
Deine Kette hat weit über hundert Glieder. Einhundertzehn, einhundertzwanzig, je nach Maschine. Bis auf eines sind sie alle im Werk unter einer Presse entstanden, mit einer Kraft, die in keiner Privatgarage zur Verfügung steht.
Und dann ist da dieses eine. Es heißt Kettenschloss, es sitzt irgendwo zwischen den anderen, und es ist das einzige, das ein Mensch mit zwei Händen und einer Wasserpumpenzange geschlossen hat. Am Motorrad gibt es nicht viele Stellen, an denen ein einzelner Handgriff so unmittelbar entscheidet.
Eine Antriebskette ist ein erstaunlich stumpfsinniges Bauteil. Zwei Innenlaschen, zwei Außenlaschen, zwei Bolzen, zwei Rollen, das Ganze hundertfach wiederholt. Die Bolzen sitzen mit Presssitz in den Außenlaschen, und anschließend werden ihre Enden im Werk unter der Presse breitgeschlagen. Die Verbindung hält also doppelt: durch die Reibung des Presssitzes und durch den vernieteten Kopf, über den die Lasche schlicht nicht mehr hinwegkommt. Eine Schraube gibt es an einer Motorradkette nirgends.
Genau das lässt sich beim Zusammenbau nicht wiederholen. Wer eine Kette auf Länge kürzt oder eine neue auflegt, braucht eine Verbindung, die sich ohne Werkspresse schließen lässt. Und die ist konstruktiv ein Kompromiss. Es gibt sie vor allem in zwei Bauarten, das Clipschloss und das Nietschloss, und der Unterschied liegt nicht im Preis. Er liegt darin, was bei einem Fehler passiert.
Das Kettenschloss am Motorrad ist also nicht deshalb interessant, weil es das schwächste Teil wäre. Es ist interessant, weil es das einzige ist, dessen Qualität von dir abhängt.
Diesen Artikel wollte ich mit einem knackigen Satz anfangen: Eine Kette reißt nicht dort, wo sie verschlissen ist, sondern dort, wo sie zusammengebaut wurde. Das steht so ähnlich in vielen Foren, es klingt gut, und ich habe eine Weile gebraucht, um zuzugeben, dass es sich nicht halten lässt.
Wer sich Schadensschilderungen aus der Praxis durchliest, findet Kettenrisse mit Clipschloss und Kettenrisse mit Nietschloss, und in der Mehrzahl dieser Fälle ist die Kette an einer ganz anderen Stelle aufgegangen. Alte Ketten reißen, weil eine Rolle festsitzt, weil ein Glied klemmt, weil ein hakenförmig verschlissenes Kettenrad die Kette auf die Zahnspitzen hebt. Das Schloss war dabei oft nur der Zeuge.
Trotzdem bleibt an der Sache etwas dran, und der wahre Kern ist unangenehmer als die griffige Version. Verschleiß kündigt sich an: Er rasselt, er längt die Kette, er hinterlässt harte Stellen, die du beim Durchdrehen des Rades spürst, und er lässt sich mit einem Zollstock messen. Ein falsch montiertes Schloss kündigt gar nichts an. Es funktioniert tadellos - bis es das nicht mehr tut, und zwar meistens unter Last.
Dazu kommt eine Beobachtung, die jeder Gebrauchtkäufer bestätigen wird: Ein Clipschloss an einer großen Maschine ist selten das, was der Hersteller vorgesehen hat. Meistens ist es die Spur einer Reparatur, und beim Gebrauchtkauf lohnt sich dann die Frage, welche.
Und damit zum ersten Handgriff, der nichts kostet. Bock dein Motorrad auf, dreh das Hinterrad langsam durch und such das eine Glied, das anders aussieht als seine Nachbarn. Beim Clipschloss erkennst du eine flache Außenlasche mit einer kleinen Federspange darauf, beim Nietschloss zwei Bolzenenden, die aufgeweitet und leicht anders gefärbt sind als der Rest. Findest du gar nichts, hast du eine endlos genietete Kette - dann hat das Werk diese Stelle selbst gepresst, und du kannst dir den Rest dieses Absatzes sparen. Das ist übrigens kein Freifahrtschein, sondern nur eine Verschiebung: Eine Kette ohne jedes Schloss lässt sich auch nicht einfach auffädeln. Bei den meisten Maschinen muss dafür die Schwinge gelöst oder ausgebaut werden, und genau deshalb landet beim nächsten Kettensatz oft doch ein Nietschloss im Antrieb. Findest du eine Federspange, schau sie dir genau an. Wie herum sie gehört, steht im nächsten Abschnitt.
