Stau-Assistenzsysteme: Wann dürfen Motorräder autonom fahren? (Status Quo 2026)

MotorradZoneNewsvor 11 Monaten

Autonom fahrende Motorräder gibt es 2026 nicht zu kaufen, auch nicht für den Stau. Was es gibt, sind Abstandstempomaten, die bei KTM bis zum Stillstand mitbremsen, und Systeme, die dir im Stop-and-go die Kupplung abnehmen. Das Gleichgewicht hältst du weiter selbst, und die Verantwortung trägst du auch.

Was das Gesetz automatisiert nennt

Erlaubt ist nach dem Straßenverkehrsgesetz der Betrieb eines Kraftfahrzeugs mit automatisierter Fahrfunktion, wenn die Funktion bestimmungsgemäß verwendet wird. Gemeint ist Technik, die nach dem Einschalten Gas, Bremse und Lenkung übernimmt, sich jederzeit übersteuern lässt und dich mit genug Vorlauf auffordert, wieder selbst zu fahren.

Sitzt du in einem Auto mit einer solchen Funktion, darfst du dich vom Verkehr abwenden, solange sie fährt. Du musst aber so wahrnehmungsbereit bleiben, dass du unverzüglich übernimmst, wenn das System dich auffordert oder wenn du merkst, dass die Bedingungen dafür nicht mehr stimmen.

Anzuwenden sind diese Regeln nur auf Fahrzeuge, deren Funktion in internationalen Vorschriften beschrieben ist und ihnen entspricht, oder die eine Typgenehmigung nach einer EU-Richtlinie haben. Die UN-Regelung, die einen solchen Staupiloten beschreibt, ist die Nr. 157 für automatisierte Spurhaltesysteme. Sie galt zuerst nur für Pkw und wurde später auf alle Pkw, Busse, Transporter und Lkw erweitert, im Fachjargon die Klassen M und N.

Motorräder gehören zur Klasse L und damit nicht dazu, und ein Motorrad mit automatisierter Fahrfunktion ist bislang nicht auf dem Markt. Ein Abstandstempomat ist etwas anderes: Er regelt nur Gas und Bremse, du fährst weiter selbst und behältst den Verkehr im Blick. Für ganz fahrerlose Fahrzeuge hat das Gesetz eigene Regeln, allerdings nur in festgelegten Betriebsbereichen und mit einer Technischen Aufsicht, die das Fahrzeug deaktivieren und Fahrmanöver freigeben kann.

Der Radar-Tempomat und die stehende Kolonne

Am nächsten an einen Staupiloten kommt der Abstandstempomat, kurz ACC. Er hält dein Wunschtempo und nimmt Gas weg oder bremst, sobald du dem Vordermann zu nahe kommst. Ducati nennt die Multistrada V4 das erste Serienmotorrad, das vorn und hinten ein Radar trägt. Dort regelt das System von 30 km/h an bis 160 km/h und bremst notfalls selbst, wenn auch nur begrenzt kräftig.

BMW gibt für das ACC der R 1300 GS denselben Bereich an und schreibt in die Anleitung, was die Technik nicht kann. Die radarbasierten Assistenten erkennen nur fahrende Fahrzeuge, aber keine stehenden, keine Fußgänger und keine Tiere, Radfahrer nicht zuverlässig. Notbremsungen kann das ACC nicht, und verliert es in einer Kurve den Vordermann, kann es wieder auf das eingestellte Tempo beschleunigen.

Am Stauende stehen die Autos, und stehende Fahrzeuge erkennt das System laut BMW nicht. Siehst du die Kolonne vor dir, bremst du selbst und wartest nicht darauf, dass der Tempomat es tut. Hat dein Motorrad einen Warnblinker, darfst du ihn beim Annähern an einen Stau nach der StVO einschalten, um die Fahrer hinter dir zu warnen. Selbst für den einfachen Tempomaten der Tracer 9 rät Yamaha im Handbuch davon ab, ihn in dichtem Verkehr einzuschalten, ebenso bei schlechtem Wetter und auf kurvigen, rutschigen oder unebenen Straßen.

Stop-and-go mit Abstandstempomat

Einen Schritt weiter geht KTM: An der 1390 Super Adventure S Evo ist der Abstandstempomat mit dem automatisierten Schaltgetriebe gekoppelt. Hält der Vordermann an, bremst das Motorrad bis zum Stillstand, und rollt er nach kurzem Halt wieder los, fährt die KTM selbst mit. Steht die Kolonne länger, startest du die Weiterfahrt selbst, mit einem Dreh am Gasgriff oder einem Tastendruck.

Was die KTM dabei nicht übernimmt, ist das Halten. Bremst sie bis zum Stillstand, stellst du die Füße rechtzeitig selbst auf den Asphalt. Rollt sie von allein wieder an, musst du darauf gefasst sein und hältst sie mit Lenker und Körper im Gleichgewicht wie ohne Assistent. Lenken musst du ohnehin selbst, denn der Tempomat regelt nur Gas und Bremse.

Was im Stau den linken Arm entlastet

Im zähen Stau ermüdet am Schaltmotorrad vor allem die Hand am Kupplungshebel. Dagegen helfen Systeme, die das Kuppeln übernehmen. Honda baut das Doppelkupplungsgetriebe DCT seit 2010 und seit dem Modelljahr 2024 die E-Clutch, zuerst in CB650R und CBR650R. Yamaha hat seit 2024 das Y-AMT, zuerst in der MT-09, BMW den Automated Shift Assistant ASA, zuerst für die R 1300 GS, KTM ein eigenes AMT.

