesunder Zahn ist symmetrisch und hat oben eine erkennbare Kuppe, fast ein kleines Plateau. Ein verschlissener wird schmal, läuft spitz aus und krümmt sich zu einer Seite - das Bild, das in Foren „Haifischflossen“ heißt. Auf einem normalen Foto von der Seite sieht das alles gleich aus. Im Gegenlicht sieht es auch ein Laie.

Wer den Kettensatz kürzlich erneuert hat, fotografiert die Rechnung dazu. Ein frischer Antrieb ist bares Geld im Inserat, aber nur, wenn er belegt ist.

Die Bremsscheibe: von schräg, nicht von vorne

Ein Foto frontal auf die Bremsscheibe zeigt eine graue Scheibe. Immer. Egal wie gut oder wie fertig sie ist.

Der Trick heißt Streiflicht: Geh so tief, dass du fast entlang der Scheibenoberfläche fotografierst, mit dem Licht von der Seite. Erst dann werfen die Verschleißkante am Rand und die Riefen im Reibring einen Schatten, und erst dann ist auf dem Bild zu erkennen, wie viel dort gearbeitet wurde. Ein Bild je Scheibe: hinten eines, vorn eines - und bei einer Doppelscheibe eben zwei. Die beiden vorderen sind nicht automatisch gleich weit, ein schwergängiger Sattel arbeitet auf einer Seite deutlich mehr.

Das Zusatzbild, das ein Verkäufer machen kann und praktisch nie macht: die MIN-TH-Prägung auf der Scheibe. Auf jeder Bremsscheibe ist die Mindestdicke eingeprägt, meist am äußeren Rand des Reibrings. Ein Makro davon, dazu im Text der gemessene Istwert - und zwar gemessen mit der Bügelmessschraube dort, wo die Beläge gelaufen sind. Ein Messschieber legt seine flachen Backen auf die stehengebliebene Kante am Rand und zeigt dir die Ausgangsdicke statt der Restdicke. Wer den Wert so erhebt und dazuschreibt, hat einen Zustandsnachweis, den kein Konkurrenzinserat liefert. Welcher Wert für deine Scheibe gilt, ist eingeprägt und steht zusätzlich in den Wartungsdaten: Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Die Beläge gehören dazu, und die sind einfacher als gedacht: durch die Öffnung des Bremssattels fotografieren, Taschenlampe des Telefons an. Die Belagstärke steht dann als schmaler Streifen über der Trägerplatte.

Beim Reifen zählt dasselbe Prinzip: nicht die Flanke mit der Größenbezeichnung, sondern die Lauffläche - und zwar mittig, wo abgefahren wird, nicht an der Schulter, wo noch Profil steht. Ein Bild mit einem Profiltiefenmesser oder einer Münze im Bild ist ehrlicher als jede Beschreibung.

Und dann fehlt in fast jedem Inserat das Bild, nach dem erfahrene Käufer als Erstes fragen: die DOT-Nummer auf der Flanke. Die letzten vier Ziffern in dem kleinen ovalen Feld nennen Woche und Jahr der Herstellung. Das ist die Information, die das Profil nicht liefert - denn Gummi altert auch ohne Kilometer. Ein acht Jahre alter Reifen mit vollem Profil ist optisch tadellos und trotzdem hart geworden, und der Käufer rechnet dann sofort einen neuen Satz gegen deinen Preis. Ein scharfes Foto der DOT-Nummer beider Reifen beendet diese Diskussion in beide Richtungen: Ist der Gummi frisch, hast du ein Verkaufsargument, das sonst niemand belegt. Ist er alt, weißt du wenigstens vorher, worüber verhandelt wird.

Gabel, Ferse, Unterboden: die drei ungeliebten Aufnahmen

Das sind die Fotos, die niemand freiwillig macht, und genau deshalb wirken sie.