Ein Clipschloss besteht aus einem Bolzenpaar, einer Außenlasche und einer Federspange aus gehärtetem Federstahl. Die Spange hat ein geschlossenes, rundes Ende und ein offenes, gabelförmiges. Sie rastet in zwei Nuten an den Bolzenenden ein, und sie ist das Einzige, was die Lasche daran hindert, sich zu verabschieden.
Diese Spange hat eine Einbaurichtung, und die Regel dazu lautet in den Herstelleranleitungen gleich: Das geschlossene, runde Ende zeigt in die Laufrichtung des Kettengliedes, die offene Gabel läuft hinterher. Der Grund ist rein mechanisch. Streift die Kette im Betrieb irgendwo an - am Kettenschutz, an einem hochgeschleuderten Stein -, dann schiebt dieser Kontakt die Spange bei richtiger Einbaulage weiter auf die Bolzen. Bei falscher hakt er in der offenen Gabel und zieht sie ab.
Jetzt der Teil, der in vielen Anleitungen fehlt, weil er als selbstverständlich gilt: Welche Richtung ist die Laufrichtung? Die Kette läuft im Kreis, oben also anders herum als unten. Du musst das nicht glauben, du kannst es ansehen. Motorrad aufbocken, Hinterrad in Fahrtrichtung drehen und zuschauen: Oben wandert die Kette nach vorn zum Ritzel, unten nach hinten zum Kettenrad.
Daraus folgt der Handgriff. Steht das Schloss beim Aufbocken oben, zeigt das geschlossene Ende nach vorn. Steht es unten, zeigt es nach hinten. Wer sich das nicht merken will, dreht das Rad und schaut, wohin sich das Schloss bewegt. Dorthin gehört das runde Ende. Und ist schon eines verbaut, kostet der sicherste Weg zwei Sekunden: vor dem Abnehmen ein Foto davon machen.
⚠️ Sicherheitshinweis: Eine Federspange ist gehärteter Federstahl. Wird sie zum Abnehmen aufgebogen, verliert sie ihre Vorspannung, und beim zweiten Einbau hält sie nicht mehr sicher in den Nuten. Sie kann außerdem spröde brechen. Ein Kettenschloss und seine Spange sind Einwegteile: einmal geöffnet, komplett ersetzt. Beim Ausbau gehört eine Schutzbrille dazu, weil die Spange beim Abhebeln gern wegspringt.
Zwei weitere Punkte fallen in der Praxis durch. Erstens müssen beide Nuten frei von Fett und Schmutz sein, sonst rastet die Spange nur scheinbar ein. Zweitens gibt es Clipschlösser mit und ohne Presssitz. Wo die Lasche aufgepresst werden muss, ist das kein Schikane-Aufwand, sondern das eigentliche Sicherheitsmerkmal: Eine aufgepresste Lasche springt nicht ab, selbst wenn die Spange irgendwann verloren geht. Welche Variante zu deiner Kette gehört, steht auf der Verpackung.
Und bei aller Liebe zum Clipschloss: Es hat eine Obergrenze. „Stärkere Maschine“ ist dabei keine brauchbare Auskunft, deshalb die Hausnummer, die Kettenhersteller nennen - rund 600 Kubikzentimeter und etwa 50 PS. Die Angaben schwanken je nach Quelle nach unten, nach oben tut das keine. Wer darüber liegt, nimmt ein Nietschloss, und deshalb liegt vielen Kettensätzen für große Motorräder gar kein Clip mehr bei.
Das Nietschloss löst dasselbe Problem anders: Seine Bolzen sind hohl gebohrt, und nach dem Aufpressen der Lasche wird diese Bohrung mit einem konischen Dorn aufgeweitet. Aus dem Bolzenende wird dabei ein pilzförmiger Kopf, der über die Lasche greift. Danach lässt sich die Verbindung nicht mehr zerstörungsfrei öffnen. Genau das ist der Sinn.
Das Werkzeug dafür ist keine Nietzange im Baumarktsinn, sondern eine kleine Spindelpresse, und sie macht zwei verschiedene Arbeiten: Zuerst drückt sie die Außenlasche auf die Bolzen, danach weitet ein anderer Einsatz die Bolzenenden auf. Beides braucht wenig Kraft und viel Genauigkeit.
