Nach der Zeitumstellung entscheidet das Licht über deine Tagesetappe

Zehn, eins, drei, sechs. Abfahrt, Mittagessen, Kaffee, daheim. Mit diesem Plan bist du den ganzen Sommer gut gefahren. Mit der Zeitumstellung am Sonntag, 25. Oktober, bringt dich derselbe Plan in München fast eine Stunde nach Sonnenuntergang heim, die letzten zwanzig Minuten sogar nach dem Ende der Dämmerung.

An der Strecke hat sich nichts geändert, an deiner Kondition auch nicht. Anders ist vor allem, welche Stunden des Tages hell sind. Rechne deine Runde einmal mit echten Uhrzeiten durch, und du planst den Herbst neu.

Die Uhr springt, die Sonne nicht

In der Nacht zum 25. Oktober 2026 endet die Sommerzeit, in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur selben Stunde. Um drei Uhr gehen die Uhren auf zwei zurück. In München zeigt die Uhr am Samstag bei Sonnenuntergang 18:08, am Sonntag 17:06. Der Morgen bekommt die Stunde dazu, der erste Sonnenstrahl kommt nach der Umstellung schon um 6:47 Uhr statt um 7:46 Uhr.

Der Tag selbst ist dabei nur drei Minuten kürzer geworden, so viel wie an jedem anderen Tag um diese Jahreszeit. Die Zeitumstellung nimmt dir also kein Licht, sie schiebt nur eine Stunde vom Abend in den Morgen. Für eine Tour zählt die Stunde am Abend.

Auch der Mittag kommt auf der Uhr eine Stunde früher. Nach der Umstellung steht die Sonne in München Ende Oktober kurz vor zwölf am höchsten, vorher kurz vor eins.

Kürzer werden die Tage trotzdem, Stück für Stück. Vom 8. Oktober bis zum 15. November schrumpft das Tageslicht in München von 11 Stunden 16 Minuten auf 9 Stunden 15 Minuten. Auf dem Zifferblatt bleibt der Sonnenaufgang dabei fast, wo er war: 7:22 Uhr am 8. Oktober, 7:20 Uhr Mitte November. Der Sonnenuntergang rutscht dagegen von 18:38 auf 16:35 Uhr. Die zwei Stunden, die der Herbst dir nimmt, fehlen auf der Uhr nur am Abend.

Heim um sechs im Oktober

Leg den Sommerplan auf diese Uhrzeiten. Am 8. Oktober bist du um sechs gut eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang zu Hause, allerdings mit der Sonne knapp über dem Horizont. Führt der Heimweg nach Westen, fährst du die letzten Kilometer in sie hinein. Führt er nach Osten, schaut der Gegenverkehr in diese Sonne. Ein Linksabbieger aus der Gegenrichtung sieht dich dann womöglich gar nicht. Am 24. Oktober bleiben dir noch acht Minuten Reserve.

Einen Tag später gilt die Winterzeit, und du kommst 54 Minuten nach Sonnenuntergang an. Die bürgerliche Dämmerung endet an diesem Sonntag in München um 17:38 Uhr, und danach ist es draußen ohne Lampe nicht mehr hell genug. Die letzten zwanzig Minuten fährst du damit im Dunkeln. Mitte November sind es schon rund 50 Minuten.

Und das ist die freundliche Rechnung. Ohne Stau auf dem Rückweg, ohne Umleitung und ohne den Kaffee, der länger dauert, weil die Handschuhe noch auf der Heizung trocknen.

Gewinner der Zeitumstellung ist der Morgen. Pendelst du mit dem Motorrad, ist es Ende Oktober um sieben wieder hell, vorher kam das Tageslicht erst gegen acht. Lange hält das nicht: Mitte November liegt der Sonnenaufgang schon wieder bei 7:20 Uhr.

Nach der Zeitumstellung ist das Licht der Engpass

Dreh die Frage um: Wie weit kommst du, wenn du bei Sonnenuntergang zu Hause sein willst? Nimm als Planungsschnitt 60 km/h auf Landstraßen, mit Ortsdurchfahrten, Ampeln und kurzen Stopps, aber ohne längere Pausen. Dazu anderthalb Stunden für Mittagessen und Kaffee, Abfahrt um zehn. Für München ergibt das vor und nach der Zeitumstellung diese Etappen:

TagSonnen­untergangEtappe bis Sonnen­untergang
8. Okt.18:38 Uhrrund 430 km
24. Okt.18:08 Uhrrund 400 km
25. Okt.17:06 Uhrrund 335 km
1. Nov.16:55 Uhrrund 325 km
15. Nov.16:35 Uhrrund 305 km

Vergleich das mit der Faustregel des ADAC. Auf Landstraßen hält der Club höchstens 350 Kilometer am Tag für vernünftig, und zwar bei gutem Motorradwetter. Niedrige Temperaturen gehören für den ADAC zu den Gründen, die Etappe zu kürzen. Im November treffen damit zwei Grenzen zusammen, das kurze Tageslicht und die Kälte.