Die Gabelholme. Gesucht wird die Stelle, an der das blanke, glänzende Rohr in die Staubkappe eintaucht - und die sitzt je nach Bauart woanders. Bei der klassischen Telegabel steht das blanke Standrohr oben und taucht nach unten ins dickere Gleitrohr ein - der Dichtring sitzt also an dessen oberer Kante, ein gutes Stück unterhalb der Gabelbrücke und deutlich über der Achse. Bei der Upside-down-Gabel steht das dicke Rohr oben und das schlanke läuft nach unten zur Achse, der Dichtring sitzt dort also am unteren Ende des dicken Rohrs - ein Stück oberhalb der Achsaufnahme, nicht unmittelbar an der Achse. Fotografiere beide Seiten, aus der Nähe.

Gesucht wird ein Ölfilm auf dem blanken Rohr oder ein dunkler, schmieriger Rand, der sich an der Kappe gesammelt hat. Ist da nichts zu sehen, ist das ein starkes Zeichen für dichte Simmerringe - ein Beweis ist es nicht, denn ein kurz vorher abgewischtes Rohr sieht auf jedem Foto sauber aus. Ist da etwas, siehst du es lieber selbst als der Käufer vor Ort.

Die Ferse des Auspuffs und die Unterseite des Motors. Der tiefste Punkt der Krümmerführung und die Motordeckel sind die Stellen, an denen ein Umfaller sich zeigt, auch wenn der Rest poliert ist. Dazu gehören die Enden der Hebel: Ein angeschliffener Kupplungs- oder Bremshebel ist der billigste und ehrlichste Sturzbeweis, den es gibt, und jeder erfahrene Käufer sieht als Erstes dorthin.

Die Fußrastenanlage und die Sturzpads, falls vorhanden. Gleiche Logik, gleiche Aussage.

Und jetzt der Teil, der sich falsch anfühlt und trotzdem richtig ist: Wenn dein Motorrad einmal umgefallen ist, fotografiere die Stelle und schreib es dazu. Ein sichtbarer, benannter Kratzer kostet dich beim Preis vielleicht hundert Euro. Ein Kratzer, den der Käufer vor Ort selbst entdeckt, kostet dich das Vertrauen für den gesamten Rest des Termins - und dann verhandelt er über alles.

Sicherheitshinweis: Für die Detailaufnahmen steht das Motorrad möglichst auf einem Haupt- oder Montageständer, auf festem, ebenem Untergrund. Ein Bike, das für ein Foto nur am Seitenständer auf Schotter oder Rasen balanciert, während du dich davor kniest und mit beiden Händen das Telefon hältst, fällt zuverlässig in die falsche Richtung. Und fotografiere niemals auf der Fahrbahn.

Beide Seiten, ein Licht, ein Tag

Drei Regeln, die zusammen etwas bewirken, was einzelne Bilder nicht können: Sie machen die Serie glaubwürdig.

Erstens beide Seiten, gleiche Perspektive. Ein Inserat, in dem die rechte Seite groß und die linke gar nicht vorkommt, erzeugt genau eine Frage - und die stellt sich der Käufer, nicht dir.

Zweitens dasselbe Licht. Wenn die eine Seite in der Sonne steht und die andere im Schatten hinter der Garage, sieht es aus, als sollte dort etwas verschwinden. Dreh das Motorrad, statt um es herumzulaufen, dann bleibt das Licht gleich.

Drittens ein Tag. Mach alle Bilder in einer Sitzung. Fotos aus zwei Jahreszeiten in einem Inserat fallen sofort auf - an den Blättern im Hintergrund, am Sonnenstand, am Zustand der Felgen. Und die Frage, die sich daran anschließt, ist die unangenehmste von allen: Was hat sich seitdem geändert?

Deshalb gehört ins Inserat ein Satz, den fast niemand schreibt: wann die Bilder entstanden sind. „Alle Fotos vom 24. August, aktueller Stand“ wirkt unscheinbar und ist ein enormer Vertrauensvorschuss. Wer angefragt wird, kann das jederzeit belegen - ein zusätzliches Bild eines beliebigen Details, zehn Minuten nach der Nachricht geschickt, beweist, dass jemand tatsächlich neben dem Motorrad steht.

