
An der Zapfsäule bekommst du nach jeder Füllung eine Quittung. Darauf steht, was die letzten 300 Kilometer gekostet haben. Für Reifen, Kette, Öl und Bremsen gibt es diese Quittung auch. Sie kommt nur in Raten: einmal im Jahr von der Werkstatt, ab und zu vom Reifenhändler.
Legst du die Raten nebeneinander, steht am Ende eine Zahl in Cent pro Kilometer. Bei einer Yamaha MT-07 sind es allein fürs Material vier bis fünf Cent, und fast zwei Drittel davon sind Reifen. Die Rechnung passt auf eine Tabelle, und mit ein paar Zahlen aus deinen eigenen Unterlagen machst du sie für dein Motorrad nach.
Die Beispielmaschine ist eine MT-07 der ersten Generation: Mittelklasse, Kettenantrieb, zwei Bremsscheiben vorn. Was wann fällig ist, steht in ihrer Wartungstabelle. Die Preise sind Materialpreise von Online-Händlern am 1. Oktober 2026, jeweils Markenware in der passenden Größe. Die Rechnung geht von 10.000 Kilometern im Jahr aus.
| Posten | Fällig | Material | Je 10.000 km |
|---|---|---|---|
| Reifen, ein Satz | nach Verschleiß, hier angenommen: 10.000 km | 259 bis 328 € | 259 bis 328 € |
| Kettensatz | nach Verschleiß, hier angenommen: 25.000 km | 122 bis 162 € | 49 bis 65 € |
| Bremsbeläge vorn und hinten | nach Verschleiß, hier angenommen: 20.000 km | rund 73 € | rund 36 € |
| Motoröl, drei Liter | alle 10.000 km oder jährlich | 45 € | 45 € |
| Ölfilter | alle 20.000 km | 6 € | 3 € |
| Zündkerzen, zwei Stück | alle 20.000 km | 28 € | 14 € |
| Luftfilter | alle 40.000 km | 15 € | 4 € |
| Bremsflüssigkeit | alle zwei Jahre | 11 € | rund 6 € |
| Summe | rund 415 bis 500 € |
Geteilt durch 10.000 Kilometer sind das 4,2 bis 5,0 Cent pro Kilometer. Auf eine Tagestour von 300 Kilometern umgelegt sind es rund 12 bis 15 Euro. Eine Urlaubswoche mit 2.500 Kilometern kostet etwa 100 bis 125 Euro an Material, bevor die erste Tankquittung dazukommt.
Die Intervalle der fünf unteren Zeilen stammen direkt aus der Anleitung. Die drei oberen Zeilen sind die weichen Stellen der Rechnung. Für den Tausch von Reifen, Kette und Belägen nennt die Wartungstabelle keine Kilometerzahl. Bei den Reifen heißt es dort „Ersetzen, falls nötig“, bei den Belägen „Bei Abnutzung bis zum Grenzwert“. Wie lange sie halten, hängt an dir, und an diese Stellen gehören deine eigenen Kilometer.
Ein paar Zeilen brauchen eine Erklärung. Beim Ölwechsel fasst die Maschine 2,3 Liter, mit neuem Filter 2,6. In der Tabelle stehen deshalb drei Literflaschen eines vollsynthetischen Markenöls. Vorn sitzen zwei Bremssättel, das sind zwei Sätze Beläge. Zum Kettensatz gehören neben der Kette auch Ritzel und Kettenrad, weil die drei üblicherweise gemeinsam getauscht werden.
Im Laden oder in der Werkstatt können die Teile der Tabelle mehr kosten als online. Beim Öl etwa nahm ein Zubehörhändler mit Münchner Filialen am 3. Oktober für einen Liter eines vergleichbaren Öls im Angebot 17,90 Euro, regulär 19,90 Euro. Drei Liter kämen dort auf rund 54 bis 60 Euro statt 45. Für deine Rechnung zählt, was auf deinem Beleg steht.
Wie weit die Beläge abgenutzt sind, zeigt die Maschine selbst. Vorn und hinten haben sie Verschleißanzeiger, die sich ohne Ausbau prüfen lassen.
