Zündkerzen wechseln am Motorrad: Das Elektrodenbild lesen und die drei großen Fehler vermeiden

MotorradZoneMotorradZoneTipps & Ratgeber1 hour ago129 Views

Fünf Euro. So viel kostet das Teil, an dem der halbe Motor hängt. Zündkerzen wechseln am Motorrad ist die billigste Wartung, die du kennst - und trotzdem die, bei der ich die meisten kaputten Zylinderköpfe gesehen habe. Nicht weil es schwer wäre. Sondern weil „billig und simpel“ die Leute leichtsinnig macht.

Dreh eine gebrauchte Kerze raus und halt sie ins Licht. Die Spitze erzählt dir mehr über deinen Motor als jedes Diagnosegerät. Rehbraun, rußschwarz, ölig, kreideweiß - jede Farbe ist eine Ansage. Die meisten schrauben das Ding raus, werfen es weg und schrauben blind das nächste rein. Verschenkte Information. Dabei liegt da, zwischen deinen Fingern, eine komplette Verbrennungsanalyse.

Drei Fehler sehe ich dabei immer wieder, und alle drei sind vermeidbar. Der erste: den falschen Wärmewert wählen und die Kerze damit thermisch ins Verderben schicken. Der zweite: das Gewinde überdrehen oder querziehen und einen Fünf-Euro-Job in eine Zylinderkopf-Reparatur verwandeln. Der dritte: die alte Kerze wegwerfen, bevor du sie ins Licht gehalten hast. Keiner der drei braucht Talent. Alle drei brauchen nur den Moment, in dem du nicht weiterdrehst, sondern kurz hinschaust.

Die Warnzeichen, bevor du überhaupt zum Schlüssel greifst

Selten stirbt eine Kerze von jetzt auf gleich. Meistens kündigt sie sich an, und wer die Zeichen kennt, wechselt, bevor er am Straßenrand steht. Der Klassiker ist der Kaltstart. Der Motor orgelt länger, springt widerwillig an, stottert die ersten Meter. Dann das Ruckeln unter Last: Du drehst am Gas, und statt sauberem Schub kommt ein Zucken, ein kurzer Aussetzer, als würde einer im Zylinder den Takt verpassen. Im Stand pendelt der Leerlauf unruhig. Dazu schleicht sich Mehrverbrauch ein, und im mittleren Drehzahlband sitzt plötzlich ein Leistungsloch, das vorher nicht da war.

Einzeln ist keins dieser Zeichen ein Beweis - das kann genauso am Luftfilter, an der Einspritzung oder an einer schwächelnden Zündspule liegen. Aber wenn mehrere zusammenkommen und die Kerze ohnehin ihr Intervall fast voll hat, fängst du beim billigsten Teil an. Fünf Euro, bevor du die teure Fehlersuche startest.

Zündkerzenbild lesen: was dir das Elektrodenbild verrät

Bevor du irgendwas Neues einbaust, schau dir das Alte an. Und zwar genau. Die Isolatorspitze rund um die Mittelelektrode ist dein Messwert.

Rehbraun bis hellgrau-braun. Der Idealfall. Gemisch passt, Wärmewert passt, der Motor läuft, wie er soll. Wenn deine Kerze so aussieht, musst du an der Abstimmung nichts anfassen - dann ist die Kerze wirklich nur Verschleißteil und du tauschst sie nach Plan.

Trocken schwarz, samtig verrußt. Der Motor läuft zu fett, oder du fährst viel Kurzstrecke, oder die Kerze ist für deinen Betrieb schlicht zu kalt, leitet also zu viel Wärme ab. Die Kerze erreicht ihre Selbstreinigungstemperatur nicht mehr - grob ab 400 Grad an der Isolatorspitze brennt sich der Ruß von selbst weg, darunter setzt er sich fest. Ärgerlich, kostet Zündspannung, macht Aussetzer. Lebensgefährlich ist es nicht. Nach oben ist bei rund 850 Grad Schluss, dann fängt der Isolator an, das Gemisch selbst zu entzünden. Zwischen diesen beiden Marken muss deine Kerze arbeiten - genau dieses Fenster meint der Wärmewert.