Zum Umgang mit Mängeln in den Bildern nur ein Absatz, weil er sich nicht ausdehnen lässt: Einen bekannten Schaden aus dem Bild zu halten, bringt dir praktisch nichts. Der Käufer steht trotzdem davor, nur eben mit dem Gefühl, dass ihm etwas verschwiegen wurde - und ab da wird über jede Position verhandelt. Was aus so einem Fall rechtlich wird, hängt vom Einzelfall ab und gehört zu einem Anwalt, nicht in einen Fotoratgeber.

Andersherum gelesen: Was fehlende Fotos verraten

Dieselbe Liste funktioniert rückwärts, und dann ist sie ein Werkzeug für den Käufer.

Zwanzig Bilder, alle aus derselben Ecke. Kein Befund für sich, aber es fehlt die halbe Maschine. Frag gezielt nach der anderen Seite, und zwar nach einem Bild, nicht nach einer Beschreibung.

Kein Tachofoto. Die häufigste Lücke überhaupt. Manchmal Bequemlichkeit, manchmal nicht. Beides klärt eine Nachfrage.

Nur frisch gewaschen und noch nass. Wasser auf dem Motor ist die einfachste Art, einen Ölfilm unsichtbar zu machen - ohne dass jemand das beabsichtigt haben muss. Bitte um ein Bild im trockenen Zustand.

Nur Dämmerung, nur Gegenlicht, nur Weitwinkel aus zwei Metern. Bei dieser Bildsprache sind Kratzer physikalisch nicht sichtbar. Das ist manchmal Geschmack und manchmal Methode.

Unten angeschnitten. Wenn alle Bilder auf Höhe der Fußrasten enden, fehlen genau die Bereiche aus dem Abschnitt weiter oben: Auspuffferse, Motorunterseite, Gabel unten.

Kein Cockpit mit Zündung an. Damit ist offen, ob eine Warnleuchte brennt. Diese Frage lässt sich in dreißig Sekunden beantworten, wenn jemand es will.

„Weitere Fotos auf Anfrage.“ Das ist an sich in Ordnung. Interessant wird, wie schnell sie kommen und ob sie zeigen, wonach du gefragt hast, oder etwas anderes.

Und der ehrliche Vorbehalt zu dieser ganzen Liste: Fehlende Fotos bedeuten meistens keine Absicht, sondern Bequemlichkeit. Die wenigsten Privatverkäufer haben je darüber nachgedacht, was ein Käufer eigentlich sehen will. Für dich als Interessent ändert das nur wenig - du zahlst für Gewissheit, und jede Lücke ist entweder eine Nachfrage oder ein Argument beim Preis.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: August 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag eine Prüforganisation, deinen Versicherer oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Was am Ende hängen bleibt

Es gibt einen Satz, der beim Verkaufen alles entscheidet, und er hat nichts mit Fotografie zu tun: Wer nichts zu verbergen hat, sieht auch nicht so aus.

Die Motive aus diesem Artikel - Tacho und Cockpit, Kettenspanner, Kettenradzähne im Gegenlicht, Bremsscheibe im Streiflicht, DOT-Nummer auf beiden Reifen, Gabel über der Staubkappe, Auspuffferse mit Hebelenden - kosten dich zusammen keine zwanzig Minuten. Sie machen dein Motorrad nicht schöner. Sie machen es überprüfbar, und überprüfbar ist beim Gebrauchtkauf die härtere Währung.

Das Merkwürdige daran ist, wie selten das jemand tut. Die meisten Inserate investieren die ganze Mühe in das eine Titelbild und lassen die sechs Bilder weg, die den Preis tatsächlich verteidigen. Dabei ist die Reihenfolge im Kopf des Käufers genau umgekehrt: Das schöne Bild bringt ihn ins Inserat. Die unschönen bringen ihn in deine Einfahrt.

Und wenn du das nächste Mal selbst auf der anderen Seite stehst und ein fremdes Inserat durchscrollst, wirst du merken, dass du inzwischen etwas anderes suchst als vorher. Nicht mehr das Motorrad. Sondern die Bilder, die fehlen.

❓ Häufige Fragen zu Fotos im Motorrad-Inserat

Welche Detailfotos gehören in jedes Inserat?

