Unter dem Ritzeldeckel liegt der Dreck von drei Jahren

Zwei Schrauben lösen, Deckel abnehmen, und der Ritzeldeckel links am Motor gibt den Blick frei. Was dahinter zum Vorschein kommt, sieht bei den meisten Maschinen gleich aus: eine graubraune, zähe Masse, die den halben Hohlraum ausfüllt und sich anfühlt wie kalt gewordenes Schmierfett mit Sand darin.

Dabei bist du kein schlechter Schrauber. Du reinigst die Kette, du schmierst sie, du kontrollierst den Durchhang. Nur eben von außen. Wann hast du zuletzt hinter den Deckel geschaut?

Der Deckel macht genau zwei Dinge

Das vordere Ritzel sitzt bei fast allen Kettenmaschinen links, direkt am Motorausgang, und es ist die einzige Stelle des Antriebs, an der sich Kette und Motorgehäuse auf wenige Zentimeter nahekommen. Genau darum steckt eine Abdeckung darüber: eine dünne Kunststoffschale oder ein Aluminiumdeckel, gehalten von zwei oder drei Schrauben.

Der Deckel erfüllt zwei nüchterne Aufgaben. Er hält deinen Stiefel und dein Hosenbein aus dem Bereich heraus, in dem eine laufende Kette mit voller Motorkraft in ein Zahnrad einläuft. Und er fängt ab, was die Kette an dieser Stelle wegschleudert, damit es nicht auf Kupplungsdeckel, Rahmen und Auspuff landet.

Das funktioniert gut. Fast zu gut, denn es hat eine Nebenwirkung, über die niemand spricht: Alles, was die Kette abwirft, bleibt drin. Der Hohlraum ist unten meist geschlossen oder hat höchstens einen schmalen Spalt, aus dem nichts von selbst herausfällt. Was einmal drin ist, bleibt drin und wird dicker.

Ein Blick, bevor du losschraubst: An diesem Deckel kann etwas dranhängen. Je nach Maschine sitzen im selben Bereich der Schalthebel, der Geschwindigkeitssensor oder der Nehmerzylinder einer hydraulischen Kupplung, bei manchen Modellen liegt hinter der äußeren noch eine innere Abdeckung. Steckt ein Sensor im Deckel, hat er ein Kabel, und das ist genau so lang, wie es sein muss. Erst schauen, dann lösen, den Stecker im Zweifel vorher abziehen - wer den Deckel blind wegreißt, reißt die Leitung mit. Schau dabei auch ein Stück weiter: Ab Werk hängt so ein Kabel oft mit einem Kabelbinder am Rahmen. Dann zieht der Deckel nicht gegen eine Reserve, sondern gegen einen Fixpunkt.

Was bei deinem Motorrad in welcher Reihenfolge abgebaut wird, steht im Handbuch, und mehr als „Schalthebel markieren und abziehen” ist es selten.

Diese Masse ist kein Fett mehr

Was du da herauskratzt, hat mit dem Kettenspray, das du gekauft hast, nur noch die Herkunft gemeinsam. Es ist ein Gemisch aus drei Zutaten, und jede davon kommt woanders her.

Der erste Teil ist tatsächlich Schmierstoff: das, was beim Aufsprühen daneben ging, plus alles, was die Kette in der ersten halben Stunde nach dem Schmieren wieder abgeschleudert hat. Der zweite Teil kommt von der Straße. Staub, Sandkörner, Streusplitt-Reste, im Frühjahr Blütenstaub, im Herbst nasses Laub, das zu Brei wird. Der dritte Teil ist der interessante.

Eine Antriebskette verschleißt nicht dadurch, dass sie dünner wird. Sie verschleißt innen, an den Bolzen und den Buchsen der Gelenke, und die Zahnflanken der Kettenräder tragen sich mit ab. Dieses abgetragene Material verschwindet nicht. Es wird zu Pulver, und dieses Pulver landet zusammen mit dem Rest im Deckel.

Sichtbar machen lässt sich das mit einem Magneten aus dem Werkzeugkasten. Halte ihn an einen Klumpen der abgekratzten Paste. Was daran hängen bleibt, war einmal deine Kette.