Bis zur Zeitumstellung reicht das Licht für mehr, als du dir auf der Landstraße zumuten solltest. Danach ist es umgekehrt, und die Sonne setzt die Grenze, nicht deine Kondition.

Für andere Städte verschieben sich die Zeiten ein wenig. In Wien geht die Sonne am 25. Oktober knapp 20 Minuten früher unter als in München, in Berlin gut eine Viertelstunde früher, in Köln und Zürich gut zehn Minuten später. Am Prinzip ändert das nichts.

Eine Stunde früher los?

Die naheliegende Antwort ist richtig, solange du ihren Preis kennst. Für die Sonne ist neun Uhr nach der Zeitumstellung dasselbe wie zehn Uhr davor. Startest du am 25. Oktober um neun statt um zehn, kommst du mit denselben Pausen und demselben Schnitt wieder auf knapp 400 Kilometer bis Sonnenuntergang, Mitte November auf gut 360.

Den Preis zahlst du am Morgen. An einem späten Oktobertag ist es um neun oft noch empfindlich kalt, in Flusstälern hält sich Nebel, und unter Bäumen trocknet die Nässe der Nacht nur langsam ab. Nach klaren Nächten kann auf Brücken und im Schatten Reif liegen, auch wenn das Thermometer Plusgrade zeigt. Die Reifen brauchen auf kaltem Asphalt länger, bis sie Temperatur haben. Und fährst du morgens nach Osten, hast du die tiefe Sonne vor dem Visier.

Ein Mittelweg kostet weniger. Starte um halb zehn statt um zehn: Am Abend gewinnst du 30 Minuten Licht, und der Morgen hat eine halbe Stunde mehr Zeit zum Abtrocknen als bei einem Start um neun. Plan die Etappe dazu kürzer: 300 Kilometer, die im Hellen enden, sind im November die bessere Tour als 350, die in der Dämmerung enden.

Wohin die Pausen gehören

An der Gesamtzeit ändert die Lage der Pausen nichts. Sie entscheidet aber, zu welcher Uhrzeit du welches Stück fährst. Leg die anspruchsvollen Abschnitte, den Pass oder die Waldstrecke mit dem nassen Laub, in die Mitte des Tages, wenn die Sonne am höchsten steht und die Straße am trockensten ist. Das letzte Stück sollte das sein, das du am besten kennst.

Die letzte Pause ist dein Entscheidungspunkt, und die Rechnung dafür passt auf eine Serviette. Bei 60 km/h ist ein Kilometer eine Minute. Die Minuten bis zum Sonnenuntergang sind also die Kilometer, die dir noch bleiben.

Ein Beispiel für Sonntag, den 1. November, eine Woche nach der Zeitumstellung: Abfahrt halb zehn, die schönen Kurven vor dem Mittagessen, Kaffee um drei. Bis Sonnenuntergang um 16:55 Uhr sind es dann noch 115 Minuten. Rechne eine halbe Stunde für Kaffee, Bezahlen, Anziehen und Tanken, und es bleiben rund 85 Kilometer bis nach Hause. Liegen mehr vor dir, ist der Kaffeetisch der Ort für die kürzere Variante, nicht die letzte Kreuzung vor der Dämmerung.

In der Gruppe dauert jede Pause länger. Bis alle getankt, bezahlt und die Handschuhe wieder an haben, vergeht mehr Zeit, als jeder Einzelne glaubt. Nach der Zeitumstellung fehlt dir diese Zeit am Ende im Hellen.

Was du lassen solltest: die Pausen kürzen, um Licht zu gewinnen. Laut ADAC kann der Zwei-Stunden-Takt aus dem Auto auf dem Motorrad schon zu lang sein, etwa ohne Verkleidung oder bei schlechtem Wetter. Im Herbst kommt die Kälte dazu, die der Club ebenfalls als Grund für kürzere Etappen nennt.

Die halbe Stunde nach Sonnenuntergang

Nach Sonnenuntergang bleibt in München im Oktober und November gut eine halbe Stunde Restlicht. In dieser Zeit wird es schnell grau, Konturen am Straßenrand verschwinden, und dein Scheinwerfer zeigt bald mehr als der Himmel. Danach ist es dunkel.

Mit dem Licht geht die Wärme. Nach Sonnenuntergang kühlt die Luft an klaren Herbstabenden schnell ab, und auf Brücken und in Senken kann die Fahrbahn feucht und bei Frost glatt werden, ohne dass es geregnet hat. Die Kurve, die du am Vormittag trocken gefahren bist, ist am Abend nicht mehr dieselbe.