Schwarz und ölig-nass. Das ist etwas völlig anderes, auch wenn beides schwarz ist. Trockener Ruß kommt vom Gemisch. Öliger, glänzender Belag heißt: Öl gelangt in den Brennraum. Verschlissene Kolbenringe, eine hinüber gehende Ventilschaftdichtung, im Zweitakter ein müder Wellendichtring. Wirf das nicht in einen Topf mit dem trockenen Ruß. Eine neue Kerze löst das Problem nicht - sie versifft nur wieder.

Kreideweiß, glasig, angeschmolzen. Alarm. Zu heiß oder zu mager. Wenn die Elektrode aussieht, als hätte jemand mit dem Lötkolben drangehalten, dann brennt in deinem Zylinder etwas, das dort nicht brennen soll. Und jetzt der Teil, den die meisten überlesen: So fährst du nicht weiter. Eine neue Kerze rein und hoffen reicht hier nicht, du suchst die Ursache. Falschluft an einem porösen Ansaugstutzen, eine zu magere Abstimmung nach dem letzten Umbau, am Zweitakter eine zu klein gewählte Hauptdüse. Wer das wegdrückt, tauscht beim nächsten Mal nicht die Kerze, sondern den Kolben.

Ein Vorbehalt, den die meisten Farbtabellen verschweigen: Diese Skala stammt aus der Vergaser- und Zweitakter-Zeit. An einem modernen Einspritzer mit Lambdaregelung und Kat sieht ein kerngesunder Isolator oft hellgrau bis fast weißlich aus - die Regelung hält das Gemisch im Normalbetrieb dicht am Idealwert statt auf dem fetten Sicherheitspolster eines alten Vergasers, und bleifreier Sprit hinterlässt kaum noch Belag. Hell allein ist dort also noch kein Magersignal. Ernst wird es erst, wenn die Elektrode dazu glasig glänzt, verformt oder angeschmolzen ist.

⚠️ Sicherheitshinweis: Eine falsch gewählte, zu „heiße“ Kerze (mit zu geringer Wärmeableitung) kann Glühzündungen auslösen - das Gemisch entflammt unkontrolliert an der glühenden Elektrode statt am Zündfunken. Die Folge sind Klopfen, durchgebrannte Kolben und beschädigte Ventile. Im schlimmsten Fall ist das der wirtschaftliche Totalschaden des Motors.

Das ist der ernste Fall, und deshalb steht er hier so früh. Merk dir die Richtung: zu kalt gewählt ärgert dich nur mit Verrußen. Zu heiß gewählt frisst dir den Motor. Die beiden Fehler sind nicht symmetrisch. Und genau das ist der erste der drei großen Fehler - beim Wärmewert danebengreifen.

Der Wärmewert - und warum „heiß“ das Gegenteil von dem ist, was du denkst

Hier stolpern fast alle. Der Wärmewert beschreibt, wie viel Wärme die Kerze aus dem Brennraum ableitet. Nicht, wie heiß sie im Betrieb ist. Das klingt nach Haarspalterei, ist aber der Grund für die Hälfte aller Fehlkäufe.

Eine heiße Kerze leitet wenig Wärme ab. Sie hält die Wärme fest, hat einen langen Isolatorfuß, wird schnell warm und bleibt warm. Gebaut für niedrige Last, für Kurzstrecke, für den Roller, der nie richtig heiß wird. Sie kommt schneller auf Selbstreinigungstemperatur.

Eine kalte Kerze leitet viel Wärme ab. Kurzer Isolatorfuß, breite Wärmebrücke zum Gewinde. Gebaut für hohe thermische Last, für den Sportler unter Dauervollgas, für Motoren, die dauerhaft Hitze produzieren.

Und jetzt die Falle: Viele denken „ich fahre sportlich, also brauche ich eine heiße Kerze“. Genau falsch herum. Wer Vollgas fährt, braucht eine kalte Kerze, die die Hitze wegschafft. Wer zum Bäcker tuckert, ist mit der wärmeren besser dran. „Heiß“ und „kalt“ beschreiben die Bauart der Kerze, nicht deinen Fahrstil - und schon gar nicht das Temperament deiner Maschine.

Dazu kommt der zweite Stolperstein, und der kostet dich beim Kauf im Zubehör echtes Geld. Die Kennzahl auf der Kerze ist zwischen den Herstellern gegenläufig. Bei NGK bedeutet eine höhere Zahl eine kältere Kerze. Bei Bosch bedeutet eine höhere Zahl eine heißere Kerze. Eine „NGK 6“ ist also keine „Bosch 6“. Wer stur die Zahl vom alten Fabrikat auf ein neues überträgt, greift schnell zwei Wärmewertstufen daneben. Deshalb: nie die nackte Ziffer vergleichen, immer über die Umschlüsselungstabelle des Herstellers gehen. Und wenn du unsicher bist, bleib schlicht bei der Kerze, die im Handbuch steht.

