
Mehr als 95 Dezibel: Steht ein höheres Standgeräusch in der Zulassung, darf ein Motorrad zwischen Mitte April und Ende Oktober sechs Straßenabschnitte in Tirol nicht befahren. Das Land hat diese Regel 2020 als Versuch eingeführt, seit 2021 gilt sie jedes Jahr. Vorsicht bei älteren Papieren: Ein N hinter dem Wert kann auch eine kleinere Zahl über die Grenze heben.
Streckensperrungen für Motorräder sind die härteste Form eines Konflikts, der an etlichen beliebten Strecken in Deutschland und Österreich schwelt. Auf der einen Seite stehen Anwohner, die an Sommersonntagen Ruhe wollen, auf der anderen Motorradfahrer, die genau dort ihre Kurven suchen. Wo Motorräder verschwinden und wo sie willkommen sind, hat sich zuletzt fast jedes Jahr verändert.
Die sechs Abschnitte verteilen sich auf die Bezirke Reutte und Imst, darunter die Lechtalstraße, die Tannheimer Straße und das Hahntennjoch. Es zählt nicht, wie laut jemand fährt, sondern das Standgeräusch, das unter U.1 in der Zulassungsbescheinigung steht. Liegt es über 95 dB(A), ist die Strecke tabu, auch für Anwohner und für historische Motorräder. Nicht erfasst sind mehrspurige Fahrzeuge wie Gespanne und Trikes.
Bei älteren Papieren zählt auch der Buchstabe hinter dem Wert. Ein N bezeichnet die frühere Nahfeldmessung, und das Land Tirol schlägt dann 21 dB auf: Ein Eintrag von 80N entspricht 101 dB(A), damit darf die Maschine nicht auf die gesperrten Abschnitte. Bei einem P dahinter wurde nach heutigem Verfahren gemessen, und der Wert gilt unverändert. In Schweizer Papieren fehlt der Eintrag U.1. Laut Land Tirol steht der Wert aber bei den meisten Maschinen auf dem Typenschild.
Betroffen sind auch Serienmaschinen, die ganz normal zugelassen sind und den Grenzwert trotzdem überschreiten. Für eine Fahrt auf den gesperrten Abschnitten nennt das Land rund 220 Euro Geldstrafe, außerdem kann die Polizei zur Umkehr anweisen. Die Fernpassstraße gehört nicht zu den gesperrten Abschnitten.
Am Kesselberg in Oberbayern entscheidet die Uhrzeit. Zwischen Kochel und Walchensee ist die B 11 bergauf vom 1. April bis 31. Oktober jeden Tag zwischen 15 und 22 Uhr für Motorräder zu, egal wie leise die Maschine ist. Die tägliche Sperre begann 2023 als Versuch, seit Januar 2025 gilt sie dauerhaft. Bergab bleibt die Strecke frei.
Am Sudelfeld lief ein ähnlicher Verkehrsversuch. In Fahrtrichtung Bayrischzell durften täglich zwischen 11 und 21 Uhr keine Motorräder fahren, ausgenommen waren nur Mofas und Kleinkrafträder. Zum 30. September 2026 endete der Versuch. Ob eine dauerhafte Regel folgt, wollen die Landratsämter erst nach der Auswertung entscheiden.
Andernorts gilt die Sperre am Wochenende. Am Schauinsland bei Freiburg dürfen Motorräder die L 124 an Samstagen, Sonn- und Feiertagen nicht befahren, so beschrieb es die Polizei Freiburg 2023. In der Eifel ist die L 128 bei Simmerath schon seit 1997 an Wochenenden und Feiertagen für Motorräder gesperrt.
Montags bis freitags sind beide Strecken frei, sofern kein Feiertag ist. Pendler auf zwei Rädern trifft das also kaum. Für die Wochenendrunde brauchst du dort einen anderen Weg.
Wie schnell eine Strecke in die Diskussion gerät, zeigte 2026 die Schwarzwaldhochstraße von Baden-Baden nach Freudenstadt. Nach drei tödlichen Unfällen mit vier Toten seit Saisonbeginn kamen im September Behörden, Städte und Polizei an einen Tisch. Ein Fahrverbot beschlossen sie nicht.
Stattdessen sollen ab der Saison 2027 mehr Kontrollen kommen, auch mit zivilen Fahrzeugen und Drohnen. Geprüft werden Rüttelstreifen und Markierungen in Kurven sowie Fahrtenbuchauflagen. Und wo die Gesetze eine Beschlagnahme von Motorrädern zulassen, wollen die Behörden diese Möglichkeit nutzen. Die B 500 soll dabei als Pilotstrecke dienen, ein weiteres Treffen ist für den 17. November 2026 angesetzt.
In Salzburg läuft ein anderer Versuch. Seit Ende August 2025 erfasst in der Stadt ein Gerät mit Mikrofonen und Kameras besonders laute Fahrzeuge. Amtlich zugelassen ist diese Messung nicht, sie liefert einen Hinweis.