Für dich auf dem Motorrad ist diese halbe Stunde doppelt unangenehm: Du siehst schlechter, und andere übersehen dich leichter. Dazu ist es die Zeit, in der Wild unterwegs ist. Nach der Statistik der Versicherer, die der ADAC zur Zeitumstellung 2024 zitiert hat, passieren zwischen Oktober und Dezember besonders viele Wildunfälle.

Sicherheitshinweis: Plan die Ankunft auf den Sonnenuntergang, nicht auf die Dunkelheit. Reicht das Licht nicht, nimm an der letzten Pause lieber die kürzere Strecke nach Hause, als die Etappe in die Dämmerung hinein zu Ende zu fahren.

In der halben Stunde danach erkennst du Wild, Laub, Erde von Erntefahrzeugen und nasse Stellen später. Siehst du ein Reh zu spät, bleibt dir auf dem Motorrad weder Platz zum Ausweichen noch Weg zum Anhalten. Den Aufprall fängt bei dir nichts ab außer Helm und Kombi.

Wenn es trotzdem knapp wird: Sonnenblende hoch, klares Visier, und fahr nur so schnell, dass du auf dem Stück anhalten kannst, das dein Scheinwerfer ausleuchtet. Fährst du tagsüber mit getöntem Visier, gehört spätestens nach der Zeitumstellung das klare ins Gepäck. Mit vollen Koffern oder Sozius kann der Scheinwerfer höher leuchten. Ob und wie du die Leuchtweite nachstellst, hängt von der Maschine ab. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Vor der Zeitumstellung begann diese halbe Stunde gegen sechs. Danach beginnt sie gegen fünf, mitten auf dem Heimweg der Sonntagsrunde.

Zwei Uhren umstellen

Dein Handy stellt sich in der Nacht der Zeitumstellung von selbst um. Die Uhr im Cockpit stellst du bei vielen Maschinen von Hand, und zwar vor der Abfahrt, nicht an der ersten roten Ampel.

Die zweite Uhr ist dein Tourplan, und die stellt niemand für dich um. Rechne für deine Runde vom Sonnenuntergang zurück, wann du an der letzten Pause sein musst, und fahr eine halbe Stunde früher los, als dein Sommerkopf will.

Die Saison ist damit nicht vorbei. Der Herbst hat Tage, die dir der Sommer nicht gibt: klare Luft, leere Straßen, Wälder in Farben, die nur ein paar Wochen halten. Du musst diese Tage nur früher anfangen.

❓ Häufige Fragen zur Tagesetappe nach der Zeitumstellung

Wie viele Kilometer schaffe ich nach der Zeitumstellung an einem Tag?

Mit Start um zehn, anderthalb Stunden Pause und einem Landstraßenschnitt von 60 km/h reicht das Licht in München ab dem 25. Oktober für rund 335 Kilometer, Mitte November für gut 300. Vor der Umstellung waren es rund 400. Der ADAC nennt für Landstraßen höchstens 350 Kilometer am Tag und rät, bei Kälte kürzer zu planen.


Wie rechne ich aus, wie weit ich bis zum Sonnenuntergang noch komme?

Bei einem Schnitt von 60 km/h entspricht jede Minute einem Kilometer. Schau bei der letzten Pause auf die Uhr, zähl die Minuten bis Sonnenuntergang und zieh ab, was die Pause samt Anziehen und Tanken noch dauert. Was übrig bleibt, ist die Strecke, die du noch im Hellen schaffst.


Lohnt es sich, im Herbst eine Stunde früher loszufahren?

Eine Stunde früher gleicht die Zeitumstellung aus, weil die Sonne um neun Uhr Winterzeit so steht wie um zehn Uhr Sommerzeit. Dafür startest du in den kalten Morgen, oft mit Nebel und feuchter Fahrbahn, mitunter mit Reif auf Brücken, und die Reifen bleiben lange kalt. Eine halbe Stunde früher plus eine etwas kürzere Etappe ist oft der bessere Kompromiss.


Wie lange dauert die Dämmerung im Oktober und November?

Die bürgerliche Dämmerung dauert in München im Oktober und November 31 bis 35 Minuten nach Sonnenuntergang. So lange bleibt es draußen hell genug, um ohne Lampe zurechtzukommen. Danach ist es dunkel, und auf dem Motorrad bleibt nur noch der eigene Scheinwerfer.


Ist die Zeitumstellung in Österreich und der Schweiz am selben Tag?

Die Zeitumstellung ist in Österreich und der Schweiz 2026 am selben Tag wie in Deutschland, in der Nacht zum 25. Oktober um drei Uhr. Die Uhrzeit des Sonnenuntergangs unterscheidet sich trotzdem: Wien sieht ihn an diesem Tag knapp 20 Minuten vor München, Zürich gut zehn Minuten danach.

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