Iridium, Platin oder die simple Nickelkerze?

Die Standardkerze hat eine Mittelelektrode aus einer Nickellegierung, meist mit einem Kupferkern zur besseren Wärmeableitung. Robust, günstig, gutmütig. Iridium- und Platinkerzen halten deutlich länger - und das ist keine Marketinglüge, sondern Materialphysik. Iridium schmilzt bei rund 2.450 Grad, Nickel schon bei etwa 1.455 Grad. Die Edelmetallkerze verträgt mehr, brennt langsamer ab, und ihre haarfeine Mittelelektrode braucht weniger Zündspannung.

Bei der Lebensdauer wird viel geflunkert. Grobe Hausnummer: eine Nickelkerze hält im Auto rund 20.000 bis 30.000 Kilometer, Iridium und Platin angeblich bis 100.000 oder mehr. Nur - diese Zahlen stammen aus der Pkw-Welt. Am Motorrad sind die Herstellerintervalle oft deutlich kürzer. Manche Hersteller schreiben schon bei 20.000 Kilometern einen Wechsel vor, auch für Iridium und Platin. Nimm die 100.000-Kilometer-Versprechen also nicht als Gesetz für dein Bike.

Ein Detail, das viele beim Iridium falsch machen: Nachgebogen wird immer nur die Masseelektrode, nie die Mittelelektrode. Die haarfeine Iridiumspitze ist ab Werk auf Maß gesetzt - halt jedes Werkzeug von ihr fern und hebel beim Messen nicht zwischen den Elektroden. Die dünne Spitze bricht leichter als du glaubst, und dann hast du eine funkelnagelneue Kerze verschrottet, bevor sie je gezündet hat. Bei der klassischen Nickelkerze mit dicker Elektrode darfst du den Abstand vorsichtig korrigieren - bei Iridium und Platin lässt du die Finger davon.

Zündkerzen wechseln am Motorrad: kalt, sauber, von Hand angesetzt

Jetzt zum Handwerk. Und hier gilt: kalt, sauber, mit Gefühl. In dieser Reihenfolge.

Das Werkzeug - ehrlich, nicht die halbe Werkstatt. Viel brauchst du nicht. Ein passender Kerzenschlüssel mit Gummieinsatz, der die Kerze festhält. Eine Verlängerung und oft ein Kardangelenk, weil die Kerzen bei modernen Motoren tief und schräg im Schacht sitzen - manchmal musst du erst Verkleidung, Sitzbank oder Tank abnehmen, um überhaupt heranzukommen. Eine Fühlerlehre für den Elektrodenabstand. Und ein Drehmomentschlüssel, der den passenden Bereich abdeckt. Spezialwerkzeug für Hunderte Euro brauchst du nicht, aber ausgerechnet an diesem bisschen Werkzeug zu sparen, rächt sich.

Motor kalt. Immer. Der Zylinderkopf ist aus Aluminium, die Kerze aus Stahl. Beide arbeiten beim Erwärmen unterschiedlich, und warmes Alu ist weiches Alu - seine Festigkeit fällt mit der Temperatur, die feinen Gewindeflanken lassen sich dann regelrecht abziehen. Dazu sitzt auf den freiliegenden Gängen eine Kruste aus Verbrennungsrückständen, die die Kerze zusätzlich festhält. Lass die Maschine über Nacht stehen oder arbeite höchstens handwarm. Diese eine Regel spart dir mehr Ärger als jedes teure Werkzeug.

Umgebung reinigen, bevor du irgendwas öffnest. Um den Kerzenschacht sammelt sich Dreck, Sand, alte Krümel. Ziehst du die Kerze raus, ohne vorher sauber zu machen, fällt genau dieser Dreck in den offenen Brennraum. Pinsel, Druckluft, Lappen - erst putzen, dann Kerzenstecker ziehen. Ein Sandkorn auf dem Ventilsitz ist eine dumme Art, sich einen Schaden einzufangen.

