520, 525, 530: Was die Zahl auf deiner Kette verrät

Die Fünf am Anfang ist keine laufende Nummer und kein Herstellercode. Sie ist ein Zollmaß: fünf Achtel Zoll, 15,88 Millimeter, gemessen von der Mitte eines Bolzens zur Mitte des nächsten. Jede Kette, die mit einer Fünf anfängt, hat genau diesen Abstand - die 520er so gut wie die 525er und die 530er.

Die beiden Ziffern danach messen etwas anderes, nämlich die Breite. Und in dem Moment, in dem du das weißt, wird aus einer Zahl auf der Lasche eine Information, mit der du beim Bestellen etwas anfangen kannst.

Die Fünf vorn ist ein Zollmaß

Rollenketten kommen aus der Industrie, und dort wurde in Zoll gerechnet, bevor das erste Motorrad eine davon bekam. Die Nummerierung ist mitgewandert und bis heute geblieben, auch bei Ketten, die in Japan gefertigt und in Deutschland verkauft werden.

Die erste Ziffer sagt, wie viele Achtelzoll zwischen zwei Bolzenmitten liegen. Eine Fünf heißt fünf Achtel, also 15,88 Millimeter. Eine Vier heißt vier Achtel, das ist ein halber Zoll oder 12,70 Millimeter.

Damit ist die erste Ziffer auch das, was über die Zähne entscheidet. Ritzel und Kettenrad haben Zähne in genau diesem Abstand, und eine Kette mit anderer Teilung passt dort nicht, egal wie sehr du ziehst.

Praktisch heißt das: 520, 525 und 530 sind in dieser Hinsicht Geschwister. Gleiche Teilung, gleiche Zahnabstände. Sogar der Rollendurchmesser ist bei allen dreien praktisch gleich, rund 10,2 Millimeter, wie die Maßtabelle eines Kettenherstellers zeigt.

Verschieden sind sie nur in der Breite.

Die beiden hinteren Ziffern

Die zweite und dritte Ziffer beschreiben die Innenbreite: den Abstand zwischen den beiden Innenlaschen, also genau den Spalt, in den der Zahn hineinmuss.

Die Logik dahinter ist dieselbe wie vorn, nur eine Stelle feiner. Teile die beiden Ziffern durch zehn, und du hast die Breite in Achtelzoll. Aus 20 werden zwei Achtel, also ein Viertelzoll. Aus 25 werden zweieinhalb Achtel, also fünf Sechzehntel. Aus 30 werden drei Achtel.

TypTeilungInnenbreitein Millimetern
5205/8 Zoll1/4 Zoll15,88 × 6,35
5255/8 Zoll5/16 Zoll15,88 × 7,94
5305/8 Zoll3/8 Zoll15,88 × 9,53

Zwischen der schmalsten und der breitesten dieser drei liegen gut drei Millimeter. Das klingt nach wenig, ist gemessen an der 520er aber die Hälfte obendrauf: Bolzen, Buchsen und Rollen sind länger, der Spalt für den Zahn ist breiter. Die Kette trägt damit auf mehr Fläche, und sie wiegt mehr.

Breite kostet also Gewicht und bringt Auflagefläche. Deshalb findest du an kleinen Maschinen selten eine 530er und an schweren Tourern selten eine 520er: Der Hersteller hat sie nach Leistung, Gewicht und gewünschter Lebensdauer ausgesucht.

Die Innenbreite ist übrigens das eine Maß an der Kette, das ein Messschieber ohne Umstände hergibt. Such dir ein sauberes Glied, Schieber zwischen die beiden Innenlaschen, vorsichtig aufziehen, ablesen. Kommen 6,3 heraus, hast du eine 520er vor dir, bei 9,5 eine 530er. Bei 7,9 Millimetern kommen zwei in Frage; auseinander hältst du sie am Abstand der Bolzenmitten, und warum das so ist, steht im nächsten Abschnitt.

Die 428er bricht die Regel

Die Achtelzoll-Regel ist hübsch, weil sie sich merken lässt. Und sie hält genau so lange, bis du an einer 125er stehst.

Rechne sie einmal an einer 428er nach: 28 durch zehn sind 2,8 Achtel, das wären 8,9 Millimeter. In der Maßtabelle desselben Herstellers steht aber 5/16 Zoll, also 7,94 Millimeter.

Damit ist eine 428er innen exakt so breit wie eine 525er - sie hat nur die kürzere Teilung von 12,70 Millimetern. Die vermeintlich kleine Kette einer Achtelliter-Maschine ist also breiter als die 520er, die an deutlich stärkeren Motorrädern läuft. Schmaler als eine 520er wird es in derselben Tabelle erst bei der 415er, und die hängt an Mofas und Kleinkrafträdern.

