Die erste Motorradtour im Frühling: Kleidung, Straße, Länge und Begleitung

Der erste Samstag im März, an dem der Asphalt vor der Garage trocken ist. Die Plane liegt gefaltet in der Ecke, die Batterie ist geladen, und der Helm wartet schon auf der Werkbank.

Ein Vormittag wie dieser fühlt sich nach Freiheit an und hat ein paar Haken. Im Fahrtwind wirkt die Luft kälter, als die Anzeige verspricht, auf der Straße liegt noch der Winter, und du bist seit November keine Kurve mehr gefahren.

Wie die erste Tour trotzdem so wird, wie du sie dir den Winter über vorgestellt hast, hängt an ein paar Entscheidungen, die du vor dem Losfahren triffst.

Bevor das Tor aufgeht

Was dein Motorrad nach dem Winter braucht, steht im Kapitel zu Stilllegung oder Lagerung deiner Anleitung, und die Listen unterscheiden sich deutlich. Bei der Ninja 650 steht ganz oben, den Plastikbeutel abzunehmen, den Kawasaki für den Winter über den Schalldämpfer binden lässt. Danach folgen unter anderem: Batterie, falls nötig, laden und einbauen, mit frischem Kraftstoff volltanken, alle Punkte der täglichen Kontrollen durchgehen und Lager und Drehpunkte schmieren.

In der Liste von KTM zur 890 Adventure stehen der Einbau der Batterie, die Kontrollen vor jeder Inbetriebnahme und danach eine Probefahrt. Laut Suzuki bekommt die V-Strom 650 nach der Einlagerung sogar frisches Öl und einen neuen Filter, bevor die übliche Prüfung vor Fahrtantritt folgt. Wie dein Modell das regelt, liest du nach, bevor du startest.

Zehn Grad sind auf dem Motorrad keine zehn Grad

Mit der Windchill-Formel der Wetterdienste gerechnet, fühlen sich zehn Grad Luft bei Tempo 100 an wie knapp vier. Bei fünf Grad liegt der Wert schon unter null, bei rund minus drei. Den größten Teil der Abkühlung holst du dir dabei nicht auf der Autobahn, sondern schon zwischen Schritttempo und Tempo 50.

Zieh dich deshalb für die gefühlte Temperatur an, nicht für die im Display. Unter die Jacke gehört eine warme Schicht, an den Hals ein Schlauchtuch, und die Belüftungen bleiben zu. Kalte Finger greifen langsamer und mit weniger Gefühl zum Hebel, deshalb gehören gefütterte Handschuhe an diesem Tag dazu.

Mit dicken Handschuhen sitzen die Hebel allerdings anders in der Hand. Der ADAC rät ohnehin, Hand- und Fußhebel, Lenker und gegebenenfalls die Sitzbank passend einzustellen. Nach dem Winter prüfst du mit den Handschuhen, die du an diesem Tag trägst, ob du die Hebel noch sauber erreichst. Wenn nicht, stellst du die Hebel näher, sofern sie sich an deinem Motorrad verstellen lassen, und zwar im Stand.

Was der Winter auf der Straße lässt

Im März sieht die Straße oft aus wie bei deiner letzten Fahrt im Herbst, aber sie hat einen Winter hinter sich. Der Belag ist im Schatten noch kalt, Tau und Nässe halten sich dort oft bis in den Mittag, und mancherorts liegt noch Splitt vom Winterdienst am Rand und in den Kurven. Wo Frost gearbeitet hat, sind neue Schlaglöcher und Risse dazugekommen.

Darauf antwortest du mit Abstand und Reserve. Du fährst langsamer in die Kurve, als du könntest, lässt zum Vordermann mehr Platz als im Sommer und rechnest hinter jeder schattigen Biegung mit einer feuchten Stelle. Den Blick lässt du weit vorausgehen, damit dich ein frisches Schlagloch nicht erst in Schräglage überrascht.

Die erste Runde ist eine kurze

Plane die erste Tour kürzer als sonst, und zwar auf Straßen, die du kennst. Dort weißt du, wo die engen Stellen kommen und wo der Belag wellig wird, und kannst dich auf dich selbst konzentrieren statt auf die Strecke.