Damit ist der Klumpen im Deckel keine harmlose Sauerei, sondern eine Schleifpaste mit definiertem Korn. Sie liegt genau dort, wo die Kette in das Ritzel einläuft und wo eine Welle aus dem Motorgehäuse kommt. Und sie hält Feuchtigkeit fest wie ein Schwamm: Nach einer Regenfahrt trocknet der Bereich hinter dem Deckel nicht ab, weil dort kein Fahrtwind hinkommt.

Der Blick, der nichts kostet

Der eigentliche Grund, warum sich das Abnehmen lohnt, hat mit Sauberkeit gar nichts zu tun. Unter dem Deckel liegt das einzige Bauteil, an dem du den Zustand deines Kettenantriebs wirklich ablesen kannst, ohne etwas zu messen.

Sieh dir die Zähne des vorderen Ritzels von der Seite an. In dem engen Spalt sieht dein Auge dabei erstaunlich wenig, also halt das Handy quer davor und mach ein Foto. Auf dem Display hast du das Zahnprofil größer und schärfer vor dir, als du es dort unten je hinbekommst - und beim nächsten Mal kannst du vergleichen. Ein gesunder Zahn ist ein Dreieck mit zwei ungefähr gleich steilen Flanken und einer breiten, stumpfen Spitze. Ein verschlissener Zahn ist keins mehr. Er wird auf einer Seite ausgehöhlt, die Spitze wandert in eine Richtung und krümmt sich, und am Ende steht dort eine Reihe kleiner Haifischflossen, die alle in dieselbe Richtung zeigen. Wenn du die typische Form einmal gesehen hast, erkennst du sie in zwei Sekunden wieder.

Dazwischen gibt es keine große Grauzone. Ein Ritzel, dessen Zähne sichtbar hakenförmig sind, hat seine Lebensdauer hinter sich, und mit ihm meistens auch die Kette. Kette, Ritzel und Kettenrad verschleißen gemeinsam, und ein neues Teil in einen alten Satz zu setzen, ist die kürzeste Abkürzung zum nächsten Verschleiß: Das alte Teil frisst das neue in kurzer Zeit auf sein eigenes Maß herunter.

⚠️ Sicherheitshinweis: Dreh das Hinterrad niemals durch, während deine Hand in der Nähe des offenen Ritzels ist. Die Kette läuft dort in ein Zahnrad ein und zieht alles mit, was zwischen Kette und Zahn gerät. Finger sind schneller drin, als du reagieren kannst. Aufbocken, Gang raus, Motor aus, und drehen mit der Hand am Reifen - nicht an der Kette. Und lass den Motor dafür erst recht nicht laufen, um die Kette auf dem Hauptständer im ersten Gang mitlaufen zu lassen. Genau auf diese Weise verlieren Leute beim Putzen Fingerkuppen: Das Ritzel zieht ein, bevor eine Hand zurückzucken kann.

Musst du das Rad zum Prüfen doch drehen, sichere die Maschine vorher gegen Umfallen und fass ausschließlich den Reifen an. Ein Motorrad auf dem Seitenständer mit gedrehtem Hinterrad ist kein stabiler Aufbau.

Warum das Ritzel schneller stirbt als das Kettenrad

Vierzehn bis achtzehn Zähne hat das Ritzel, je nach Maschine, das hintere Kettenrad dagegen achtunddreißig bis über fünfzig. Rechne das einmal durch: Bei einer Übersetzung von 16 zu 45 dreht sich das Ritzel fast dreimal, während sich das Kettenrad einmal dreht.

Jeder einzelne Ritzelzahn greift also in derselben Zeit rund dreimal so oft in ein Kettenglied wie ein Zahn hinten. Dazu kommt der kleinere Durchmesser: Die Kette muss sich am Ritzel um einen deutlich engeren Radius herumlegen, jedes Glied knickt stärker ab, und die Kraft verteilt sich auf weniger Zähne gleichzeitig.

Und dann steht dieses kleine, hart arbeitende Zahnrad auch noch in dem Hohlraum, der sich mit Schleifpaste füllt. Drei Gründe, ein Ergebnis: Wenn ein Kettensatz stirbt, sieht das Ritzel schlechter aus als das Kettenrad, und zwar oft deutlich.

