
Sonntagmorgen, zwei Maschinen vor der Garage. Auf der einen sitzt der Vater, der seit Jahrzehnten fährt, auf der anderen die Tochter mit dem frischen A2-Schein und Handschuhen, die noch nach Laden riechen. Motorradfahren in der Familie beginnt meist nicht mit Romantik, sondern mit einer Frage, die keiner laut stellt: Wer fährt vorne, und wer macht das Tempo?
Hier geht es um Familientouren, bei denen jeder auf seiner eigenen Maschine sitzt oder ein Erwachsener hinten mitfährt. Wer ein Kind als Sozius mitnehmen will, hat es mit besonderen Regeln und Empfehlungen zu tun, vom Kindersitz bis zum passenden Helm.
In einer Familie ist die Erfahrung selten gleich verteilt. Einer fährt seit der Schulzeit, die andere seit einer Saison, der Dritte nach langer Pause wieder. Für genau diese Mischung gibt es eine Faustregel aus dem Gruppenfahren, und in der Familie gilt sie erst recht: Der Unerfahrenste fährt direkt hinter dem, der führt, auf Platz zwei.
Dort bekommt er ein ruhiges, berechenbares Tempo vorgefahren und muss nach keiner Kurve hinterherjagen. Und der Führende sieht im Spiegel sofort, wenn es hinter ihm hakt. Ganz hinten dagegen müsste der Neuling ständig aufholen, und beim Aufholen passieren Fehler.
Vor der Abfahrt sagt der Erfahrenste einen Satz laut: Wir fahren so, wie es dem Langsamsten passt. Wer den Anschluss verliert, muss nicht hetzen: Gewartet wird an der nächsten sicheren Stelle, nicht auf der Fahrbahn.
Was nicht funktioniert, ist der gut gemeinte Vorschlag, den Jüngsten mal vorausfahren zu lassen, damit er zeigt, was er kann. Vorne fährt, wer die Strecke kennt und vorausschauend unterwegs ist. Wer gerade erst lernt, Kurven einzuschätzen, sollte nicht zusätzlich für alle anderen entscheiden müssen.
Manche Familientour beginnt damit, dass eines der Kinder den Motorradführerschein macht. Die Klasse A1 ist mit 16 Jahren möglich, A2 mit 18. Die offene Klasse A gibt es im Direkteinstieg mit 24, nach zwei Jahren A2 schon mit 20.
Eine Erwartung aus der Autowelt musst du dabei loslassen. Begleitetes Fahren ab 17, bei dem nach der Prüfung etwa Mutter oder Vater daneben sitzen, gibt es auf dem Motorrad nicht; diese Regel gilt nur für die Autoklassen. Das Motorradfahren lernt dein Kind in der Fahrschule, die gemeinsame Ausfahrt auf zwei Maschinen kommt danach.
Für die ersten Touren lohnt sich ein Fahrsicherheitstraining, das ihr zusammen besucht. Beide üben dasselbe, beide hören dieselben Hinweise, und der Erfahrene muss nicht auf der Landstraße den Lehrer spielen.
Fährt der Partner oder die erwachsene Tochter hinten mit, ist die Tour für beide eine andere. Der Sozius sieht hinter dir weniger von der Straße, und Bremsungen kommen für ihn überraschender. In der Kurve geht er am ruhigsten mit, wenn er über deine kurveninnere Schulter nach vorn blickt.
Für die Verständigung gilt: wenige Zeichen, jedes mit genau einer Bedeutung, vor der Abfahrt abgesprochen. Ein Antippen, weil die Aussicht schön ist, verstehst du vorn schnell als Bitte anzuhalten. Solange du bremst oder in Schräglage bist, bleiben die Hände des Sozius dort, wo er sich festhält; alles andere hat Zeit, bis die Maschine wieder aufrecht und gleichmäßig rollt.