Losfahren kannst du am besten gegen Mittag, wenn auch im Schatten der Tau weg ist. Die Rückfahrt legst du so, dass du die tief stehende Sonne am späten Nachmittag nicht auf dem Weg nach Westen im Gesicht hast. Zurück bist du am besten vor der Dämmerung. Dann wird es schnell kälter, und laut ADAC wechselt Wild in dieser Zeit am häufigsten über die Straße, vor allem an Wald und Wiesen.

Pausen gehören auf diese Runde, bevor du sie brauchst. Unterwegs, so der ADAC, schätzt du Konzentration und Kondition ehrlich ein und legst lieber eine Pause mehr ein. Trinken gehört zu jedem Halt. Dauert der Kaffee länger als geplant, ist das kein Verlust, solange die Rückfahrt noch ins Tageslicht passt.

Allein oder mit anderen

Allein bestimmst du das Tempo und hältst an, wo du willst. Dafür hilft dir niemand, wenn etwas passiert, und deshalb erfährt vorher jemand von dir, welche Runde du nimmst und um welche Uhrzeit du wieder daheim sein willst.

In der Gruppe kann sich das Tempo laut ADAC von vorn nach und nach steigern, und wer hinten den Anschluss halten will, müsste dann über seine Grenzen gehen. Wer das rechtzeitig erkennt und abreißen lässt, kommt später an und hat trotzdem richtig entschieden. Für die erste Tour heißt das: allein oder mit wenigen Leuten, bei denen sich das Tempo am Langsamsten orientiert und an jedem Abzweig gewartet wird.

Wo die Freiheit anfängt

Die Freiheit dieses ersten Tages liegt nicht in der Strecke, sondern darin, dass nichts drängt. Kein Termin, kein Vordermann, der dir sein Tempo aufzwingt, kein Ziel, das du erreichen musst. Wer so losfährt, merkt oft schon nach ein paar Kilometern, dass die Hand am Gas ruhiger wird und der Blick weiter geht.

Der Sommer bringt die langen Touren und die Pässe. Der erste Tag im März bringt etwas anderes: die Erinnerung, warum du über den Winter auf ihn gewartet hast.

❓ Häufige Fragen zur ersten Motorradtour im Frühling

Was muss ich vor der ersten Fahrt nach dem Winter machen?

Vor der ersten Fahrt nach dem Winter gehst du die Liste zur Wiederinbetriebnahme aus deiner Anleitung durch. Je nach Hersteller gehören Batterie, frischer Kraftstoff, Schmierstellen, die Prüfung vor der Fahrt und manchmal ein Ölwechsel dazu.


Wie kalt fühlt sich der Fahrtwind auf dem Motorrad an?

Bei Tempo 100 fühlen sich zehn Grad nach der Windchill-Formel an wie knapp vier, fünf Grad wie rund minus drei. Schon bis Tempo 50 kühlt der Fahrtwind den größten Teil davon herunter.


Wie lang sollte die erste Motorradtour im Frühling sein?

Feste Kilometer gibt es dafür nicht. Nimm dir für die erste Motorradtour im Frühling weniger vor als sonst, bleib in deiner Gegend, halt an, bevor die Konzentration nachlässt, und komm heim, solange es noch hell ist.


Warum ist die Straße im Frühling rutschig?

Nach dem Winter ist die Straße im Schatten kalt und oft noch feucht, in Kurven kann Splitt vom Winterdienst liegen, und Frost hinterlässt Schlaglöcher. Mehr Abstand und ein langsamerer Kurveneingang geben dir die Reserve dafür.


Soll ich die erste Tour allein oder in der Gruppe fahren?

Allein hast du dein Tempo, sag aber vorher jemandem Bescheid, welche Runde du fährst und bis wann du zurück sein willst. In einer Gruppe richtet sich das Tempo am besten nach dem Langsamsten, und niemand muss den Anschluss halten.


Was ziehe ich bei zehn Grad auf dem Motorrad an?

Für zehn Grad und Fahrtwind taugen ein warmes Shirt oder Fleece unter der Motorradjacke, ein Halstuch, zugezogene Lüftungsschlitze und gefütterte Handschuhe. Mit den dicken Handschuhen testest du vor dem Losfahren, ob deine Finger die Hebel gut greifen.

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