Nicht in der Tabelle stehen Kleinposten wie Kettenspray und Posten, die selten kommen, etwa eine neue Batterie oder Bremsscheiben. Es fehlen auch drei Kalenderposten der Anleitung: die Kühlflüssigkeit alle drei Jahre, die Bremsschläuche alle vier und die Dichtungen in Hauptbremszylindern und Bremssätteln. Die Dichtungen sollten nach dem Plan alle zwei Jahre zusammen mit der Bremsflüssigkeit erneuert werden. Waren diese Posten bei dir fällig, gehören sie in deine Rechnung.
Das alles gilt für dieses eine Motorrad. Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch.
Auf den Reifensatz entfallen 259 bis 328 der 415 bis 500 Euro. Kein anderer Posten kommt in die Nähe, der Kettensatz kostet auf dieselbe Strecke ein Fünftel davon.
Die Spanne im Preis kommt vom Modell. Sechs Tourensportreifen großer Marken kosteten am Stichtag bei einem Online-Reifenhändler zwischen 259 und 328 Euro je Satz, ohne Montage.
Viel größer ist die Spanne bei der Laufleistung. Hält dein Satz nur 6.000 Kilometer, kostet er 4,3 bis 5,5 Cent pro Kilometer. Das ist so viel wie im Beispiel alle Posten zusammen. Hält er 12.000, sind es 2,2 bis 2,7 Cent pro Kilometer.
An dieser Zahl drehst du mit. Ein großer Reifenhersteller nennt unter anderem Fahrstil, Geschwindigkeit, Beladung und Reifendruck als Größen, an denen die Lebensdauer hängt. Zu wenig Druck bedeutet nach seinen Angaben mehr Verschleiß und mehr Wärme im Reifen. Der richtige Druck kostet nichts.
Meist ist der Hinterreifen zuerst abgefahren. Wechselst du vorn und hinten getrennt, rechnest du jeden Reifen für sich: Preis geteilt durch die Kilometer, die er gehalten hat. Deine eigene Laufleistung kennst du, sobald zwei Reifenwechsel mit Kilometerstand auf der Rechnung oder im Serviceheft stehen.
Zu jedem Wechsel kommt die Montage. Ein Motorradhändler und ein Werkstattportal nannten im Oktober 2026 für beide Räder samt Aus- und Einbau, Wuchten und Entsorgung rund 100 bis 130 Euro. Ein Münchner Reifenhändler lag darüber: ab 70 Euro pro Rad, also ab 140 Euro für beide. Hält der Satz 10.000 Kilometer, steigen die Reifenkosten damit um einen bis anderthalb Cent pro Kilometer.
Sicherheitshinweis: Wechsle Reifen und Bremsbeläge, bevor ihre Verschleißgrenze erreicht ist, auch wenn die Rechnung mit jedem weiteren Kilometer besser aussieht. Bremsflüssigkeit tauschst du nach dem Kalender, egal wie wenig du gefahren bist.
Ein Reifen ohne Profil kann auf nasser Straße schlagartig den Halt verlieren. Beläge, die bis aufs Trägerblech heruntergefahren sind, bremsen kaum noch und zerstören die Bremsscheibe. Alte Bremsflüssigkeit hat Wasser aufgenommen, ihr Siedepunkt sinkt, und an einer heißen Bremse können sich Dampfblasen bilden. Dann lässt sich der Bremshebel bis zum Lenkergriff ziehen, und die Bremse packt kaum noch zu.
In der Tabelle fehlt der Lohn. Schraubst du selbst, zahlst du ihn in Zeit, sonst steht er auf der Rechnung. Alles selbst zu machen, sieht auch die Anleitung nicht vor. Die meisten Arbeiten tragen dort ein Sternchen: Sie brauchen Spezialwerkzeug, besondere Daten und technisches Können, und Yamaha empfiehlt dafür die Fachwerkstatt. Ohne Sternchen stehen in der Wartungstabelle unter anderem der Ölwechsel, der Ölfilter und die Kettenpflege.
Was eine Werkstattstunde kostet, ist von Betrieb zu Betrieb verschieden. Eine Zahl dazu steht hier nicht, stattdessen eine Faustregel: Je 100 Euro, die du im Jahr in der Werkstatt lässt, kommt bei 10.000 Kilometern ein Cent pro Kilometer dazu.
Die Arbeit der Werkstatt steht ebenfalls in der Wartungstabelle, und sie fällt nicht jedes Mal gleich groß aus. Nach der Erstinspektion sieht der Plan bei 10.000 Kilometern im Jahr vier verschiedene Jahre vor.