Genau deshalb ist die verbreitete Prüfroutine unvollständig. Fast alle machen den bekannten Test am hinteren Kettenrad, weil es offen liegt: Kette dort nach hinten ziehen, und wenn sie sich um mehr als eine halbe Zahnhöhe abheben lässt, ist der Satz durch. Der Test ist gut und er lügt nicht. Nur misst er etwas anderes, als die meisten glauben - nämlich die Kette. Der Spalt entsteht, weil die Kette sich gelängt hat und ihre Teilung nicht mehr zum Zahnabstand passt.

Über den Zustand der Zähne sagt er dagegen nichts, und über die vorderen schon gar nichts. Deshalb ergänzen sich beide Handgriffe: Der Test hinten sagt dir, wie es der Kette geht. Der Blick unter den Deckel sagt dir, wie es dem Bauteil geht, das am schnellsten aufgibt.

Wer die Übersetzung ändert, verschiebt diese Rechnung übrigens weiter. Ein Zahn weniger vorn macht das Motorrad spritziger, und viele holen sich genau deshalb ein 15er statt des 16er Ritzels. Der Preis steht in derselben Rechnung: weniger Zähne, engerer Radius, jeder Zahn noch häufiger im Eingriff. Das ist kein Argument dagegen, aber ein Grund, nach dem Umbau öfter unter den Deckel zu schauen. Dazu kommt ein Schaden, den kaum jemand vorher auf der Rechnung hat: Mit dem kleineren Ritzel läuft die Kette ein Stück tiefer über die Schwinge, und der Kettengleitschutz darauf wird spürbar schneller durchgerieben. Wer umritzelt, behält also zwei Teile im Blick, nicht eins.

Der Dichtring, der hinter dem Ritzel arbeitet

Hinter dem Ritzel kommt eine Welle aus dem Motorgehäuse - je nach Bauart die Getriebeausgangswelle oder eine Vorgelegewelle. Wo eine Welle aus einem Gehäuse tritt, sitzt ein Wellendichtring, oft Simmerring genannt. Ein Gummiring mit einer feinen Lippe, die von einer kleinen Feder gegen die drehende Welle gedrückt wird.

Diese Lippe hat einen anspruchsvollen Job. Sie muss das Öl drinnen halten, dabei über Zehntausende Kilometer auf einer sich drehenden Welle schleifen und trotzdem dicht bleiben. Und weil bei den allermeisten Kettenmaschinen Motor, Kupplung und Getriebe denselben Ölhaushalt teilen, ist das kein separates Getriebeöl, sondern schlicht dein Motoröl - such also nicht nach einem zweiten Peilstab. Was sie dafür braucht, ist eine saubere Wellenoberfläche und einen dünnen Ölfilm.

Was sie stattdessen bekommt, ist der Klumpen. Er drückt sich an die Welle, hält dort Feuchtigkeit, und weil Metallstaub darin steckt, arbeitet er wie feines Schleifpapier auf genau der Lauffläche, auf der die Dichtlippe sitzt. Das ist kein Schaden von heute auf morgen. Es ist eine Rechnung, die über Jahre langsam aufgeht.

Wie du merkst, dass sie aufgegangen ist: Deine Kette wird ölig, ohne dass du geschmiert hast. Im Bereich der Schwinge und um das Hinterrad herum setzt sich ein dunkler, öliger Film ab, der nach dem Putzen wiederkommt. Wer den Deckel abnimmt, sieht es direkt - frisches Öl rund um den Dichtring, das sich in Farbe und Konsistenz vom alten Kettenfett unterscheidet.

Verwechselbar ist das trotzdem, denn ein zu großzügig geschmierter Kettenstrang produziert eine ganz ähnliche Sauerei. Der Unterschied liegt in der Herkunft: Kettenfett kommt von der Kette nach außen, Motoröl kommt aus der Mitte, von der Welle her. Wenn du unsicher bist, wisch den Bereich rund um den Dichtring trocken, ohne die Kette selbst anzufassen, und schau nach der nächsten Ausfahrt wieder hin. Sammelt sich dort erneut ein Ölfilm, kommt er nicht vom Kettenspray. Für diese Probe brauchst du keine lange Strecke, zehn bis zwanzig Kilometer reichen völlig.

Den Ritzeldeckel reinigen, ohne Schaden anzurichten

Die Arbeit selbst ist unspektakulär und dauert eine halbe Stunde. Das meiste davon ist Kratzen.