Wer viel zu zweit fährt, sollte einmal nachrechnen. Wie viel ihr samt Gepäck wiegen dürft, ergibt sich aus zwei Feldern der Zulassungsbescheinigung. Die zulässige Gesamtmasse steht unter F, die Masse des fahrbereiten Motorrads unter G, und die Differenz ist eure Zuladung. Federvorspannung und Reifendruck stellst du auf die Beladung ein. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Wie lang eine Familientour wird, bestimmt nicht der Ehrgeizigste, sondern wer zuerst müde wird. Zwei Stunden ohne Halt, wie im Auto üblich, können auf dem Motorrad laut ADAC schon zu viel sein, je nach Maschine, Straße und Wetter. Und sobald die Konzentration spürbar nachlässt, war die Etappe nach Einschätzung des Clubs bereits zu lang.
Plant den Tag um ein Ziel, auf das sich alle freuen, nicht um eine Kilometerzahl. Das kann ein See sein, ein Ort mit Geschichte oder ein Café, in dem ihr gern sitzt. Wer zu viel in einen Tag packt, fährt am Nachmittag gegen die Uhr. Und gegen die Uhr fährt niemand gut.
Ein Nachmittag in der Garage gehört genauso dazu wie die Tour. Beim Ölwechsel oder bei der Kettenpflege redet es sich leichter, weil ihr auf dieselbe Sache schaut statt einander an.
Sicherheitshinweis: Kette und Kettenrad ziehen alles ein, was ihnen zu nahe kommt, auch einen Lappen mitsamt der Hand, die ihn hält. Gereinigt und geschmiert wird deshalb nur bei abgestelltem Motor, und das Hinterrad drehst du von Hand.
Lässt du nach dem Ölwechsel den Motor laufen, dann nur draußen und nie in der Garage, selbst wenn das Tor offen steht. Das Kohlenmonoxid aus dem Auspuff ist geruchlos und unsichtbar und kann schon in kleinen Mengen töten.
Nebenbei lernt der Neuling so die Maschine kennen, auf der er fährt, und hört unterwegs eher, wenn etwas nicht stimmt. Für Motorradfahren in der Familie ist das ein guter Anfang.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Wenn es bei dir konkret wird, frag die Fahrschule oder die Führerscheinstelle; bei Fragen zur Beladung hilft eine Prüforganisation.
Am Ende einer guten Familientour steht kein Rekord. Zwei, drei Maschinen auf einem Parkplatz, die Auspuffe knacken beim Abkühlen, jemand nimmt den Helm ab und zählt durch, ohne es zu merken. Alle da. Mehr muss so ein Tag nicht schaffen.
Ab wann darf mein Kind selbst Motorrad fahren?
Den Motorradführerschein der Klasse A1 gibt es mit 16 Jahren, A2 mit 18. Wer direkt in die offene Klasse A einsteigt, muss 24 sein; nach zwei Jahren mit A2 reicht ein Alter von 20 Jahren.
Gibt es begleitetes Fahren auch für Motorräder?
Begleitetes Fahren ab 17 gibt es für Motorräder nicht: Die Fahrerlaubnis-Verordnung sieht es nur für die Pkw-Klassen B und BE vor. Auf dem Motorrad bringt die Fahrschule das Fahren bei, und auf die eigene Maschine geht es erst mit dem eigenen Schein.
Wo fährt der unerfahrenste Fahrer in einer Gruppe?
In einer Gruppe gehört der Unerfahrenste direkt hinter den Führenden. So richtet sich das Tempo nach ihm, er muss nach Kurven nicht hinterherhetzen, und der Vordermann bemerkt Probleme sofort im Spiegel.
Wie verständige ich mich mit meinem Sozius ohne Intercom?
Ohne Intercom verständigt ihr euch am besten mit wenigen Zeichen, die ihr vorher vereinbart und die jeweils nur eine Bedeutung haben, etwa zweimal auf die Schulter für einen Halt. Beim Bremsen und in Kurven hält sich der Sozius mit beiden Händen fest.
Wie oft sollten wir auf einer Familientour Pause machen?
Pausen braucht ihr auf dem Motorrad öfter, als ihr es aus dem Auto gewohnt seid. Nach Einschätzung des ADAC können zwei Stunden am Stück für Motorradfahrer schon zu viel sein. Den Takt gibt vor, wer in eurer Runde als Erster müde wird.
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