Im ersten stehen nur Ölwechsel und Durchsicht an. Im zweiten kommen Ölfilter, Zündkerzen und frische Bremsflüssigkeit dazu. Im dritten ist es wieder das Öl, dazu die Kühlflüssigkeit. Im vierten kommt alles zusammen: Öl, Filter, Kerzen, Luftfilter, Bremsflüssigkeit, die Bremsschläuche und die Kontrolle des Ventilspiels.
Hinter dieser Kontrolle steckt mehr Arbeit, als die eine Zeile vermuten lässt. Laut Werkstatthandbuch der MT-07 muss dafür zuerst die Kühlflüssigkeit heraus, dann kommen unter anderem Kühler, Zündspulen und Ventildeckel herunter. Gemessen wird erst danach.
Weil die Jahre so verschieden ausfallen, sagt eine einzelne Rechnung über deine Wartungskosten wenig. Die aus dem ersten Jahr ist zu freundlich, die aus dem vierten zu streng. Fair gerechnet zählst du alle vier zusammen und teilst sie durch 40.000 Kilometer. Die Reifenmontage gehört dazu, wenn du sie machen lässt.
Die Rechnung kennt zwei Sorten Zeilen. Reifen, Kette, Beläge, Kerzen und Filter verschleißen mit der Strecke. Fährst du weniger, halten sie länger, und der Preis je Kilometer bleibt derselbe.
Öl und Bremsflüssigkeit laufen nach dem Kalender. Das Öl ist laut Tabelle auch bei der Jahreskontrolle fällig, die Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre. Feste Jahresfristen haben außerdem die Kühlflüssigkeit, die Bremsschläuche und die Dichtungen der Bremse.
Wo die Grenze liegt, zeigt die Tabelle selbst. Unter 10.000 Kilometern im Jahr kommt beim Öl immer der Kalender zuerst.
Bei nur 2.000 Kilometern jährlich kosten die drei Liter Öl gut zwei Cent pro Kilometer, bei 10.000 war es knapp ein halber. Die elf Euro für die Bremsflüssigkeit verteilen sich auf 4.000 Kilometer statt auf 20.000. Das Material aus der Tabelle kommt dann zusammen auf sechs bis sieben Cent pro Kilometer, vorher waren es vier bis fünf.
Auch Reifen haben eine Uhr. Fährst du sehr wenig, ist ein Satz irgendwann zu alt, bevor er abgefahren ist. Dann stimmt die Rechnung nach Kilometern nicht mehr, und der Reifen wird pro Kilometer teurer als in der Tabelle.
Den größeren Sprung macht die Werkstattrechnung. Die jährliche Inspektion kostet ähnlich viel, ob seit der letzten 2.000 oder 10.000 Kilometer dazugekommen sind. Aus einem Cent je 100 Euro werden fünf.
Ein Beispiel mit einem angenommenen Betrag: 250 Euro Lohn auf der Jahresrechnung, dazu das Material aus der Tabelle.
Pro Kilometer zahlt der Wenigfahrer damit mehr als das Doppelte.
Die Formel ist für jeden Posten dieselbe:
Preis geteilt durch die Kilometer, die das Teil gehalten hat, mal 100 = Cent pro Kilometer.
Ein Beispiel: Der Hinterreifen hat 183 Euro gekostet und wurde bei 31.400 Kilometern montiert, bei 39.800 war er abgefahren. 183 geteilt durch 8.400, mal 100, das sind 2,2 Cent pro Kilometer.
Für alles, was nach dem Kalender läuft, teilst du den Betrag eines Jahres durch die Kilometer eines Jahres.
Dieselbe Rechnung geht auch vor dem Kauf. Reifengrößen, Ölmenge und Wartungstabelle stehen in der Anleitung des Wunschmodells, und viele Hersteller stellen ihre Anleitungen online. Bei einer Maschine mit Kardan oder Riemen fällt die Zeile Kettensatz weg, dafür stehen andere Posten im Plan.
Für die gesamten Unterhaltskosten eines Motorrads fehlen dann vor allem noch Sprit, Steuer, Versicherung, Hauptuntersuchung und Wertverlust. Sie stehen in keiner Wartungstabelle und gehören in eine eigene Rechnung. Auch der Wertverlust wächst mit jedem Kilometer, er zeigt sich aber erst beim Verkauf.