Warum sie dann nicht 425 heißt, sagt die Tabelle nicht. Sie zeigt aber, dass sich die 428er von der 420er derselben Teilung noch woanders unterscheidet: Ihre Rolle misst 8,50 Millimeter statt 7,77.

Die Lehre daraus ist keine neue Formel, sondern ein Verzicht auf eine: Die Rechnung mit den Achtelzoll funktioniert für die Typen, die dir am häufigsten begegnen, und sie ist trotzdem kein Naturgesetz. Wenn es darauf ankommt, entscheidet nicht deine Division, sondern die Maßtabelle des Herstellers.

Und es kommt öfter darauf an, als dir lieb ist - zum Beispiel beim Kettenschloss, das exakt zur Innenbreite passen muss.

WERBUNG

🛒 Für Maß und Wechsel

Innenbreite, Gliederzahl, Zähnezahl: Die drei Angaben für den Bestellzettel liegen in der Garage.

Die mit * gekennzeichneten Links sind Provisionslinks. Kommt über einen solchen Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts. Wo, wann und ob du ein Produkt kaufst, bleibt selbstverständlich dir überlassen. Für die Aufnahme in diese Liste zahlt niemand: Die Auswahl trifft die Redaktion unabhängig. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen.

Breiter heißt nicht stärker

In den Datenblättern steht zu jeder Kette eine Zugfestigkeit, üblicherweise in Kilogramm. Nach der Typennummer müsste die 530er dort über der 525er stehen und die über der 520er. So ist es nicht.

Bei einem großen Hersteller sind die 525er und die 530er derselben Baureihe mit exakt derselben Zugfestigkeit gelistet: einmal 4.180 Kilogramm für beide, in der Spitzenbaureihe 4.720 für beide (Datenblatt-Stand 2011). Mehr Breite bringt dort rechnerisch null.

Was die breitere Kette stattdessen mehr hat, steht eine Spalte weiter: Sie misst über die Nieten rund anderthalb Millimeter mehr. Laschenstärke und Rollendurchmesser stehen bei beiden auf demselben Wert. Breiter heißt hier also: dasselbe Gelenk, nur weiter auseinandergesetzt.

Noch deutlicher wird es über die Baureihen hinweg. Die einfache 520er steht in derselben Tabelle mit 3.040 Kilogramm, die einfache 530er mit 3.150 - und eine hochwertige 520er mit Dichtringen und dickeren Laschen kommt auf 3.970. Die schmale Gute schlägt die breite Einfache um gut ein Viertel.

Das heißt nicht, dass die Breite egal wäre. Sie entscheidet mit über Flächenpressung, Verschleiß und Laufleistung, und sie muss zur Verzahnung passen. Aber als Maß für die Belastbarkeit taugt die Typennummer allein nicht.

Eine dritte Spalte derselben Tabelle treibt es auf die Spitze: der Laufleistungsindex. Die einfachste Kette steht dort auf 100, die aufwendigste mit demselben Zahnabstand auf 4.000. Der Hersteller schreibt ausdrücklich dazu, dass sich diese Zahlen nur innerhalb einer Teilung und innerhalb seines eigenen Programms vergleichen lassen.

Ob diese Spanne im Alltag wirklich so ausfällt, ist eine andere Frage - es ist die Zahl des Herstellers und keine Messung auf deiner Hausstrecke. Die Richtung stimmt trotzdem, und sie zeigt weg von der Typennummer.

Was stattdessen taugt: der Blick in die Daten der konkreten Kette. Zugfestigkeit und Dichtungstyp nennt jeder ordentliche Hersteller, manche zusätzlich einen Laufleistungsindex. Zwischen der billigsten und der besten Ausführung liegt dort ein Vielfaches dessen, was drei Millimeter Breite je ausmachen könnten.

Rechnen wir den Umbau auf 520 durch

Kaum eine Frage zum Kettensatz kommt so oft wie diese: Lohnt sich der Umstieg von 525 oder 530 auf 520?

Nimm dieselbe Tabelle. Hundert Glieder der breiten Spitzenkette wiegen dort 2,20 Kilogramm, hundert Glieder der schmalen Schwester aus derselben Baureihe 1,63 Kilogramm. Bei 114 Gliedern, einem völlig üblichen Wert, sind das rund 650 Gramm Unterschied an der Kette allein.

Dazu kommen Ritzel und Kettenrad, die in der schmaleren Ausführung ebenfalls leichter ausfallen. Eine Zahl dafür nennt uns niemand, weil sie an Material, Zähnezahl und Hersteller hängt - seriös ist nur die Aussage, dass es in dieselbe Richtung geht.

