Kettenöler am Motorrad: Segen oder Schmiererei?

Abends nach der Tour ist die Kette feucht, ohne dass du zur Dose gegriffen hast. Ein paar Wochen später zieht sich ein dunkler Film über die Felge bis an die Reifenflanke. Beides kann von demselben automatischen Kettenöler kommen.

Ob er ein Segen wird oder eine Schmiererei, hängt daran, wie er arbeitet, wo er sein Öl abgibt und wie viel davon. Einen Öler getestet haben wir nicht. Was hier steht, stammt aus den Anleitungen von zwei Ölern und drei Motorrädern.

Was die Kette verlangt

Ohne Öler schmierst du die Kette nach Plan. Honda und Suzuki nennen für NC750X und V-Strom 650 alle 1.000 Kilometer, Yamaha für die MT-09 ebenso und zusätzlich nach jeder Wäsche, nach Regen und nach Fahrten in feuchter Umgebung.

Auch das Mittel steht in der Anleitung, und hier unterscheiden sich die Hersteller. Honda verlangt Kettenschmiermittel für O-Ring-Ketten und nennt ersatzweise Getriebeöl SAE 80 oder 90. Yamaha schreibt O-Ring-Kettenspray vor und warnt ausdrücklich davor, Motoröl oder andere Schmiermittel aufzutragen, weil sie Stoffe enthalten können, von denen die O-Ringe Schaden nehmen.

Bevor ein Öler ans Motorrad kommt, klärst du also, welches Öl deine Anleitung an der Kette duldet. Was der Öler-Hersteller empfiehlt, muss dazu passen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Zwei Arten, Öl an die Kette zu bringen

Die beiden Öler-Anleitungen, die wir gelesen haben, beschreiben zwei verschiedene Bauarten. Das vSystem von Scottoiler arbeitet mit dem Unterdruck des Motors: Läuft er, öffnet sich ein Ventil, und das Öl tropft durch einen Schlauch zur Düse am Kettenrad. Wie schnell der Motor dreht, spielt laut Hersteller keine Rolle.

Der Öler gibt also Tropfen pro Minute ab, nicht pro Kilometer. Im Stau und an der Ampel tropft er weiter, auf der Autobahn verteilt sich dieselbe Menge auf mehr Strecke. Für die Ölsorte nennt Scottoiler zwei Bereiche der Außentemperatur, 0 bis 30 Grad und 20 bis 40 Grad, mit je einem eigenen Öl.

Der Nemo 2 von Cobrra wird von Hand ausgelöst. Eine Vierteldrehung am Behälter auf dem Lenker gibt drei Minuten lang Öl ab, das meiste davon in den ersten 30 Sekunden. Eine solche Drehung reicht laut Anleitung je nach Tempo und Wetter für 150 bis 350 Kilometer. Als Takt schlägt Cobrra das Tanken vor, nach Regen kommt eine Drehung dazu. Gefüllt wird der Behälter laut Cobrra mit 80W90, einem Getriebeöl, oder einer anderen geeigneten Sorte.

Wo das Öl ankommen soll

Scottoiler wie Cobrra führen das Öl an das hintere Kettenrad. Scottoiler setzt die Düse auf die Flanke des Kettenrads, zwischen fünf und sieben Uhr, also unten, und ihre Spitze soll das Rad leicht berühren. Bei Cobrra endet der Schlauch einen Millimeter vor Kette und Kettenrad. Ist die Düse falsch montiert, kann laut Scottoiler zu viel Öl weggeschleudert werden.

Auch der Weg dorthin zählt. Der Schlauch darf nicht knicken und das Lenken nicht behindern, und Scottoiler führt ihn weg vom heißen Auspuff und von beweglichen Teilen. Den Behälter am Lenker setzt Cobrra so, dass er waagerecht steht und der Lenker voll einschlagen kann.

Wie viel Öl

Beim Unterdruck-Öler stellst du die Menge bei warmem Motor ein und prüfst sie nach einer kurzen Fahrt noch einmal. Scottoiler nennt einen Tropfen pro Minute, bei mehr als zwei fliegt zu viel Öl weg. Gezählt wird bei laufendem Motor im Leerlauf, deshalb vor der Garage statt drinnen, und mit den Händen weg von Kette und Rad. Bei Staub, Sand oder starkem Regen braucht die Kette mehr.