„Nicht ganz durch“ heißt in der Praxis: Der aufgeweitete Kopf ist zu klein. Er sieht aus wie ein Niet, aber er überdeckt den Rand der Bohrung in der Lasche nicht sauber. Kettenhersteller geben deshalb einen Zieldurchmesser für den fertigen Nietkopf an, der auf dem Beipackzettel oder in der Anleitung des Nietgeräts steht. Ein Messschieber und dreißig Sekunden sind der Unterschied zwischen einer Vermutung und einer Kontrolle.
Der zweite, häufigere Fehler geht in die andere Richtung. Weil die Presse keinen Anschlag hat, lässt sich die Lasche zu weit aufdrücken. Dann quetscht sie die Dichtringe im Gelenk, und das Glied wird steif. Die Gegenprobe dazu ist ohne Werkzeug möglich: Das frisch genietete Glied muss sich im lockeren Zustand genauso leicht abwinkeln lassen wie seine Nachbarn. Fühlt es sich strammer an, hast du dir gerade eine harte Stelle in die Kette gebaut, und die arbeitet sich bei jeder Umdrehung durch Ritzel und Kettenrad.
Wer den Abstand exakt haben will, misst mit dem Messschieber über beide Außenlaschen und vergleicht mit einem normalen Glied ein paar Zentimeter weiter. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch, denn Maße, Kettentyp und vorgeschriebene Schlossart stehen dort und nicht in einem Ratgeber.
Und es gibt eine dritte Bauart, die in Anleitungen selten auftaucht: das Schraubschloss. Die Bolzen tragen dort ein Gewinde, und statt zu nieten ziehst du zwei Muttern an, bis die Lasche auf Maß sitzt. Danach brechen die überstehenden Gewindestücke an einer Sollbruchstelle einfach ab. Gebraucht wird dafür ein kleiner Maulschlüssel und sonst nichts. Ein paar Kettenhersteller bieten das an, allerdings nicht für jede Kette - es ist also keine Universallösung, sondern ein Blick wert, bevor du dir Werkzeug leihst.
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Wer sein Kettenschloss nur kontrolliert, braucht nichts davon. Erst wer selbst nietet, steht vor der Frage.
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Ein Kettenschloss passt nur zu genau einer Kette. Nicht zu einer ähnlichen, nicht zu einer gleich breiten von einer anderen Marke, sondern zu dieser einen, und die Information dazu steht in aller Regel direkt vor deiner Nase: Die meisten Hersteller drucken oder prägen die Bezeichnung auf die Außenlaschen, samt Kettentyp und Serie.
Ist davon nach zwanzigtausend Kilometern Kettenspray nichts mehr zu lesen, hilft der Zollstock weiter. Die erste Ziffer beschreibt die Teilung, also den Abstand von Bolzenmitte zu Bolzenmitte. Bei 420 und 428 sind das 12,70 Millimeter, bei 520, 525 und 530 sind es 15,88 Millimeter. Setz den Zollstock auf die Mitte eines Bolzens, zähl zehn Bolzen weiter und teile die Strecke durch zehn. Auf Zehntelmillimeter kommt es dabei nicht an: Zehn Teilungen sind entweder rund 127 oder rund 159 Millimeter, und diese drei Zentimeter Unterschied siehst du auch mit einem Holzmeterstab. Ein Messschieber hilft hier übrigens nicht weiter, weil die üblichen 150 Millimeter Messbereich für zehn Glieder einer 520er gar nicht reichen.
Die zweite Zahl ist die Innenbreite, und hier liegt eine hübsche Falle. Größere Typennummer heißt nicht automatisch breiter: Eine 428er hat innen 7,94 Millimeter, eine 520er nur 6,35. Bei 525 sind es 7,94 und bei 530 dann 9,53 Millimeter. Ein 530er Schloss auf einer 520er Kette hat also zu breit stehende Laschen, und das Gelenk bekommt Spiel, das dort nicht hingehört. Nur weil vorne bei beiden eine Fünf steht, passt gar nichts.