Gut ein halbes Kilo also, mit Ritzel und Kettenrad vielleicht etwas mehr. Ob dir das den Aufwand wert ist, hängt davon ab, was du mit der Maschine machst. Auf der Rennstrecke zählt jedes Gramm, das sich mitdreht, im Alltag merkst du davon nichts.

Der Antriebsspezialist, dessen Ratgeber wir aufgeschlagen haben, formuliert die Bedingung nüchtern: Stimmt der Rollendurchmesser überein, lässt sich meist problemlos umrüsten - vorausgesetzt, die Zugfestigkeit der neuen Kette entspricht den Anforderungen des Fahrzeugs.

Der zweite Teil dieses Satzes ist der wichtige. Bei einer starken Maschine setzt du keine einfache 520er ein, nur weil sie leichter ist. Du setzt eine hochwertige ein, deren Zugfestigkeit dort liegt, wo die alte lag.

Wo die alte lag, verrät ihre Lasche: Herstellername und Typ ablesen, die Kilogramm stehen dann im Datenblatt dieses Herstellers.

Genau dort kann die Rechnung kippen. In derselben Spitzenbaureihe, aus der die beiden Gewichte oben stammen, steht die 530er bei 4.720 Kilogramm Zugfestigkeit und die 520er bei 3.970. Wer hier schmaler wird, spart die 650 Gramm und gibt 750 Kilogramm ab. Ob das reicht, entscheidet nicht die Ersparnis, sondern die Maschine, an der die Kette laufen soll.

Und das leichtere Paket hat noch eine Kehrseite: Eine schmalere Kette trägt auf weniger Fläche, wo sie über die Zähne läuft. Das zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern daran, wann der nächste Satz fällig wird.

Eines ändert sich beim Umbau übrigens nicht, auch wenn es viele vermuten: die Übersetzung. Die hängt allein an den Zähnezahlen von Ritzel und Kettenrad. Bleiben die Zähnezahlen gleich, fährt die Maschine genauso wie vorher, nur mit etwas weniger Masse im Umlauf.

Ritzel und Kettenrad müssen mit

Eine Kette allein umzubauen, geht nicht. Der Zahn muss zwischen die Innenlaschen passen, und das tut er nur in der passenden Breite.

In die eine Richtung merkst du es sofort: Eine 520er geht auf ein 530er Ritzel gar nicht erst drauf, der Zahn ist zu dick für den Spalt. In die andere Richtung ist es heimtückischer. Eine breite Kette lässt sich auf ein schmales Ritzel schieben, sitzt dort aber mit Spiel, und dieses Spiel gehört an dieser Stelle nicht hin.

Also gehören Ritzel, Kettenrad und Kette zusammen gewechselt - dasselbe gilt ohnehin bei jedem normalen Kettensatz, weil sich die drei Teile gemeinsam einlaufen.

Und noch eine Versuchung, von der derselbe Antriebsspezialist ausdrücklich abrät: Ein Ritzel abzudrehen, um es schmaler zu machen, wird nicht empfohlen. Das Teil ist wärmebehandelt und auf genau diese Zahnbreite ausgelegt. Was die Drehbank davon wegnimmt, fehlt dem Zahn hinterher an tragender Fläche.

Sicherheitshinweis: Wenn du einen Kettensatz selbst tauschst, nimm für Kette, Ritzel und Kettenrad dieselbe Teilung und dieselbe Breite, und arbeite nur mit einem sicher aufgebockten Motorrad, bei dem sich das Hinterrad frei drehen lässt.

Der Grund: Ein Kettensatz ist ein sicherheitsrelevantes Bauteil, und das schreiben die Hersteller selbst so in ihre Ratgeber. Eine Kette, die auf zu schmalen Zähnen mit Spiel läuft oder mit dem falschen Schloss geschlossen wurde, kann sich vom Kettenrad lösen. Am Hinterrad blockiert sie dann im ungünstigsten Fall das Rad oder schlägt in die Schwinge. Wer unsicher ist, ist in der Werkstatt besser aufgehoben - das Vernieten übernehmen viele Betriebe auch einzeln.

Warum die Gliederzahl gerade ist

Auf der Kettenpackung steht neben dem Typ meist eine zweite Zahl: 112, 114, 116, 118. Das ist die Gliederzahl, und sie ist ein eigenes Maß, von 520, 525 und 530 völlig unabhängig.

Dir wird auffallen, dass sie fast immer gerade ist. Das hat einen mechanischen Grund. Eine Rollenkette besteht abwechselnd aus Innen- und Außengliedern, und das Kettenschloss ist selbst ein Außenglied. Damit es passt, muss die Kette an beiden Enden mit einem Innenglied aufhören.