Sechs Stück: Tacho und Cockpit auf einem Bild (Kilometerstand vollständig, Zündung an), die Markierung am Kettenspanner, die Zähne des Kettenrads im Gegenlicht, die Bremsscheiben im Streiflicht, die Gabel dort, wo das blanke Rohr in die Staubkappe eintaucht, und die Unterseite von Motor und Auspuff samt Hebelenden.


Warum sagt die Markierung am Kettenspanner so viel aus?

Weil sie den verbleibenden Spannweg zeigt. Steht der Achsblock noch weit vorn, ist nach oben Luft. Steht er am hinteren Anschlag, lässt sich nicht mehr nachspannen und ein neuer Kettensatz steht an. Ein Vorbehalt gehört dazu: Der Achsstand hängt auch von Kettenlänge und Übersetzung ab, das Foto ist also ein starker Hinweis und kein Beweis. Bei einer Einarmschwinge gibt es diese Skala nicht, weil dort ein Exzenterring im Radträger verstellt wird. Dann zeigt das Foto die Stellung dieses Rings gegenüber dem Schwingenarm.


Wie fotografiere ich eine Bremsscheibe richtig?

Nicht frontal, sondern in flachem Winkel fast entlang der Scheibenoberfläche, mit seitlichem Licht. Nur so werfen die Verschleißkante am Rand und die Riefen einen Schatten und werden auf dem Bild sichtbar. Ein Makro der eingeprägten Mindestdicke - erkennbar am Kürzel MIN TH - ist der stärkste Zusatzbeleg.


Muss die ABS-Leuchte auf dem Cockpit-Foto aus sein?

Nein. Bei vielen Motorrädern leuchtet oder blinkt sie im Stand ganz normal weiter und erlischt erst, wenn das Rad ein paar Stundenkilometer gedreht hat - ein Teil des Selbsttests braucht die Signale der Raddrehzahlsensoren. Ein Foto im Stand mit leuchtendem ABS-Symbol ist deshalb kein Mangel. Ein kurzer Hinweis im Text oder ein zweites Bild nach dem Anrollen räumt die Frage aus.


Soll ich Kratzer und Schäden fotografieren?

Ja, und einzeln. Ein benannter Kratzer kostet ein wenig beim Preis. Ein Kratzer, den der Käufer selbst entdeckt, kostet das Vertrauen für den gesamten Termin - danach wird über jede Position verhandelt. Gezeigte Mängel wirken außerdem als Beleg dafür, dass der Rest stimmt.


Woran erkenne ich ein Inserat, in dem etwas fehlt?

An wiederkehrenden Mustern: nur eine Fahrzeugseite, kein Tachofoto, alle Bilder frisch gewaschen und noch nass, ausschließlich Dämmerung oder Gegenlicht, alle Aufnahmen unten auf Rastenhöhe angeschnitten und kein Cockpit mit eingeschalteter Zündung. Dazu zwei Lücken, die erfahrene Käufer sofort sehen: keine DOT-Nummer auf der Reifenflanke, also kein Nachweis über das Alter des Gummis, und kein Bild vom vollständigen Schlüsselsatz bei einem Motorrad mit Wegfahrsperre. Meist steckt Bequemlichkeit dahinter, aber jede Lücke ist eine Nachfrage wert.


Wie beweise ich, dass die Fotos aktuell sind?

Schreib das Aufnahmedatum ins Inserat und mach alle Bilder in einer Sitzung. Auf Nachfrage lässt sich Aktualität außerdem sofort belegen: ein zusätzliches Foto eines beliebigen Details, kurz nach der Nachricht geschickt, zeigt, dass jemand tatsächlich neben dem Motorrad steht.


Brauche ich für gute Inserat-Fotos eine Kamera?

Nein. Für alle Detailaufnahmen reicht ein aktuelles Telefon. Wichtiger als die Technik sind Tageslicht, ein fester Stand des Motorrads - am besten auf einem Haupt- oder Montageständer - und die Bereitschaft, sich für die tiefen Perspektiven hinzuknien.

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