Wann muss die Kette wirklich gewechselt werden – und wie merkt man’s?

Du stehst in der Garage, die Maschine hinten auf dem Montageständer. Unten an der Kette hängt der Haken einer Kofferwaage, und jemand zieht daran, bis sie 15 Kilogramm anzeigt. Du legst einen Stahlmaßstab an die Rollen und zählst bis 18.

So misst du nach einer der Anleitungen, ob eine Kette verschlissen ist. Fällig ist die Kette, wenn die Anleitung deines Motorrads es sagt, und das sagen die Hersteller auf ganz verschiedene Weise. In den Anleitungen von fünf Herstellern haben wir vier Wege gefunden. Es gibt ein Maß, eine Liste von Schäden, eine Grenze beim Durchhang, ab der nicht mehr gefahren wird, und einen Prüftermin in der Werkstatt.

Messen mit Gewicht

Ein Maß nennt KTM für die 890 Adventure in der Anleitung von 2023. Die Maschine kommt hinten auf einen Montageständer, das Getriebe in den Leerlauf. Dann wird der untere Kettenstrang mit 15 Kilogramm belastet und über 18 Rollen gemessen. Sind es am längsten Stück mehr als 272 Millimeter, ist der Kettensatz fällig.

Am längsten Stück heißt: Du misst an mehreren Stellen, denn die Kette nutzt sich laut KTM nicht immer gleichmäßig ab. Für die nächste Stelle nimmt dein Helfer den Haken von der Kette, und du drehst das Rad am Reifen weiter. Wo der Maßstab genau ansetzt, zeigt das Bild in der Anleitung. Der Wert gilt für dieses Modell, an deinem Motorrad zählt der aus deiner Anleitung.

Unter Zug ist jedes Gelenk so weit gestreckt, wie sein Spiel es zulässt, und genau dieses Spiel ist der Verschleiß. Ohne Gewicht liegen die Glieder lose aneinander, und der Maßstab erfasst davon nur einen Teil.

Woran du Verschleiß siehst

Honda nennt für die NC750X in der Anleitung von 2025 keinen Millimeterwert, sondern eine Liste. Bei sperrigem Lauf, auffälligen Geräuschen, Knicken, beschädigten Rollen, lockeren Bolzen oder fehlenden O-Ringen lässt du die Kette laut Honda vom Händler prüfen. Ritzel und Kettenrad lässt Honda dabei gleich mit ansehen.

Ähnlich liest sich, was Suzuki für die V-Strom 650 aufzählt. Auf der Liste stehen lockere Stifte, beschädigte Rollen, trockene oder rostige Glieder, geknickte oder verklemmte Glieder und übermäßige Abnutzung. Ist die Kette beschädigt, schaust du laut Suzuki auch an den Kettenrädern nach abgenutzten, gebrochenen oder beschädigten Zähnen und nach lockeren Befestigungsmuttern.

Eine einfache Probe steckt bei Honda in der Prüfung des Durchhangs. Du misst ihn an mehreren Stellen der Kette. Ist er nicht überall gleich, können einzelne Glieder abgeknickt oder verklemmt sein, und die Kette gehört zum Händler.

Wenn die Kette zu locker hängt

Eine Grenze beim Durchhang ist kein Verschleißmaß, sondern eine Warnung. Der Sollwert für die NC750X liegt laut Honda bei 25 bis 35 Millimetern, gemessen auf dem Seitenständer. Beträgt der Durchhang mehr als 60 Millimeter, soll das Motorrad laut Honda nicht gefahren werden.

An der MT-09 von 2024 misst du laut Yamaha den Abstand zwischen Kettenschutz und heruntergedrückter Kette. Liegt er über 46 Millimetern, kann die Kette Rahmen, Schwinge und andere Teile beschädigen. Ein falscher Durchhang kann sie außerdem rutschen oder reißen lassen. Bevor du nachspannst, wendest du dich laut Yamaha an einen Händler.

Was eine zu lockere Kette anrichten kann, beschreibt KTM in der Warnung zur Kettenspannung. Sie kann vom Ritzel oder vom Kettenrad springen, und dann blockiert das Hinterrad oder der Motor nimmt Schaden. Zu straff ist auch falsch: Dann verschleißen Kette, Ritzel, Kettenrad, Getriebe und Radlager schneller, und überlastete Teile können brechen.

Sicherheitshinweis: Laut Honda prüfst du Kette und Kettenräder mit ausgeschaltetem Motor und dem Getriebe im Leerlauf. Um an eine andere Stelle der Kette zu kommen, schiebst du das Motorrad ein Stück vor oder drehst das aufgebockte Hinterrad am Reifen von Hand. Die Finger hältst du dabei fern vom Einlauf der Kette ins Kettenrad. Hängt die Kette über die Grenze deiner Anleitung durch oder findest du Knicke, fährst du damit nicht. Lässt sich die Spannung nicht nach Anleitung einstellen, kommt das Motorrad per Anhänger zur Werkstatt.