Zum Einordnen hilft trotzdem der Sprit. Super E10 kostete laut ADAC am 29. September 2026 im bundesweiten Schnitt rund 2,26 Euro je Liter. Für den Oktober rechnet der Club mit sinkenden Preisen und beziffert die Entlastung auf knapp 17 Cent je Liter. Bei angenommenen 4,5 Litern auf 100 Kilometer kostet der Sprit damit neun bis zehn Cent pro Kilometer. Das Material aus der Tabelle kommt auf etwa die Hälfte davon. Mit den 250 Euro Lohn aus dem Beispiel liegen Material und Werkstatt zusammen bei rund drei Vierteln der Spritkosten.
Die eigene Rechnung zeigt auch, wo Sparen etwas bringt. Beim Kettensatz ist es die Pflege. Yamaha schreibt in der Anleitung, die Kette werde gereinigt und geschmiert, um den Verschleiß gering zu halten, und setzt dafür alle 800 Kilometer an. Eine Dose Kettenspray kostet einen Bruchteil des Kettensatzes.
Bei den Reifen ist es die Laufleistung. Mehr davon holst du über Reifendruck und Fahrstil, nicht über den letzten Millimeter Profil. Ein Satz, der 2.000 Kilometer länger hält, bringt im Beispiel rund einen halben Cent pro Kilometer. Für dieselbe Ersparnis müsste das Öl umsonst sein.
Was kostet ein Motorrad pro Kilometer ohne Sprit?
Für eine Mittelklasse-Maschine mit Kettenantrieb kommen bei 10.000 Kilometern im Jahr allein für Verschleißteile und Betriebsstoffe vier bis fünf Cent pro Kilometer zusammen. Gerechnet ist das am Beispiel einer Yamaha MT-07 mit Teilepreisen vom Oktober 2026. Der Lohn der Werkstatt kommt dazu, je 100 Euro im Jahr ein weiterer Cent.
Welcher Posten ist beim Motorrad am teuersten?
Der teuerste Posten beim Material sind die Reifen. Im Rechenbeispiel machen sie rund zwei Drittel der Verschleißkosten aus, weit vor Kettensatz, Bremsbelägen und Öl. Wie viel es im Einzelfall ist, entscheidet vor allem die Zahl der Kilometer, die ein Satz durchhält.
Warum ist der Kilometer für Wenigfahrer teurer?
Ein Teil der Wartung richtet sich nach der Zeit und nicht nach der Strecke. Motoröl ist bei vielen Maschinen jährlich fällig, Bremsflüssigkeit alle zwei Jahre, und die Jahresinspektion kostet unabhängig vom Kilometerstand. Verteilt auf 2.000 statt 10.000 Kilometer wird der einzelne Kilometer entsprechend teurer.
Wie berechne ich die Verschleißkosten für mein Motorrad?
Für jeden Posten gilt: Preis geteilt durch die Strecke, die das Teil durchgehalten hat. Die Intervalle stehen in der Wartungstabelle der Anleitung, die Laufleistung von Reifen, Kette und Belägen ergibt sich aus den Kilometerständen der letzten Wechsel. Alle Posten zusammengezählt ergeben den Preis je Kilometer vor dem Tanken.
Welche Kosten fehlen in dieser Rechnung?
In der Rechnung fehlen Kraftstoff, Steuer, Versicherung, Hauptuntersuchung, Wertverlust und Bekleidung, dazu seltene Posten wie Batterie oder Bremsscheiben und Kalenderposten wie Kühlflüssigkeit und Bremsschläuche. Auch der Arbeitslohn der Werkstatt ist im Beispiel nicht eingerechnet, weil er von Betrieb zu Betrieb verschieden ist. Die Rechnung zeigt nur, was Verschleiß und Wartung an Material kosten.
Lohnt sich ein teurerer Reifen, wenn er länger hält?
Bei einem Reifen entscheidet der Preis geteilt durch die Laufleistung. Ein Satz für 328 Euro, der 12.000 Kilometer hält, kostet 2,7 Cent je Kilometer, einer für 259 Euro mit 8.000 Kilometern 3,2 Cent. Welche Laufleistung ein Reifen an der eigenen Maschine erreicht, zeigt erst der Kilometerstand beim nächsten Wechsel.
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