Nimm etwas Stumpfes aus Holz oder Kunststoff, einen alten Spachtel, einen Eisstiel, einen Kabelbinder für die schmalen Ecken. Der grobe Klumpen kommt so heraus, und wenn du eine Wanne oder einen alten Karton daruntergestellt hast, landet er nicht auf dem Garagenboden. Was danach an den Wänden klebt, löst du mit Petroleum, Diesel oder einem Kettenreiniger und einer Bürste mit festen Borsten. Zum Schluss Lappen und Pinsel. Das war es.

⚠️ Sicherheitshinweis: Was du zum Lösen benutzt, gehört nicht auf den Hinterreifen. Petroleum, Diesel, Kettenreiniger und Kriechöl machen die Lauffläche für die nächsten Kilometer glatt, und du merkst es erst in der ersten Kurve. Deck den Reifen mit einem Karton ab, arbeite mit Lappen statt mit der Sprühdose, und wisch die Flanke nach der Arbeit trocken.

Zwei Kleinigkeiten, die gern untergehen. Das Kabel des Geschwindigkeitssensors liegt hinterher oft quer im Weg oder gerät unter eine Schraube - leg es so zurück, wie es lag. Und die herausgekratzte Masse gehört nicht in den Gully und nicht in die Biotonne, sondern zum Schadstoff. Wo du sie in deiner Gemeinde loswirst, steht auf der Seite deines Wertstoffhofs oder der Schadstoffsammlung, in der Regel zusammen mit ölverschmierten Lappen.

Wie oft du den Ritzeldeckel reinigen solltest, lässt sich nicht in eine feste Zahl gießen, weil die Menge darin davon abhängt, wie viel du schmierst und womit. Wer eine Sprühdose benutzt und großzügig ist, hat nach einer Saison eine ordentliche Schicht drin. Als Rhythmus reicht: einmal im Jahr beim Ölwechsel oder vor der Winterpause, und immer dann, wenn du ohnehin am Kettensatz arbeitest.

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🛒 Für die halbe Stunde hinter dem Deckel

Der Abschnitt darüber sagt, womit gekratzt und womit gelöst wird.

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Vier Griffe, die es schlimmer machen

Kein Hochdruckreiniger. Der Bereich hinter dem Deckel ist genau die Kombination, gegen die eine Dichtlippe nichts ausrichten kann: eine Öffnung um eine Welle, davor eine dicke Schicht Schmutz. Der Strahl schiebt diesen Schmutz nicht weg, er treibt ihn zusammen mit Wasser in Richtung Dichtung, und niemand von uns steht mit dem Handbuch am Lanzengriff und rechnet nach, wie viel Druck an der Lippe noch ankommt. Dasselbe gilt für die Kettenglieder und, ein Stück weiter, für die Radlager. Wenn schon Wasserstrahl, dann ein Gartenschlauch ohne Druckdüse.

Kein Bremsenreiniger auf den Dichtring. Er löst Fett hervorragend, und genau das ist hier das Problem: Er nimmt der Dichtlippe den Ölfilm, den sie zum Arbeiten braucht. Dazu kommt ein Detail, das viele nicht kennen: Die meisten Serienritzel haben einen einvulkanisierten Gummiring an der Flanke, der den Schlag der Kette dämpft und den Antrieb leiser macht. Aggressive Lösungsmittel gehen genau den an. Und der empfindlichste Gummi in diesem Radius sitzt gar nicht am Ritzel, sondern in der Kette selbst: die O-, X- oder Z-Ringe zwischen den Laschen. Sie halten die Fettfüllung in den Gelenken, in die du von außen nie wieder hineinkommst. Ein danebengegangener Sprühstoß greift sie an und wäscht die Schmierung darunter aus, und ab da läuft die Kette innen trocken, egal wie fleißig du außen sprühst. Für die Bremsscheibe ist Bremsenreiniger das richtige Mittel. In diesem Eck hat er nichts verloren.

Keine Drahtbürste an der Welle. Riefen in der Laufspur des Dichtrings kannst du nicht wegpolieren, und du erzeugst sie schneller, als du denkst.

Und beim Zusammenbau nicht raten: Die Schrauben des Deckels sitzen oft in Aluminium oder in Kunststoff und vertragen wenig. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch, dort stehen die Drehmomente für diese Schrauben und für die Ritzelmutter, die du beim Reinigen ohnehin nicht anfassen musst.