Der Termin in der Werkstatt

Kawasaki legt die Verschleißprüfung in den Wartungsplan für den Händler. Für die Ninja 125 steht sie in der Anleitung von 2021 alle 6.000 Kilometer an, bei Staub, Nässe, Schlamm, hohem Tempo oder häufigem Anfahren und Anhalten öfter. Du selbst prüfst laut Plan alle 1.000 Kilometer den Durchhang und schmierst die Kette alle 600 Kilometer.

Den Kettenwechsel überlässt du auch bei Suzuki dem Händler oder einer Fachwerkstatt. Die V-Strom 650 hat ab Werk eine Kette ohne Kettenschloss, und für den Austausch braucht es ein Spezial-Nietwerkzeug. Eine Kette mit Federclip am Schloss soll laut Suzuki nicht verwendet werden. So ein Schloss kann aufgehen, ebenso ein falsch genietetes, und dann drohen Unfall oder schwerer Motorschaden. Die Kette der 890 Adventure hat laut KTM aus Sicherheitsgründen ebenfalls kein Kettenschloss.

Kette, Ritzel und Kettenrad zusammen

Ist die Kette fällig, bleibt es selten bei der Kette. Laut KTM sollten Ritzel, Kettenrad und Kette immer zusammen getauscht werden, weil eine neue Kette auf abgenutzten Kettenrädern schneller verschleißt. Bei Honda heißt es: niemals eine neue Kette auf verschlissene Kettenräder. Suzuki formuliert vorsichtiger und lässt beide Kettenräder vor dem Einbau prüfen und bei Bedarf ersetzen.

Bei dieser Gelegenheit lohnt der Blick auf den Gleitschutz an der Schwinge, über den die Kette schleift. Honda gibt ihm eine eigene Verschleißmarke: Ist er bis dorthin abgenutzt, wird er ersetzt. KTM lässt an der 890 Adventure außerdem die Ritzelabdeckung und den Kettenschleifschutz auf Abrieb prüfen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.

Die Waage hängt wieder im Flur

Nach der Messung hängt die Kofferwaage wieder im Flur. Bis zum nächsten Mal bleibt die Kontrolle, die deine Anleitung verlangt, bei manchen Herstellern vor jeder Fahrt: Rollen, Zähne, Knicke und der Durchhang. Fällig ist die Kette nicht bei einem bestimmten Kilometerstand, sondern dann, wenn deine Anleitung es sagt.

❓ Häufige Fragen zum Wechsel der Motorradkette

Wann muss die Motorradkette gewechselt werden?

Die Motorradkette muss gewechselt werden, sobald sie die Verschleißgrenze erreicht, die der Hersteller deines Motorrads festlegt. Das kann ein Höchstmaß über eine bestimmte Zahl von Rollen sein oder eine Liste von Schäden wie Knicken, beschädigten Rollen, lockeren Bolzen und fehlenden O-Ringen. Eine feste Laufleistung für den Tausch nennen die Anleitungen, die wir gelesen haben, nicht.


Wie misst du, ob die Kette gelängt ist?

Ob die Kette gelängt ist, misst du am belasteten unteren Strang über eine festgelegte Zahl von Rollen. Für die 890 Adventure von 2023 verlangt KTM 15 Kilogramm Zug und nennt höchstens 272 Millimeter über 18 Rollen, gemessen an mehreren Stellen. Für dein Modell zählt der Wert aus deiner eigenen Anleitung.


Warum sollen Ritzel und Kettenrad mit der Kette getauscht werden?

Ritzel und Kettenrad werden mitgetauscht, weil sich eine frische Kette auf abgenutzten Zähnen rasch selbst abnutzt, und mit dieser Begründung rät KTM zum kompletten Satz. Für Honda gehört eine neue Kette nie auf abgenutzte Kettenräder. Nach Suzuki werden beide Kettenräder vor dem Einbau kontrolliert und nur ersetzt, wenn sie verschlissen sind.


Kann ich mit einer zu locker hängenden Kette weiterfahren?

Mit einer zu locker hängenden Kette fährst du besser nicht weiter. Honda schreibt für die NC750X, bei mehr als 60 Millimetern Durchhang nicht zu fahren. Laut KTM kann eine zu lockere Kette abspringen, worauf das Hinterrad blockiert oder der Motor Schaden nimmt. Kannst du sie nicht nach Anleitung spannen, gehört das Motorrad auf den Anhänger.


Woran erkenne ich eine verschlissene Kette ohne Messwerkzeug?

Eine verschlissene Kette verrät sich auch ohne Messwerkzeug: durch sperrigen Lauf, auffällige Geräusche, Knicke, beschädigte Rollen, lockere Bolzen oder Stifte, fehlende O-Ringe und Rost. Hängt sie nicht überall gleich durch, können Glieder verklemmt sein. In beiden Fällen gehört sie zur Werkstatt.


Wie oft sollte ich die Kette kontrollieren?

Die Kette kontrollierst du nach dem Plan in deiner Anleitung. Suzuki verlangt für die V-Strom 650 den Blick auf Zustand und Einstellung täglich vor der Fahrt, Yamaha für die MT-09 von 2024 die Prüfung des Durchhangs vor jeder Fahrt. Kawasaki sieht für die Ninja 125 den Durchhang nach jeweils 1.000 Kilometern vor und die Verschleißprüfung beim Händler nach 6.000.

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