Der Antriebsspezialist schreibt den Satz in seinem Technik-Ratgeber ohne Umschweife hin: Eine Kette hat immer eine gerade Anzahl an Kettengliedern, das Schlossglied eingerechnet.

Daraus folgt direkt die Regel fürs Kürzen: Du kannst eine Kette nur in Zweierschritten kürzen. Ein Glied weniger ginge nur mit einem gekröpften Glied, und das ist die schwächste Stelle der ganzen Kette.

So kategorisch der Satz klingt: Er gilt für das, was am Motorrad läuft. In der Industrie gibt es Ketten mit ungerader Gliederzahl, und die brauchen dann ein gekröpftes Glied, bei dem Innen- und Außenlasche in einem Teil sitzen. An deiner Maschine wirst du so etwas praktisch nie sehen - und wenn doch, ist es ein guter Grund, genauer hinzuschauen.

Zählen lässt sich die Gliederzahl übrigens ohne Werkzeug. Zähl die Rollen rundherum, oder zähl die Außenlaschen auf einer Seite und nimm das Ergebnis mal zwei. Dreh das Hinterrad dabei am Reifen und nicht an der Kette. Und vergiss beim Zählen das Kettenschloss nicht.

Damit sind zwei der drei Angaben beisammen, die auf dem Bestellzettel stehen: 520, 525 oder 530 für Teilung und Breite, dazu die Gliederzahl für die Länge.

Drei Angaben auf einem Zettel

Bevor du bestellst, brauchst du drei Angaben, und alle drei liegen in deiner Garage.

Die Typennummer findest du meistens auf den Außenlaschen, zusammen mit dem Herstellernamen. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch, das gilt für die Kette wie für alles andere. Ist die Lasche nach Jahren Kettenspray nicht mehr zu lesen, steht der Typ oft auch dort - aber eben nicht in jedem Handbuch.

Die Gliederzahl zählst du am eingebauten Satz nach, bevor du ihn abbaust. Und die Zähnezahlen stehen bei vielen Teilen eingeprägt - am Kettenrad meist gut sichtbar, am Ritzel erst, wenn der Deckel ab ist.

Schreib die drei Angaben auf und leg sie zu den Papieren. Beim nächsten Kettensatz musst du dann nicht noch einmal mit öligen Fingern neben dem Hinterrad hocken und Rollen zählen.

❓ Häufige Fragen zu 520, 525 und 530

Was bedeutet die Zahl 520 auf einer Motorradkette?

Die erste Ziffer ist die Teilung in Achtelzoll: Fünf Achtel Zoll sind 15,88 Millimeter von Bolzenmitte zu Bolzenmitte. Die beiden folgenden Ziffern beschreiben die Innenbreite zwischen den Innenlaschen, bei 520 ein Viertelzoll oder 6,35 Millimeter. 525 hat 7,94 Millimeter, 530 hat 9,53.


Ist eine 530er Kette stärker als eine 520er?

Nicht zwangsläufig. In der Datentabelle eines Herstellers stehen 525er und 530er derselben Baureihe mit identischer Zugfestigkeit, und eine hochwertige 520er liegt über einer einfachen 530er. Die Breite entscheidet über Flächenpressung und Laufleistung, die Belastbarkeit hängt an der Bauart der Kette.


Kann ich von 530 auf 520 umbauen?

Technisch ja, aber nur als kompletter Satz aus Kette, Ritzel und Kettenrad in derselben Breite - und nur mit einer Kette, deren Zugfestigkeit zu deiner Maschine passt. Die Kette allein spart gut ein halbes Kilo Gewicht, mit Ritzel und Kettenrad wird es etwas mehr. Ein Ritzel abzudrehen, um es schmaler zu machen, ist keine Lösung.


Ist eine 428er Kette schmaler als eine 520er?

Nein, umgekehrt. Eine 428er hat innen 7,94 Millimeter, eine 520er nur 6,35. Die 428er folgt der Achtelzoll-Logik der 5er-Reihe nicht und ist genauso breit wie eine 525er, nur mit der kürzeren Teilung von 12,70 Millimetern.


Warum hat eine Motorradkette fast immer eine gerade Gliederzahl?

Weil sich Innen- und Außenglieder abwechseln und das Kettenschloss selbst ein Außenglied ist. Die Kette muss deshalb an beiden Enden mit einem Innenglied aufhören, und das geht nur bei gerader Gliederzahl. Kürzen lässt sie sich aus demselben Grund nur in Zweierschritten. Ungerade Ketten gibt es, sie brauchen ein gekröpftes Glied - am Motorrad ist das die Ausnahme.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

Lade nächsten Beitrag...
Folgen
Suche
Jetzt beliebt
Wird geladen

Anmeldung in 3 Sekunden …

Registrierung in 3 Sekunden …