Motorräder in der Literatur: Von Klassikern bis zu zeitgenössischen Werken

Ein Mann schraubt in Montana die Zündkerzen aus seiner Honda und sieht, dass beide schwarz sind. Der Motor läuft zu fett, weil die Luft in der Höhe dünner wird und der Vergaser davon nichts weiß. Er tauscht die Düsen, stellt die Ventile ein, und die Maschine läuft wieder sauber.

Diese Szene steht in einem Buch, das sich mehr als fünf Millionen Mal verkauft hat, und sie stimmt technisch. Motorräder in der Literatur sind trotzdem seltener, als so ein Erfolg vermuten lässt.

Ein paar Bücher lohnen sich aber, und zu einem davon gehört ein Unfall, der die Geschichte des Sturzhelms verändert hat.

Der Klassiker: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten

Robert M. Pirsig fuhr 1968 mit seinem Sohn Chris 17 Tage lang auf einer Honda von Minnesota nach Nordkalifornien. Aus dieser Reise wurde ein Buch, das 121 Verlage ablehnten, bevor es 1974 erschien. Auf Deutsch kam es 1976 heraus, mit dem Untertitel „Ein Versuch über Werte“.

Die ersten neun Tage fahren Freunde mit, John und Sylvia. John will von der Technik seines teuren neuen Motorrads nichts wissen; geht etwas kaputt, ärgert er sich und sucht eine Werkstatt. Der Erzähler dagegen wartet seine ältere Maschine selbst und hört auf jedes Geräusch. Zwischen diesen beiden Haltungen spannt Pirsig sein Buch auf.

Ein Satz daraus wird bis heute gern zitiert, sinngemäß: Das eigentliche Motorrad, an dem du arbeitest, bist du selbst. Pirsigs Honda gehört inzwischen dem Smithsonian-Museum für amerikanische Geschichte in Washington, das sie 2024 erstmals öffentlich ausgestellt hat.

Schrauben als Denkarbeit

2009 griff ein Philosoph, der damals selbst Motorräder reparierte, Pirsigs Faden wieder auf. Matthew B. Crawford schrieb über den Wert von Handarbeit; in deutscher Übersetzung trägt sein Buch den Titel „Ich schraube, also bin ich“. Seine These: Wer eine Maschine wieder zum Laufen bringen will, muss genauer denken als mancher am Schreibtisch, weil am Ende nur zählt, ob der Motor anspringt.

Die beiden Bücher trennen 35 Jahre, und doch treffen sie sich in einem Punkt: Schrauben ist für beide keine Flucht vor dem Denken, sondern eine Schule dafür.

Lawrence von Arabien und der Sturzhelm

T. E. Lawrence, als Lawrence von Arabien weltberühmt, liebte schnelle Motorräder und besaß nacheinander acht Brough Superior. Sein Buch über die Zeit als einfacher Soldat der Royal Air Force sollte erst nach seinem Tod herauskommen. Erschienen ist es 1955, die deutsche Ausgabe folgte im selben Jahr als „Unter dem Prägestock“. Ein Kapitel darin beschreibt, wie er sich auf dem Motorrad mit einem Doppeldecker ein Rennen liefert.

Am 13. Mai 1935 stürzte er in Dorset mit seiner Brough. Eine Senke in der Straße hatte zwei Jungen auf Fahrrädern verdeckt, er wich aus und wurde über den Lenker geschleudert. Sechs Tage später war er tot.

Einer der Ärzte an seinem Bett war der Neurochirurg Hugh Cairns, und ihn ließ der Fall nicht mehr los. Er untersuchte über Jahre die Kopfverletzungen von Kradmeldern, den Meldefahrern der Armee. Seine Arbeit trug dazu bei, dass sich der Sturzhelm durchsetzte, erst beim Militär, dann auch im zivilen Verkehr. Aus dem Tod eines Schriftstellers wurde so eine der wichtigsten Sicherheitsgeschichten des Motorradfahrens.

Losfahren: Guevara, Reisch, Simon und zwei Frauen

Ernesto Guevara, später als Che bekannt, war 23 und Medizinstudent, als er mit seinem Freund Alberto Granado auf einer Norton 500 von 1939 durch Südamerika aufbrach. Ausgerechnet La Poderosa, „die Mächtige“, wie sie die Maschine nannten, hielt nicht durch; weiter ging es mit Lastwagen, Schiff, Floß und per Anhalter. Granado sagte 2004, ohne die Panne hätten sie die Menschen unterwegs nie so kennengelernt. Guevaras Tagebuch erschien erst 1993, auf Deutsch ein Jahr später als „Latinoamericana“.

Früher dran war ein Tiroler. Der Kufsteiner Max Reisch, damals 20, fuhr 1933 mit Herbert Tichy auf einer Puch 250 über den Landweg nach Indien, 13.000 Kilometer bis Bombay. Die beiden gelten als die ersten, die das mit einem Motorrad schafften. Reischs Buch „Indien - lockende Ferne“ erschien 1949; eine Fassung für junge Leser folgte 1960 unter dem Titel „Mit ‚Fridolin‘ nach Indien“.

Ted Simon fuhr 1973 in England los, auf einer Triumph Tiger 100, und kam nach vier Jahren und 45 Ländern zurück. Sein Buch darüber heißt auf Deutsch „Jupiters Fahrt“. Mit rund 70 fuhr er die Runde ein zweites Mal.