Bleibt der Ring im Gelenk. O-Ring, X-Ring, Z-Ring beschreiben den Querschnitt der kleinen Gummidichtungen, die das Fett zwischen Bolzen und Buchse halten. Sie unterscheiden sich in Reibung und Lebensdauer, aber für das Kettenschloss zählt vor allem eines: Es muss dieselben Dichtringe mitbringen wie die Kette. Und das Fetttütchen, das jedem Schloss beiliegt, ist nicht in erster Linie für die Gummis gedacht, sondern für den Stahl: Es gehört satt auf die beiden Bolzen und in die Buchsen der Kettenenden, die Dichtringe bekommen es beim Zusammenstecken mit ab. Wer nur außen die Ringe einstreicht, schickt Bolzen und Buchse trocken auf die Reise - ausgerechnet die eine Paarung, die im Rest der Kette ab Werk im Fett schwimmt. Ein Schloss ohne Dichtringe in einer gedichteten Kette ist eine offene Stelle in einem geschlossenen System, ausgerechnet dort, wo ohnehin schon die Sonderrolle sitzt.
Und es geht dabei nicht nur um Gummi. Ausschlaggebend sind Bolzenlänge und Laschendicke, und die sind selbst bei gleicher Typennummer nicht gleich: Eine verstärkte 520er hat dickere Außenlaschen als eine Standard-520er. Ein fremdes Schloss rastet dort im besten Fall gar nicht ein, weil die Nut nicht mehr frei liegt. Im schlechteren sitzt die Lasche zu weit außen, und dann hält nur noch die Spange, was eigentlich der Presssitz halten sollte.
Die einfachste Regel dazu ist auch die billigste: Nimm das Schloss, das dem Kettensatz beiliegt, oder eines vom selben Hersteller für genau diese Kettenserie.
Über den Rest wird ungern geschrieben, weil er unangenehm ist. Eine Kette, die bei Tempo aufgeht, verschwindet nicht einfach. Sie ist gut anderthalb Meter lang, sie hat Schwung, und sie sucht sich einen Weg.
Der erste Weg führt nach vorn. Die Kette schlägt in den Bereich um das Ritzel und klemmt sich zwischen Ritzel und Motorgehäuse. Das kostet im besten Fall einen Ritzeldeckel und im schlechteren einen Riss im Gehäuse.
Hinter diesem Deckel sitzt bei vielen Maschinen die Kupplungsbetätigung, also Druckstange und Nehmerzylinder. Die trifft es häufig zuerst. Die Druckstange verbiegt, ihr Wellendichtring gibt nach, und dann läuft Motoröl nicht aus einem gerissenen Gehäuse, sondern aus einer Dichtung von der Größe einer Münze. Für dich macht das keinen Unterschied: Das Öl landet auf der Straße, und zwar genau vor dem Hinterrad.
Der zweite Weg führt nach hinten in die Schwinge, gegen den Kettenschutz, gegen Bremsleitung oder Sensorkabel, und das ist der teure, aber vergleichsweise gnädige Fall.
Der dritte Weg ist der, vor dem alle Respekt haben. Die Kette wickelt sich um das Kettenrad und das Hinterrad und blockiert es. Kupplung ziehen hilft dann nicht mehr, weil die Blockade hinter der Kupplung sitzt. Ein blockiertes Hinterrad bei Landstraßentempo stellt das Motorrad quer, und wer dabei in Schräglage ist, geht in aller Regel zu Boden.
⚠️ Sicherheitshinweis: Eine reißende Kette kann das Motorgehäuse aufschlagen und Öl direkt vor den Hinterreifen setzen, oder sie kann das Hinterrad blockieren. Beides passiert ohne Vorwarnung, und beides kann dich zu Fall bringen. Wenn du an einer Kette gearbeitet hast, gehören die ersten Kilometer danach auf eine ruhige Strecke, mit einem Kontrollblick auf das Schloss nach den ersten paar Kilometern.
Gegen genau diesen dritten Fall arbeiten die Kunststoffteile an der Schwinge, die kaum jemand beachtet: die Gleitschiene oben und, vor allem an Enduros und Crossern, die Kettenführung kurz vor dem Kettenrad. Sie halten die Kette in der Spur, und sie sind Verschleißteile. Wenn deine Maschine so etwas hat und das Teil beim letzten Kettensatzwechsel durchgescheuert liegen geblieben ist, gehört es mit erneuert. Und weil ein sauber gesetztes Kettenschloss am Motorrad alle drei Szenarien unwahrscheinlicher macht, lohnen sich die zwei Minuten Kontrolle davor.
Weniger als ein Kaffee unterwegs - so viel kostet ein Clipschloss in der Grundausführung, und auch ein Nietschloss für eine dicke 530er sprengt kein Budget. Das Nietgerät liegt darüber, aber es gibt Werkstätten, die genau diesen einen Arbeitsgang für kleines Geld übernehmen.