⚠️ Sicherheitshinweis: Eine Kette, die Kontakt mit Petroleum, Diesel oder Bremsenreiniger hatte, ist entfettet und darf so keinen Kilometer fahren. Ohne Schmierfilm laufen die Rollen trocken auf den Bolzen, die Kette erhitzt sich, wird hart und kann im schlimmsten Fall reißen. Also: Reinigen, ablüften lassen, schmieren - und erst danach losfahren. Halte die Reinigungsmittel beim Deckelputzen ohnehin von der Kette fern, sie hat damit nichts zu tun.

Zwei Schrauben und ein Blick

Selten steht so wenig Aufwand einem so großen Ertrag gegenüber. Zwei Schrauben lösen, kratzen, gucken, zuschrauben. Dafür weißt du danach, ob dein Kettensatz noch ein Jahr hat oder ob du beim nächsten Service den Geldbeutel mitbringst, und du hast einer Dichtung ein paar zehntausend Kilometer geschenkt.

Der eigentliche Gewinn ist aber ein anderer. Kettenpflege ist für die meisten eine Routine geworden, die du abarbeitest, ohne noch etwas zu sehen: reinigen, schmieren, Durchhang prüfen, fertig. Den Ritzeldeckel zu reinigen, holt dich für eine halbe Stunde aus dieser Routine heraus und zeigt dir den Antrieb von der Seite, die er sonst für sich behält.

Zwei Schrauben, ein Karton unter dem Reifen, eine halbe Stunde. Was dahinter liegt, sagt dir über den Zustand deiner Kette mehr als jede Messung, die du von außen machen kannst.

❓ Häufige Fragen zum Ritzeldeckel

Wie oft sollte ich den Ritzeldeckel reinigen?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht, weil die Menge davon abhängt, wie viel und womit du schmierst. Einmal pro Saison reicht bei normalem Gebrauch, am einfachsten zusammen mit dem Ölwechsel oder vor der Winterpause. Wer viel im Nassen und auf Schotter fährt, schaut häufiger nach.


Woran erkenne ich ein verschlissenes Ritzel?

An der Form der Zähne im Seitenprofil. Gesund ist ein Dreieck mit zwei ähnlich steilen Flanken. Verschlissen ist ein Zahn, dessen Spitze in eine Richtung ausgezogen und gekrümmt ist, so dass alle Zähne wie kleine Haifischflossen aussehen. Ist es so weit, gehören Kette, Ritzel und Kettenrad zusammen ersetzt.


Warum verschleißt das vordere Ritzel schneller als das hintere Kettenrad?

Weil es viel weniger Zähne hat. Bei einer Übersetzung von 16 zu 45 dreht sich das Ritzel fast dreimal, während das Kettenrad eine Umdrehung macht, jeder Zahn arbeitet also rund dreimal so oft. Dazu kommt der kleinere Radius, um den sich die Kette legen muss, und die geschlossene Ecke voller Schmutz, in der das Ritzel sitzt.


Darf ich den Ritzelbereich mit dem Hochdruckreiniger sauber machen?

Besser nicht. Direkt hinter dem Ritzel tritt eine Welle aus dem Motor, abgedichtet von einer Gummilippe. Ein Hochdruckstrahl treibt Wasser und Schmutz genau in diese Richtung, und dieselbe Gefahr besteht für die Kettengelenke und die Radlager. Ein Gartenschlauch ohne Druckdüse reicht völlig.


Was ist die schwarze Paste unter der Abdeckung?

Eine Mischung aus abgeschleudertem Kettenschmierstoff, Straßenstaub und Metallabrieb von Kette und Zahnrädern. Der Metallanteil lässt sich mit einem Magneten nachweisen. Genau dieser Anteil macht die Masse zu einer Schleifpaste, die Feuchtigkeit festhält.


Meine Kette ist ölig, obwohl ich nicht geschmiert habe - was ist das?

Ein typisches Zeichen für einen undichten Wellendichtring am Abtrieb. Weil Motor und Getriebe bei den meisten Kettenmaschinen denselben Ölhaushalt haben, ist das dein Motoröl. Es kommt von der Welle nach außen und legt sich als dunkler Film auf Kette, Schwinge und Hinterrad. Wisch den Bereich rund um den Dichtring trocken und schau nach der nächsten kurzen Ausfahrt wieder hin - kommt der Film zurück, gehört das Motorrad in die Werkstatt.

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