Ob angezeigt wird, entscheidet die Prüfung des Fahrzeugs durch die Landesprüfstelle. Für 2026 war eine Ausweitung auf weitere Bezirke angekündigt. Für alle, die leise fahren, hat so ein Ansatz einen Vorteil: Er richtet sich gegen die Maschine, die auffällt, und nicht gegen jedes Motorrad zur selben Uhrzeit.
In Tirol geht es um Lärm, an der Schwarzwaldhochstraße um Unfälle. Beim Lärm hast du einen Teil selbst in der Hand.
Dafür gibt es eine klare Regel. Wird ein Motorrad durch einen Umbau lauter, etwa durch einen ausgebauten dB-Killer oder einen Auspuff ohne passende Genehmigung, erlischt nach der deutschen Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung seine Betriebserlaubnis. Das geschieht schon mit der Änderung, nicht erst bei einer Kontrolle. Auch mit einem Sportauspuff mit ABE muss das Motorrad laut Land Tirol den eingetragenen Standgeräuschwert weiter einhalten.
Mit jedem Auspuff entscheidet außerdem die rechte Hand über den Eindruck. Rollst du mit niedriger Drehzahl durch einen Ort, lieferst du Anwohnern weniger Grund für die nächste Beschwerde.
Manche Strecken werben sogar um Motorradfahrer. Die Großglockner-Hochalpenstraße kennt kein Lärmfahrverbot, auf der ganzen Strecke gilt seit 2022 aber Tempo 70. Auf der Edelweißspitze reserviert der Betreiber Motorradfahrern eigene Stellplätze, und die Edelweißhütte dort bietet Garagen und Hilfe bei Reparaturen.
Für Zweiräder sperrt der Betreiber die Straße mitunter kurzfristig, frühmorgens oder vormittags, wenn nachts gefrorenes Schmelzwasser von den Schneewänden auf der Fahrbahn liegt. Das dient deiner Sicherheit und hat mit Lärm nichts zu tun.
Und es gibt Orte, die Motorradfahrer anziehen. Am Glemseck bei Leonberg kommen nach Angaben der Veranstalter des Glemseck 101 übers Jahr Tausende Motorradfahrer zusammen.
Welche Regel auf deiner Tour gerade gilt, steht auf den Seiten des Landes Tirol, der Landratsämter und des Großglockner-Betreibers sowie auf den Schildern vor Ort. Ein Blick vor der Abfahrt erspart dir die Umkehr am Sperrschild.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Lage allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung, und Einzelfälle können anders liegen. Ob eine Sperre für deine Strecke gilt, sagen dir die zuständige Behörde und die Beschilderung vor Ort.
Keine dieser Regeln kam über Nacht. Hinter den Sperren stehen Beschwerden von Anwohnern, Messungen oder Unfallzahlen, und an der B 500 sitzen die Beteiligten im November wieder zusammen.
Offen bleibt eine Straße eher dort, wo Motorräder für die Menschen an ihr erträglich sind. Dazu trägt jede leise Ortsdurchfahrt bei.
Welche Straßen in Tirol sind für laute Motorräder gesperrt?
Sechs Straßenabschnitte im Außerfern und rund um das Hahntennjoch umfasst das Tiroler Lärmfahrverbot. Es gilt jedes Jahr vom 15. April bis 31. Oktober für jedes einspurige Kraftfahrzeug, dessen Papiere ein Standgeräusch über 95 dB(A) nennen. Ein Wert mit N zählt dabei 21 dB mehr.
Woher weiß ich, ob mein Motorrad in Tirol fahren darf?
Für das Tiroler Fahrverbot zählt das Standgeräusch, das deine Zulassungsbescheinigung unter U.1 nennt. Liegt es über 95 dB(A), bleiben dir die gesperrten Abschnitte in der Saison verschlossen. Steht ein N hinter dem Wert, rechnet das Land 21 dB dazu, ein Eintrag von 80N gilt also als 101 dB(A). Schweizer Papiere haben kein Feld U.1, dort hilft meist das Typenschild weiter.
Wann ist der Kesselberg für Motorräder gesperrt?
Am Kesselberg gilt die Sperre nur bergauf, auf der B 11 von Kochel zum Walchensee. Von April bis Oktober dürfen Motorräder dort an jedem Tag von 15 Uhr an nicht mehr hinauf, erst ab 22 Uhr wieder. Bergab bleibt die Straße offen.
Ist das Sudelfeld noch für Motorräder gesperrt?
Am Sudelfeld lief die Sperre als Verkehrsversuch und endete am 30. September 2026. Ob es eine dauerhafte Regel gibt, entscheiden die Landratsämter nach der Auswertung (Stand: Oktober 2026).
Wird die Schwarzwaldhochstraße für Motorräder gesperrt?
Für die Schwarzwaldhochstraße haben Behörden und Polizei im September 2026 kein Fahrverbot beschlossen. Geplant sind für 2027 häufigere Kontrollen, außerdem werden bauliche Maßnahmen geprüft. Über das weitere Vorgehen beraten sie am 17. November 2026.
Was passiert, wenn ich ohne dB-Killer fahre?
Ohne dB-Killer wird dein Motorrad lauter, und das schlechtere Geräuschverhalten lässt in Deutschland seine Betriebserlaubnis erlöschen. Das gilt ab dem Moment des Ausbaus.
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