Mit der E-Clutch stirbt der Motor im Kriechtempo nicht ab, und den Hebel brauchst du im Stop-and-go nicht mehr; den Gang wählst du weiter selbst. DCT und AMT schalten auf Wunsch ganz allein.

Steht die Kolonne an einer Steigung, sichert die Bremse das Motorrad, und der Gasgriff bleibt zu. Auch eine automatische Kupplung schleift sonst und wird dabei belastet. Yamaha warnt, dass sie dabei heiß wird. Zeigt das Display einer R 1300 GS mit ASA eine hohe Kupplungstemperatur an, verweist BMW auf die Bremse im Stand.

Zwei Motorräder, die nicht umfallen sollen

Schwierig wird es im Stau mit dem Gleichgewicht im Schritttempo, und genau daran arbeiten Honda und Yamaha mit Prototypen. Honda zeigte 2017 auf der CES in Las Vegas die Studie Riding Assist, ein Motorrad, das sich im Stand selbst ausbalanciert und so kaum noch umfallen soll. Statt auf schwere Kreisel setzt Honda dabei auf Technik, die für das Mobilitätsgerät UNI-CUB entwickelt wurde.

Yamaha stellte 2022 das System AMSAS vor und erprobt es an einer YZF-R25 aus der Serie. Beim Anfahren und Anhalten stützt ein Antrieb am Vorderrad die Balance, bis etwa 5 km/h übernimmt ein Aktuator am Lenker. Der Rahmen muss dafür laut Yamaha nicht geändert werden. In den Unterlagen der Hersteller zu beiden Studien steht kein Termin für die Serie.

Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel ordnet die Regeln zum automatisierten Fahren und zum Warnblinklicht allgemein und journalistisch ein (Stand: Oktober 2026). Er ist keine Rechtsberatung. Die internationalen Vorschriften dazu werden laufend weiterentwickelt, und was ein bestimmtes Fahrzeug darf, steht in seiner Genehmigung und seiner Betriebsanleitung.

Im Stau fährst du selbst

BMW schreibt es für den Riding Assistant der R 1300 GS ohne Umschweife: Die Assistenten sind keine Sicherheitssysteme, die Verantwortung für Sicht und Verkehr liegt bei dir. Den Abstand, den das System hält, passt du an Verkehr und Wetter an, und den gesetzlichen Sicherheitsabstand hältst du trotzdem ein.

Auch das Radar braucht Aufmerksamkeit. Bei starkem Regen, Nebel oder Schnee und mit verschmutztem Sensor sieht es schlechter, und nach einem Unfall, einem Auffahren oder einem Umfaller muss laut BMW die Einbaulage der Sensoren geprüft werden. Kippt dir die GS im Stau um, lass die Sensoren prüfen, bevor du wieder mit ACC fährst.

Bleibt das, was kein Assistent übernimmt: langsam fahren können, mit dem Blick nach vorn statt auf den Boden. Wann bist du zuletzt ein Langsamfahrtraining gefahren?

❓ Häufige Fragen zu Stau-Assistenz und autonomem Fahren

Kann ein Motorrad im Stau selbst fahren?

Selbst fahren kann im Stau kein Motorrad, das du 2026 kaufen kannst. Weit geht KTM: Bei der Super Adventure S Evo mit automatisiertem Getriebe hält der Abstandstempomat hinter dem Vordermann an und fährt nach kurzem Halt wieder mit. Lenken und das Abstützen im Stand bleiben deine Aufgabe.


Erkennt der Abstandstempomat ein Stauende?

Stehende Autos am Stauende sind für den Radar-Tempomaten eine Schwachstelle. Laut BMW erfassen die Radarsysteme der R 1300 GS nur Fahrzeuge in Bewegung, keine stehenden, außerdem weder Fußgänger noch Tiere. Auf eine stehende Kolonne bremst du deshalb immer selbst zu.


Ist automatisiertes Fahren in Deutschland erlaubt?

Automatisiertes Fahren lässt das Straßenverkehrsgesetz zu, wenn die Funktion bestimmungsgemäß genutzt wird und nach internationalen Regeln beschrieben ist oder eine EU-Typgenehmigung hat. Die passende UN-Regelung Nr. 157 gilt für Autos, Busse und Lkw, für Motorräder nicht.


Hilft eine automatische Kupplung im Stau?

Automatische Kupplungen wie Hondas E-Clutch, das DCT oder Yamahas Y-AMT nehmen dir im Stop-and-go den Hebel ab, und der Motor geht im Kriechtempo nicht aus. Am Hang hältst du das Motorrad im Stand trotzdem mit der Bremse, damit die Kupplung nicht dauernd schleift.


Gibt es Motorräder, die von selbst nicht umfallen?

Motorräder, die sich selbst ausbalancieren, gibt es bisher nur als Prototypen. Honda zeigte 2017 die Studie Riding Assist, Yamaha erprobt AMSAS an einer YZF-R25, mit einem Antrieb am Vorderrad und einem Lenkaktuator bis etwa 5 km/h. Zu kaufen ist keines davon.

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