Den Zündkerzenstecker anschauen, wenn er schon ab ist. Ist der Stecker gezogen, halt kurz inne und sieh ihn dir an. Ein alter, rissiger Stecker oder ein grün angelaufener, korrodierter Kontakt sabotiert dir die neue Kerze, bevor sie überhaupt sauber läuft. Die Zündspannung sucht sich immer den leichtesten Weg - findet sie am spröden Stecker oder am nassen Zündkabel eine Kriechstrecke, springt der Funke eben dort über statt an der Elektrode. Dann wechselst du die Kerze und wunderst dich, warum es weiter ruckelt. Ein Blick, ein Wisch mit Kontaktreiniger, im Zweifel ein neuer Stecker - Kleinigkeit, große Wirkung.

Rausdrehen mit dem richtigen Schlüssel. Der Kerzenschlüssel mit Gummieinsatz hält die Kerze, damit sie beim Rausheben nicht in den Schacht fällt. Läuft die Kerze schwer, dreh nicht mit Gewalt weiter - lieber ein Stück zurück, dann wieder vor. Reißen ist hier kein Sport.

Die neue Kerze prüfen. Sitzt der Dichtring? Bei Nickelkerzen: stimmt der Elektrodenabstand? Der liegt je nach Motor oft irgendwo im Bereich von etwa 0,6 bis 1,1 Millimeter - bei NGK verrät ihn sogar die Endziffer der Bezeichnung, eine „-10“ steht für 1,0 Millimeter. Aber das ist nur eine Hausnummer. Was für deinen Motor gilt, steht im Handbuch. Und wenn keins mehr im Haus ist: Schreib dir den kompletten Aufdruck der alten Kerze ab und lass dir über Modell und Baujahr den passenden Typ heraussuchen.

Von Hand ansetzen. Das ist der wichtigste Satz im ganzen Artikel. Setz die Kerze mit den Fingern an und dreh sie die ersten Gänge komplett von Hand ein. Ohne Werkzeug. Spürst du auch nur den kleinsten Widerstand, der sich falsch anfühlt - raus, neu ansetzen. Ein schräg angesetztes Stahlgewinde zerstört das weiche Aluminiumgewinde im Kopf schon nach einer knappen Umdrehung. Mit dem Ratschenschlüssel merkst du das nicht, mit den Fingern schon. Das ist der zweite der drei großen Fehler: das Gewinde überdrehen oder querziehen. Und der teuerste von allen.

⚠️ Sicherheitshinweis: Ein überdrehtes oder quergezogenes Kerzengewinde im Aluminium-Zylinderkopf lässt sich nicht einfach nachschneiden - im schlimmsten Fall ist ein Gewindeeinsatz nötig oder der Kopf hinüber. Setz die Kerze deshalb immer zuerst von Hand an und zieh niemals „nach Gefühl“ mit voller Kraft fest.

Mit Drehmoment festziehen. Wenn die Kerze von Hand bis auf den Dichtsitz läuft, kommt der Drehmomentschlüssel. Kein „nach Gefühl noch ein Ruck“. Das Anzugsmoment hängt vom Gewindedurchmesser und vom Dichtsitz ab - eine Flachdichtung will ein anderes Moment als ein Kegelsitz, eine neue Dichtung ein anderes als eine schon gesetzte. Grob bewegt man sich je nach Kerze irgendwo zwischen etwa 10 und 30 Newtonmetern; für den Flachdichtsitz im Aluminiumkopf nennt NGK rund 25 bis 30 Newtonmeter beim 14-Millimeter-Gewinde, 15 bis 20 beim 12er und 10 bis 12 beim 10er. Aber auch das ist nur ein Beispiel, keine Vorgabe für deine Maschine.

Und wenn kein Drehmomentschlüssel da ist? Dann rate nicht. NGK dokumentiert dafür ein zweites Verfahren: den Drehwinkel. Du drehst die Kerze von Hand bis auf den Dichtsitz und ziehst sie dann um einen festgelegten Winkel weiter - bei neuer Flachdichtung etwa eine halbe bis zwei Drittel Umdrehung, bei einer schon gesetzten Dichtung nur rund ein Zwölftel, beim Kegelsitz etwa ein Sechzehntel. Den Wert für deine Kerze nimmst du aus der Tabelle des Kerzenherstellers, nicht aus dem Bauchgefühl. Der Vorteil: Beim Drehwinkel spielt es keine Rolle, ob dein Zylinderkopf aus Aluminium oder aus Guss ist.