Eines darfst du dabei allerdings unter keinen Umständen tun: mit einer aufgelegten, aber noch nicht vernieteten Kette losfahren. Eine Außenlasche, die nur aufgesteckt ist, hält den Zug nicht - nicht auf zehn Kilometern und nicht auf einem. Wenn das Motorrad in diesem Zustand zur Werkstatt muss, dann auf dem Anhänger oder geschoben, mit stehendem Motor. Was sonst passiert, steht weiter oben in diesem Artikel.
Was daran hängt, ist deutlich mehr wert. Und der Punkt, den ich beim Recherchieren selbst korrigieren musste, bleibt der interessanteste: Es geht nicht darum, dass ausgerechnet das Kettenschloss am Motorrad die Schwachstelle wäre. Es geht darum, dass es die einzige Stelle ist, an der die Kette dich nicht vorwarnt.
Alles andere darfst du hören und sehen, und es meldet sich auch: Rasseln, Längung, harte Stellen, blank gelaufene Zahnflanken sind Ansagen, und wer sie ignoriert, weiß es im Grunde. Ein Clip, der falsch herum sitzt, sagt hundert Kilometer lang gar nichts. Und dann sagt er alles auf einmal.
Zwei Minuten mit der Taschenlampe am aufgebockten Motorrad. Ein Blick auf die Federspange, ein Griff an das genietete Glied, ein Vergleich mit dem Nachbarglied. Es ist die billigste Kontrolle am ganzen Fahrzeug.
Wie herum wird die Federspange am Clipschloss montiert?
Das geschlossene, runde Ende zeigt in die Laufrichtung des Kettengliedes, die offene Gabel läuft hinterher. So schiebt jeder seitliche Kontakt die Spange auf die Bolzen statt von ihnen herunter. Praktisch prüfen: Rad in Fahrtrichtung drehen und schauen, wohin sich das Schloss bewegt - dorthin gehört das runde Ende. Oben läuft die Kette nach vorn zum Ritzel, unten nach hinten zum Kettenrad.
Clipschloss oder Nietschloss - was ist besser?
Für leistungsstärkere Maschinen empfehlen Kettenhersteller das Nietschloss, weil sich ein Clipschloss unter hoher Last lösen kann. Vielen Kettensätzen für große Motorräder liegt deshalb gar kein Clip mehr bei. Das Clipschloss bleibt sinnvoll für kleinere Maschinen und dort, wo die Kette öfter geöffnet wird. Verbindlich ist die Vorgabe in deinem Fahrzeughandbuch.
Woran erkenne ich, welche Kette ich habe?
Meistens steht die Bezeichnung direkt auf den Außenlaschen, zusammen mit Hersteller und Serie. Ist sie unlesbar, hilft messen: Die Teilung beträgt bei 420 und 428 rund 12,70 Millimeter von Bolzenmitte zu Bolzenmitte, bei 520, 525 und 530 rund 15,88 Millimeter. Die zweite Zahl steht für die Innenbreite - 520 hat 6,35 Millimeter, 525 hat 7,94, 530 hat 9,53.
Kann ich ein Kettenschloss wiederverwenden?
Nein. Die Federspange verliert beim Aufbiegen ihre Vorspannung und kann brechen, und ein einmal aufgeweiteter Nietbolzen lässt sich nicht sauber ein zweites Mal setzen. Kettenschloss und Spange sind Einwegteile. Beim Ausbau eine Schutzbrille tragen, weil die Spange gern wegspringt.
Woran sehe ich, dass ein Nietschloss falsch vernietet ist?
An zwei Dingen. Der aufgeweitete Bolzenkopf muss den Rand der Bohrung ringsum sauber überdecken; die Hersteller geben dafür einen Zieldurchmesser an, den du mit dem Messschieber prüfst. Und das fertige Glied muss sich genauso leicht abwinkeln lassen wie seine Nachbarn - fühlt es sich strammer an, wurde die Lasche zu weit aufgepresst und die Dichtringe sind gequetscht.
Was passiert, wenn die Kette während der Fahrt reißt?
Drei Dinge sind möglich: Sie klemmt sich vorn zwischen Ritzel und Motorgehäuse und kann es aufschlagen, wodurch Öl vor den Hinterreifen läuft. Sie schlägt in Schwinge, Bremsleitung oder Kabel. Oder sie wickelt sich um Kettenrad und Hinterrad und blockiert es - dann hilft auch die Kupplung nicht mehr, weil die Blockade hinter ihr sitzt. Der letzte Fall kann bei höherem Tempo zum Sturz führen.
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