Die Französin Anne-France Dautheville umrundete 1973 allein die Welt, auf einer Kawasaki mit 100 Kubikzentimetern; ihr Bericht, „Et j’ai suivi le vent“, erschien 1975. Die Britin Elspeth Beard, damals Architekturstudentin, startete 1982 auf einer BMW R 60/6 und kam 1984 nach rund 56.000 Kilometern zurück. Das Buch dazu, „Lone Rider“, kam erst 2017 heraus.

Das Rebellenbild aus der Nähe

Wer bei Motorrad und Literatur an Ausbruch denkt, denkt oft an „On the Road“. Doch Jack Kerouacs Erzähler reist in dem Roman von 1957 mit Bussen, per Anhalter und in Autos, einem Hudson und einem Cadillac. Ein Motorradbuch ist das nicht.

Das Bild, das viele dort suchen, hatte zwei Jahre vorher schon ein junger Engländer in Kalifornien gefunden: Thom Gunn. Sein Gedicht „On the Move“ handelt von Motorradfahrern in Lederjacken und mit Schutzbrillen, halb Ritter, halb Zweifler. Mit ihrer Ausrüstung, schreibt er sinngemäß, schnallen sie den Zweifel fest und wirken gerade dadurch robust.

Wie es in einem echten Motorradclub zuging, schrieb ein Reporter aus nächster Nähe auf. Hunter S. Thompson verbrachte rund ein Jahr mit den Hells Angels in Kalifornien, sein Buch „Hell’s Angels“ erschien 1966. Seine Zeit mit dem Club endete damit, dass mehrere Mitglieder ihn verprügelten.

Für junge Leser: eine Maus und ein Motorrad

Eines der liebenswertesten Motorradbücher ist ein Kinderbuch. In Beverly Clearys „The Mouse and the Motorcycle“ von 1965 findet eine Maus namens Ralph in einem alten Hotel ein Spielzeugmotorrad. Fahren kann Ralph erst, als ein Junge ihm das Geheimnis verrät: Der Motor läuft, sobald die Maus selbst das Motorengeräusch macht.

Die deutsche Ausgabe von 1971 heißt „Die Maus und das Motorrad“, illustriert hat sie Janosch. Wer ein Kind an Motorräder heranführen will, fängt hier besser an als bei jeder Rennfahrerbiografie. Und wer selbst wissen will, was Motorräder in der Literatur leisten können, hat mit diesen Büchern schon eine ganze Leseliste.

Welches Buch als Nächstes?

Motorräder sind in Büchern selten die Hauptfigur. Wo sie vorkommen, erzählen sie von Menschen, die etwas wissen wollten: wie eine Maschine funktioniert, wie weit die Welt reicht, was Geschwindigkeit kostet. Mit welchem Buch fängst du an, wenn die Maschine im Winterlager steht?

❓ Häufige Fragen zu Motorrädern in der Literatur

Welches ist das bekannteste Buch über Motorräder?

Das bekannteste Buch über Motorräder ist wohl „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig: 1974 in den USA erschienen, inzwischen weltweit über fünf Millionen Exemplare. Hinter der Geschichte steht eine echte Fahrt des Autors mit seinem Sohn im Jahr 1968.


Worum geht es in „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“?

Pirsigs Buch erzählt von einer Fahrt von Minnesota nach Kalifornien und von zwei Arten, mit Technik umzugehen: sie verstehen wollen oder darauf hoffen, dass sie hält. Daraus entwickelt er die Frage, was Qualität ausmacht.


Hatte Lawrence von Arabien einen Motorradunfall?

T. E. Lawrence, Lawrence von Arabien, stürzte am 13. Mai 1935 in Dorset mit seiner Brough Superior und starb sechs Tage später. Der Neurochirurg Hugh Cairns, der ihn behandelt hatte, erforschte danach Kopfverletzungen bei Kradmeldern und half so dem Sturzhelm zum Durchbruch.


Welches Buch schrieb Che Guevara über seine Motorradreise?

Che Guevaras Reisetagebuch über die Fahrt mit Alberto Granado heißt auf Deutsch „Latinoamericana“ und erschien 1994. Die beiden starteten auf einer gut zwölf Jahre alten Norton 500, die unterwegs aufgab, und reisten danach mit Lastwagen, Schiff und Floß weiter.


Wer fuhr als Erster mit dem Motorrad nach Indien?

Als Pioniere der Motorradfahrt nach Indien gelten die Österreicher Max Reisch und Herbert Tichy. Sie erreichten Bombay 1933 über Land, auf einer Puch 250; Reischs Bericht „Indien - lockende Ferne“ kam 1949 heraus.


Ist „On the Road“ von Jack Kerouac ein Motorradbuch?

„On the Road“ ist kein Motorradbuch: Kerouacs Figuren fahren Bus, trampen oder sitzen im Auto. Wer das Motorrad als Sinnbild der Rastlosigkeit sucht, findet es eher in Thom Gunns Gedicht „On the Move“ aus den Fünfzigerjahren.


Gibt es Motorradbücher für Kinder?

Ein Motorradbuch für Kinder ist die Geschichte von der Maus Ralph und ihrem Spielzeugmotorrad, die sich die Amerikanerin Beverly Cleary ausgedacht hat. Auf Deutsch heißt sie „Die Maus und das Motorrad“, die Bilder stammen von Janosch.

Lade nächsten Beitrag...
Suche
Jetzt beliebt
Wird geladen

Anmeldung in 3 Sekunden …

Registrierung in 3 Sekunden …