Beachte immer die Freigaben und Angaben in deinem Fahrzeughandbuch - Kerzentyp, Elektrodenabstand, Anzugsmoment und Wechselintervall stehen dort schwarz auf weiß, und diese Werte schlagen jede allgemeine Faustregel aus dem Netz.

Die Sache mit der Kupferpaste

Fast reflexartig kommt der Tipp: „Pack Kupferpaste aufs Gewinde, dann geht die Kerze nächstes Mal leichter raus.“ Klingt vernünftig, ist aber pauschal falsch. Die meisten modernen Kerzen haben bereits eine spezielle Beschichtung gegen Festfressen. NGK rät bei diesen Kerzen ausdrücklich von Montagepaste ab. Der Grund: Die Paste wirkt wie ein Schmierfilm, und dein eingestelltes Drehmoment führt plötzlich zu einer deutlich höheren Vorspannung. Du überdrehst die Kerze, ohne es am Schlüssel zu merken. Also nicht als Muss verstehen - höchstens dort einsetzen, wo der Hersteller es ausdrücklich vorsieht.

Zweitakter, Doppelzündung und die ehrliche Grenze zur Werkstatt

Bleiben die Fälle, in denen es anders läuft als im Lehrbuch.

Der Zweitakter verrußt schneller, das liegt in seiner Natur - er verbrennt sein Öl mit. Dafür lügt sein Kerzenbild nicht. Weil die Schmierung übers Gemisch läuft, spiegelt die Isolatorfarbe die Verbrennung ziemlich direkt wider. Ein zu weißes Bild am Zweitakter ist ein ernstes Magersignal, dem du sofort nachgehst, bevor der Kolben Schaden nimmt. Kontrolliere die Kerze hier also öfter als am Viertakter - sie ist dein billigstes Frühwarnsystem.

Doppelzündung. Viele moderne Twins und auch manche Singles haben zwei Kerzen pro Zylinder, für eine sauberere, schnellere Verbrennung. Die Regel ist simpel: Wechsle immer alle gleichzeitig - aber nimm exakt die Typen, die für deinen Motor vorgeschrieben sind. Bei manchen Doppelzündungs-Motoren sind die beiden Positionen bewusst unterschiedlich bestückt, etwa eine zentrale Kerze mit 12-Millimeter-Gewinde und eine seitliche mit 10 Millimetern und abweichendem Wärmewert. Wer da stur zweimal dieselbe Kerze kauft, bekommt die zweite gar nicht erst hinein. Eine frische neben einer müden Kerze zündet unterschiedlich, und dann jagst du einem Laufproblem hinterher, das gar keins sein müsste.

Wann in die Werkstatt? Ganz ehrlich: nicht jede Kerze ist ein Feierabend-Job. Sitzt sie unter Verkleidung, Tank und halber Airbox, musst du erst den halben Vorderbau zerlegen - da ist die Stunde beim Schrauber gut angelegt, wenn dir Zeit, Werkzeug oder Nerven fehlen. Genauso, wenn eine Kerze bombenfest sitzt und sich nicht lösen will, ohne dass du Angst ums Gewinde bekommst. Und wenn du beim Drehmoment unsicher bist und kein passender Schlüssel im Haus ist - lieber abgeben als raten. Das ist keine Schande, das ist Materialschutz.

Was kostet der Spaß? Eine einfache Nickelkerze liegt im einstelligen Eurobereich, eine Iridium- oder Platinkerze kostet ein Vielfaches davon - und ein Vierzylinder braucht eben vier, die Doppelzündung noch einmal doppelt so viele. In der Werkstatt entscheidet dann nicht der Kerzenpreis über die Rechnung, sondern die Zugänglichkeit: Sitzt die Kerze frei, ist es Minutensache. Liegt sie tief im Schacht, zahlst du überwiegend Arbeitszeit - und legst den Wechsel besser gleich mit der nächsten Inspektion zusammen.

Und die alte Kerze? Erst lesen, dann wegwerfen - das ist der dritte der drei großen Fehler, und der einzige, der dich nichts kostet außer zwei Minuten unter der Lampe. Danach ist sie kein Drama und kein Sondermüll, sondern ein Stück Metall mit etwas Keramik dran. Am saubersten fährst du, wenn du sie zum Altmetall gibst - den passenden Container findest du auf dem Wertstoffhof. Ob sie bei dir auch in den Restmüll darf, sagt dir deine Gemeinde. Altöl und eine leere Bremsflüssigkeitsflasche sind dagegen eine andere Nummer - die gehören zur Annahmestelle.