Beim Öler mit Vierteldrehung bestimmst du die Menge über die Abstände. Löst du ihn kurz vor dem Abstellen aus, tropft das Öl auf eine stehende Kette und von dort auf den Boden. Für einen unerwarteten Halt in den ersten drei Minuten lässt Cobrra den Vorgang mit einer Drehung zurück stoppen.

Sicherheitshinweis: Nach den ersten Fahrten und nach jeder Änderung der Menge schaust du dir Felge, Reifen und die hintere Bremse an. Öl an der Bremse lässt du in der Werkstatt entfernen, und bis dahin fährst du nicht. Glänzt Öl auf dem Reifen, reinigst du ihn vor der nächsten Fahrt, laut Yamaha mit warmem Wasser und mildem Reinigungsmittel, und stellst weniger Öl ein. Bremse und Kurvenverhalten testest du danach, bevor du wieder schneller fährst. Öl auf der Lauffläche macht den Reifen laut Yamaha rutschig und kann zum Kontrollverlust führen.

Was dir der Öler nicht abnimmt

Ein Öler schmiert, mehr nicht. Durchhang, Ausrichtung und Zustand der Kette prüfst du weiter nach Plan, bei der MT-09 im Abstand von 1.000 Kilometern, und Cobrra rät, die Kette bei jedem Tanken anzusehen. Vor dem ersten Einsatz kommt das alte Schmiermittel herunter, so steht es bei Cobrra, und Scottoiler lässt die frisch gereinigte Kette zuerst von Hand einölen.

Sag deiner Werkstatt, dass ein Öler verbaut ist. Scottoiler legt dafür eigens einen Aufkleber für den Kettenschutz bei, damit Mechaniker die Düse bemerken.

Ein Tropfen pro Minute

Bei einem dieser Öler ist ein Tropfen pro Minute der Segen, mehr als zwei sind die Schmiererei. Wo du landest, zeigt dir nicht die Kette, sondern die Felge nach der ersten Woche.

❓ Häufige Fragen zum Kettenöler

Wie viel Öl gibt ein Kettenöler ab?

Ein Kettenöler gibt so viel Öl ab, wie du einstellst. Für einen Öler mit Unterdruck nennt der Hersteller bei warmem Motor rund einen Tropfen pro Minute, mehr als zwei führen zu Spritzern. Bei einem Öler mit Vierteldrehung fließt das Öl laut Hersteller drei Minuten lang, und eine Drehung reicht für 150 bis 350 Kilometer.


Welches Öl darf in den Kettenöler?

Welches Öl in den Kettenöler darf, bestimmen zwei Anleitungen: die des Ölers und die deines Motorrads. Honda lässt für die Kette ersatzweise Getriebeöl SAE 80 oder 90 zu, Yamaha verlangt O-Ring-Kettenspray und warnt vor anderen Schmiermitteln. Passt das empfohlene Öl des Ölers nicht dazu, sprich vor dem Einbau mit deiner Werkstatt.


Kann Öl vom Kettenöler auf den Reifen gelangen?

Öl vom Kettenöler kann auf den Reifen gelangen, wenn die Menge zu groß ist oder die Düse falsch sitzt. Ein Blick auf Felge und Reifen nach den ersten Fahrten zeigt es. Ist der Reifen ölig, säuberst du ihn, bevor du wieder fährst, und drehst die Menge zurück. Auf der Lauffläche kostet Öl Haftung.


Muss ich die Kette mit einem Kettenöler noch reinigen?

Auch mit Kettenöler reinigst und kontrollierst du die Kette. Bevor der Öler zum ersten Mal arbeitet, säuberst du sie von altem Schmiermittel, und Durchhang, Ausrichtung und Zustand prüfst du weiter nach dem Wartungsplan deines Motorrads.


Wo sitzt die Düse eines Kettenölers?

Die Düse eines Kettenölers gibt ihr Öl am hinteren Kettenrad ab. Beim einen Hersteller liegt sie unten an der Flanke des Kettenrads an, beim anderen endet der Schlauch knapp vor Kette und Kettenrad, mit einem Millimeter Luft. Sitzt sie falsch, kann Öl weggeschleudert werden.

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