Wärmewert, Gewinde, Kerzenbild: An diesen drei Punkten wird Zündkerzen wechseln am Motorrad teuer. Der Rest ist Schrauben.

Am Ende ist die Zündkerze ein winziges Teil mit einem großen Ego. Sie kostet fast nichts, hält oft länger als erwartet, und trotzdem entscheidet sie darüber, ob dein Motor sauber läuft oder sich langsam selbst zerlegt. Zündkerzen wechseln am Motorrad ist keine Kunst - es ist Aufmerksamkeit. Kalt arbeiten, sauber machen, von Hand ansetzen, ins Handbuch schauen. Wer das verinnerlicht, dreht das Ding nie wieder mit Gewalt fest.

Dreh die nächste alte Kerze also nicht achtlos in die Tonne. Halt sie ins Licht. Sie hat dir etwas zu erzählen - du musst nur zuhören.

❓ Häufige Fragen zum Zündkerzenwechsel am Motorrad

Wie oft sollte ich die Zündkerzen am Motorrad wechseln?

Das legt allein dein Hersteller fest - je nach Modell und Elektrodenmaterial reicht die Spanne von etwa 20.000 Kilometern bis deutlich mehr, bei kleinen Hubräumen und Rollern auch weniger. Die oft genannten 100.000 Kilometer für Iridium stammen aus der Pkw-Welt und gelten am Motorrad selten. Halte dich an das Wechselintervall im Handbuch, nicht an eine Faustregel aus dem Netz.


Woran merke ich, dass eine Zündkerze defekt ist?

Typische Zeichen sind schlechter Kaltstart, Ruckeln oder Aussetzer unter Last, ein unruhiger Leerlauf, spürbarer Mehrverbrauch und ein Leistungsloch, das vorher nicht da war. Einzeln beweist das nichts - kommen aber mehrere zusammen und ist das Intervall fast voll, fängst du beim billigsten Teil an, der Kerze.


Was bedeutet die Farbe des Elektrodenbildes?

Rehbraun ist der Idealfall. Trockener, samtiger Ruß deutet auf zu fettes Gemisch oder zu viel Kurzstrecke. Ein öliger, glänzender Belag heißt, dass Öl in den Brennraum gelangt - ein mechanisches Problem. Kreideweiß und glasig steht für zu heiß oder zu mager und ist der ernste Fall.


Brauche ich für mein Motorrad eine heiße oder eine kalte Zündkerze?

Das gibt dein Handbuch vor - tausch den Wärmewert nicht nach Bauchgefühl. Wichtig: „heiß“ und „kalt“ beschreiben die Wärmeableitung der Kerze, nicht deinen Fahrstil. Wer viel Vollgas fährt, braucht eher eine kalte Kerze, die Hitze abführt, nicht eine heiße.


Kann ich NGK- und Bosch-Wärmewerte einfach vergleichen?

Nein. Die Skalen laufen gegenläufig: Bei NGK bedeutet eine höhere Zahl eine kältere Kerze, bei Bosch eine heißere. Eine „NGK 6“ ist deshalb keine „Bosch 6“. Vergleiche nie die nackte Ziffer, sondern geh immer über die Umschlüsselungstabelle des Herstellers.


Muss ich Kupferpaste auf das Gewinde geben?

In der Regel nicht. Die meisten modernen Kerzen haben schon eine Beschichtung gegen Festfressen, und NGK rät bei diesen Kerzen ausdrücklich von Montagepaste ab. Die Paste senkt die Reibung, sodass dein eingestelltes Drehmoment zu einer viel höheren Vorspannung führt - du überdrehst die Kerze, ohne es zu merken.


Sollte ich bei Doppelzündung beide Kerzen gleichzeitig wechseln?

Ja. Hat dein Zylinder zwei Kerzen, wechselst du immer beide auf einmal - aber genau in den Typen, die für deinen Motor vorgeschrieben sind. Bei manchen Doppelzündungs-Motoren sind die beiden Positionen bewusst unterschiedlich bestückt, etwa 12-Millimeter-Gewinde zentral und 10 Millimeter seitlich mit anderem Wärmewert. Eine frische neben einer müden Kerze zündet unterschiedlich, und dann suchst du ein Laufproblem, das gar keins sein müsste.

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